abgeschieden

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungab-ge-schie-den (computergeneriert)
Grundformabscheiden
Wortbildung mit ›abgeschieden‹ als Letztglied: ↗weltabgeschieden  ·  mit ›abgeschieden‹ als Grundform: ↗Abgeschiedenheit
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
1.
einsam, entlegen
Beispiele:
ein abgeschiedenes Dorf, Tal
abgeschiedene Wälder
eine ländlich abgeschiedene Gegend
statt mich in die abgeschiedene Welt meiner Studien zu vergraben [KasackStadt69]
zurückgezogen
Beispiel:
daß Sie ... ein stilles, nüchternes, abgeschiedenes Leben führen [E. T. A. Hoffm.6,370]
2.
verstorben, tot
Beispiele:
das Andenken des teuren Abgeschiedenen
Man war von der Realität abgeschiedener Seelen so überzeugt [G. Hauptm.2,477]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abschied · abgeschieden · Abgeschiedenheit · verabschieden
Abschied m. ‘Aufbruch, Trennung, Entlassung aus einem Dienstverhältnis’, übertragen ‘Tod’, (bis zum 18. Jh.) ‘Beschluß, Vereinbarung, Entscheidung’ (vgl. Reichsabschied, ein Gesetz verabschieden). Das gegen Ende des 14. Jhs. aufkommende Substantiv ist (wahrscheinlich in Analogie zu Ableitungen von anderen starken Verben, vgl. Abstieg zu absteigen) die Konkurrenzform von dem aus dem reduplizierenden Verb abscheiden ‘(sich) trennen’ gebildeten, nur wenig jüngeren Abscheid m., das im 18. Jh. durch Abschied verdrängt wird. Von dem heute vorwiegend fachsprachlich verwendeten Verb abscheiden ‘(sich) absondern, abtrennen’, veraltet ‘weggehen, Abschied nehmen’, übertragen ‘verscheiden, sterben’ (mhd. abescheiden ‘lostrennen, entfernen, entlassen, verabschieden’, vgl. asächs. ofskīðan, mnd. afschēden, got. afskaidan ‘trennen’) ist vor allem das zugehörige abgeschieden Part.adj. ‘entlegen, einsam, zurückgezogen, verstorben, tot’ gebräuchlich, das die im Sprachgebrauch der Mystik (um 1300) entstandene ältere Form abgescheiden ‘losgelöst von irdischen Dingen, weltabgewandt’ im 17. Jh. ablöst. Zur Etymologie s. ↗scheiden. Dazu Abgeschiedenheit f. ‘Entlegenheit, Einsamkeit’ (18. Jh.), in religiösem Sprachgebrauch ‘Weltabgewandtheit’ (17. Jh.), nach älterem, in der Mystik geprägtem Abgescheidenheit (um 1300). verabschieden Vb. ‘(aus dem Dienst) entlassen, in den Ruhestand versetzen, ein Gesetz annehmen und für rechtsgültig erklären’, (reflexiv) ‘auf Wiedersehen sagen, sich empfehlen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abgeschieden · einsam und verlassen · entvölkert · ↗gottverlassen · kein Mensch weit und breit · ↗menschenleer · ↗unbewohnt · ↗verlassen · wie ausgestorben · ↗öd · ↗öde  ●  am Arsch der Welt  derb · hinterm Wald  ugs. · in der Walachei  ugs. · jwd  ugs., berlinerisch, Abkürzung · leer gefegt  ugs. · leergefegt  ugs.
Assoziationen
  • entvölkert · evakuiert · geräumt
  • abgelegen · abgeschieden · ↗abseitig · ↗außerhalb · ↗einsam · einsam und verlassen · ↗menschenleer · ↗öde  ●  ↗entlegen  Hauptform · (da) ist der Hund verfroren  ugs. · (da) sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht  ugs., sprichwörtlich · (eine) einsame Gegend  ugs. · ab vom Schuss  ugs. · am Arsch der Welt  derb · fernab der Zivilisation  geh. · in der Pampa  ugs. · in der Walachei  ugs., sprichwörtlich, fig. · jottwedee  ugs., berlinerisch · jwd  ugs., berlinerisch · weit ab vom Schuss  ugs. · weit vom Schuss  ugs.
  • langweilig (Gegend, kleiner Ort) · nichts los  ●  (da) sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht  Redensart · (da ist) (der) Hund verfroren  ugs. · (da werden) abends die Bürgersteige hochgeklappt  ugs. · (da) möchte man nicht tot überm Zaun hängen  ugs., salopp · tote Hose  ugs., salopp
  • kein Einziger · kein Mensch und keine Seele · keine Menschenseele · keine Sterbensseele · nicht eine · nicht einer · ↗niemand  ●  keiner  Hauptform · kein Aas  ugs. · kein Mensch  ugs. · kein Schwanz  derb · kein Schwein  derb · keine Sau  derb
  • Einöde · ↗Wüste · ↗Wüstenei · ↗Öde · ↗Ödland  ●  (am) Arsch der Welt  derb · ↗Pampa  ugs. · ↗Walachei  ugs. · ↗Ödnis  geh.
  • frei · ↗leer stehend · ↗leerstehend · ↗ungenutzt · verwaist  ●  ↗unbewohnt  Hauptform
  • (sich) entvölkern · ↗verlassen · ↗wegziehen  ●  ↗veröden  Hauptform
  • Geisterdorf · verlassene Stadt  ●  ↗Geisterstadt  Hauptform · versunkene Stadt  historisch, fig. · ↗Wüstung  fachspr.
Synonymgruppe
abgelegen · abgeschieden · ↗abseitig · ↗außerhalb · ↗einsam · einsam und verlassen · ↗menschenleer · ↗öde  ●  ↗entlegen  Hauptform · (da) ist der Hund verfroren  ugs. · (da) sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht  ugs., sprichwörtlich · (eine) einsame Gegend  ugs. · ab vom Schuss  ugs. · am Arsch der Welt  derb · fernab der Zivilisation  geh. · in der Pampa  ugs. · in der Walachei  ugs., sprichwörtlich, fig. · jottwedee  ugs., berlinerisch · jwd  ugs., berlinerisch · weit ab vom Schuss  ugs. · weit vom Schuss  ugs.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
abgekapselt · abgeschieden · abgeschottet · abgesondert · isoliert
Assoziationen
  • abgelegen · abgeschieden · ↗abseitig · ↗außerhalb · ↗einsam · einsam und verlassen · ↗menschenleer · ↗öde  ●  ↗entlegen  Hauptform · (da) ist der Hund verfroren  ugs. · (da) sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht  ugs., sprichwörtlich · (eine) einsame Gegend  ugs. · ab vom Schuss  ugs. · am Arsch der Welt  derb · fernab der Zivilisation  geh. · in der Pampa  ugs. · in der Walachei  ugs., sprichwörtlich, fig. · jottwedee  ugs., berlinerisch · jwd  ugs., berlinerisch · weit ab vom Schuss  ugs. · weit vom Schuss  ugs.
  • (ganz) auf sich gestellt · (sich) selbst überlassen · ↗(völlig) allein · (völlig) isoliert · allein auf weiter Flur · allein gelassen · auf sich (allein) gestellt · einsam und allein · ganz allein · ↗mutterseelenallein · niemand kümmert sich um · sehr allein · von Gott und allen guten Geistern verlassen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anwesen Bergdorf Bergregion Bergwelt Bucht Dasein Dorf Einsamkeit Fleck Flecken Gegend Hochtal Idyll Klause Kloster Lage Landhaus Landstrich Ort Plätzchen Seele Tal Trainingslager Weiler Winkel gelegen idyllisch ländlich still voneinander

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abgeschieden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das liegt offenbar nicht allein am Ärger über viele bohrende Fragen zum Leben in dem recht abgeschieden liegenden Dorf.
Der Tagesspiegel, 04.12.2002
Der Mac ist halt doch eine abgeschiedene Welt für sich.
C't, 1995, Nr. 11
Sie lebten in dem abgeschiedenen Paulinenaue in patriarchalischer Gemeinschaft, äußerst sparsam.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 147
Das abgeschiedene Harz wird abgetrennt und mit heißem Wasser gereinigt.
Scheiber, Johannes: Chemie und Technologie der künstlichen Harze, Stuttgart: Wissenschaftl. Verl.-Ges. 1943, S. 649
Während des Bürgerkrieges führte diese Gemeinschaft im Kaukasus ein abgeschiedenes Leben.
Stupperich, R.: Russische Sekten. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 27835
Zitationshilfe
„abgeschieden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abgeschieden>, abgerufen am 21.02.2019.

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