abgründig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungab-grün-dig (computergeneriert)
WortzerlegungAbgrund-ig
Wortbildung mit ›abgründig‹ als Erstglied: ↗Abgründigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
unergründlich (tief)
Beispiele:
abgründige Bosheit, Büberei, Wut, abgründiger Ekel
abgründiger Humor, Ernst, abgründige Trauer
abgründige Gedanken, ein abgründiges Gespräch
Augen, die nur kurz auf Roberts Gestalt hafteten, um sogleich in jene abgründige Ferne zu tauchen [KasackStadt96]
Augenblicks fühlte Schwenkhusen sich wieder von jenem wilden und abgründigen Schaudern überrieselt [Bergengr.Feuerprobe57]
adverbiell
unermesslich, überaus
Beispiele:
abgründig schlecht, gemein, frech, boshaft
Der Kaimakam schlafe so abgründig tief [WerfelMusa Dagh392]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abgrund · abgründig
Abgrund m. ‘unermeßliche Tiefe, steil abfallende Gebirgsschlucht’, übertragen ‘unergründliche Tiefe, Untergang, Verderben, unüberbrückbare Kluft’, ahd. abgrunti n. (8. Jh.), abgrunt m. (um 800), mhd. abgrunde, abgründe, abgrunt n. (spätmhd. m.), asächs. afgrundi n., mnd. afgründ(e) n., afgrunt f., mnl. afgrond m., afgronde f., nl. afgrond m., aengl. æfgrynde n. Neben dem ursprünglichen neutralen ja-Stamm tritt das Maskulinum im Ahd. nur vereinzelt auf und setzt sich erst im 16. Jh. (in Anlehnung an ↗Grund, s. d.) durch. Ihrer Bildungsweise nach würden die westgerm. Substantive ebenso wie gleichbed. got. afgrundiþa ein Adjektiv voraussetzen, wie es in ahd. abgrunti ‘abgründig, unermeßlich tief’ (um 800), eigentlich ‘wo der Grund weg ist, keinen Grund habend, bodenlos’, vorliegt. Möglicherweise aber war für die germ. Präfixbildungen entscheidend das Vorbild von griech. ábyssos (ἄβυσσος), kirchenlat. abyssus ‘große, unermeßliche Tiefe’, auch ‘Hölle’, als dessen Übersetzung die frühen (got. ahd. aengl.) Belege erscheinen. abgründig Adj. ‘tiefgründig, rätselhaft, unermeßlich’, mhd. abgründec, mnd. afgründich; vgl. ahd. abgrunti (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
abgrundtief · abgründig · ↗entsetzlich · ↗miserabel
Synonymgruppe
abgründig · ↗entrückt · ↗geheimnisvoll · ↗unbegreiflich · ↗unerforschbar · ↗unerforschlich · ↗unergründlich · unerkundbar · ↗unzugänglich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ambivalenz Banalität Bosheit Dämonie Einsamkeit Grausamkeit Groteske Haß Humor Ironie Komik Melancholie Modernität Novelle Paarung Pessimismus Pointe Tiefe Traurigkeit Verachtung Verzweiflung Witz Zweideutigkeit dunkel dämonisch geheimnisvoll heiter innig melancholisch phantastisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abgründig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Grauen schlummert vakuumverpackt in den Akten, den endlosen Listen mit den Namen der Opfer, den abgründigen Details.
Die Welt, 11.02.2002
Das klingt unheimlich, abgründig, apokalyptisch - es klingt aber auch ohnmächtig.
Der Tagesspiegel, 20.10.2001
Wenn man am Nachmittag durch ihre Straßen ging, war die Stadt weder besonders traditionsreich noch abgründig.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 131
Ahnungslos froh und abgründig wütend fuhren sie aus der Haut.
Müller, Herta: Herztier, Reinbek: Rowohlt 1994, S. 32
Auch der abgründigste Satz der buddhistischen Mystik ist kaum noch Sprache, ist kaum noch grammatisch faßbar.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 10648
Zitationshilfe
„abgründig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abgründig>, abgerufen am 23.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
abgrundhässlich
Abgrund
Abgriff
Abgrenzungsproblem
Abgrenzungskriterium
Abgründigkeit
abgrundtief
abgruppieren
abgucken
Abgunst