abhalten

GrammatikVerb · hält ab, hielt ab, hat abgehalten
Worttrennungab-hal-ten (computergeneriert)
Wortzerlegungab-halten
Wortbildung mit ›abhalten‹ als Erstglied: ↗Abhaltung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. von sich weghalten
Beispiele:
das kleine Kind abhalten (= zur Verrichtung der Notdurft halten)
Er […] entfaltete das ehrwürdige Schriftstück, dasselbe weit von sich abhaltend [G. KellerGr. Heinrich4,451]
Dabei […] betrachtete [sie] mich, wobei sie mich ein Stück von sich abhielt [OelfkenLogbuch14]
veraltet sich von etw. fernhalten, in einiger Entfernung bleiben
Beispiel:
haltet Euch von der Heerstraße ab [E. T. A. Hoffm.Elixiere2,103]
2.
das Eindringen verhindern
a)
Wetterschäden verhüten
Beispiele:
(Regen)wasser, Nässe, Schnee, Zugluft, Kälte, grelles Licht, Sonnenstrahlen, Hitze abhalten
Die Kinder nahmen die Kleider noch fester, um das immerwährende allseitige Hineinrieseln [des Schnees] abzuhalten [StifterBergkristall2,313]
b)
übertragen jmdn., etw. abwehren
Beispiele:
die Mutter wollte das Kind von der Rasenfläche abhalten
den Ansturm, den Lärm abhalten
[sie wusste] sein Fahrzeug mit dem Ruder sehr gewandt abzuhalten [G. KellerFähnlein7,247]
nachdem er die zudringlichen Fliegen eine Weile von ihm abgehalten [G. Hauptm.Bahnw. Thiel4,34]
3.
jmdn. von einer Handlung zurückhalten, jmdn. an etw. hindern
Beispiele:
jmdn. von seiner Arbeit abhalten
lassen Sie sich durch mich nicht abhalten (= stören)
jmdn. von seinem Vorhaben, einer Dummheit, vom Trinken abhalten
saloppkeine zehn Pferde konnten ihn davon abhalten
Furcht, Schüchternheit, Schwäche hält jmdn. von etw. ab
Zuchthausstrafen für Streikende, die jemand abhielten zu arbeiten [H. MannUntertan4,417]
Eigentlich hatte sie einen anderen Herrn eingeladen […] der war abgehalten (= verhindert) [KlugeKortüm426]
4.
eine Zusammenkunft veranstalten, stattfinden lassen
Beispiele:
eine Sitzung, Versammlung, Konferenz, Tagung, Kundgebung abhalten
eine Feier, einen Gottesdienst, eine Andacht abhalten
Kriegsrat, Gericht abhalten
einen Appell, eine Probe, Übung, einen Kursus, eine Prüfung abhalten
einen Jahrmarkt abhalten
Wahlen, Festspiele abhalten
alle Jagden, die in der Gegend abgehalten wurden [StifterBergkristall2,296]
5.
landschaftlich etw. aushalten, ertragen
Beispiele:
er kann viel abhalten
der Stoff hält nicht viel ab (= ist nicht strapazierfähig)
ick kann det [das Gerede der Frau] nu nich mehr abhalt’n [G. Hauptm.Roter HahnI]
6.
Seemannssprache
Beispiel:
das Boot hält vom Lande, von einer Klippe ab (= fällt ab)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. ↗Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abhalten (Treffen, Versammlung) · ↗ausrichten · ↗austragen (Wettkampf) · ↗veranstalten
Synonymgruppe
abhalten · ↗arrangieren · ↗aufziehen · ↗formen · ↗gestalten
Synonymgruppe
abhalten · ↗aufführen · ↗ausrichten · ↗organisieren · ↗veranstalten
Synonymgruppe
(jemandem etwas) ausreden · (jemandem) abraten (von) · (jemandem) abreden (von) · (jemanden) abbringen (von) · (jemanden) abhalten (von) · ↗abschwätzen  ●  (jemanden) dissuadieren  veraltet
Synonymgruppe
abfangen · abhalten · ↗abwehren · ↗aufhalten · ↗parieren
Synonymgruppe
(ein) Hemmnis bilden · ↗(jemandem) entgegentreten · ↗(sich) sperren · ↗abblocken · abhalten · ↗abwehren · ↗behindern · ↗blockieren · ↗hemmen · ↗hindern · nicht mitspielen · ↗obstruieren · ↗stoppen (Pläne, Verfahren, Vorgang) · ↗verhindern · ↗versperren  ●  (den) Weg versperren  fig. · (sich jemandem) in den Weg stellen  fig. · (jemandem) Knüppel zwischen die Beine werfen  ugs., fig. · ↗(sich) querstellen  ugs. · Steine in den Weg legen  ugs., fig. · ↗blocken  ugs. · ↗mauern  ugs. · reingrätschen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Besprechung Gottesdienst Hauptversammlung Jahrestagung Kommunalwahl Konferenz Kongreß Kundgebung Mahnwache Manöver Neuwahl Parlamentswahl Parteitag Pressekonferenz Rauchen Referendum Seminar Sitzung Sprechstunde Tagung Treffen Veranstaltung Versammlung Volksabstimmung Vorlesung Wahl Zusammenkunft davon halten Übung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abhalten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das hat mich jedoch nie davon abgehalten, mit Sprache zu arbeiten.
Die Zeit, 24.02.2005, Nr. 09
Wer betrügen will, lässt sich von einigen Euro zusätzlich nicht abhalten.
Der Tagesspiegel, 27.01.2005
Ich will Sie nicht davon abhalten, einen Satz hieraus zu verlesen, wenn Sie es wünschen, lesen Sie einen Satz daraus vor.
o. A.: Einhundertvierzigster Tag. Dienstag, 28. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 9531
Ich weiß nur von einem Kongreß, den ich den Führer gebeten habe, nicht abzuhalten.
o. A.: Siebenundneunzigster Tag. Dienstag, 2. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 8644
Und wieder hatte der eifrige Greis Gift abzuhalten vom Blute.
Rilke, Rainer Maria: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Prosa 1906 bis 1926, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1966 [1910], S. 839
Zitationshilfe
„abhalten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abhalten>, abgerufen am 21.11.2019.

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