abhold

GrammatikAdjektiv (in Verbindung mit »sein«)
Aussprache
Worttrennungab-hold
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben abgeneigt
Beispiele:
allem Prunk, Überschwang, Laster, allen Neuerungen, großen Worten, der Geselligkeit abhold sein
verhüllend er war dem Wein nicht abhold (= trank gern)
Sie werden mich für einen rauhen, der Kunst abholden Mann halten [E. T. A. Hoffm.2,613]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hold · abhold · holdselig · Holdseligkeit · Unhold · unhold
hold Adj. ‘geneigt, günstig gesinnt, zugetan’, auch (seit dem 18. Jh.) ‘anmutig, lieblich, bezaubernd’. Das Adjektiv ahd. hold (8. Jh.), mhd. mnd. holt ‘geneigt, zugetan, gnädig, treu, ergeben, dienstbar’, asächs. afries. aengl. hold, mnl. hout, anord. hollr, schwed. dän. huld, got. hulþs (germ. *hulþa-) bezieht sich im Mittelalter besonders auf das gegenseitige Verhältnis zwischen Lehnsherrn und Gefolgsmann und bedeutet daher einerseits ‘gnädig, geneigt’, andererseits ‘treu ergeben’. Dazu gehören das Abstraktum ↗Huld (s. d.) und die Substantivierungen ahd. holdo m. (9. Jh.), mhd. holde m. ‘Freund, Geliebter, Diener, Dienstmann’, holde f. ‘Freundin, Dienerin’, die auch übernatürliche Wesen (Geister, Dämonen, mythische Gestalten) bezeichnen können, vgl. mhd. die guoten holden ‘Hausgeister’, des tievels holde ‘Höllengeister’, ferner Unhold (s. unten) und Frau Holle. Das Adjektiv führt im Sinne von ‘geneigt’ mit der unter ↗Halde (s. d.) dargestellten Wortgruppe auf die Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’. abhold Adj. ‘nicht gewogen, abgeneigt, feindlich gesinnt’, mhd. abholt. holdselig Adj. ‘reizend, lieblich, anmutig’ (15. Jh.), Zusammensetzung aus hold und ↗-selig (s. d.) und früher als das Simplex (s. oben) auf die Anmut der Erscheinung bezogen; dazu Holdseligkeit f. (16. Jh.). Unhold m. ‘böser, furchterregender Geist des Volksglaubens, Teufel, Ungeheuer, roher, gewalttätiger Mensch’, asächs. unholdo, mhd. unholde ‘der Ungeneigte, Böse, Feindselige, Dämon, Teufel’, aengl. unholda, got. unhulþa sowie die fem. Formen ahd. unholda (8. Jh.), mhd. unholde (wofür im 17. Jh. Unholdin neben Unhold f.), got. unhulþō sind Substantivierungen des heute selten gebrauchten Adjektivs unhold ‘böse, feindselig, unfreundlich, abgeneigt’, ahd. (9. Jh.), asächs. aengl. unhold, mhd. unholt ‘nicht geneigt, feindlich, feindselig’. Unhold bezeichnet ursprünglich ein ‘dämonisches Wesen’, im christlichen Sinne den ‘Teufel’, heute einen ‘bösartigen Menschen’, oft einen ‘Sittlichkeitsverbrecher’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abgeneigt · ↗lustlos · ↗ungeneigt · ↗ungern · ↗unwillig · widerstrebend  ●  abhold  geh. · aversiv  geh.
Oberbegriffe
  • beschreibend (negativ)
Assoziationen
  • freudlos · gelangweilt · ↗lieblos · nicht mit dem Herzen dabei · nicht mit ganzem Herzen dabei · ohne Begeisterung · ohne Einsatz · ohne Engagement · ohne Freude dabei · ohne sich Mühe zu geben · ohne sich anzustrengen · ↗unengagiert  ●  ↗lustlos  Hauptform · ↗wurschtig  ugs. · ↗wurstig  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

durchaus ebenso eher keineswegs nie nüchtern stets zutiefst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abhold‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch scheint er rechtsextremistischen Kräften in der Politik nicht abhold zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 08.10.1994
Die Zeit und das Haus sind Experimenten in Essen abhold geworden.
Die Zeit, 02.01.1956, Nr. 01
Das deutsche Volk in seiner weitaus überwiegenden Mehrheit hat sich den gesunden Sinn bewahrt und sich allen Gewalttätigkeiten abhold gezeigt.
o. A.: Einhundertsiebenundsiebzigster Tag. Freitag, 12. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 13450
Wie es kam, daß er später, in seinem Alter, diesen Anschauungen seiner besten Jahre abhold wurde, wird noch kurz erwähnt werden.
Schleich, Carl Ludwig: Besonnte Vergangenheit, Lebenserinnerungen (1859-1919). In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 31483
In mancher Hinsicht und in verschiedenen Regionen waren ihnen die Zeitläufte abhold.
Myers, A. R.: Europa im 14. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 3206
Zitationshilfe
„abhold“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abhold>, abgerufen am 20.06.2019.

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