ablassen

GrammatikVerb · lässt ab, ließ ab, hat abgelassen
Aussprache
Worttrennungab-las-sen
Wortzerlegungab-lassen
Wortbildung mit ›ablassen‹ als Erstglied: ↗Ablass-Schleuse · ↗Ablasshahn · ↗Ablassrohr · ↗Ablassschleuse · ↗Ablassventil
 ·  mit ›ablassen‹ als Grundform: ↗Ablass
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. abgehen lassen
a)
eine Flüssigkeit ablaufen lassen
Beispiele:
Wasser (aus der Badewanne, dem Boiler) ablassen
lassen Sie sich [Dativ] ein paar Eimer Wasser ab!
Bier, Wein (vom Fass) ablassen
das verbrauchte Öl (des Motors) ablassen
flüssiges Erz ablassen (= abstechen)
b)
Beispiel:
Dampf, Gas (aus dem Kessel) ablassen (= abströmen lassen)
c)
Eisenbahn
Beispiele:
den Zug ablassen (= abfahren lassen)
daß ein Zug ... aus der nächstliegenden Station abgelassen sei [G. Hauptm.Bahnw. Thiel4,40]
d)
etw. abfliegen lassen
Beispiel:
Brieftauben, einen Luftballon, eine Rakete ablassen
e)
etw. herunterlassen
Beispiel:
eine Fahne vom Mast ablassen
f)
veraltet etw. abschicken
Beispiele:
von dem scharfen Schreiben, das ... an sie abgelassen wäre [Ric. HuchDreißigjähr. Krieg1,160]
als das Telegramm abgelassen wurde [RaabeII 5,215]
2.
etw. leerlaufen lassen
Beispiel:
die Wanne, den Kessel, Teich, das Staubecken ablassen
3.
jmdm. etw. verkaufen
Beispiele:
jmdm. etw. billig, zum Selbstkostenpreis, unter dem Preis ablassen
wenn Sie das Porträt mir ablassen wollen [Feuchtw.Goya403]
4.
den Preis herabsetzen
Beispiel:
er ließ uns (noch weitere) 10 Euro ab
5.
gehoben von etw., jmdm. abstehen, etw., jmdn. aufgeben
Beispiele:
von der Verfolgung, Beute nicht ablassen
er lässt von ihr nicht ab
von seinem Vorhaben, einer Absicht, Gewohnheit, Bemühung, von seinem Glauben nicht ablassen
mit Bitten nicht ablassen (= aufhören)
rief er den Hund, der mit gesenktem Kopfe von dem Igel abließ [Storm6,158]
Die Horde ließ von Stephan ab [WerfelMusa Dagh488]
mein Auge konnte fast nicht ablassen (= konnte sich nicht trennen) von dem Euren [StifterHochwald1,141]
ohne aber hierbei von ihrer Arbeit abzulassen [KafkaSchloß205]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lassen · ablassen · unablässig · anlassen · Anlasser · Anlaß · anläßlich · veranlassen · auslassen · ausgelassen · einlassen · Einlaß · entlassen · Entlassung · erlassen · Erlaß · unerläßlich · hinterlassen · Hinterlassenschaft · nachlassen · Nachlaß · nachlässig · vernachlässigen · niederlassen · Niederlassung · überlassen · unterlassen · Unterlaß · verlassen · Verlaß · verläßlich · zulassen · zulässig
lassen Vb. ‘dulden, erlauben, bitten, veranlassen, daß etw. geschieht, unterlassen, aufhören mit etw., überlassen, geben, aufgeben’. Das gemeingerm., ehemals reduplizierende Verb ahd. lāʒan (8. Jh.), Kurzform lān, mhd. lāʒen, lān, asächs. lātan, mnd. mnl. lāten, nl. laten, aengl. lǣtan, engl. to let, anord. lāta, schwed. låta, got. lētan ist mit den unter ↗lasch und ↗lässig (s. d.) angegebenen Formen und außergerm. mit griech. lēdé͞in (ληδεῖν) ‘träge, müde sein’, lat. lassus (aus *lədto-) ‘laß, matt, müde, abgespannt’, alban. lodh ‘er ermüdet jmdn.’ und lit. léisti ‘(los)lassen, freilassen’ auf eine Wurzelerweiterung ie. *lē(i)d-, *ləd- der Wurzel ie. *lē(i)- ‘nachlassen’ rückführbar. ablassen Vb. ‘von etw., jmdm. abstehen, aufgeben, entweichen lassen, herniederlassen, (käuflich) überlassen’, ahd. oblāʒan (für gewöhnliches aba-) ‘erlassen, Nachlaß gewähren’ (8. Jh.), mhd. abelāʒen, auch ‘aufgeben, Abstand nehmen, losgehen lassen, entweichen lassen, niederlassen’; s. ↗Ablaß; unablässig Adj. ‘nicht ablassend, andauernd, ohne Unterbrechung’ (16. Jh.). anlassen Vb. ‘(Kleidung) nicht ablegen, eine Vorrichtung nicht ausschalten, einen Motor in Gang setzen’, reflexiv ‘beginnen, in Betrieb kommen’; vgl. ahd. analāʒan ‘hineinlassen, etw. über jmdn. (sich) kommen lassen’ (8. Jh.), mhd. anelāʒen ‘erfinden, angeben, loslassen, in Bewegung setzen’; Anlasser m. ‘Vorrichtung zum In-Gang-Setzen eines Motors, einer Maschine’ (älter Anlaßhebel, 19. Jh.), bei Elektromotoren ‘vorgeschalteter Widerstand, der ein langsames Anlaufen gewährleistet’ (um 1900); Anlaß m. ‘Ursache, Grund’, mhd. ane-, anlāʒ ‘Anfang, Beginn, Punkt, von dem ein Wettrennen ausgeht, Anreiz, Gelegenheit, Kompromiß’; anläßlich Präp. ‘bei Gelegenheit, aus Anlaß’ (19. Jh.), älter (selten) auch adjektivisch und adverbial (15. Jh.); veranlassen Vb. (schwach flektierend) ‘anregen, anordnen, bewirken’, frühnhd. ‘etw. auf jmdn. schieben, jmdn. für etw. auswählen’ (15. Jh.). auslassen Vb. ‘loslassen, weglassen, nicht beachten, (Kleider) verlängern, (Ärger, Zorn) Unschuldige entgelten lassen’, ahd. ūʒlāʒan ‘fortschicken, ausschütten, freilassen, nicht zurückhalten, vergießen, aussprechen, beenden’ (9. Jh.), mhd. ūʒlāʒen; ausgelassen Part.adj. ‘unbändig, hemmungslos’ (vgl. in älterer Sprache ausgelassener Trotz, ausgelassene Leidenschaft), ‘sehr fröhlich’, eigentlich ‘freigelassen’ (16. Jh.). einlassen Vb. ‘herein-, hineinlassen, einfügen’, reflexiv ‘auf etw. eingehen, mit jmdm. verkehren’, ahd. inlāʒan ‘hineinwerfen, einlassen’ (8. Jh.), mhd. īnlāʒen; Einlaß m. ‘das Hineinlassen, Öffnen, Eintritt, Tür’ (16. Jh., Einlaß begehren). entlassen Vb. ‘freigeben, verabschieden, (aus einem Amt) wegschicken, jmds. (Arbeits)vertrag aufkündigen’, ahd. intlāʒan ‘nachlassen, verzeihen, loslassen, lösen, entspannen, weichen’ (8. Jh.), mhd. entlāʒen ‘loslassen, fahrenlassen’, reflexiv ‘sich entfalten’; Entlassung f. ‘Freilassung, Verabschiedung, Entfernung aus einem Amt’ (17. Jh.). erlassen Vb. ‘in Kraft treten lassen, anordnen, von etw. befreien, eine Anordnung aufheben’, ahd. irlāʒan ‘unterlassen, befreien von’ (9. Jh.), mhd. erlāʒen ‘wovon freilassen’, reflexiv ‘auseinandergehen, sich enthalten, unterlassen’; Erlaß m. ‘Verfügung, Anordnung, Aufhebung’ (18. Jh.); unerläßlich Adj. ‘unbedingt erforderlich, nicht aufhebbar’ (17. Jh.). hinterlassen Vb. ‘(einem anderen) zurücklassen, etw. vererben’ (16. Jh.); Hinterlassenschaft f. ‘Zurückgelassenes, Erbe’ (19. Jh.). nachlassen Vb. ‘Spannung lockern, vermindern, schlechter werden, zurücklassen, Preise herabsetzen’, spätmhd. nāchlāʒen; Nachlaß m. ‘das Nachlassen’ (16. Jh.), ‘Hinterlassenschaft’ (18. Jh.), literarischer Nachlaß (19. Jh.); nachlässig Adj. ‘säumig, unzuverlässig, unordentlich’ (15. Jh.); vernachlässigen Vb. ‘nicht gehörig betreuen oder beachten’ (18. Jh., durch Lessing und Goethe verbreitet). niederlassen Vb. ‘von oben herunterlassen’, reflexiv ‘sich ansiedeln, einen festen Wohnsitz, ein Geschäft, eine Firma einrichten’, ahd. nidarlāʒan ‘sinken lassen, nach unten wenden, hinab-, herablassen, versenken’ (9. Jh.), mhd. niderlāʒen; Niederlassung f. ‘das Senken, Ansiedlung, Gründung eines geschäftlichen Unternehmens, Filiale’ (16. Jh.). überlassen Vb. ‘abtreten, übergeben, anheimstellen’ (15. Jh.). unterlassen Vb. ‘nicht tun, versäumen zu tun’, ahd. untarlāʒan (9. Jh.), mhd. underlāʒen ‘abstehen, nicht tun’; Unterlaß m. nur noch in der Fügung ohne Unterlaß ‘ohne Unterbrechung, unaufhörlich’, ahd. āno untarlāʒ, mhd. āne underlāʒ; vgl. ahd. untarlāʒ ‘Unterbrechung’ (9. Jh.), mhd. underlāʒ ‘das Innehalten, Unterbrechung, Beherbergen’, frühnhd. auch ‘Unterkunft, Lagerplatz’ (16. Jh.). verlassen Vb. ‘sich von einem Ort, von jmdm. entfernen, aufgeben, zurück-, alleinlassen’, reflexiv sich verlassen auf ‘vertrauen’, ahd. firlāʒan ‘entlassen, vorbei-, zurücklassen’ (8. Jh.), mhd. verlāʒen ‘fahrenlassen, fort-, loslassen, anbefehlen, verzeihen, zulassen, anvertrauen, hinterlassen, vertrauen’; Verlaß m. ‘Vertrauen, Zuverlässigkeit’ (19. Jh.), frühnhd. ‘Verabredung, Absprache’, auch ‘Hinterlassenschaft’, mhd. verlāʒ ‘Lässigkeit, Untätigkeit’; heute in der Wendung auf jmdn., etw. ist (kein) Verlaß, wohl aus dem Nd., vgl. dar is nien verlaat to (18. Jh.); verläßlich Adj. ‘zuverlässig’ (19. Jh.), dafür zuvor verlässig (18. Jh.). zulassen Vb. ‘gestatten, erlauben’, ahd. zuolāʒan ‘hinzulassen, zukommen lassen, zuschicken’ (10. Jh.), mhd. zuolāʒen; zulässig Adj. ‘erlaubt, gestattet’ (16. Jh.), ‘annehmbar, möglich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ablassen (von) · ↗aufhören (mit)
Synonymgruppe
abfließen lassen · ablassen · ↗ableiten · ↗unterlassen
Synonymgruppe
(etwas) einstellen · ↗(sich) abgewöhnen · ↗ablegen · ↗abstellen · ↗aufgeben · ↗aufhören (mit) · ↗beenden · ↗beilegen · ↗bleiben lassen · ↗bleibenlassen · ↗einstellen · nicht weiterführen · nicht weitermachen  ●  ↗sistieren  schweiz. · ablassen (von)  geh. · sein lassen  ugs.
Assoziationen
  • (einen Plan) verwerfen · (es sich) anders überlegen  ●  ↗(sich etwas) abschminken  ugs., fig. · (sich etwas) aus dem Kopf schlagen  ugs., fig.
  • abreißen · ↗aufhören · ↗enden · nicht fortgesetzt werden · nicht fortsetzen · zum Ende kommen · zum Erliegen kommen · zum Stillstand kommen
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · ↗aufgeben · ↗beenden · ↗fallen lassen · ↗fallenlassen · hinter sich lassen · ↗sausen lassen · ↗stoppen · ↗vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · ↗beerdigen  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · ↗einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Synonymgruppe
ablassen · ↗absenken · ↗erniedrigen · ↗herunterlassen · ↗heruntersetzen · ↗senken
Oberbegriffe
Synonymgruppe
unüberlegt daherreden  ●  (Sprüche) ablassen  ugs., salopp · ↗(Sprüche) rauslassen  ugs., salopp · ↗(etwas) raushauen  ugs., salopp
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aggression Alpensee Altöl Angreifer Ballon Dampf Frust Kerosin Kühlwasser Luft Opfer Peiniger Schläger Spruch Stausee Talsperre Tirade Treibstoff Tun Täter Ventil Vorhaben Wasser Wut daraufhin davon lassen voneinander Öl Überdruck

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ablassen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst als ein Nachbar dazwischenging, ließ der Rüde von dem Kind ab.
Bild, 23.07.2005
Als sich eines seiner Opfer wehrte, ließ er von dem Mädchen ab.
Der Tagesspiegel, 06.11.2000
Einen befreundeten Gärtner habe ich geradezu angefleht, mir welche abzulassen.
Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 44
Schon nach der ersten halben Stunde lassen Sie das erste Öl ab.
Spoerl, Alexander: Mit dem Auto auf Du, Berlin u. a.: Dt. Buchgemeinschaft 1961 [1953], S. 43
Wenn sie solchen ernsthaft suchen sehen, so lassen sie bald von ihrem Opfer ab.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 19484
Zitationshilfe
„ablassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ablassen>, abgerufen am 14.11.2019.

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