ablaufen

Grammatik Verb · läuft ab, lief ab, ist/hat abgelaufen
Aussprache  [ˈaplaʊ̯fn̩]
Worttrennung ab-lau-fen
Wortzerlegung ab- laufen
Wortbildung  mit ›ablaufen‹ als Erstglied: Ablaufbahn · Ablaufberg · Ablaufbrett · Ablaufdatum · Ablauffrist · Ablaufgeschwindigkeit · Ablaufleistung · Ablaufloch · Ablaufmarke · Ablauforganisation · Ablaufplan · Ablaufplanung · Ablaufrinne · Ablaufrohr · Ablaufschema · Ablaufstelle · Ablaufstellung · Ablaufsteuerung · Ablaufzeit
 ·  mit ›ablaufen‹ als Grundform: Ablauf
Mehrwortausdrücke  sich die Hacken ablaufen
eWDG

Bedeutungen

1.
zu laufen beginnen, loslaufen, starten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
2.
weglaufen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
abfließen, herunterfließen
Beispiele:
das Wasser läuft aus der (Bade)wanne, dem (Schwimm)becken ab
die Flut, das Hochwasser läuft (wieder) ab
das Regenwasser lief von dem Schirm, von ihm ab
der Wein läuft (tropfenweise) ab
der Sand läuft in der Eieruhr, dem Stundenglas ab
streute … Sand auf die Schrift, ließ ihn in eine tönerne Schale ablaufen [ Th. MannTod in Venedig9,470]
bildlich
Beispiel:
gute Lehren laufen an ihm ab (= berühren ihn nicht)
b)
abfahren, herunterfahren
Beispiel:
die Waggons laufen (vom Ablaufberg) in die einzelnen Gleise ab
c)
übertragen abgehen
Beispiel:
der Weg läuft von der Landstraße (in den Wald) ab (= zweigt ab)
3.
sich leeren
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
die (Bade)wanne, das Fass, der Teich läuft ab
trocknen
Beispiel:
das Geschirr, gewaschene Obst (gut) ablaufen lassen
4.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
jmdn. ablaufen lassen (= jmdn. abweisen)
Beispiel:
[…] er ließ den Gatten der Zeset ablaufen […] weil er ihn nicht recht leiden konnte […] [ Th. MannJoseph4,181]
b)
jmdm. (in etw.) den Rang ablaufen (= jmdn. übertreffen)
Beispiele:
er lief ihm den Rang ab
sie haben sich (gegenseitig) den Rang abgelaufen
[…] die Kameraden suchten einander bei ihr den Rang abzulaufen […] [ G. Hauptm.3,239]
[…] dieser Dachs lief ihm die Fährte ab […] [ J. WincklerBomberg238]
5.
sich (von Anfang bis Ende) abrollen, abwickeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
der Faden, die Schnur läuft (von der Spule) ab
der Film, das (Fernseh‑)Spiel läuft ab
[…] wie eine ablaufende Turmuhr […] [ Stifter1,216]
übertragen verlaufen, vonstattengehen
Beispiele:
ein Programm, eine Tagung, ein Prozess, der Verkehr läuft ab
die Dinge laufen vor unseren Augen, reibungslos, mit Präzision, planmäßig, ungehindert, ruhig ab
umgangssprachlichdie Dinge laufen wie am Schnürchen ab
6.
zu Ende gehen, aufhören
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
die Urlaub, Frist, Pacht, (Warte)zeit, (Amts)periode, das Ultimatum, die Haft läuft ab
das abgelaufene Jahr, die abgelaufene Woche (= das vergangene Jahr, die vergangene Woche)
der Vertrag, Pass, das Visum, der Ausweis läuft ab (= wird ungültig)
bildlich
Beispiel:
Fort mußt du, deine Uhr ist abgelaufen […] [ SchillerTellIV 3]
gut, schlecht ablaufen (= gut, schlecht ausgehen)
Beispiele:
es wird (noch einmal) gut, glimpflich ablaufen
es ist anders abgelaufen, als ich dachte
wie wird die Geschichte ablaufen?
7.
eine Strecke entlanglaufen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’/‘hat’
Beispiel:
Er lief in seiner Zelle viele Kilometer ab [ BrechtDreigroschenroman302]
eine Strecke, Gegend nach etw., jmdm. absuchen
Beispiele:
ich bin, habe alle Läden danach abgelaufen
der bereits die halbe Stadt nach ihm [Wunnigel] abgelaufen hatte [ RaabeWunnigelII 5, 108]
8.
Schuhwerk abnutzen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
[…] man verdient sich kaum die Sohlen, die man sich abläuft […] [ EichendorffTaugenichts3,23]
bildlich
Beispiele:
saloppsich [Dativ] die Schuhsohlen, Absätze, Hacken, Beine nach etw. ablaufen (= lange nach etw. suchend herumlaufen)
saloppdas habe ich mir schon längst an den Schuhsohlen abgelaufen (= das kenne, weiß ich schon lange)
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlicher hat sich die Hörner abgelaufen (= hat sich ausgetobt, ist durch Schaden besonnener geworden)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

laufen · Lauf · Läufer · Zeitläufte · Lauft · Zeitlauf · läufig · geläufig · beiläufig · landläufig · vorläufig · ablaufen · Ablauf · anlaufen · Anlauf · auflaufen · Auflauf · auslaufen · Auslauf · belaufen · einlaufen · Einlauf · überlaufen · Überläufer · verlaufen · Verlauf · zerlaufen · Laufbahn · Lauffeuer · Laufgraben · Laufpaß · Laufzettel
laufen Vb. ‘(zu Fuß) gehen, rennen, fließen’. Für das gemeingerm. reduplizierende Verb ahd. (h)loufan (8. Jh.), mhd. loufen, asächs. -hlōpan, mnd. mnl. lōpen, nl. lopen, aengl. hlēapan ‘laufen, treten, tanzen’, engl. to leap ‘springen, hüpfen’, anord. hlaupa ‘laufen, springen’, schwed. löpa ‘laufen’, got. ushlaupan ‘aufspringen’ sind ie. Verwandte nicht mit Sicherheit nachzuweisen; eine (lautlich mögliche) Verbindung mit lit. šlubúoti ‘lahmen, hinken’ bzw. klùpti ‘niederknien, stolpern’ befriedigt semantisch nicht. Seebold 261 sieht Anknüpfungsmöglichkeiten in lit. keliáuti ‘wandern, reisen’, griech. kéleuthos (κέλευθος) ‘Weg, Pfad, Bahn, Reise’. Dann vielleicht über eine Erweiterung ie. *keleu- ‘wandern, Weg’ zur Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ (s. halten)? Die Vorstellung größerer Schnelligkeit tritt in neuerer Sprache vielfach zurück, so daß laufen für gehen eintreten kann. In nhd. Zeit wird laufen häufig auf Bewegungen von Fahrzeugen und Maschinen und speziell von Flüssigkeiten bezogen. Lauf m. ‘das Laufen, Verlauf, Flußlauf, Bein des Haarwilds’, auch ‘Rohr von Handfeuerwaffen’ (vgl. Gewehrlauf), ahd. (h)louf (9. Jh.), mhd. louf, mnd. lōp, mnl. nl. loop ‘Gang, Lauf, Verlauf’, anord. hlaupr ‘Sprung’ führen auf germ. *hlaupa-, daneben (mit anderer Stammbildung) aengl. hlīep ‘Sprung’, anord. hlaup n. ‘Sprung, Lauf, Galopp (des Pferdes)’. Im Dt. auch das ti-Abstraktum germ. *hlaufti- mit ahd. (h)louft (8. Jh.), mhd. louft, nhd. (älter) Lauft, erhalten in Zeitläufte (s. unten). Läufer m. ‘wer (gut) läuft, Sportler einer Laufdisziplin, langer Teppich’, ahd. (h)loufāri (um 800), mhd. loufære, löufære ‘Bote, Rennpferd’. Zeitläufte Plur. ‘Zeitabschnitte mit ihren Ereignissen’ (18. Jh.), Zusammensetzung mit Lauft m. das im Anschluß an ahd. (h)louft (9. Jh.), mhd. louft im älteren Nhd. neben Lauf (s. oben) gebraucht wird; daneben Zeitlauf m. seit dem 17. Jh. bezeugt und im Sing. wie im Plur. verwendet. läufig Adj. ‘brünstig’, besonders von Hunden (15. Jh.), mhd. löufec, löufic ‘gangbar, bewandert, gerieben’, noch bis ins 18. Jh. im Sinne von ‘häufig vorkommend, gebräuchlich’ (wofür dann geläufig). geläufig Adj. ‘häufig vorkommend, allgemein bekannt, vertraut, fließend, perfekt’ (17. Jh.). beiläufig Adj. ‘wie zufällig, nebenher’, (südd.) ‘ungefähr’ (um 1500), daneben frühnhd. auch beiläuftig (15. Jh.). landläufig Adj. ‘üblich, allgemein bekannt’, frühnhd. lantlöufig, auch ‘im Lande umgehend’ (15. Jh.). vorläufig Adj. ‘nicht endgültig, einstweilig’ (17. Jh.), eigentlich ‘vorher-, vorausgehend’. ablaufen Vb. ‘weglaufen, abfließen, zu Ende gehen, sich ereignen, seinen Verlauf nehmen’, mhd. abeloufen; Ablauf m. ‘das Ablaufen, Abfluß(graben), Verlauf’, mhd. abelouf. anlaufen Vb. ‘sich in Bewegung setzen, anstürmen, ansteuern, beginnen, beschlagen, zunehmen’, ahd. ana(h)loufan (9. Jh.), mhd. aneloufen; Anlauf m. ‘das Anlaufen, Beginn, Anstoß’, ahd. ana(h)louf (10./11. Jh.), ana(h)louft (8. Jh.), mhd. anlouf ‘Ansturm, Angriff’. auflaufen Vb. ‘auf Grund laufen, aufgehen, anwachsen’, mhd. ūfloufen, auch ‘einen Auflauf bilden, anschwellen’; Auflauf m. ‘Zusammenlaufen einer erregten Menschenmenge’, mhd. ūflouf; ‘überbackene Speise’ (19. Jh.). auslaufen Vb. ‘herausfahren, zu Ende gehen, aufhören’, mhd. ūʒloufen, auch ‘hinauslaufen, entlaufen’; Auslauf m. ‘das Auslaufen, Strecke hinter dem Ziel’, mhd. ūʒlouf ‘Auszug, Durchfall, Ruhr’. belaufen Vb. ‘anlaufen, beschlagen’, sich belaufen auf ‘betragen’, mhd. beloufen, auch ‘durchlaufen, überlaufen’. einlaufen Vb. ‘kleiner werden, ankommen, eingehen’ (17. Jh.). Einlauf m. ‘Ankunft am Ziel, Darmspülung’, frühnhd. ‘Einfall, das Eindringen’ (16. Jh.). überlaufen Vb. ‘desertieren, überfließen’, mhd. überloufen, auch ‘treffen, befallen, übergehen, auslassen, durchlaufen’; Überläufer m. ‘Deserteur’ (15. Jh.), mhd. überloufer ‘wer etw. kurz behandelt, abtut’. verlaufen Vb. ‘ablaufen, vergehen, verirren’, ahd. fir(h)loufan ‘vorauslaufen, überholen’ (9. Jh.), ‘vergehen’ (um 1000), mhd. verloufen, auch ‘vorüberlaufen, sich begeben, sich abnützen’; Verlauf m. ‘Ablauf, Entwicklung, Vorgang’ (15. Jh.). zerlaufen Vb. ‘auseinandergehen, -fließen’, ahd. zi(h)loufan ‘herab-, auseinanderlaufen’ (8. Jh.), mhd. zerloufen, auch ‘vergehen’. Laufbahn f. ‘Bahn für Wettrennen’ (17. Jh.), ‘Werdegang, Berufsweg’ (seit dem 18. Jh. als Verdeutschung von Karriere, s. d.). Lauffeuer n. ‘Feuer (zur Fernzündung), das sich über einen Strich ausgeschütteten Pulvers bewegt’ (17. Jh.), in der Wendung wie ein Lauffeuer (sich ausbreiten) ‘sehr schnell’; in jüngerer Zeit als ‘sich schnell (über trockenes Laub und Gras hin) ausbreitendes Feuer’ aufgefaßt (vgl. schweiz. Laubfeuer). Laufgraben m. ‘zum Schutz vor Geschossen angelegter Graben’ (16. Jh.). Laufpaß m. ‘Ausweis für entlassene (invalide) Soldaten und Arbeitsuchende, der die freie Bewegung innerhalb eines Landes zusichert’ (18. Jh.), heute noch in der Wendung jmdm. den Laufpaß geben ‘jmdn. wegschicken’. Laufzettel m. zunächst (17. Jh.) wie jüngeres Laufpaß, dann ‘Zettel an Werkstücken zur Eintragung bestimmter Arbeitsgänge, Zettel, der durch eine Reihe von Büros läuft’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
(Zeit) ins Land gehen · (Zeit) ins Land ziehen · (Zeit) verfließen · ablaufen · vergehen · verstreichen · vorbeigehen  ●  verrinnen (lit.)  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
abgewickelt werden · ablaufen · abrollen · im Gange sein · laufen · seinen Lauf nehmen · seinen Verlauf nehmen · stattfinden · veranstaltet werden · verlaufen · vonstattengehen  ●  (schnell / kurzfristig / einfach ...) gehen  ugs., variabel · (sich) vollziehen  geh. · vorgehen  ugs. · über die Bühne gehen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Ende haben · (in bestimmter Weise) ausgehen · ablaufen (Frist, Zeitabschnitt) · aufhören · ausklingen · auslaufen · ein (...) Ende finden · schließen · verfallen · zu Ende gehen · zur Neige gehen  ●  enden  Hauptform · sich neigen  geh. · zu Ende sein  ugs.
Assoziationen
  • abgelaufen · beendet · gewesen · herum · passé · vergangen · vorbei · vorbei (sein) mit · vorüber  ●  passee  alte Schreibung bis 2017 · tot und begraben (z.B. Hoffnungen)  fig. · Die Zeiten sind vorbei.  ugs., Spruch · Geschichte (sein)  ugs. · aus (sein) mit  ugs. · aus und vorbei  ugs. · dahin  geh. · das war (ein)mal  ugs. · es war einmal (und ist nicht mehr)  ugs., Spruch · gelaufen  ugs. · rum  ugs. · verflossen  ugs.
Synonymgruppe
abgehen · ablaufen · entlanggehen  ●  ablatschen  ugs. · langgehen  ugs., regional
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
ablaufen · schieflaufen · schieftreten  ●  (he)runterlaufen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›ablaufen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ablaufen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ablaufen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und für das abgelaufene Jahr wird der Verlust noch höher ausfallen. [Die Zeit, 08.02.2010, Nr. 06]
Welches waren ihm zufolge die zehn größten Erfolge des abgelaufenen Jahres? [Die Zeit, 13.01.1964, Nr. 02]
Im Leben freilich werden die Dinge weniger exakt ablaufen, als wir es hier darstellen müssen. [Rieger, Wilhelm: Einführung in die Privatwirtschaftslehre, Erlangen: Palm & Enke 1964 [1928], S. 265]
Die Pause dauerte schon zu lange, die Uhr lief ab. [Nadolny, Sten: Selim oder Die Gabe der Rede, München: Piper 1997 [1990], S. 24]
In der Tat lief denn auch kaum etwas programmgemäß ab. [Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20566]
Zitationshilfe
„ablaufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ablaufen>.

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