ablegen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungab-le-gen (computergeneriert)
Wortzerlegungab-legen
Wortbildung mit ›ablegen‹ als Erstglied: ↗Ableger  ·  mit ›ablegen‹ als Grundform: ↗Ablage
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. von sich weglegen, fortlegen
a)
Beispiele:
der Gast legte Hut, Stock und Tasche ab
wollen Sie nicht ablegen? (= den Mantel ausziehen?)
daß noch mehr Eingeborene gekommen seien, ihre Waffen aber nicht hätten ablegen wollen [Bergengr.Pelageja25]
bildlich
Beispiel:
sie legte ... ihre liebenswürdige Maske ab [Kellerm.Tunnel268]
gehoben, verhüllend, übertragen
Beispiel:
die sterbliche Hülle ablegen (= sterben)
b)
Beispiele:
eine Last ablegen (= absetzen)
Frau Wolff, ohne einen Sack, welchen sie auf der Schulter trägt, abzulegen [G. Hauptm.BiberpelzI]
c)
Beispiel:
Akten, die Post ablegen (= in den Ordner, in Fächer legen)
d)
Kartenspiel
Beispiel:
besondere, einzelne Karten ablegen (= zur Seite legen)
e)
Zoologie
Beispiele:
die Eier, den Laich (an etw.) ablegen
die Eier [des Fisches] werden ... auf offener See abgelegt [BrehmTierleben2,46]
f)
Jägersprache
Beispiel:
der Hund wird abgelegt (= muß sich niederlegen)
2.
etw. nicht mehr tragen
a)
Beispiele:
die Tracht, Trauerkleider ablegen
die abgelegten Sachen der älteren Geschwister
den braunen Strohhut, den Frau Müldner abgelegt (= ausrangiert) und ihr geschenkt hatte [ViebigTägl. Brot260]
b)
Beispiel:
den Bart ablegen (= abnehmen lassen)
c)
bildlich
Beispiele:
den Adel ablegen
einen Titel, Rang, die Krone ablegen
Herzog Albrecht kann die angestammte Majestät so wenig ablegen, als Euch damit bekleiden [HebbelAgnes BernauerV 2]
d)
gehoben, übertragen eine Gewohnheit aufgeben, sich etw. abgewöhnen
Beispiele:
eine Untugend ablegen
die Schüchternheit, Scham, das schlechte Benehmen ablegen
Man durfte allen Zwang ablegen [H. MannUntertan4,143]
Da ich nicht den geringsten Versuch machte, sie mit meinen theologischen Anschauungen zu belästigen, legten sie bald alles Mißtrauen gegen mich ab [SchweitzerAus meinem Leben140]
3.
Seemannssprache abfahren
Gegenwort zu anlegen
Beispiel:
nach zwei Stunden legte das Schiff wieder ab
4.
etw. leisten
a)
etw. aussprechen
Beispiele:
einen Eid ablegen auf etw. (= etw. beeiden)
ein Gelübde ablegen (= etw. geloben)
eine Beichte ablegen (= etw. beichten)
ein Geständnis ablegen (= etw. gestehen)
ein Bekenntnis ablegen (= etw. bekennen)
Zeugnis ablegen (= etw. bezeugen)
Rechenschaft (über Ausgaben, Unkosten) ablegen (= über etw. abrechnen)
b)
eine Bedingung, Verpflichtung erfüllen
Beispiele:
eine Prüfung ablegen (= sich prüfen lassen)
eine Probe ablegen (= geben)
Aram Tomasian hatte ... Beweise seiner Tapferkeit abgelegt (= hatte seine Tapferkeit bewiesen) [WerfelMusa Dagh586]
5.
es auf etw. ablegenes auf etw. absehen
Beispiel:
natürlich legt er es nicht im geringsten darauf ab, den Herrn von Prackwitz zu ruinieren [FalladaWolf1,288]
6.
ostmitteldeutsch schwach, kraftlos werden
Beispiel:
er hat in letzter Zeit sehr abgelegt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

legen · ablegen · Ableger · anlegen · Anlage · auflegen · aufgelegt · Auflage · auslegen · Auslage · beilegen · Beilager · Beilage · einlegen · Einlage · erlegen · niederlegen · Niederlage · überlegen1 · Überlegung · überlegen2 · unterlegen · Unterlage
legen Vb. ‘zum Liegen bringen’. Das gemeingerm. bezeugte Verb ahd. leg(g)en (8. Jh.), mhd. legen (auch lecken, leggen), asächs. leggian, mnd. leggen, mnl. legghen, lēghen, nl. leggen, aengl. lecgan, engl. to lay, anord. leggja, schwed. lägga, got. lagjan ist Kausativum im Sinne von ‘liegen machen’ zu dem unter ↗liegen (s. d.) dargestellten starken Verb wie russ.-kslaw. ložiti sja, russ. ložít’sja (ложиться) ‘sich legen’ zu aslaw. ležati, russ. ležát’ (лежать) ‘liegen’. ablegen Vb. ‘von sich tun, (Kleidung) ausziehen bzw. nicht mehr tragen, abladen, deponieren, vollziehen, leisten’, mhd. abelegen ‘(Kleidung) ausziehen, abladen, abgelten, auszahlen, außer Kraft setzen, Abbruch tun’; Ableger m. ‘junger Pflanzentrieb’ (18. Jh.), frühnhd. ‘Auf- und Ablader’ (15. Jh.). anlegen Vb. ‘an etw. legen, ankleiden, zielen, auf etw. abzielen, bezwecken, anzetteln, entwerfen, gestalten, bewirken, nutz- und gewinnbringend verwenden’, ahd. analeg(g)en ‘an-, auflegen, hineinschicken’ (8. Jh.), mhd. anelegen ‘ankleiden, anzetteln, vorbereiten, veranschlagen, auferlegen, auf Zinsen anlegen’; Anlage f. ‘Hinzu-, Beigefügtes, nutzen- und gewinnbringende Verwendung, Begabung, Neigung, das Gestaltete (Grünfläche, Baugestaltung)’, mhd. anlāge ‘Anliegen, Bitte, Hinterhalt’. auflegen Vb. ‘auf etw. legen, aufbürden, anordnen, (von Büchern) drucken und herausbringen’, ahd. ūfleg(g)en (um 1000), mhd. ūflegen ‘auf-, auslegen, aufstellen, zeigen, ausdenken, ersinnen, erschaffen, anordnen, bestimmen, veranstalten, stiften’; aufgelegt Part.adj. ‘geneigt, gestimmt zu etw., gelaunt’ (18. Jh.); Auflage f. ‘das Auferlegte, zu Leistende, Anweisung, Gebot, Beschwerde, Beschuldigung’ (16. Jh.), ‘Auferlegung, das Aufgelegte auf eine Unterlage, Anzahl der auf einmal gedruckten und verlegten Exemplare eines Druckes’ (17. Jh.). auslegen Vb. ‘ausbreiten, zur Schau stellen, mit einem Belag versehen, Geld vorschießen, deuten, interpretieren’, mhd. ūʒlegen ‘zum Verkauf anbieten, besetzen, verbrämen, ausrüsten, erfüllen, schmücken, darlegen, bestimmen, verabreden, deuten, erklären’; Auslage f. ‘Kosten, verauslagtes Geld, zur Ansicht ausgebreitete Ware, das Auslegen, zur Ansicht Bereitlegen’ (16. Jh.). beilegen Vb. ‘danebenlegen, hinzufügen, mitschicken, beseitigen, (Streit) schlichten’, ahd. bileg(g)en ‘be-, hinlegen, legend bedecken’ (8. Jh.), mhd. bīlegen ‘(sich) dazulegen (zum Beilager)’; Beilager n. ‘Eheschließung, Beischlaf’, mhd. bīleger, frühnhd. bī-, beilager (Ende 14. Jh.); Beilage f. ‘das Beigefügte’ (vielfach kanzleisprachlich von Schriften, Listen), ‘Zukost’, älter auch ‘anvertrautes Gut’ und ‘Beilager’ (15. Jh.). einlegen Vb. ‘hineinlegen, konservieren, mit einer Einlage verzieren, einzahlen’, mhd. īnlegen ‘ein-, hineinlegen, gegen jmdn. eine Klage vorbringen’; Einlage f. ‘das Hineingelegte, Versteifung (bei Kleidern), angelegtes oder eingezahltes Geld, Spargeld’ (16. Jh., bereits früh im Bankwesen). erlegen Vb. ‘(Wild) töten, (durch Tötung) niederlegen’, auch ‘einen Geldbetrag entrichten’, ahd. irleg(g)en ‘auferlegen, entgegensetzen, bestimmen’ (8. Jh.), mhd. erlegen ‘niederlegen, aus-, ein-, belegen, schlichten’. niederlegen Vb. ‘etw., sich hinlegen, ein Amt aufgeben’, ahd. nidarleg(g)en ‘hinwerfen, -legen, -stellen’ (9. Jh.), mhd. niderlegen ‘niederlegen, besiegen, beseitigen, abstellen, in Beschlag nehmen’; Niederlage f. ‘das Besiegtwerden, Unterlegensein, Warenlager, Großhandelszweigstelle’, mhd. niderlāge ‘das Niederlegen, -sinken, Sichniederlassen, Aufenthalt, Ruhe, Verlust, Schaden, das Niedermetzeln’. überlegen1 Vb. ‘überdecken, nachdenken, bedenken, erwägen’, ahd. ubarleg(g)en ‘vorwerfen, vorhalten’ (um 1000), mhd. überlegen ‘überziehen, bedecken, belegen mit, über-, zu-, zusammenrechnen’; Überlegung f. ‘Erwägung, das Bedenken’ (18. Jh.). überlegen2 Vb. ‘über etw. legen, ein Tuch umnehmen, ein Kind strafen’ (18. Jh.). unterlegen Vb. ‘als Unterlage darunterschieben, zuschreiben’, ahd. untarleg(g)en ‘stützen, unterstellen’ (8. Jh.), mhd. underlegen; Unterlage f. ‘Fundament, Grundlage, das Untergelegte, (beweisendes) Schriftstück, Beweisstück’, mhd. underlāge ‘Unterwerfung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Oberbekleidung) ablegen · (alle) Hüllen fallen lassen · (die) Hüllen fallen lassen · ↗(ein Kleidungsstück) abstreifen · ↗(sich) freimachen · ↗auskleiden · ↗blankziehen · ↗entblößen · ↗enthüllen · ↗entkleiden  ●  ↗(sich) ausziehen  Hauptform · ↗(sich) (eines Kleidungsstücks) entledigen  geh., veraltend · ↗(sich) entblättern  ugs. · (sich) nackig machen  ugs. · ↗strippen  ugs.
Assoziationen
  • ausgezogen · ↗blank · entblättert · entblößt · enthüllt · entkleidet · ↗hüllenlos · mit bloßer Haut · nichts anhaben · ↗textilfrei · ↗unbekleidet  ●  im Adamskostüm  männl. · im Evakostüm  weibl. · im Evaskostüm  weibl. · im Naturzustand  scherzhaft · ↗nackend  regional · ↗nackt  Hauptform · wie Gott ihn schuf  männl. · wie Gott sie schuf  weibl. · barfuß bis zum Hals  ugs. · nackert  ugs., süddt. · nackicht  ugs. · ↗nackig  ugs. · ↗pudelnackt  ugs. · ↗splitterfasernackt  ugs. · ↗splitternackt  ugs.
  • (ein) Nackter · nackter Mensch  ●  ↗Nackedei  ugs. · ↗Nacktfrosch  ugs.
Synonymgruppe
ablegen · ↗bereithalten · ↗speichern
Unterbegriffe
Schifffahrt
Synonymgruppe
ablegen · in See stechen
Assoziationen
Synonymgruppe
(irgendwohin) legen · ablegen · aus der Hand legen · ↗hinlegen
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) einstellen · ↗(sich) abgewöhnen · ablegen · ↗abstellen · ↗aufgeben · ↗aufhören (mit) · ↗beenden · ↗beilegen · ↗bleiben lassen · ↗bleibenlassen · ↗einstellen · nicht weiterführen · nicht weitermachen  ●  ↗sistieren  schweiz. · ↗ablassen (von)  geh. · sein lassen  ugs.
Assoziationen
  • (einen Plan) verwerfen · (es sich) anders überlegen  ●  ↗(sich etwas) abschminken  ugs., fig. · (sich etwas) aus dem Kopf schlagen  ugs., fig.
  • abreißen · ↗aufhören · ↗enden · nicht fortgesetzt werden · nicht fortsetzen · zum Ende kommen · zum Erliegen kommen · zum Stillstand kommen
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · ↗aufgeben · ↗beenden · ↗fallen lassen · ↗fallenlassen · hinter sich lassen · ↗sausen lassen · ↗stoppen · ↗vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · ↗beerdigen  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · ↗einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Synonymgruppe
ablegen · ↗abstellen · ↗ausrichten · ↗hinstellen · ↗platzieren · ↗positionieren · ↗zurechtrücken
Unterbegriffe
Synonymgruppe
ablegen · ↗abstreifen · ↗loswerden
Antonyme
  • ablegen
Synonymgruppe
(etwas) (irgendwohin) legen · (etwas) ablegen · (etwas) aus der Hand legen · ↗(etwas) hinlegen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abitur Abschlußprüfung Amtseid Angeklagte Beichte Bekenntnis Datei Ei Eid Examen Gelöbnis Gelübde Geständnis Image Jackett Kopftuch Mantel Meisterprüfung Nervosität Prüfung Rechenschaft Reifeprüfung Scheu Schiff Staatsexamen Teilgeständnis Uniform Zeugnis Zurückhaltung legen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ablegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beim Bier legen die Gäste schnell jede Zurückhaltung ab, am Wein nippen sie nur.
Die Welt, 27.03.2003
Wie kann ich dann noch bei diesem Professor meine Prüfung ablegen?
Der Tagesspiegel, 21.10.1999
Überdies zwangen sie, soweit ihre Macht reichte, alle, diesen Eid abzulegen.
o. A.: Einhundertsiebenundachtzigster Tag. Freitag, 26. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18448
Am dritten Tage mußte ich schließlich doch die Probe ablegen.
Benz, Carl Friedrich: Lebensfahrt eines deutschen Erfinders, Die Erfindung des Automobils, Erinnerungen eines Achtzigjährigen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 8323
Als ich mich mit vierzehn Jahren zur Aufnahme meldete, mußte ich natürlich eine Probe meines Talentes ablegen.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Zitationshilfe
„ablegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ablegen>, abgerufen am 21.10.2019.

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