Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ablehnen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ab-leh-nen
Wortzerlegung ab- lehnen1
eWDG

Bedeutung

etw., jmdn. abweisen
Beispiele:
etw., jmdn. scharf, schroff, brüsk, leidenschaftlich, rundweg, (kurz) entschlossen, glatt ablehnen
etw., jmdn. von vornherein, mit Entschiedenheit, Nachdruck, nach reiflicher Überlegung ablehnen
sich ablehnend verhalten
ein ablehnendes Gesicht, eine ablehnende Miene, Haltung zeigen
einen ablehnenden Standpunkt einnehmen
a)
etw. zurückweisen
Beispiele:
einen Verdacht, eine Beschuldigung, einen Einwand ablehnen
jede Verantwortung (dafür), eine solche Zumutung ablehnen
b)
etw. verweigern
Beispiele:
einen Eid, eine Antwort ablehnen
jedes weitere Wort, die Diskussion darüber ablehnen
die Zahlung, Unterzeichnung ablehnen
jmdn., etw. nicht anerkennen
Beispiele:
einen Richter, Gutachter, Zeugen (als befangen) ablehnen
einen Schiedsspruch, die Zuständigkeit, Urheberschaft ablehnen
etw. nicht annehmen
Beispiel:
ein Amt, eine Ehrung, einen Vorschlag, eine Wahl, Einladung, ein Geschenk (dankend) ablehnen
c)
etw. abschlagen
Beispiel:
eine Bitte, Gesuch (höflich) ablehnen
d)
etw., jmdn. missbilligen, verurteilen
Beispiele:
einen Plan, Entwurf, ein Theaterstück, Kunstwerk, eine Philosophie (allgemein) ablehnen
diesen Künstler, Dichter lehne ich ab
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lehnen1 · ablehnen · auflehnen · Lehne1
lehnen1 Vb. ‘an einen stützenden Gegenstand stellen’, reflexiv ‘sich an etw. stützen, gegen etw. stellen’. Zugrunde liegen zwei Verben, und zwar ein intransitives ahd. (h)linēn (8. Jh.), mhd. linen, lenen ‘lehnen, sich stützen’ mit asächs. hlinon, mnl. lenen, loenen, leunen, nl. leunen, aengl. hleonian, hlinian, engl. to lean und ein kausatives transitives ahd. (h)leinen (um 1000), mhd. leinen ‘lehnen’, nhd. leinen (bei obd. Schriftstellern noch bis zum 18. Jh.) mit mnl. leinen, aengl. hlǣnan. Die Vermischung von intransitivem und transitivem Gebrauch beginnt im Mhd., worauf beide Formen wohl in dem (neben mhd. leinen stehenden) md. lēnen zusammengefallen sind. Beide Verben führen mit ablautendem ahd. (h)lēo ‘Grabhügel, Grabmal’ (8. Jh.), asächs. hlēo, aengl. hlǣw, hlāw, got. hlaiw ‘Grab’, hlain ‘Hügel’ sowie mit aind. śráyatē ‘heftet an etw., lehnt sich an, befindet sich’, śráyati ‘lehnt, bringt an etw. an, legt auf etw.’, griech. klī́nein (κλίνειν) ‘(sich) neigen, (an)lehnen, niederlegen, beugen’ (s. Klinik, Klima, Klimakterium), spätlat. clīnāre ‘biegen, beugen, neigen’ (nach lat. acclīnāre ‘anlehnen’, dēclināre ‘abändern, abweichen’, s. deklinieren, inclīnāre ‘hinneigen, hinwenden’), lat. cliēns ‘der sich schutzeshalber an einen Patron Anlehnende, Schutzbefohlener einer Gens’ (s. Klient), lit. šliẽti ‘anlehnen, stützen’, šlýti ‘sich (zur Seite oder nach vorn) neigen’ auf ie. *k̑lei- ‘neigen, lehnen’, Erweiterung der Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’ (s. Halde). ablehnen Vb. ‘zurückweisen, verweigern, nicht annehmen, ausschlagen, mißbilligen’ (um 1500), daneben (bis ins 18. Jh.) ableinen. auflehnen Vb. ‘die Arme auf etw. stützen, auflegen’, (reflexiv) ‘sich empören, widersetzen’, mhd. ūfleinen ‘auf-, anlehnen, befestigen’, (reflexiv) ‘sich aufrichten, sich empören’, (md.) ūflēnen, obd. (bis ins 18. Jh.) aufleinen. Lehne1 f. ‘Stütze eines Sitzmöbels für Rücken oder Arme’, obd. ‘sanfter Berghang’, ahd. (h)lina ‘Rückenlehne, Lagerstätte’ (8. Jh.), (h)lena (10. Jh.), mhd. lene, lin(e), auch ‘Geländer, Galerie’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) ablehnend gegenüber stehen · (einer Sache) ablehnend gegenüberstehen · (sich) ablehnend äußern · (sich) stören an · Position beziehen gegen · Stellung beziehen gegen · abrücken von · dagegen sein · gegen etwas sein · kritisieren · missbilligen · mit Verachtung strafen · nein sagen zu · nicht für richtig halten · verurteilen  ●  (sich) wenig aufgeschlossen zeigen (für)  verhüllend · ablehnen  Hauptform · die Zustimmung versagen  variabel · wenig Verständnis haben (für)  variabel · Anstoß nehmen (an)  ugs. · wenig schmeichelhafte Worte finden (zu / über)  geh., verhüllend
Antonyme
Synonymgruppe
(eine) Absage erteilen · (einen) abschlägigen Bescheid erteilen (Amtsdeutsch, veraltend) · (jemandem) die Tür vor der Nase zuschlagen · (jemandem) eine Abfuhr erteilen · (jemanden) abweisen · ablehnen · fortschicken · nicht eingehen auf · verschmähen · wegschicken · wegweisen · zurückstoßen  ●  (etwas) abschlägig bescheiden  Amtsdeutsch · (jemanden) zurückweisen  Hauptform · (jemandem) die kalte Schulter zeigen  ugs., fig. · (man) beschied ihn kühl, dass  geh., floskelhaft, distanzsprachlich · abblitzen lassen  ugs. · abbügeln  ugs. · auflaufen lassen  ugs. · einen Korb geben  ugs., fig. · in die Wüste schicken  ugs., fig. · kalt auflaufen lassen  ugs. · von der Bettkante stoßen  ugs. · zur Hölle schicken  ugs.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
(etwas) ablehnen · (etwas) abschmettern · (etwas) für unzulässig erklären · (etwas) nicht anerkennen · (etwas) nicht zulassen · (etwas) verweigern · (jemandem etwas) abschlagen · (jemandem etwas) verwehren  ●  (etwas) abweisen  Hauptform · (jemandem etwas) versagen  geh.
Synonymgruppe
ablehnen · nichts zu tun haben wollen mit · von sich weisen
Synonymgruppe
(etwas) ablehnen · (etwas) verschmähen · (etwas) zurückweisen · (meine) Antwort ist nein · (sich einer Sache) verweigern · (sich) weigern (zu) · ausschlagen (Angebot) · negativ reagieren · nicht eingehen (auf etwas) · nichts wissen wollen (von)  ●  abschlägig bescheiden (Antrag)  Amtsdeutsch · nicht zur Verfügung stehen (für)  geh.
Synonymgruppe
(einer Sache) nichts abgewinnen können · (etwas) ablehnen · (etwas) schlecht finden · nicht gut finden · wenig Sympathien zeigen (für)  ●  (etwas) nicht mögen  Hauptform · (einer Sache) ablehnend gegenüberstehen  geh.
Assoziationen
  • (einer Sache) wenig abgewinnen können · (etwas) nicht besonders gut finden · (etwas) nicht besonders mögen  ●  (jemanden) nicht gerade in Begeisterung versetzen  variabel · (etwas ist) nicht gerade mein(e) Lieblings...  ugs. · (etwas) nicht so toll finden  ugs.
Synonymgruppe
(einer Sache) die Zustimmung verweigern · (etwas) ablehnen · (sich) entscheiden (gegen) · mit Nein stimmen · seine Stimme abgeben (gegen) · votieren (gegen)  ●  stimmen (gegen)  Hauptform · dagegen sein  ugs. · gegen etwas sein  ugs.
Assoziationen
  • (einer Sache) ablehnend gegenüber stehen · (einer Sache) ablehnend gegenüberstehen · (sich) ablehnend äußern · (sich) stören an · Position beziehen gegen · Stellung beziehen gegen · abrücken von · dagegen sein · gegen etwas sein · kritisieren · missbilligen · mit Verachtung strafen · nein sagen zu · nicht für richtig halten · verurteilen  ●  (sich) wenig aufgeschlossen zeigen (für)  verhüllend · ablehnen  Hauptform · die Zustimmung versagen  variabel · wenig Verständnis haben (für)  variabel · Anstoß nehmen (an)  ugs. · wenig schmeichelhafte Worte finden (zu / über)  geh., verhüllend
  • (eine) Absage erteilen · (einen) abschlägigen Bescheid erteilen (Amtsdeutsch, veraltend) · (jemandem) die Tür vor der Nase zuschlagen · (jemandem) eine Abfuhr erteilen · (jemanden) abweisen · ablehnen · fortschicken · nicht eingehen auf · verschmähen · wegschicken · wegweisen · zurückstoßen  ●  (etwas) abschlägig bescheiden  Amtsdeutsch · (jemanden) zurückweisen  Hauptform · (jemandem) die kalte Schulter zeigen  ugs., fig. · (man) beschied ihn kühl, dass  geh., floskelhaft, distanzsprachlich · abblitzen lassen  ugs. · abbügeln  ugs. · auflaufen lassen  ugs. · einen Korb geben  ugs., fig. · in die Wüste schicken  ugs., fig. · kalt auflaufen lassen  ugs. · von der Bettkante stoßen  ugs. · zur Hölle schicken  ugs.
  • (etwas) ablehnen · (etwas) verschmähen · (etwas) zurückweisen · (meine) Antwort ist nein · (sich einer Sache) verweigern · (sich) weigern (zu) · ausschlagen (Angebot) · negativ reagieren · nicht eingehen (auf etwas) · nichts wissen wollen (von)  ●  abschlägig bescheiden (Antrag)  Amtsdeutsch · nicht zur Verfügung stehen (für)  geh.
  • (etwas) ablehnen · (etwas) abschmettern · (etwas) für unzulässig erklären · (etwas) nicht anerkennen · (etwas) nicht zulassen · (etwas) verweigern · (jemandem etwas) abschlagen · (jemandem etwas) verwehren  ●  (etwas) abweisen  Hauptform · (jemandem etwas) versagen  geh.
Synonymgruppe
(etwas) ablehnen · abgelehnt werden · auf Ablehnung stoßen · nicht gut ankommen (bei) · wenig Anklang finden  ●  (etwas) haben (gegen)  ugs.
Assoziationen
  • (einer Sache) nicht trauen · (sich) nicht verlassen wollen (auf) · misstrauisch sein · mit einer unangenehmen Überraschung rechnen  ●  dem Braten nicht trauen  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›ablehnen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ablehnen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ablehnen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dann lehne ich ebenso freundlich wie entschieden ab und scheue auch nicht davor zurück, das zweite Glas einfach stehenzulassen. [Oheim, Gertrud: Einmaleins des guten Tons, Gütersloh: Bertelsmann 1957 [1955], S. 120]
Und hier müssen wir es ablehnen, den Sport allein in dieser Form beurteilen zu lassen. [Hoke, Ralph Johann u. Schmith, Otto: Grundlagen und Methodik der Leichtathletik, Leipzig: Barth 1937, S. 175]
Es scheint vielmehr, daß man ein Recht dazu hat, die Frage abzulehnen. [Freud, Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur, Wien: Internat. Psychoanalyt. Verl. 1930, S. 16]
Damit wäre dann konsequent ein absolutes Jenseits als Ziel seelischen Ringens abgelehnt. [Bühler, Karl: Die Krise der Psychologie, Jena: G. Fischer 1929 [1927], S. 190]
Diesen Antrag, zu dem er mich selbst ermuntert hatte, lehnte er dann selbst ab. [Runge, Erika (Hg.), Bottroper Protokolle, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1968, S. 54]
Zitationshilfe
„ablehnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ablehnen>.

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