abrücken

GrammatikVerb · rückt ab, rückte ab, ist/hat abgerückt
Aussprache
Worttrennungab-rü-cken (computergeneriert)
Wortzerlegungab-rücken
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sich entfernen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
Militär abmarschieren
Gegenwort zu anrücken
Beispiele:
die Abteilung, Batterie rückte (zum Manöver, an die Front) ab
das abrückende Militär
salopp, übertragen (heimlich) weglaufen
Beispiel:
als er das hörte, ist er schleunigst abgerückt
b)
von jmdm., von etw. wegrücken
Beispiel:
er rückte (mit dem Stuhl) von seinem Nachbarn, vom Tisch ab
übertragen
Beispiele:
von einer Lehre, einem Vorschlag, von jmds. Verhalten abrücken
man begann, immer mehr von ihm abzurücken (= sich von ihm zu distanzieren)
So sah sich Elisabeth immer weiter von ihrem Ziel abrücken [BrodTycho Brahe155]
2.
etw. wegrücken, wegschieben
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
das Bett (von der Wand), den Stuhl (vom Tisch) abrücken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke (germ. *rukkjan). Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. ↗Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit ↗Rahe und ↗regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ablehnung Deut Forderung Grundsatz Haltung Jota Konfrontationskurs Maximalforderung Maximalposition Millimeter Mordvorwurf Nein Plan Position Prinzip Prognose Sparkurs Standpunkt These Versprechen Vorhaben Wachstumsprognose Wahlversprechen Zeitplan Zielen Zusage davon rücken vorsichtig Überzeugung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abrücken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Genau das rückt uns ab von den Tieren, sie leben instinktiv richtig.
Die Welt, 30.10.2004
Doch er ist etwas von seiner einst harten Linie abgerückt.
Der Tagesspiegel, 19.06.1997
Der größte Teil rückte allerdings nach einigen Stunden Ruhe wieder ab.
Plievier, Theodor: Stalingrad, München u. a.: Desch 1973 [1946], S. 178
Doch auch die Nähe, die mich eben noch umfangen hatte, rückte ab.
Benjamin, Walter: Berliner Kindheit um Neunzehnhundert. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.), Gesammelte Schriften Bd. 4,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1932-1938], S. 238
Schließlich kamen die Wagen, und wir rückten durch den grauen Nachmittag ab.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 941
Zitationshilfe
„abrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abrücken>, abgerufen am 06.12.2019.

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