abreißen

GrammatikVerb · riss ab, hat/ist abgerissen
Aussprache
Worttrennungab-rei-ßen (computergeneriert)
Wortzerlegungab-reißen1
Wortbildung mit ›abreißen‹ als Erstglied: ↗Abreißblock · ↗Abreißkalender · ↗abreißbar
 ·  mit ›abreißen‹ als Grundform: ↗Abriss1 · ↗abgerissen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. losreißen, gewaltsam abtrennen
Beispiele:
Zweige (vom Baum), Blumen abreißen
Plakate (von der Mauer) abreißen
einen Fahrschein, ein Kalenderblatt, einen Faden, einen Knopf abreißen
das Hochwasser hatte große Stücke vom Ufer abgerissen
sich [Dativ] den Verband abreißen
die Mütze, Brille abreißen (= hastig abnehmen)
bildlich
Beispiele:
gehoben jmdm. die Maske (vom Gesicht) abreißen (= jmdn. entlarven)
gehoben der Lärm ... zwang mich, meine Blicke von der merkwürdigen Gestalt abzureißen [RilkeBrigge5,42]
bildlich
Beispiel:
salopp man wird dir nicht gleich den Kopf abreißen (= wird dich trotz allem glimpflich behandeln)
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
gewaltsam abgehen
Beispiel:
die Schnalle, der Aufhänger ist abgerissen
zerreißen
Beispiel:
der Schnürsenkel riss ab
bildlich plötzlich aufhören, unterbrochen werden
Beispiele:
das Gespräch, der Gesang, die Handyverbindung riss auf einmal ab
lass die Beziehungen, Fäden (zu ihm) nicht abreißen!
etw. reißt nicht abetw. nimmt kein Ende
Beispiele:
der Besucherstrom, die Menschenschlange, Kette der Ereignisse, Arbeit reißt nicht ab
Wie Tag und Nacht nicht abreißen ... so reißt auch die Wechselkette von Tod und Leben nicht ab [KasackStadt420]
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. niederreißen, abbrechen
Beispiele:
eine Ruine abreißen
das alte Gebäude musste abgerissen werden
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
salopp etw. abnutzen, verschleißen
Beispiel:
seine Kleidung schnell abreißen
5.
mit Hilfsverb ›hat‹
salopp eine Zeit ableisten
Beispiele:
seine Militärzeit abreißen (= abdienen)
Weil ich nämlich ein paar Jährchen abgerissen (= abgesessen) habe [DöblinAlexanderpl.29]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch ↗reizen, ↗Riß, ↗ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abreißen · dem Erdboden gleichmachen · ↗einreißen · ↗rückbauen · ↗wegreißen  ●  ↗zurückbauen  fachspr., verhüllend
Assoziationen
Synonymgruppe
abreißen · ↗ausreißen · ↗herausreißen · ↗wegreißen
Assoziationen
Synonymgruppe
abreißen · ↗aufhören · ↗enden · nicht fortgesetzt werden · nicht fortsetzen · zum Ende kommen · zum Erliegen kommen · zum Stillstand kommen
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
(sich) ablösen · (sich) abreißen · ↗(sich) abtrennen · ↗(sich) losreißen · ↗(sich) lösen · ↗abblättern · ↗abbrechen · ↗abbröckeln · ↗abfallen · ↗abgehen · ↗abplatzen · abreißen · ↗absplittern · ↗abspringen · ↗losbrechen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie töteten vier Tiere, rissen drei von ihnen die Köpfe ab.
Bild, 25.10.2004
Nun aber trauen sie sich nicht mehr; ja, sie reißen womöglich die Hütten ab, in denen sie sich gerade eingerichtet hatten.
Der Tagesspiegel, 27.04.2000
Laß die Verbindung nie länger als ein paar Stunden abreißen.
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 104
Ich zeigte ihm den verfallenen Stall und trug ihm auf, ihn abzureißen.
Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 35
Du wirst dich wohl erinnern, wie du zu uns kamst, abgerissen und ausgehungert.
Ball, Hugo: Flammetti. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 5099
Zitationshilfe
„abreißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abreißen#1>, abgerufen am 24.05.2019.

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abreißen

GrammatikVerb · riss ab, hat abgerissen
Aussprache
Worttrennungab-rei-ßen (computergeneriert)
Wortzerlegungab-reißen2
Wortbildung mit ›abreißen‹ als Grundform: ↗Abriss2
eWDG, 1967

Bedeutung

veraltend etw. zeichnen
Beispiel:
daß Ihr es [das Schloß] gar auf Papier abgerissen habt [Stifter1,181]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch ↗reizen, ↗Riß, ↗ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abreißen · dem Erdboden gleichmachen · ↗einreißen · ↗rückbauen · ↗wegreißen  ●  ↗zurückbauen  fachspr., verhüllend
Assoziationen
Synonymgruppe
abreißen · ↗ausreißen · ↗herausreißen · ↗wegreißen
Assoziationen
Synonymgruppe
abreißen · ↗aufhören · ↗enden · nicht fortgesetzt werden · nicht fortsetzen · zum Ende kommen · zum Erliegen kommen · zum Stillstand kommen
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
(sich) ablösen · (sich) abreißen · ↗(sich) abtrennen · ↗(sich) losreißen · ↗(sich) lösen · ↗abblättern · ↗abbrechen · ↗abbröckeln · ↗abfallen · ↗abgehen · ↗abplatzen · abreißen · ↗absplittern · ↗abspringen · ↗losbrechen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baracke Baufälligkeit Bein Eissporthalle Faden Flüchtlingsstrom Funkkontakt Gebäude Gesprächsfade Gesprächsfaden Halle Haus Hiobsbotschaft Kette Kontakt Mauer Palast Palast der Republik Pannenserie Plattenbau Ruine Serie Spekulation Strom Verbindung errichten ersetzen reißen sanieren umbauen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abreißen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie töteten vier Tiere, rissen drei von ihnen die Köpfe ab.
Bild, 25.10.2004
Nun aber trauen sie sich nicht mehr; ja, sie reißen womöglich die Hütten ab, in denen sie sich gerade eingerichtet hatten.
Der Tagesspiegel, 27.04.2000
Laß die Verbindung nie länger als ein paar Stunden abreißen.
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 104
Ich zeigte ihm den verfallenen Stall und trug ihm auf, ihn abzureißen.
Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 35
Du wirst dich wohl erinnern, wie du zu uns kamst, abgerissen und ausgehungert.
Ball, Hugo: Flammetti. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 5099
Zitationshilfe
„abreißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abreißen#2>, abgerufen am 24.05.2019.

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