abrufen

Grammatik Verb · ruft ab, rief ab, hat abgerufen
Aussprache 
Worttrennung ab-ru-fen
Wortzerlegung ab-rufen
Wortbildung  mit ›abrufen‹ als Erstglied: ↗Abrufstatistik · ↗abrufbar · ↗abrufbereit
 ·  mit ›abrufen‹ als Grundform: ↗Abruf
Wahrig und ZDL, 2020

Bedeutungen

1.
etw. abrufenabfragen, ermitteln, sich geben lassen (z. B. Daten, Informationen)
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: [etw.] nicht, jederzeit, wieder, später abrufen; [Daten] online abrufen
mit Akkusativobjekt: Informationen, Daten, E-Mails, Nachrichten abrufen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: [etw.] per Mausklick, Handy abrufen; [etw.] auf Knopfdruck abrufen; im, aus dem, über das Internet abrufen; nach, bei Bedarf abrufen
Beispiele:
Mit der Spitzelsoftware sei es möglich, in die Telefone einzudringen und von ihnen sensible Informationen abzurufen. [Süddeutsche Zeitung, 05.07.2018]
Unter www.badegewaesser.ages.at könne jeder die aktuellen Messergebnisse aller Badegewässer online abrufen. [Der Standard, 23.05.2012]
Polizei, Justiz und Finanzämter kontrollieren immer häufiger die Einkommensverhältnisse von Bürgern: Deutsche Behörden haben allein in diesem Jahr bereits mehr als 50.000 Kontodaten abgerufen. [Spiegel, 17.07.2009 (online)]
Wer zum Beispiel ankommende E‑Mails nebenher abrufe, lasse sich dadurch freiwillig bei seinen Tätigkeiten unterbrechen. [Spiegel, 16.11.2008 (online)]
2.
etw. abrufenanfordern (z. B. Geldmittel, Waren)
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: Geld, Mittel abrufen
Beispiele:
Länder, die mit einer schweren Wirtschaftskrise zu kämpfen haben, dürfen zusätzliches Geld aus Brüssel abrufen. [Die Zeit, 06.12.2017, Nr. 51]
Die Züge sollen bei Bedarf abgerufen werden und im Regionalverkehr eingesetzt werden. [Die Welt, 18.12.2010]
Die Berliner Zeitung hatte zuvor berichtet, dass die Bahn 2005 erneut Bundesmittel in Höhe von 280 Millionen Euro nicht abrufen kann. [Berliner Zeitung, 09.12.2005]
[…] die unter schwachen Märkten leidenden Autohersteller [pflegen] bei ihren Zulieferern die Lieferungen zunehmend kürzerfristig abzurufen. [Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2005]
Er nannte als einen Vorteil der Freizone für die Kunden den geringeren Liquiditätsbedarf, da Zölle erst dann zu zahlen sind, wenn Waren tatsächlich aus dem Lager in der Freizone abgerufen werden. [Berliner Zeitung, 23.06.1999]
Von den im Haushalt 1979/80 angebotenen 80 Milliarden Rial wurde bisher nur die Hälfte von privaten Haushalten, Unternehmen oder öffentlichen Betrieben abgerufen. [Die Zeit, 14.03.1980, Nr. 12]
3.
etw. abrufen(bereits Vorhandenes) erneut aufrufen, aktivieren
Beispiele:
Das Gedächtnis ist die Fähigkeit von Lebewesen, Informationen in ihr Nervensystem aufzunehmen und bei Bedarf wieder abzurufen. [Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2017]
Die Spieler wissen schon, dass sie nochmal eine gute Leistung abrufen müssen. [Die Zeit, 12.06.2015 (online)]
In den Stunden vor der Partie gehe es darum, die »Spannung hochzuhalten, die Konzentration abzurufen«. [Der Standard, 09.09.2012]
Man speichert sie [die Fotos] einfach und ruft sie ab bei Bedarf. [Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 26]
Die Erinnerung daran kann ich jederzeit abrufen und betrachten wie eine gestochen scharfe Fotografie. [Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 46]
4.
jmdn. abrufen(von einer Tätigkeit, einem Ort) wegrufen; von einem Posten abberufen
Beispiele:
Das ist ein Mann, der in der Markthalle wartet, bis ihn ein Händler zur stundenweisen Arbeit abruft. [Berliner Zeitung, 10.03.1961]
In Bonner Abgeordnetenkreisen herrscht Unwille über die Art, wie der Gesandte […] von seinem Posten in Lissabon abgerufen wurde. [Die Zeit, 21.07.1955, Nr. 29]
Georgs Zug hatte durch Schneeverwehung mehr als eine Stunde Verspätung gehabt, und er hatte allein zu Abend essen müssen, da sein Vater, der lange gewartet und endlich sich zum Essen gesetzt hatte, zu einem Ferngespräch abgerufen war. [Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 495]
verhüllend
Phrasem:
(von Gott) abgerufen werden (= sterben)
Beispiele:
Es gehört zur Grunderfahrung des Menschen, daß er um seinen Tod weiß und zugleich nicht weiß, wann oder wie bald er abgerufen wird. [Die Welt, 16.03.2002]
Jede Stunde konnte Gott ihn aus dem Werk abrufen. [Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 322]
So hat es Gott in seinem unerforschlichen Ratschlusse wiederum gefallen, ein reines Kinderherz, eine fromme, unbefleckte Rosenjungfrau aus dem Leben abzurufen [Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 24843]
5.
Eisenbahn, veraltet einen Zug abrufendie Abfahrt eines Zuges ankündigen
Beispiel:
[…] in Koszalin […] hört ein westdeutsches Ehepaar, das dort ungehindert den Personenzug nach Szczecin besteigt, wie dieser Zug in deutscher Sprache abgerufen wird: »Zum Personenzug nach Stettin bitte einsteigen und Türen schließen …« [Der Spiegel, 14.06.1971, Nr. 25]
6.
selten, Flugwesen zum Abflug oder zur Landung aufrufen
Beispiel:
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für die Flugsicherung, den anfliegenden Luftverkehr zu staffeln. Entweder geschieht dies durch das Einreihen auf der Anflugstrecke, etwa wie Perlen an einer Schnur, oder das Einweisen in einen Warteraum, aus dem das einzelne Flugzeug für den Anflug abgerufen werden kann. [Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2004]

Typische Verbindungen zu ›abrufen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abrufen‹.

Zitationshilfe
„abrufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abrufen>, abgerufen am 28.09.2020.

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