abschaffen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungab-schaf-fen (computergeneriert)
Wortzerlegungab-schaffen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. aufgeben
a)
etw. nicht mehr halten
Gegenwort zu anschaffen
Beispiel:
den Hund, die Kaninchen, Hühner abschaffen
jmdn. entlassen
Beispiel:
den Gärtner, die Hausangestellte abschaffen
b)
etw. aufheben, außer Kraft setzen
Beispiele:
die Todesstrafe, ein Gesetz, eine Steuer abschaffen
eine bestehende Einrichtung, alte Rechte abschaffen
Die französische Revolution z. B. schaffte das Feudaleigentum ... ab [Marx-EngelsManifest23]
2.
landschaftlich, (besonders) südwestdeutsch sich abarbeiten, abmühen
Beispiele:
abgeschafft aussehen (= von der Arbeit ermüdet aussehen)
wie du dich für uns alle abschaffst [SeghersDie Toten6,319]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schaffen · abschaffen · anschaffen · beschaffen1 · beschaffen2 · erschaffen · nachschaffen · Schaffe · Schaffner · Geschöpf · Schöpfer2 · schöpferisch · Schöpfung
schaffen Vb. ‘in eigener Leistung hervorbringen, gestalten’ und (besonders südd.) ‘arbeiten, zustande bringen’. Das stark flektierende Verb (mit j-Präsens) ahd. skephen ‘(er)schaffen, (be)wirken, gestalten, ordnen, festsetzen’ und auch ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.) entwickelt (aus der Partizipialform giscaffan) einen neuen Präsensstamm mit dem Infinitiv mhd. schaffen, nhd. schaffen (schuf, geschaffen). Verwandt sind asächs. skeppian ‘(er)schaffen, bestimmen’, aengl. scieppan ‘(er)schaffen, bilden anordnen, machen’, got. gaskapjan ‘erschaffen’, ferner ↗schaben, ↗Schaff, ↗Schaft, ↗Scheffel (s. d.) und die dort genannten Wortformen, so daß, ausgehend von einer Bedeutung ‘schnitzend gestalten’, Anschluß an die Variante ie. *skā̌b(h)- der Wurzel ie. *(s)kē̌p-, *(s)kō̌p-, *(s)kā̌p- ‘mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten’ möglich ist. Neben dem starken Verb ahd. skephen (s. oben) steht ein gleichlautendes schwaches jan-Verb ahd. skephen ‘(er)schaffen, gestalten, bilden’ und ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.); beide Verben haben sich anscheinend semantisch miteinander vermischt (Weiteres s. ↗schöpfen). Weiterhin steht zum starken Verb die schwach flektierende Intensivbildung ahd. scaffōn ‘tun, bilden, zustande bringen, anordnen’ (8. Jh.), mhd. schaffen, nhd. schaffen ( schaffte, geschafft), deren Infinitiv- und Präsensformen im Mhd. und Nhd. mit denen des oben genannten starken Verbs zusammenfallen. Für das starke Verb ist heute von einer Grundbedeutung ‘etw. hervorbringen, bewirken’, für das schwache Verb von einer Grundbedeutung ‘einrichten, ordnen’ (weiter ‘anordnen, tätig sein, arbeiten, herbei-, wegbringen’) auszugehen. Starke und schwache Flexion zeigen entsprechend mnd. scheppen, mnl. sceppen und engl. to shape (mit dem Part. Prät. shaped und, allerdings selten und älter, shapen). Zum schwachen Verb stellen sich (auch bei teilweise starker Flexion bis ins 16. Jh.) abschaffen Vb. ‘aufheben, beseitigen’, mhd. abeschaffen (14. Jh.), südd. auch ‘sich abarbeiten’; anschaffen Vb. ‘etw. in seinen Besitz bringen, sich aneignen’ (16. Jh.), ‘anordnen, verursachen’ (15. Jh.); beschaffen1 Vb. ‘herbeiholen, besorgen’ (15. Jh.); vgl. ahd. biscaffōn ‘gestalten, bilden’ (8. Jh.); dagegen beschaffen2 Part.adj. ‘geartet, geformt, befindlich’ (15. Jh.), mhd. ‘vorhanden, durch das Schicksal bestimmt’, zu (vorwiegend stark flektierendem) mhd. beschaffen ‘(er)schaffen, bestimmt oder zugeteilt sein, ordnen, verwalten, herbeibringen’. Zum starken Verb gehören erschaffen Vb. ‘entstehen lassen, gestalten, formen’, geläufig seit dem 16. Jh.; nachschaffen Vb. ‘gestaltend nachbilden’ (18. Jh.), ‘nachträglich anschaffen’ (17. Jh.). Schaffe f. ‘Leistung, (großartige) Angelegenheit’, neugebildetes Verbalabstraktum der Jugendsprache (20. Jh.); zuvor (ohne direkte Nachfolge) mhd. schaffe ‘Anordnung, Befehl’. Schaffner m. ‘Besorger, Ordner, Aufseher, Verwalter’, mhd. schaffenære, scheffenære, nach voraufgehendem schaffære, scheffære, ahd. scaffāri (um 1000). Seit dem 19. Jh. fast nur noch für das Bedienungs- und Aufsichtspersonal bei Bahn und Post, vgl. Postschaffner, Eisenbahnschaffner. Den alten Stammsilbenvokal des starken Verbs (nach ahd. skephen) bewahren (zu ö gerundet) Geschöpf n. ‘das Erschaffene, Geformte’ (15. Jh.), anfangs auch Vorgangsbezeichnung im Sinne von ‘Erschaffung’; Schöpfer2 m. ‘wer etw. erschafft, gestaltet’, auch Bezeichnung des christlichen Gottes als des Erschaffers der Welt, ahd. skephāri (9. Jh.), mhd. schepfære, schephære (vgl. früher bezeugtes ahd. skepho, 8. Jh.); schöpferisch Adj. ‘gestaltend, Neues erschaffend’ (18. Jh.); Schöpfung f. ‘Vorgang und Ergebnis des Gestaltens’, mhd. schepfunge, schepfenunge im Sinne des göttlichen Erschaffens der Welt, seit dem 18. Jh. ‘Gesamtheit von Natur und Welt’, auch ‘geistiges, künstlerisches Schaffen und sein Produkt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abbedingen · ↗abbestellen · ↗abkündigen · abschaffen · ↗annullieren · ↗aufheben · ↗aufkündigen · ↗auflösen · ↗ausgleichen · außer Kraft setzen · für aufgehoben erklären · für nichtig erklären · für null und nichtig erklären · für ungültig erklären · ↗kippen (journal.) · ↗kündigen · ↗stornieren · ↗terminieren · ↗tilgen · ↗zurückziehen
Antonyme
Synonymgruppe
abschaffen · ↗abwickeln
Synonymgruppe
abbauen · abschaffen · ↗aufheben · ↗auflösen · ↗beseitigen  ●  aus der Welt schaffen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beamtenstatus Bettag Ehegattensplitting Eigenheimzulage Fehlbelegungsabgabe Feiertag Gewerbekapitalsteuer Gewerbesteuer Habilitation Hauptschule Kündigungsschutz Monarchie Praxisgebühr Privilegium Rabattgesetz Sitzenbleiben Sklaverei Solidaritätszuschlag Steuervergünstigung Studiengebühr Subvention Todesstrafe Vermögensteuer Wehrpflicht einführen ersetzen komplett lieb schaffen Ökosteuer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abschaffen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nun wollte man nach der Religion auch noch das Geld abschaffen.
Die Welt, 02.02.2002
Keine Evolution kann das ändern; es sei denn, sie schafft uns ganz ab.
Der Tagesspiegel, 17.08.2000
Die Welt aber, wenn man sich dermaßen von ihr abwendet, schafft ihrerseits den ab, der sie nicht wahrhaben will.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 376
Er sei sehr dafür, daß jetzt bestimmte Emotionen ausgeräumt würden, die mit der Absicht geschürt würden, über Nacht alles abschaffen zu wollen.
Nr. 86: Telefongespräch Kohl mit Krenz vom 11. November 1989. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 9347
Aber die Musik selbst ließ sich nicht so einfach abschaffen.
Westrup, Jack Allan u. a.: England. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1954], S. 24053
Zitationshilfe
„abschaffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abschaffen>, abgerufen am 24.04.2019.

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