abschieben

Grammatik Verb · schiebt ab, schob ab, hat/ist abgeschoben
Aussprache 
Worttrennung ab-schie-ben
Wortzerlegung  ab- schieben
Wortbildung  mit ›abschieben‹ als Erstglied: Abschiebegefängnis · Abschiebegewahrsam · Abschiebehaft · Abschiebeknast · Abschiebepraxis · Abschiebestopp · Abschiebezentrum · Abschiebung

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨jmd. schiebt etw. ab⟩ etw. von der bisherigen Stelle wegschieben
    1. a) [übertragen] ⟨jmd. schiebt etw. auf jmdn., etw. ab⟩ etw. (eine Verantwortung, Aufgabe) jmd. anderem auferlegen, zuweisen
    2. b) [abwertend, umgangssprachlich, übertragen] ⟨jmd. schiebt jmdn. ab⟩ jmdn., der unerwünscht oder lästig ist, loszuwerden versuchen, an eine weniger vorteilhafte Position versetzen
  2. 2. ⟨jmd. schiebt jmdn. ab⟩ jmdn. aufgrund einer behördlichen Anordnung aus einem Land ausweisen (und ihn in sein Herkunftsland zurückschicken)
  3. 3. [salopp] ⟨jmd. schiebt ab⟩ sich davonmachen
Wahrig und DWDS

Bedeutungen

1.
jmd. schiebt etw. abetw. von der bisherigen Stelle wegschieben
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
Ich wollte ihn [den Spiegel] von der Wand abschieben, um dahinter nachzusehen, doch es gelang mir nicht. [Nossack, Hans Erich: Nekyia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1961 [1947], S. 28]
a)
übertragen jmd. schiebt etw. auf jmdn., etw. abetw. (eine Verantwortung, Aufgabe) jmd. anderem auferlegen, zuweisen
Beispiele:
[…] [Er] wollte die Verantwortung für die manipulierte Motorsteuerung auf die Programmierer abschieben. [Der Standard, 21.11.2016]
Auch vor [dem] Obergericht fällt auf, wie sehr der Täter bemüht ist, Schuld und Verantwortung auf andere abzuschieben. [Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2015]
Er monierte, dass nun Verantwortung für Managementfehler auf die Politik abgeschoben […] werden solle. [Der Spiegel, 06.10.2008 (online)]
Stoiber nannte es eine »gravierende Ausrede« des Kanzlers, die Schuld an der Arbeitslosigkeit auf andere Ursachen abzuschieben. [Der Tagesspiegel, 26.08.2002]
Wenn es im Alltag über eine Person heißt, sie könne »gut delegieren«, dann ist das nicht positiv, sondern abfällig oder vorwurfsvoll gemeint. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, daß die betreffende Person faul ist und Arbeit möglichst auf andere abschiebt. [Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 77]
b)
abwertend, umgangssprachlich, übertragen jmd. schiebt jmdn. abjmdn., der unerwünscht oder lästig ist, loszuwerden versuchen, an eine weniger vorteilhafte Position versetzen
Beispiele:
Die parteilose Volkswirtschafterin […] wurde nach Streitigkeiten mit einflussreichen Politikern […] auf einen Posten bei der Weltbank abgeschoben. [Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2016]
Auf einmal hat man das Gefühl, man ist draußen, abgeschoben – und je mehr man das Gefühl hat, desto mehr stellt man sich selbst nach draußen. [Süddeutsche Zeitung, 10.09.2016]
[…] Lernschwache oder sozial unangepasste Kinder werden links liegen gelassen, gerne auch in die Sonderschule abgeschoben. [Der Standard, 02.10.2009]
Weil der mittellose alte Mann der Familie auf der Tasche liegt, soll er ins Altersheim abgeschoben werden. [Berliner Zeitung, 26.08.1999]
2.
jmd. schiebt jmdn. abjmdn. aufgrund einer behördlichen Anordnung aus einem Land ausweisen (und ihn in sein Herkunftsland zurückschicken)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: abgelehnte Asylbewerber, Ausländer abschieben
hat Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. in sein Heimat-, Herkunftsland abschieben
Beispiele:
Die Bundesregierung ist darum bemüht, abgelehnte afghanische Asylbewerber in ihre Heimat abzuschieben, obwohl die Sicherheitslage prekär ist. [Süddeutsche Zeitung, 23.12.2016]
Mit Abstand am häufigsten würden Illegale und abgelehnte Asylbewerber aus den Westbalkanstaaten abgeschoben, heißt es in dem Bericht. [Der Spiegel, 18.11.2016 (online)]
Den Flüchtlingen sei gedroht worden, sie nach Afghanistan abzuschieben. [Die Zeit, 11.10.2016 (online)]
Also, Mario und Luigi, da ihr euch nicht ausweisen könnt … werdet ihr direkt in euer Heimatland abgeschoben. [Vive la France, 2013 (Filmuntertitel)]
Soll der Ausländer in einen sicheren Drittstaat (§ 26a) abgeschoben werden, ordnet das Bundesamt die Abschiebung in diesen Staat an, sobald feststeht, daß sie durchgeführt werden kann. [o. A.: Asylverfahrensgesetz (AsylVfG). In: Sartorius 1: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland, München: Beck 1998]
3.
salopp jmd. schiebt absich davonmachen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Synonym zu abhauen²
Beispiele:
Opa geht jetzt aber nach Hause, hängt eine Menge Taschen[…] an den Fahrradlenker und schiebt ab. [Frankfurter Rundschau, 14.08.1998]
Hau ab, Mikhail, ich hab keine Zeit. Schieb ab, und nimm diesen Idioten mit. [»Nordlicht – Mörder ohne Reue« Øje for øje, del 1, 2011 (Filmuntertitel)]
Er streckt seine von engen Jeans zusammengehaltenen Einsneunzig, dass es nur so kracht, lüftet seinen Hut für die Ladys und schiebt ab. [Der Spiegel, 03.05.2004 (online)]
Ludwig verleiht der Figur viele Züge des »Drachens« aus der Inszenierung im Deutschen Theater (unverwechselbar z. B. sein lässig‑böses »Schieb ab«, mit dem er Gesprächspartner hinauskomplimentiert, die ihm lästig geworden sind). [Berliner Zeitung, 08.03.1983]
Nimm dein Geld und schieb ab. [Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt – Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 162]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
abschieben · ausweisen · deportieren · rückführen  ●  ausschaffen  schweiz.
Synonymgruppe
(sich) vertschüssen · sich dünnemachen · sich trollen  ●  (sich) dünnemachen  bundesdeutsch · (sich) verzupfen  bayr., österr. · Leine ziehen  bundesdeutsch, schweiz. · abfahren  schweiz. · abschieben  bundesdeutsch · abschleichen  schweiz. · die Finken klopfen  schweiz. · die Platte putzen  bundesdeutsch · eine Fliege machen  bundesdeutsch · eine Mücke machen  bundesdeutsch · sich putzen  österr. · sich verkrümeln  bundesdeutsch, schweiz. · (sich) rausscheren  ugs. · (sich) schleichen  ugs., österr., süddt. · sich über die Häuser hauen  ugs., österr.
Synonymgruppe
(sich) zurückziehen · fortgehen · gehen (= 'weggehen') · verschwinden  ●  weggehen (Ortswechsel)  Hauptform · (sich) entfernen  geh. · (sich) trollen  ugs. · (sich) verziehen  ugs. · (sich) vom Acker machen  ugs. · (sich) von dannen machen  geh., veraltend · Leine ziehen  ugs., salopp · abdackeln  ugs. · abdampfen  ugs. · abhauen  ugs., salopp · abschieben  ugs. · abschwirren  ugs., salopp · abtreten  fachspr. · abziehen  ugs. · abzischen  ugs. · die Düse machen  ugs. · entfleuchen  geh., literarisch, scherzhaft · entrauschen  geh., ironisierend · entschwinden  geh., scherzhaft · von dannen eilen  geh., altertümelnd · von dannen rauschen  geh., ironisierend · von dannen ziehen  geh., veraltend
Assoziationen
  • davon... · fort... · weg...  ●  ab...  ugs. · ent...  geh. · von dannen  geh., veraltend
  • (jemandem) auskommen · (jemandem) weglaufen · ausbüxen · ausreißen · entlaufen  ●  Reißaus nehmen  veraltend · das Weite suchen  ugs. · durchbrennen  ugs. · sich aus dem Staub machen  ugs. · stiften gehen  ugs.
  • (Ort) verlassen · die (alte) Heimat verlassen · fortziehen · wegziehen · ziehen (nach)
  • (aus einem Raum / Gebäude) gehen · (einen Raum / ein Gebäude) verlassen
  • abziehen (Gruppe, Kolonne, Trupp ...)  ●  abrücken  militärisch · abmarschieren  fachspr., militärisch
  • (sich) entfernen · (sich) zurückziehen · auf und davon gehen · sich unbemerkt verabschieden · verschwinden  ●  (sich) selbständig machen  scherzhaft · davonziehen  altertümlich · enteilen  altertümlich · entfleuchen  scherzhaft, literarisch · weggehen (sich entziehen)  Hauptform · (sich) absentieren  geh., veraltend · (sich) davonmachen  ugs. · (sich) empfehlen  geh. · (sich) retirieren  geh., veraltet · (sich) verdünnisieren  ugs., scherzhaft · (sich) von dannen machen  geh., literarisch · abdampfen  ugs. · abhauen  ugs. · abzischen  ugs. · plötzlich weg sein  ugs. · sich auf Französisch empfehlen  geh. · sich auf Französisch verabschieden  ugs. · verduften  ugs.
  • (sich) auflösen · (sich) in Luft auflösen · (sich) verziehen · verpuffen · verrauchen
  • (jemanden) verabschieden · (sich) verabschieden · Abschied nehmen · Adieu sagen · Lebewohl sagen · Tschüs sagen · auf Wiedersehen sagen  ●  (sich) empfehlen  geh. · scheiden  geh., veraltet
  • (einen Ort) verlassen · (sich) lösen · alles hinter sich lassen · fortgehen · fortziehen · weggehen · wegziehen  ●  (einer Sache / einem Ort) Goodbye sagen  fig. · (einer Sache / einem Ort) auf Wiedersehen sagen  fig. · (einer Sache) den Rücken kehren  fig. · (seine) Zelte abbrechen  fig. · (sich) lossagen (von)  auch figurativ · (sich) abwenden  geh.
  • Geh weg! · Geh! · Mach, dass du fortkommst!  ●  Fort mit dir!  veraltend · Geh mit Gott, aber geh!  Redensart · Wegtreten!  militärisch · Abflug!  ugs. · Abmarsch!  ugs. · Baba und foi ned.  ugs., wienerisch · Da ist die Tür!  ugs. · Fahr zur Hölle!  derb, aggressiv · Geh (doch) dahin, wo der Pfeffer wächst!  ugs. · Geh mir aus den Augen!  ugs. · Geh mir vom Acker!  ugs. · Geh sterben!  vulg. · Hau ab und komm nicht wieder!  ugs. · Hau ab!  ugs. · Hinfort mit dir!  geh., altertümelnd · Hutsch dich!  ugs., österr. · Kratz die Kurve!  ugs. · Mach 'n Abgang!  ugs. · Mach 'ne Fliege!  ugs. · Mach Meter!  ugs., österr. · Mach die Fliege!  ugs. · Mach, dass du wegkommst!  ugs. · Pack dich!  ugs. · Raus (mit dir)!  ugs. · Scher dich fort!  ugs., veraltend · Scher dich weg!  ugs., veraltend · Scher dich zum Teufel!  ugs., veraltend · Schieb ab!  ugs. · Schieß in'n Wind!  ugs. · Schleich di!  ugs., süddt. · Schleich dich!  ugs. · Schwirr ab!  ugs. · Sieh zu, dass du Land gewinnst!  ugs. · Sieh zu, dass du weiterkommst!  ugs. · Verpiss dich!  derb · Verschwinde wie der Furz im Winde!  ugs., scherzhaft · Verschwinde!  ugs. · Verzieh dich!  ugs. · Verzupf dich!  ugs., österr. · Weiche von mir!  geh., veraltet · Zieh Leine!  ugs. · Zieh ab!  ugs. · Zisch ab!  ugs.
  • (sich) auf den Weg machen · (sich) aufmachen · losgehen · losziehen · seinen Weg antreten  ●  aufbrechen  Hauptform · (sich) auf die Beine machen  ugs. · (sich) auf die Socken machen  ugs. · lossocken  ugs., regional
  • (sein) Bündel schnüren  fig. · mit unbekanntem Ziel verreisen  variabel, ironisch · (das) Weite suchen  ugs. · (das) sinkende Schiff verlassen  ugs., fig. · (den) Abgang machen  ugs. · (den) Adler machen  ugs. · (den) Sittich machen  ugs. · (die) Biege machen  ugs. · (die) Flatter machen  ugs. · (die) Fliege machen  ugs. · (die) Flocke machen  ugs. · (die) Kurve kratzen  ugs. · (einen) Abgang machen  ugs. · (einen) flotten Schuh machen  ugs. · (einen) langen Schuh machen  ugs. · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · (sich) vom Acker machen  ugs. · Leine ziehen  ugs., salopp · in die Ferne schweifen  geh.
  • (irgendwo) herausspazieren · (unbehelligt) weggehen

Typische Verbindungen zu ›abschieben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abschieben‹.

Zitationshilfe
„abschieben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abschieben>, abgerufen am 07.12.2021.

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