abschneiden

GrammatikVerb · schneidet ab, schnitt ab, hat abgeschnitten
Aussprache
Worttrennungab-schnei-den
Wortzerlegungab-schneiden
Wortbildung mit ›abschneiden‹ als Erstglied: ↗Abschneider · ↗Abschneidung  ·  mit ›abschneiden‹ als Grundform: ↗Abschnitt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. schneidend abtrennen
Beispiele:
etw. mit dem Messer, der Schere abschneiden
ein Stück (vom) Fleisch, Kuchen abschneiden
ich schneide (mir) eine Scheibe (vom) Brot, (von der) Wurst ab
die (Spitze von der) Zigarre abschneiden
einen Meter (vom) Band, Stoff abschneiden
einen Faden vom Knäuel abschneiden
den Rand vom Papier, Foto (oben, schräg) abschneiden
die Blume (vom Strauch), die Trauben (vom Weinstock) abschneiden
Handwerkein Stück vom Brett abschneiden (= ein Stück vom Brett absägen)
die Nabelschnur abschneiden
jmdm., sich [Dativ] die Nägel abschneiden
das Haar abschneiden
den Bart abschneiden (= abrasieren, abnehmen)
dem Hund die Ohren abschneiden (= kupieren)
wir wollen dir [dem Kätzchen] den Kopf abschneiden [G. Keller6,260]
Neulich hast du ausgesehen, als hätte man dich grade vom Strick abgeschnitten [HesseSteppenw.4,296]
bildlich
Beispiele:
saloppda kann sich mancher (andere) eine Scheibe abschneiden (= ein Beispiel nehmen)
es ist damit wie abgeschnitten (= es ist plötzlich völlig aus)
[das Messer] das bis jetzt bloß unvernünftigen Geschöpfen den Lebensfaden abgeschnitten hat [H. KurzSonnenwirt148]
2.
den Weg verkürzen
Beispiele:
hier schneiden wir ab
dieser Pfad schneidet ab
eine Ecke abschneiden (= einen Querweg gehen, der die Ecke abkürzt)
3.
jmdn. von etw. abtrennen, absondern, isolieren
Beispiele:
die Stadt (von der Zufuhr), die Truppen (vom Hauptheer, Hinterland) abschneiden
die abgeschnittenen Bergleute
er ist von jeder Hilfe, von aller Welt, von der Heimat, von jeder (Post)verbindung abgeschnitten
4.
etw. (bereits Begonnenes) vereiteln
a)
jmdm. etw. versperren
Beispiele:
jmdm. die Flucht, den Rückzug, Weg (zur Tür) abschneiden
jmdm. jeden Ausweg, alle Hoffnung (zur Rettung), alle Aussichten, Möglichkeiten abschneiden
Dort sind uns die besten Märkte abgeschnitten [G. Hauptm.WeberIV]
b)
Beispiele:
jmdm. das Wort, die Rede abschneiden (= jmdn. nicht zu Wort kommen lassen, unterbrechen)
Sie wollte wieder vom Theater anfangen, aber er schnitt mit rauher Stimme ab [H. MannUntertan4,15]
5.
Beispiele:
jmdm. den Hals abschneiden (= jmdn. zugrunde richten)
jmdm. die Ehre, den guten Leumund abschneiden (= jmdn. verleumden)
6.
umgangssprachlich bei etw. gut abschneiden (= etw. mit einem guten Resultat abschließen)
Beispiele:
bei einer Prüfung, einem Wettbewerb, einem Geschäft günstig, leidlich abschneiden
er hat schlecht abgeschnitten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schneiden · Schneid · schneidig · Schneide · zweischneidig · Schneider · schneidern · abschneiden · Abschnitt · anschneiden · Aufschnitt · beschneiden · durchschneiden · überschneiden · verschneiden · Verschnittener · Verschnitt · Schneidezahn
schneiden Vb. ‘mit einem scharfen Werkzeug zertrennen’, ahd. snīdan (8./9. Jh.), mhd. mnd. snīden, asächs. snīðan, mnl. snīden, nl. snijden, afries. snītha, aengl. snīþan, anord. snīða, schwed. snida, got. sneiþan (germ. *snīþan). Außergerm. werden herangezogen tschech. (mundartlich) snět ‘Ast’, poln. (älter) śniat ‘Baumstamm’, so daß eine Wurzel ie. *sneit- ‘schneiden’ angenommen werden kann, dazu vielleicht (mit abweichendem Dental) mir. snēid ‘klein, kurz’. Angesichts dieser geringen Vergleichsmöglichkeiten aber ist erwägenswert, auch schneiden zu der lautmalenden, etw. Spitzes, etw. Zupackendes, Schnappendes bezeichnenden Wortgruppe mit anlautendem germ. sn- (s. ↗Schnabel) zu rechnen. schneiden ist ursprünglich wohl ein Landwirtschaftswort und bedeutet in alter Zeit ‘mit der Sichel abmähen, ernten’, vgl. noch heute Gras, Getreide, Korn schneiden. In übertragener Wendung jmdn. schneiden ‘gesellschaftlich ignorieren’ (Mitte 19. Jh.) nach gleichbed. engl. to cut (a person); in der Mathematik sich schneiden (von zwei Linien) ‘sich in einem Punkt kreuzen’ (16. Jh.). Schneid m. (bair.-öst. f.) ‘Mut, Tapferkeit, Draufgängertum’ (18. Jh.), besonders in Wendungen wie (keinen) Schneid haben; eigentlich südd. (mit Apokope eines auslautenden unbetonten e), im Krieg von 1870/71 durch norddeutsche Truppen als Mask. aufgenommen und verbreitet. schneidig Adj. ‘forsch, mutig’ (2. Hälfte 19. Jh.), älter nd. een sneidigen Kopp ‘Kopf mit hellem, scharfem Verstand’, een sneidigen (‘schnellen, energischen’) Gang (18. Jh.), mhd. snīdec, snīdic ‘schneidend, scharf, stark, kräftig’. Schneide f. ‘scharfe, schneidende Kante von Waffen, Werkzeugen, Geräten’, mhd. snīde. zweischneidig Adj. ‘mit zwei Schneiden versehen’ (15. Jh.), daher auch ‘sehr scharf’, übertragen ‘mit Vorteilen und Nachteilen versehen’ (da nach zwei Seiten schneidend), ‘gefährlich’ (17. Jh.). Schneider m. ‘Handwerker, der Kleidung anfertigt’ (eigentlich ‘Stoff, Tuch für Kleidung zuschneidet’), mhd. snīdære. schneidern Vb. ‘Kleidung nähen, anfertigen’ (17. Jh.). abschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug abtrennen, durchtrennen, den Weg ab-, verkürzen, den Zugang verwehren, verhindern’, ahd. abasnīdan (9. Jh.), mhd. abesnīden. Vgl. gut, schlecht abschneiden ‘mit gutem, schlechtem Ergebnis abschließen, Erfolg bzw. keinen Erfolg haben’ (Mitte 19. Jh.). Abschnitt m. ‘Gliederungseinheit, Textteil, Zeitraum, Zäsur, abtrennbares, abgetrenntes Stück’, mhd. abesnit. anschneiden Vb. ‘nicht völlig durchschneiden, das erste Stück abschneiden’ (das Brot anschneiden, übertragen eine Frage, ein Problem anschneiden ‘eine Aussprache darüber beginnen’), mhd. anesnīden ‘(ein Kleid) anmessen, zurechtmachen’. Aufschnitt m. ‘Braten- und Wurstscheiben’ (19. Jh.), zuvor ‘Schnittstelle’ (18. Jh.), ‘Prahlerei’ (17. Jh.), frühnhd. ūfsnit ‘das Anschneiden’ (15. Jh.). beschneiden Vb. ‘stutzen, zurückschneiden, glattschneiden, die Vorhaut entfernen’, ahd. bisnīdan (8. Jh.), mhd. besnīden. durchschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug zerteilen’, mhd. durchsnīden ‘zerschneiden, verwunden, zerteilen’ (s. ↗Durchschnitt). überschneiden Vb. (reflexiv) ‘sich kreuzen, teilweise zusammenfallen’ (19. Jh.), zuvor mhd. übersnīden ‘beim Schneiden der Feldfrüchte auf den Grund und Boden eines anderen übergreifen, übertreffen’. verschneiden Vb. ‘kürzen, zurechtschneiden, durch Schneiden verderben’, ahd. firsnīdan ‘weg-, abschneiden, zerschneiden’ (8. Jh.), mhd. versnīden ‘zerschneiden, fehlerhaft zuschneiden, ab-, wegschneiden, beschneiden, kastrieren, verwunden, töten, schmälern’. Verschnittener m. ‘Kastrat, Eunuch’ (16. Jh.). Verschnitt m. ‘Wein, Branntwein, Rum mit Beimischungen anderer Sorten’ (um 1900); vgl. verschneiden übertragen ‘schädigen, verderben, verschlechtern’, daher auch ‘guten Wein mit schlechtem versetzen’, in diesem Sinne zuerst (18. Jh.) nd. versnīden (als Praktik der Weinimporteure?). Schneidezahn m. fast nur im Plur. Schneidezähne ‘die vorderen, scharfen Zähne, mit denen abgebissen wird’ (18. Jh.), wohl Übersetzung von medizin.-lat. dentes incisivi, Neubildung zur Unterscheidung gegenüber älterem ↗Backzahn, ↗Backenzahn, ↗Stockzahn (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abrasieren · ↗abscheren · abschneiden · ↗abtrennen · ↗kappen · ↗wegschneiden  ●  ↗abschnippeln  ugs. · ↗absäbeln  ugs. · ↗heruntersäbeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Ergebnis erzielen · abschneiden  ●  (gut / schlecht / besser / schlechter) wegkommen (bei)  ugs. · ↗(sich) (gut) schlagen  ugs.
Synonymgruppe
(das) Fell abziehen (Bär) · (die) Decke abziehen (Bär) · abschneiden  ●  abschärfen (Bär)  fachspr., Jägersprache, Hauptform
Assoziationen
  • (das) Fell abziehen (Hase, kleineres 'Raubwild') · (die) Haut abziehen (Federwild)  ●  ↗abbalgen  fachspr., Jägersprache, Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Außenwelt Dorf Finger Fluchtweg Haar Kuchen Messer Nachschub Ohr Penis Pisa-Studie Scheibe Schere Schüler Stromversorgung Stück Test Umfrage Vergleich Versorgung Zopf deutlich gut günstig hervorragend relativ schlecht schneiden schwach überdurchschnittlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abschneiden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er habe den Kopf abgeschnitten, während seine Mutter geschlafen habe.
Die Zeit, 29.01.2007 (online)
Auch die Banken schnitten im Mai deutlich schlechter ab als der Dax.
Der Tagesspiegel, 01.06.2004
Ein rennender Schatten versuchte mich von dem nahen Walde abzuschneiden.
Töpfer, Carl: Der neue Franz. In: Flieger am Feind, Gütersloh: Bertelsmann 1934 [1934], S. 180
Schneidet man Brot für andere ab, so darf man hierzu nicht das eigene Messer gebrauchen.
Roeder, Fritz: Anstandslehre für den jungen Landwirt, bes. f. d. Schüler landwirtschaftl. Lehranstalten. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1929], S. 17143
Als das Mädchen wieder in meine Nähe kam, wollte ich den anderen Zopf abschneiden, und dabei wurde ich verhaftet.
Friedländer, Hugo: Der Zopfabschneider vor Gericht. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3540
Zitationshilfe
„abschneiden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abschneiden>, abgerufen am 16.11.2019.

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