abschweifen

GrammatikVerb · schweift ab, schweifte ab, ist abgeschweift
Aussprache
Worttrennungab-schwei-fen
Wortzerlegungab-schweifen
eWDG, 1967

Bedeutung

von etw. abweichen, abgehen
Beispiele:
er ist vom Wege abgeschweift
daß der Küstenlauf gegen Gaza hinab mehr und mehr westlich abschweifte [Th. MannJoseph4,38]
bildlich
Beispiele:
seine Gedanken schweiften (vom Gegenstand, Thema) ab
sie ist mit den Gedanken abgeschweift
das »Rauhe Haus« […] wo man abgeschweifte (= sittlich gefährdete) Knaben auf den rechten Weg zurückbrachte [H. Mann9,279]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schweifen · abschweifen · ausschweifen · ausschweifend · Ausschweifung · weitschweifig
schweifen Vb. ‘herumstreifen, umherziehen, -wandern’. Ein starkes (reduplizierendes) Verb ahd. sweifan ‘kämpfen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘in drehende, schwingende Bewegung setzen, schwingen’, intransitiv ‘bogenförmig gehen, herumwandern, schwanken, taumeln’, asächs. farswēpan ‘vertreiben’, aengl. swāpan ‘fegen, schwingend bewegen’, engl. (schwach) to swoop ‘niederstoßen, sich stürzen (von Vögeln)’, anord. sveipa ‘werfen, umhüllen’ (germ. *swaipan) führt mit dem unter ↗Schweif (s. d.) behandelten Substantiv sowie mit mnd. mnl. swēpe, nl. zweep, aengl. swipu, swipe, anord. svipa ‘Peitsche’, got. midjasweipains ‘Überflutung, Sintflut’ (eigentlich ‘Fegung der Mitte’) und vielleicht mit awest. xšvaēwayat̰. aštrā- ‘der die Peitsche kreisen läßt, schwingt’, xšviwra- ‘flink’ auf ie. *su̯eib-, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *su̯ē̌(i)- ‘biegen, drehen, schwingen’ (wozu auch ↗schweben, s. d.). Das starke Verb fällt in frühnhd. Zeit mit dem zugehörigen schwachen Verb ahd. sweifen ‘umstürzen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘schwingen’ zusammen und gibt die starke Flexion auf. abschweifen Vb. ‘sich davonmachen’ (15. Jh.), ‘abweichen von etw.’ (16. Jh.), ‘durch Hin-und-her-Bewegen im Wasser reinigen’ (17. Jh.), ‘beim Reden, in Gedanken vom Thema abkommen’ (18. Jh.). ausschweifen Vb. ‘eine gerade Linie verlassen, sich verbreiten, herumstreifen’ (15. Jh.), ‘vom Thema abkommen, in Gedanken abirren, über ein vertretbares (moralisches) Maß hinausgehen’ (16. Jh.); ausschweifend Part.adj. ‘das rechte moralische Maß übersteigend’ (18. Jh., ausschweifende Laster, Triebe, ausschweifende Lebensart); Ausschweifung f. ‘Üppigkeit’ (15. Jh.), ‘gekrümmte, von der Geraden abweichende Linienführung’ (16. Jh.), ‘(moralische) Maßlosigkeit’ (17. Jh.). weitschweifig Adj. ‘ausgedehnt, ausführlich’, spätmhd. wītsweific ‘umherschweifend, weitläufig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abschweifen · ↗abweichen  ●  einen Abstecher machen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) in Details verlieren · ↗(sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) verwickeln · ↗(sich) verwirren · ins Stottern geraten · ins Stottern kommen · nicht weiterwissen · zu stammeln anfangen  ●  ↗straucheln  fig. · ↗(sich) verhaspeln  ugs. · ↗(sich) verheddern  ugs. · den Faden verlieren  ugs. · durcheinander kommen  ugs.
  • den Rahmen sprengen · zu viel werden · zu weit führen
  • (jemand) sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht (mehr) · (jemandem) fehlt der Blick aufs Ganze · (seine) Zeit verplempern mit · (sich) mit Nebensächlichkeiten aufhalten · (sich) nicht aufs Wesentliche konzentrieren · (sich) verlieren (in) · ↗(sich) verzetteln · nicht zum Wesentlichen kommen
  • Abschweifung · ↗Einschub · ↗Umschweif  ●  ↗Abstecher  ugs. · ↗Exkurs  geh., bildungssprachlich · ↗Schlenker  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blick Erzähler Gedanke Phantasie Thema gedanklich gelegentlich gern hin mal manchmal nie oft scheinbar schweifen ständig wieder

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abschweifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um das zu erklären, muss er erst einmal vom Tisch aufstehen und in die Theologie abschweifen.
Der Tagesspiegel, 22.09.2001
Aber ich quassele zuviel oder denke zuviel oder schweife ab.
Hilsenrath, Edgar: Der Nazi & der Friseur, Köln: Literar. Verl. Braun 1977, S. 250
Gestikuliert man, schweigt man, kann man abschweifen und elektronisch verkehren?
Die Zeit, 29.08.2011, Nr. 35
Einen langen Gedankenstrich muß ich hier machen, denn ich bin abgeschweift, habe zurückgegriffen und bin vorangeeilt.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Die Kinderhand will hierhin und dorthin abschweifen und muß in der Bahn der Schrift gehalten werden.
Schlink, Bernhard: Der Vorleser, Zürich: Diogenes 1995, S. 169
Zitationshilfe
„abschweifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abschweifen>, abgerufen am 15.10.2019.

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