absehbar

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ab-seh-bar
Wortzerlegung absehen-bar
Wortbildung  mit ›absehbar‹ als Letztglied: ↗unabsehbar
eWDG

Bedeutung

übersehbar, erkennbar
Beispiele:
kaum absehbare Folgen einer Tat
in absehbarer Zeit (= in nächster Zeit)
Ein Ende, dieser Art zu leben, war nicht absehbar [ H. MannUntertan4,348]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta ↗Sicht und ↗Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. ↗sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. ↗Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
absehbar · abzusehen · ↗berechenbar · nicht spontan auftreten(d) · ↗voraussagbar · ↗voraussehbar · vorauszusehen · ↗vorhersagbar · ↗vorhersehbar · vorherzusehen  ●  (sich) anbahnend  ugs. · ↗prognostizierbar  fachspr. · ↗prädiktiv  fachspr.
Assoziationen
  • angekündigt · prognostiziert · von vornherein (feststehen, dass) · vorausgesagt  ●  (bereits) im Vorhinein klar  ugs. · mit Ansage  ugs.
  • prophylaktisch · ↗präventiv · vorbeugend · ↗vorsorglich · zur Vorbeugung
  • grundsätzlich · von Anfang an · von vorneherein · von vornherein  ●  ↗a priori  lat., bildungssprachlich · ↗per se  geh., bildungssprachlich, lat.
  • bereits im Voraus · bereits vorab · im Vorhinein · schon vorher · von vornherein
  • berechenbar · ↗kalkulierbar
  • (etwas ist) kein Wunder · (schon) gerechnet haben mit · abzusehen sein · nicht weiter verwunderlich sein · nicht überraschen · vorauszusehen sein · was Wunder, dass (...) · wenig überraschen · wenig überraschend kommen · zu erwarten sein  ●  wen wundert's!  Spruch · (sich) (an drei Fingern) ausrechnen (können)  ugs., variabel · nicht wirklich eine Überraschung sein  ugs.
  • Das musste ja so kommen. · Das war mir (von vornherein) klar.  ●  (Das) hab ich mir doch gleich gedacht!  ugs. · Als wenn ich es geahnt hätte (...)  ugs. · Also doch!  ugs. · Das war ja (von vornherein) klar (...)  ugs. · Hab ich's doch gewusst!  ugs. · Hab ich's mir doch gedacht!  ugs. · Hab ich's nicht gleich gesagt?  ugs. · Ich hab's gewusst.  ugs. · Ich wusste es.  ugs. · Ich wusste, dass es so kommen würde.  ugs. · Wem sagst du das!  ugs. · Wusst' ich's doch!  ugs. · das hab(e) ich (ja) kommen sehen  ugs. · ich hab(e) es ja gleich gesagt  ugs. · kein Wunder (dass ...)  ugs.
  • (gut) nachvollziehen können · (gut) verstehen können · ↗begreiflich · ↗verständlich  ●  ↗nachvollziehbar (sein)  Hauptform · (die) logische Konsequenz (sein)  ugs., floskelhaft · ↗erklärlich  geh. · es verwundert nicht (dass/wenn)  geh. · kein Wunder (sein)  ugs. · nur konsequent (sein)  ugs.
  • (sich) etwas denken können · (sich) etwas zusammenreimen · eins und eins zusammenzählen können  ●  von alleine draufkommen  ugs.
  • ausgehen können von · rechnen können mit · zu erwarten sein · zu erwarten stehen
  • den Erwartungen entsprechend · der Erwartung entsprechend · ↗erwartbar · ↗erwartungsgemäß · erwartungskonform · ↗gewohnt (Adverb) · ↗naturgemäß · ↗natürlich · ↗natürlicherweise · ↗selbstverständlich · ↗trivialerweise · ↗verständlicherweise · wenig überraschend · wie erwartet · wie zu erwarten (war) · wie üblich  ●  ↗logischerweise  ugs. · wen wundert's (Einschub)  geh.
  • (sich etwas) denken können · davon ausgehen können · nicht schwer vorauszusagen (sein) · nicht schwer zu erraten (sein)  ●  (sich etwas) an einer Hand abzählen können  ugs., fig.
Synonymgruppe
absehbar · unkreativ · wenig Überraschung bietend · wenig überraschend
Assoziationen
  • (jemanden) anöden · ↗(jemanden) ermüden · ↗(jemanden) langweilen · Langeweile erzeugen (bei)  ●  (sich) zu Tode langweilen  übertreibend, fig. · ↗(sich) öden  ugs. · vor Langeweile sterben  ugs., übertreibend, fig.
  • Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.)  fig. · eingefahrene Bahnen  fig. · eingefahrene Gleise  fig.

Typische Verbindungen zu ›absehbar‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›absehbar‹.

Verwendungsbeispiele für ›absehbar‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wahlen, bei denen es um die ganze Macht ginge, sind nicht absehbar.
Die Zeit, 17.03.2007, Nr. 12
Eine revolutionäre Situation ist auf absehbare Zeit nicht einmal denkbar.
konkret, 1983
Wenn er das sagte, konnte er unmöglich beabsichtigen, die polnische Frage in absehbarer Zeit kriegerisch zu lösen.
o. A.: Einhundertvierunddreißigster Tag. Montag, 20. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 22814
Das werden Sie wohl in absehbarer Zeit schon ermessen können.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1939]
Ich werde es Ihnen höchstwahrscheinlich in sehr absehbarer Zeit - Verlassen Sie sich darauf!
Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 644
Zitationshilfe
„absehbar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/absehbar>, abgerufen am 19.04.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Absegnung
absegnen
absegeln
Abschwung
abschwören
absehen
Absehung
Absehunterricht
abseifen
abseihen