absondern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungab-son-dern
Wortzerlegungab-sondern1
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn., sich, etw. isolieren, absperren
Beispiele:
die Erkrankten (von den Gesunden) absondern
er hat sich (völlig) von seiner Familie, von der Welt abgesondert
die Schafe von den Böcken absondern
(streng, ganz) abgesondert leben (= (streng, ganz) zurückgezogen leben)
ein abgesondertes Zimmer (= ein separates Zimmer)
Jura abgesonderte Befriedigung (= bevorzugte Befriedigung des Gläubigers aus der Konkursmasse)
2.
etw. ausscheiden
Beispiele:
Eiter, Speichel, Talg absondern
Schweiß wird von den Drüsen abgesondert
der Baum sondert Harz ab
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sonder · sonder · sonder · sondern · Sonderling · sonderbar · sonderlich · sondern · absondern · aussondern
sonder Präp. mit Akkusativ ‘ohne’; heute nur noch in Fügungen wie sonder Tadel, sonder Zweifel, sondersgleichen. Ahd. suntar (9. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘außer, ohne’ (vgl. auch anfrk. sundir) setzt sich seit dem 16. Jh. in der durch Senkung von u zu o vor Nasal entstandenen md. Form sonder durch (s. auch ↗Sommer, ↗Sonne, ↗Wonne u. a.). Voraus geht ein Adverb ahd. suntar ‘abseits, gesondert, für sich’ (8. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘auf eine gesonderte Weise, abseits, im einzelnen, für sich, ausschließlich, ausgezeichnet, sehr’, asächs. sundar ‘abgesondert, besonders’, mnl. sonder, aengl. sundor ‘beiseite, für sich’ (in engl. asunder ‘auseinander, entzwei’), anord. sundr ‘gesondert, auseinander, entzwei’, got. sundrō ‘abgesondert, allein’; verwandt sind aind. sanutáḥ ‘weg, fort, abseits’, griech. áter (ἄτερ) ‘ohne, fern von’, air. sain ‘verschieden, besonders’, lat. sine ‘ohne’, so daß auf Formen wie ie. *seni-, *senu-, *sṇter- ‘für sich, abgesondert’ zurückgegangen werden kann, die möglicherweise zu dem unter ↗sich (s. d.) genannten Reflexivstamm ie. *se-, eigentlich ‘abseits, getrennt, für sich’, gebildet sind. Das Adverb wird seit dem 16. Jh. von besonders (s. ↗besonder) abgelöst. Daneben sonder Adj. ‘für sich abgetrennt, extra’, bis ins 18. Jh. geläufig, danach nur vereinzelt und von ↗besonder (s. d.) verdrängt (erhalten in Komposita wie Sonderdruck, -stellung, -zuteilung), ahd. suntar ‘entlegen, entfernt, abgesondert’ (11. Jh., vielleicht bereits 8. Jh.?), mhd. mnd. sunder ‘abgesondert, alleinstehend, einsam, besonder, ausschließlich, eigen, ausgezeichnet’. sonder Konj. ‘vielmehr’ (bis ins 17. Jh.), ahd. suntar ‘sonder, doch’ (9. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘ausgenommen, außer, gleichwohl, vielmehr, indessen, aber’. Dazu tritt gleichbed. sondern Konj. mhd. (md.) sundern (14. Jh.), eigentlich Dativ Plur. des Adjektivs (s. oben), das sich vom Omd. im 16. Jh. durch Luther ausbreitet. Sonderling m. ‘wer sich durch auffallendes, abweichendes Verhalten von seinen Mitmenschen abhebt und absondert, Kauz’ (17. Jh.), zuvor wertneutral ‘wer sich absondert’ (16. Jh.). sonderbar Adj. ‘merkwürdig, herausfallend, unerklärlich’, ahd. suntarbāri ‘abgesondert’ (10. Jh.), mhd. sunderbære, -bar ‘besonder, ausgezeichnet, alleinstehend, unverheiratet’, zusammengesetzt mit dem unter ↗-bar (s. d.) behandelten Suffix. sonderlich Adj. ‘merkwürdig’, Adv. ‘besonders’, ahd. suntarlīh (um 1000, suntarlīhho Adv., 9. Jh.), mhd. sunderlich ‘abgesondert, besonder’, sunderlīche, -līchen Adv. sondern Vb. ‘trennen, aussortieren’, ahd. suntarōn (9. Jh., gisuntarōt Part. Prät., um 800), mhd. sundern ‘abtrennen, unterscheiden’. absondern Vb. ‘loslösen, isolieren, ausscheiden (von Flüssigkeiten), sich abheben’, mhd. abesundern ‘vermögensrechtlich abfinden, loslösen’. aussondern Vb. ‘auswählen und aussortieren’, mhd. ūʒsundern ‘abtrennen, entfernen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
absondern · abszedieren · ↗abtrennen · trennen von  ●  ↗sezernieren  fachspr.
Synonymgruppe
abscheiden · absondern · ↗abspalten · ↗ausgliedern · ↗aussieben · ↗aussondern · ↗aussortieren · ↗eliminieren · ↗entfernen · ↗entnehmen · ↗extrahieren · ↗herausnehmen · ↗isolieren · ↗selektieren · ↗separieren · ↗streichen · ↗trennen  ●  ↗auslesen  fachspr.
Assoziationen
  • herausfischen · ↗herauslesen · ↗herauspicken  ●  ↗(einzeln) heraussuchen  Hauptform · rausfischen  ugs. · rauspicken  ugs. · raussuchen  ugs.
  • auf die Seite legen · auf die Seite tun · ↗beiseitelegen · ↗weglegen · zur Seite legen
  • (sich) das Beste herauspicken · (sich) die besten Stücke herauspicken  ●  (die) Spreu vom Weizen trennen  fig. · guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen (tun)  Spruch · sich die Rosinen aus dem Kuchen picken  fig. · sich die Rosinen herauspicken  fig. · sich die Rosinen vom Kuchen herauspicken  fig.
  • ausmustern · ↗ausrangieren · ↗aussortieren · ↗entsorgen · ↗fortwerfen · in den Müll geben · ↗verschrotten · zum Alteisen werfen  ●  ↗wegwerfen  Hauptform · fortschmeißen  ugs. · in die Tonne kloppen  derb · in die Tonne treten  ugs. · ↗loswerden  ugs. · ↗wegschmeißen  ugs. · ↗wegtun  ugs.
Synonymgruppe
absondern · ↗abspalten · ↗isolieren · ↗separieren · ↗trennen  ●  ↗segregieren  geh. · sondern  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) absondern · ↗(sich) ausgrenzen · (sich) ins Abseits stellen
Assoziationen
  • (sich) sperren (gegen) · (sich) sträuben (gegen) · (sich) wehren (gegen) · ↗(sich) widersetzen · nicht mitmachen · nicht mitspielen · nicht mitziehen · nicht willfährig sein  ●  ↗(sich) querlegen  fig. · Nein sagen  ugs. · aus der Reihe tanzen  ugs., fig. · einen Korb geben  ugs., fig. · nein sagen  ugs.
  • auf eigene Rechnung arbeiten · seinen eigenen Weg gehen  ●  sein eigenes Süppchen kochen  abwertend, fig. · sein eigenes Ding durchziehen  ugs.
Synonymgruppe
absondern · auf eine Isolierstation verlegen · ↗isolieren  ●  unter Quarantäne stellen  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bakterie Darm Drüse Duftstoff Floskel Flüssigkeit Gas Geruch Gift Herd Hormon Kranke Milch Parole Poesie Saft Schleim Schleimhaut Sekret Speichel Sprechblase Spruch Statement Stoff Substanz Tropfen Weisheit Zelle sondern voneinander

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›absondern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der junge Mann aus Linz sonderte sich ansonsten im Heim gerne ab.
Süddeutsche Zeitung, 14.11.2003
Das Horn auf dem Kopf sondert ein starkes Gift ab.
Bild, 03.06.2000
Aber jede Farbe verschwand im einheitlichen Schwarz ihrer Umgebung, als sollte hier nichts und niemand hervorragen, sich absondern.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2927
Eine kleine Gruppe vorwiegend älterer Männer war von ihnen abgesondert worden.
Born, Nicolas: Die Fälschung, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1980 [1979], S. 178
Hier wurden die verwendbaren Juden von den als wertlos angesehenen Juden abgesondert.
o. A.: Neunzehnter Tag. Donnerstag, 13. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 24709
Zitationshilfe
„absondern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/absondern>, abgerufen am 23.03.2019.

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