absprechen

GrammatikVerb · spricht ab, sprach ab, hat abgesprochen
Aussprache
Worttrennungab-spre-chen
Wortzerlegungab-sprechen
Wortbildung mit ›absprechen‹ als Grundform: ↗Absprache · ↗absprechend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. verabreden
Beispiele:
eine Reise, Lieferung absprechen
etw. vor der Versammlung mit den Beteiligten (genau) absprechen
das war von vornherein abgesprochen
unsere Väter und Mütter hätten es miteinander abgesprochen [Th. MannJoseph5,45]
2.
jmdm. etw. durch einen Urteilsspruch aberkennen
Gegenwort zu zusprechen
Beispiel:
Sachsen ist ihm [dem Herzog] schon abgesprochen [StifterWitiko1,93]
veraltet, gehoben jmdm. das Haupt, das Leben absprechenjmdm. das Todesurteil sprechen
Beispiele:
die Sentenz, / Die ihr das Haupt abspricht [SchillerStuartII 3]
daß Sie durch dieses Ja sich selbst das Leben abgesprochen haben [FalladaJeder stirbt491]
bildlich
Beispiele:
jmdm., sich selbst eine besondere Eigenschaft, die Fähigkeit, das Verdienst, Recht, die Kenntnis, das Verständnis, den guten Willen absprechen
die Tüchtigkeit wurde ihm sogar von seinen Feinden nicht abgesprochen
einem Künstler ein Werk absprechen (= seine Autorschaft bestreiten)
3.
selten sich ablehnend äußern
Beispiel:
Auch schien dieses Absprechen über die Hofgesellschaft ... Mode zu sein [G. Hauptm.2,458]
absprechendabfällig
Grammatik: meist im Part. Präs.
Beispiele:
ein absprechendes Urteil, in absprechender Weise
sich absprechend äußern
wiewohl seine Meinungen ein wenig hitzig und absprechend waren [Th. MannBuddenbrooks1,135]
4.
veraltet urteilen
Beispiel:
Sie möchten ... Den und Den angehen, welcher in der Sache abzusprechen habe [Immerm.Münchh.1,133]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sprechen · Sprecher · absprechen · Absprache · ansprechen · Ansprache · Anspruch · besprechen · Besprechung · Einspruch · versprechen · Versprechen · Versprechung · zusprechen · Zuspruch
sprechen Vb. ‘reden’, ahd. sprehhan (8. Jh.), mhd. sprechen, asächs. sprekan, mnd. mnl. sprēken, nl. spreken, afries. spreka, aengl. sprecan (westgerm. *sprekan) und die r-losen Formen ahd. spehhan (9. Jh.), asächs. spekan, mhd. spehten ‘schwatzen’, aengl. specan, engl. to speak ‘reden’, mnl. spēken werden wie mnd. sprāken ‘Funken sprühen’, mnl. sparken, aengl. spearcian, anord. schwed. spraka ‘knistern, prasseln’ und die unter ↗Sprache (s. d.) genannten Formen als Schallwörter mit alban. shpreh ‘ich spreche aus’, kymr. ffreg ‘Geschwätz’ und aind. sphū́rjati ‘donnert, grollt’, griech. spharagḗīsthai (σφαραγεῖσθαι) ‘knistern, zischen, strotzen, zum Platzen voll sein’, lit. (ablautend) sprógti ‘bersten, platzen’, ohne anlautendes s- kslaw. prъžiti, pražiti ‘rösten, dörren’, russ. (älter) prjážit’ (пряжить) ‘in Butter backen’ auf ie. *(s)p(h)ereg-, *(s)p(h)erəg-, *(s)p(h)rēg- zurückgeführt, eine g-Erweiterung der unter ↗Sporn (s. d.) genannten Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, zappeln, schnellen’ (auch ‘streuen, sprengen, spritzen’, s. ↗sprühen, ↗Spur). Diese Wurzelerweiterung läßt sich nur im Germ. und Kelt. für den Bereich ‘sprechen’ nachweisen. Ungeklärt ist das Nebeneinander der germ. Formen mit und ohne r. Vielleicht handelt es sich um ein emphatisches r in jüngeren Formen oder um r-Ausfall zwischen Labial und ie. g? Sprecher m. ‘wer (als Beauftragter) spricht’, ahd. sprehhāri (11. Jh.), mhd. sprechære. absprechen Vb. ‘aberkennen, vereinbaren’, mhd. abesprechen ‘ein Urteil sprechen, aberkennen, leugnen, widerrufen’; Absprache f. ‘Vereinbarung’ (18. Jh.). ansprechen Vb. ‘anreden’, ahd. anasprehhan (11. Jh.), mhd. anesprechen ‘anfangen zu sprechen, in Anspruch nehmen, einen mit Worten (herausfordernd, beschuldigend, anklagend) angehen’, übertragen ‘gefallen, anrühren’ (Anfang 19. Jh.); Ansprache f. ‘kürzere Rede, Anrede’, in älterer Sprache ‘Anklage, Anspruch’, ahd. anasprāhha (9. Jh.), mhd. anesprāche; Anspruch m. ‘Anrecht, Forderung’, mhd. anspruch ‘Anklage, Einspruch’. besprechen Vb. ‘über etw. reden, etw. festlegen, rezensieren, (Krankheiten) beschwören, mit Zaubersprüchen zu heilen suchen’, ahd. bisprehhan ‘anfechten, tadeln, verleumden’ (8. Jh.), mhd. besprechen ‘verabreden, jmdn. anreden, anklagen, verlangen’; Besprechung f. ‘Gespräch, Beratung’ (16. Jh.), ‘Rezension, Behandlung von Krankheiten durch Beschwörung mit Zauberformeln’ (19. Jh.). Einspruch m. ‘Einwand, Protest, Widerspruch, Beschwerde’ (15. Jh.). versprechen Vb. ‘zusichern’, (reflexiv) ‘versehentlich falsch sprechen’, ahd. firsprehhan ‘in Abrede stellen, zurückweisen, vertreten, verteidigen, rechtfertigen’ (9. Jh.), mhd. versprechen ‘bürgen, verteidigen, entschuldigen, in Anspruch nehmen, zusichern, widersprechen, leugnen, zurückweisen, unrichtig sprechen, zaubern, beschwören’; Versprechen n. ‘Zusicherung, Gelöbnis’ (16. Jh.); Versprechung f. ‘Zusicherung, Versicherung, Gelöbnis’ (15. Jh.). zusprechen Vb. ‘trösten, zuerkennen, Speise und Trank sich schmecken lassen’, ahd. zuosprehhan ‘mit jmdm. reden’ (8. Jh.), mhd. zuosprechen ‘jmdm. zureden, zu jmdm. ein Wort sprechen, fordern, anklagen’; Zuspruch m. ‘Trost, Zulauf’ (17. Jh.), mhd. zuospruch ‘Anspruch, rechtliche Forderung oder Klage’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abmachen · absprechen · ↗akkordieren · ↗aushandeln · ausverhandeln · ↗vereinbaren · ↗übereinkommen (dass)  ●  ausschnapsen  österr. · ↗auskungeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
aberkennen · absprechen
Synonymgruppe
absprechen · ↗abstimmen · ↗koordinieren
Synonymgruppe
(sich) absprechen · (sich) abstimmen (mit) · (sich) arrangieren (mit) · (sich) ins Benehmen setzen mit (förmlich) · ↗(sich) verständigen
Assoziationen
  • (eine) Einigung erzielen · (eine) Einigung finden · (eine) Übereinkunft treffen · (einen) Kompromiss finden · (einen) Kompromiss schließen · (sich) einigen (auf) · (sich) verständigen (auf) · zu einer Einigung kommen · ↗übereinkommen
  • (das) Wort richten (an) · (jemanden) ansprechen (in einer Sache) · (sich) in Verbindung setzen mit · (sich) richten (an) · (sich) wenden (an) · Kontakt aufnehmen (mit) · ↗herantreten (an) · in Kontakt treten (mit) · ↗kontakten · vorstellig werden (bei)  ●  ↗kontaktieren  Hauptform
Synonymgruppe
(sich) (unerlaubterweise) absprechen · insgeheim vereinbaren  ●  ↗abkarten  negativ · gemeinsam aushecken  negativ
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Befähigung Bemühen Berechtigung Daseinsberechtigung Eignung Ernsthaftigkeit Existenzberechtigung Existenzrecht Fähigkeit Glaubwürdigkeit Kompetenz Kreditwürdigkeit Lebensrecht Legitimation Legitimität Menschenwürde Menschsein Qualifikation Recht Regierungsfähigkeit Termin Vorgehen Vorstoß Wille Zuständigkeit aufteilen rundweg sprechen untereinander vorher

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›absprechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit den Journalisten ist abgesprochen, daß es kein Interview geben wird.
Der Tagesspiegel, 09.06.1997
Die Fähigkeit zur rationellen Entscheidung muß man einem leidenden Patienten mitunter absprechen.
Süddeutsche Zeitung, 14.08.1996
Zum Schluß spricht er Ihnen das Recht ab, diese Männer zu verurteilen.
o. A.: Einhundertneunundachtzigster Tag. Montag, 29. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 26240
Still, still, gewiß, ich spreche ihn dir gewiß nicht ab.
Borchardt, Rudolf: Vereinigung durch den Feind hindurch, Frankfurt a. M.: Ullstein 1982 [1937], S. 31
Andererseits kann ich auch gerade diesem Exerzieren einen großen Wert nicht absprechen.
Brief von Otto Franke vom 13.07.1916. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1916], S. 187
Zitationshilfe
„absprechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/absprechen>, abgerufen am 17.11.2019.

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