abstammen

GrammatikVerb · stammte ab, ist abgestammt (Part. Prät. ungebräuchl.)
Aussprache
Worttrennungab-stam-men
Wortzerlegungab-stammen
eWDG, 1967

Bedeutung

seinen Ursprung von jmdm., etw. haben
Beispiele:
in gerader, direkter Linie von jmdm. abstammen
er stammt von guten Eltern ab
Aber der Mensch ... stammt doch vom Affen ab? [Th. MannKrull8,550]
Gemütlichkeit soll von Gemüt abstammen [Rosegger3,388]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stamm · stammen · abstammen · Abstammung · angestammt · stämmig · Stammbaum · Stammbuch · Stammhalter · Stammvater
Stamm m. senkrecht gewachsener Teil eines Baumes, von dem die Äste abgehen, übertragen ‘Geschlecht, durch gesellschaftliche, sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten verbundene Menschengruppe, Sippenverband’, ahd. stam (um 800; vgl. auch liutstam ‘Volksstamm, Leute’, 8. Jh.), mhd. stam (Genitiv stammes) ‘(Baum)stamm, Geschlecht, Abstammung’, mnd. stam(me), mnl. nl. stam führen auf germ. *stamna- (vgl. dazu das unter ↗Steven, s. d., behandelte Substantiv), während aengl. stemn, stefn, engl. stem germ. *stemni- voraussetzt. Dies läßt sich wie griech. stámnos (στάμνος) ‘großer Krug’, eigentlich ‘stehendes Gefäß’, air. tamun ‘Baumstamm’, toch. A ṣtām ‘Baum’ mit m-Formans von der unter ↗stehen (s. d.) genannten Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ herleiten. Als Ausgangsbedeutung ist ‘Ständer’ anzunehmen. Die übertragene Bedeutung ‘Teil eines Volkes, Volksstamm, Geschlecht, Familie’ (vgl. oben ahd. liutstam) folgt dem Bild des sich nach allen Seiten ausbreitenden Baumes, dessen Äste aus einem gemeinsamen Stamm wachsen. Von einer ähnlichen Vorstellung ausgehend (in der Sprachwissenschaft) ‘einer Ableitung, einer Wortfamilie zugrundeliegendes Wort’ (17. Jh.), dann ‘bedeutungstragender Teil eines Wortes’ ohne wort- und formbildende Elemente, (in der Wirtschaft) ‘Grundstock, Kapital’ im Unterschied zu den Zinsen (18. Jh.), ‘fester Bestand an Personen, Mitarbeitern, Kunden, Mitgliedern’ (19. Jh.). stammen Vb. ‘seinen Ursprung haben’, mhd. stammen; dafür auch abstammen Vb. (17. Jh.); Abstammung f. ‘Herkunft, Ursprung’ (Ende 17. Jh.). angestammt Part.adj. ‘ererbt, überkommen, althergebracht’ (16. Jh., geläufig seit dem 18. Jh.). stämmig Adj. ‘(wie ein Baumstamm) kräftig, fest’ (17. Jh.). Stammbaum m. ‘(wie ein Baum mit Geäst dargestelltes) Geschlechtsregister mit dem ältesten Vorfahren als Stamm’ (17. Jh.), vgl. lat. arbor generātiōnis. Stammbuch n. ‘Register, Buch, in das die Mitglieder einer Familie, eines Geschlechts eingetragen werden’ (16. Jh.), dann ‘Buch, in das sich Freunde und Bekannte mit einem Denkspruch eintragen’ (17. Jh.). Stammhalter m. ‘männlicher Nachkomme, der das Geschlecht erhalten soll’ (17. Jh.). Stammvater m. ‘Begründer eines Geschlechts’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ursprung haben (in) · abstammen · ↗austreten · ↗entsprießen · ↗entspringen · ↗herrühren (von) · ↗herstammen · ↗hervorgehen · ↗zurückgehen (auf)
Synonymgruppe
(sich) ergeben (aus) · abstammen · ↗entspringen · ↗herkommen · ↗resultieren (aus) · stammen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aborigine Affe Ahne Bulle Dinosaurier Einwanderer Elternteil Großeltern Großelternteil Homo Hugenotte Lebewesen Mutterkörper Muttertier Neandertaler Population Reptil Saurier Sklave Säugetier Unterart Urahn Ureinwohner Vogel Vorfahr Vorfahren Wal mütterlicherseits stammen väterlicherseits

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstammen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die zweite Form, in der man Muslim wird, ist die, von einem muslimischen Vater abzustammen.
Heine, Peter: Glaubensbekenntnis. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 948
Als adlig galt, wer von Vätern und Großvätern abstammte, die ihre Waffen getragen hatten, ohne eine »gemeine Tat« begangen oder standeswidrig gehandelt zu haben.
Tapié, Victor-Lucien: Das Zeitalter Ludwigs XIV. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1951
Wal und Mensch stammen aus derselben Ur-Soße, dem Ur-Ozean, und vom gleichen Ur-Raubtier ab, das sich dank abfallendem Wasserspiegel an Land entwickeln konnte.
konkret, 1983
Unsere Laune stammt nur noch etymologisch vom lateinischen Luna ab.
Der Spiegel, 20.04.1987
Trotz dieser strengen Gesetze stammen alle Hauskatzen Europas und des Mittelmeerraumes von diesen ägyptischen Falbkatzen ab.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 88
Zitationshilfe
„abstammen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abstammen>, abgerufen am 26.08.2019.

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