abstechen

GrammatikVerb · sticht ab, stach ab, hat abgestochen
Aussprache
Worttrennungab-ste-chen
Wortzerlegungab-stechen
Wortbildung mit ›abstechen‹ als Erstglied: ↗Abstecher  ·  mit ›abstechen‹ als Grundform: ↗Abstich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ein Tier durch Einstich töten
Beispiele:
ein Schwein abstechen
Er glotzte wie ein abgestochenes Kalb [O. M. GrafBolwieser73]
2.
etw. mit einem scharfen Gegenstand abtrennen
Beispiel:
Torf, die Grasnarbe (mit dem Spaten), Teig, Klöße (mit dem Löffel) abstechen
3.
historisch jmdn., etw. herunterstoßen
Beispiele:
den Gegner (im Turnier vom Pferde) abstechen
und stachen mit mehr oder minder Glück die Ringe [mit einer Lanze] ab [Tieck23,71]
4.
etw. durch das Ausflussloch ablaufen lassen
Beispiele:
den (flüssigen) Stahl abstechen
den Most, Wein abstechen
das Ausflussloch öffnen
Beispiel:
einen Hochofen abstechen
5.
sich stark abheben, sich merklich von etw. unterscheiden
Beispiele:
abstechende Farben
durch die Kleidung, Sprache, Leistung von jmdm. (vorteilhaft) abstechen
das Ende sticht gegen den Anfang (gewaltig) ab
Das ... stach von der Wirklichkeit verteufelt ab [A. ZweigJunge Frau54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stechen · ausstechen · Stecher · Stechapfel · Stechpalme · abstechen · Abstecher · anstechen · Anstich
stechen Vb. ‘mit einer Spitze verletzen bzw. in etw. eindringen’, ahd. stehhan (um 800), mhd. stechen (auch ‘turnieren’), asächs. stekan, mnd. mnl. stēken, nl. steken, afries. steka (westgerm. *stekan) führen mit den unter ↗stecken, ↗Stachel, ↗Stake (s. d.) genannten Formen sowie mit ahd. stehhōn ‘anstacheln, erstechen’ (8. Jh.), got. staks ‘Wundmal’ auf ie. *(s)teg-. Demgegenüber setzen die außergerm. Verben und Nomina aind. tḗjatē ‘ist, wird scharf, schärft’, tigmáḥ ‘scharf, spitzig, heiß, heftig’, griech. stízein (στίζειν) ‘stechen, punkten, tätowieren, brandmarken’, stígma (στίγμα) ‘Stich, Brandmal, Malzeichen, Kennzeichen’, lat. īnstīgāre ‘anstacheln, anspornen, aufreizen’ ie. *(s)teig-, *(s)tig- voraus. Mit Sicherheit liegt eine ie. Ausgangsform mit i-Vokal bzw. i-Diphthong auch in aengl. stician ‘stechen, durchstoßen’, engl. to stick ‘stechen, stoßen, stecken’, einem Teil der unter ↗Stecken (s. d.) genannten Formen sowie in ablautendem anord. steikja ‘braten’, eigentlich ‘an den Bratspieß stecken’, vor. Bei einer Reihe verwandter Wörter aber (s. ↗Stich, ↗Stichel, ↗sticken, ↗ersticken) bleibt offen, ob das i der Wurzelsilbe aus dem Ie. ererbt oder (außerhalb des Got.) durch ein ursprüngliches i bzw. j der Folgesilbe aus e entstanden ist. Ie. *(s)teig-, *(s)tig- und die Variante *(s)teg- ‘stechen, spitz, Stange, Pfahl, Stock’ sind Gutturalerweiterungen der Wurzel ie. *(s)tei- ‘spitzig’, die unerweitert in lat. stilus, stimulus (s. ↗Stil, ↗stimulieren) enthalten ist. ausstechen Vb. ‘durch Stechen herausnehmen oder entfernen’, asächs. ūtstekan, spätmhd. ūʒstechen; auch ‘beim Turnier aus dem Sattel stechen’, daher ‘jmdn. von seinem Platze verdrängen, seine Stellung einnehmen, ihn übertreffen’ (17. Jh.). Stecher m. ‘wer sticht’, mhd. stechære, stecher, auch ‘gedungener Mörder, Turnierkämpfer, stechende Waffe, Dolch’; vgl. Kupferstecher, s. auch ↗Feldstecher. Stechapfel m. giftiges Nachtschattengewächs mit stachligen Früchten (16. Jh.). Stechpalme f. Strauch mit glänzenden, stachligen Blättern, dessen immergrüne Zweige vielfach am Palmsonntag geweiht und in der Prozession mitgeführt werden (16. Jh.). abstechen Vb. ‘mit einem Stichwerkzeug abtrennen, durch einen Stich schlachten, ablaufen lassen, markieren, abgrenzen, sich von oder gegen etw. abheben’, mhd. abestechen ‘abtrennen, durchtrennen, schlachten, durch Stechen (im Turnier) besiegen, übertreffen’. Abstecher m. ‘kleiner, von der vorgegebenen Route abweichender Ausflug’ (18. Jh., zuvor nd. affsteker, um 1700), zu abstechen in der älteren Bedeutung ‘sich entfernen, davonmachen’ (16. Jh.). anstechen Vb. ‘in etw. hineinstechen, es damit öffnen’ (ein Faß), mhd. anestechen ‘anzapfen’, auch ‘antreiben (mit den Sporen), Feuer anlegen’, ahd. anastehhan ‘hineinstechen’ (9. Jh.). Anstich m. ‘das Anzapfen’ (eines Fasses, 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
erdolchen · ↗erstechen  ●  Bauch aufschlitzen  ugs. · Hals abschneiden  ugs. · abstechen  ugs.
Oberbegriffe
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
Zitationshilfe
„abstechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abstechen>, abgerufen am 26.05.2019.

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