abstimmen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ab-stim-men
Wortzerlegung ab-stimmen
Wortbildung  mit ›abstimmen‹ als Erstglied: ↗Abstimmknopf · ↗Abstimmkreis · ↗Abstimmschärfe · ↗Abstimmskala · ↗Abstimmung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
durch Stimmabgabe seinen Willen äußern
Beispiele:
es wurde (über den Antrag, die Vertrauensfrage) abgestimmt
die Versammlung stimmte ab
(über etw.) geheim, offen, namentlich abstimmen
durch Abgabe des Stimmzettels, mit dem Handzeichen abstimmen
Politikdurch Hammelsprung abstimmen
2.
den Klängen von etw. eine gewünschte Tonhöhe geben
Beispiele:
das Glockenspiel ist auf vier Töne abgestimmt
die Instrumente aufeinander abstimmen
bildlich
Beispiele:
Rundfunkden Empfänger abstimmen (= den Schwingungskreis einstellen)
dieser schneidig durchgreifende Ton war genau auf das Ohr der jungtürkischen Machthaber ... abgestimmt [WerfelMusa Dagh394]
übertragen etw. einander anpassen, aufeinander einstellen
Beispiele:
Farben abstimmen
alles auf Rot abstimmen
eine fein abgestimmte Mischung
die Pläne, Interessen, Veranstaltungen, Gespräche, Beurteilungen abstimmen
die Zusammenarbeit aufeinander abstimmen
die beiden Menschen sind genau aufeinander abgestimmt
Kaufmannssprachedie Konten, Kontingente, (Waren)listen gegenseitig abstimmen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stimme · Stimmrecht · Stimmvieh · Stimmenmehrheit · stimmen · anstimmen · abstimmen · beistimmen · umstimmen · zustimmen · übereinstimmen · Stimmung · stimmungsvoll · stimmig · einstimmig · mehrstimmig
Stimme f. ‘mit Hilfe der Stimmbänder erzeugte Laute, Fähigkeit zur Erzeugung solcher Laute, Meinung, Urteil’, ahd. stimna, stimma (8. Jh.), stemna, stemma (9. Jh.), mhd. stimme, asächs. stemna, mnd. stemne, stem(me), stimme, mnl. stemme, stēvene, nl. stem, aengl. stefn, stemn, engl. (mundartlich) steven, afries. stifne, stemme, got. stibna, mit sekundärem Labial mnd. stempne, frühnhd. stimb, aus germ. *stemnō (mit aus ƀn entstandenem mn), ohne gesicherte außergerm. Entsprechungen. Verwandtschaft mit griech. stóma (στόμα) ‘Mund, Maul, Mündung, Front, Spitze, Schneide’ (ie. *stomen- ‘Mund, Spalte’, zu einer Wurzel ie. *(s)tem- ‘schneiden’) ist möglich; vgl. Wennerberg in: Die Sprache 18 (1972) 24 ff. Stimme in der Sprache der Musik im Sinne von ‘Singstimme, Singbegabung’ ist bereits ahd., dazu vgl. Fügungen wie hohe, tiefe Stimme (vor allem seit dem 18. Jh. geläufig); auch ‘Teil einer mehrstimmigen (Vokal)komposition’ (16. Jh.). Stimme für ‘Entscheidung für jmdn., etw., Votum’ bei einer Abstimmung, Beratung ist seit dem 14. Jh. bezeugt, vgl. Sitz und Stimme (‘das Recht, ein Votum in einem bestimmten Kreis abgeben zu können’) haben (18. Jh.), Stimmen haben ‘das Votum anderer zugunsten der eigenen Wahl haben’ (16. Jh.), eine Stimme (‘das Recht zu urteilen’) haben (18. Jh.), jmdm. die, seine Stimme geben ‘sich für ihn entscheiden’ (16. Jh.). Stimmrecht n. ‘Recht, an Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen’ (18. Jh.). Stimmvieh n. ‘politisch unentschiedene, unkritische und abhängige Wähler, die bei Wahlen zu erwünschten Entscheidungen veranlaßt werden können’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach amerik.-engl. voting cattle, zuerst auf amerikanische Verhältnisse bezogen. Stimmenmehrheit f. (18. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet stimmen Vb. ‘zusammenpassen, richtig sein, übereinstimmen’, mhd. stimmen ‘eine Stimme hören lassen, rufen, mit einer Stimme versehen, erfüllen, anstimmen, nennen, festsetzen, abschätzen’ und ahd. gistimnen ‘zusammen-, anstimmen’ (8. Jh.); in der Musik ‘die Höhe der einzelnen Töne kontrollieren’ (16. Jh.), ‘seine Stimme, sein Votum für jmdn., etw. abgeben’ (17. Jh.), ‘jmdn. in eine bestimmte Gemütslage versetzen’ (18. Jh.), anstimmen Vb. ‘zu singen beginnen, einen Termin festsetzen’ (16. Jh.). abstimmen Vb. ‘in Einklang bringen, harmonisch, passend machen’ (17. Jh.), ‘die Stimme, das Votum abgeben’ (18. Jh.), älter ‘Münzen abwerten’ (schweiz., 15. Jh.), ‘nicht übereinstimmen mit etw. oder jmdm.’ (16. Jh.), ‘überstimmen’ (18. Jh.). beistimmen Vb. ‘recht geben, beipflichten’ (17. Jh.). umstimmen Vb. ‘anders stimmen, die Meinung ändern’ (17. Jh.). zustimmen Vb. ‘übereinstimmen, beipflichten’ (16. Jh.). übereinstimmen Vb. ‘den gleichen Klang haben, zusammenpassen, einer Meinung sein’ (16. Jh.). Stimmung f. ‘Gemütslage, -zustand, innere Disposition’ (18. Jh.), ‘Kolorit, Milieu’, besonders auf Ausstrahlung von Kunstwerken, Landschaften u. dgl. bezogen (19. Jh.); dazu stimmungsvoll Adj. (19. Jh.). stimmig Adj. ‘übereinstimmend, zusammenpassend, richtig’ (18. Jh.), zuerst ‘was Stimme hat, zur Stimme gehört’ (17. Jh.). einstimmig Adj. musikalisch ‘aus nur einer Stimme bestehend’ (17. Jh.), ‘ohne Gegenstimme’ (18. Jh.); vgl. ahd. einstimmi ‘einmütig’ (9. Jh.). mehrstimmig Adj. ‘aus mehreren Stimmen bestehend’ (beim Gesang, 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abstimmen · ↗entscheiden · stimmen · ↗votieren · ↗wählen  ●  voten  ugs.
Assoziationen
  • (seine) Stimme abgeben · (sich) an der Wahl beteiligen · an der Wahl teilnehmen · wählen gehen · zur Wahl gehen  ●  sein (aktives) Wahlrecht ausüben  fachspr., Amtsdeutsch · ↗wählen  ugs.
  • stimmen (für / gegen) · ↗votieren (für / gegen)
Synonymgruppe
absprechen · abstimmen · ↗koordinieren
Synonymgruppe
(sich) absprechen · (sich) abstimmen (mit) · (sich) arrangieren (mit) · (sich) ins Benehmen setzen mit (förmlich) · ↗(sich) verständigen
Assoziationen
  • (eine) Einigung erzielen · (eine) Einigung finden · (eine) Übereinkunft treffen · (einen) Kompromiss finden · (einen) Kompromiss schließen · (sich) einigen (auf) · (sich) verständigen (auf) · zu einer Einigung kommen · ↗übereinkommen
  • (das) Wort richten (an) · (jemanden) ansprechen (in einer Sache) · (sich) in Verbindung setzen mit · (sich) richten (an) · (sich) wenden (an) · Kontakt aufnehmen (mit) · ↗herantreten (an) · in Kontakt treten (mit) · ↗kontakten · vorstellig werden (bei)  ●  ↗kontaktieren  Hauptform

Typische Verbindungen zu ›abstimmen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstimmen‹.

Verwendungsbeispiele für ›abstimmen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Noch warst du vollauf damit beschäftigt, deine eigenen Reisepläne mit ihren jeweiligen Vorhaben abzustimmen.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 64
Sie hätten so abgestimmt, wie sie es für richtig gehalten hätten.
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2003
Solange das nicht geklärt ist, kann man das Volk nicht abstimmen lassen.
Der Tagesspiegel, 05.09.2003
Wir sind doch so gut aufeinander abgestimmt, wir kennen uns so gut.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 09.02.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Eine gepflegte Kleidung ist wie eine Komposition, in der jeder Ton auf den anderen abgestimmt ist.
Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 28173
Zitationshilfe
„abstimmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abstimmen>, abgerufen am 07.08.2020.

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