abstoßen

Grammatik Verb · stößt ab, stieß ab, hat/ist abgestoßen
Aussprache 
Worttrennung ab-sto-ßen
Wortzerlegung ab-stoßen
Wortbildung  mit ›abstoßen‹ als Erstglied: ↗Abstoßbein · ↗abstoßend  ·  mit ›abstoßen‹ als Binnenglied: ↗Schmutz abstoßend · ↗Wasser abstoßend · ↗schmutzabstoßend · ↗wasserabstoßend
 ·  mit ›abstoßen‹ als Grundform: ↗Abstoß
eWDG und DWDS

Bedeutungen

1.
etw. wegstoßen, sich durch einen Stoß von etw. wegbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
den Kahn (mit dem Ruder) vom Ufer abstoßen
sich (auf der Schaukel) vom Boden abstoßen
MusikNoten abgestoßen spielen (= Noten staccato spielen)
er sprach in abgestoßenen (= stoßweise hervorgebrachten) Worten [ Storm1,269]
wegfahren
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’/‘hat’
Beispiele:
die Fähre ist, hat (vom Lande) abgestoßen
[die Stelle] von der damals die beiden Boote abgestoßen waren [ Bergengr.Pelageja149]
2.
übertragen etw. loswerden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
ein [fremdes] Organ abstoßenDWDS
saloppSchulden abstoßen (= bezahlen)
saloppeine Ware (um jeden Preis) abstoßen (= schnell verkaufen)
3.
etw. durch einen Stoß beschädigen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
den Putz abstoßen
die Ecken abstoßen
die Politur, den Lack (von den Möbeln) abstoßen
abgestoßenes Geschirr
sich [Dativ] die Haut abstoßen (= abschürfen)
die Ärmel, die Schuhspitzen abstoßen (= abnutzen)
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlicher hat sich [Dativ] die Hörner abgestoßen (= hat sich ausgetobt, ist durch Schaden besonnener geworden)
4.
bildlich jmdn. zurückstoßen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Gegenwort zu anziehen
Beispiele:
dieser Mensch, sein Benehmen, Äußeres stößt mich ab
sich durch jmdn., etw. (heftig) abgestoßen fühlen
ein derber Witz stößt ab
Physikgleichnamige Magnetpole stoßen einander ab

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stoßen · Stoß · Stößel · abstoßen · abstoßend · anstoßen · Anstoß · anstößig · verstoßen · Verstoß · vorstoßen · Vorstoß
stoßen Vb. ‘mit kurzer, heftiger Bewegung an etw. anprallen, etw. mit heftigem Druck in eine Richtung bewegen’. Das stark flektierende Verb ahd. stōʒan (um 800), mhd. stōʒen, asächs. stōtan, mnd. mnl. stōten, nl. stoten, got. stautan (germ. *stautan) und schwach flektierendes anord. stauta führen mit den außergerm. Verwandten aind. tudáti ‘stößt, schlägt, sticht’, air. dotuit ‘fällt’, lat. tundere ‘stoßen, schlagen’, studēre ‘betreiben, streben, trachten’ auf mit Dental weitergebildetes ie. *(s)teud- der nur in Erweiterungen auftretenden Wurzel ie. *(s)teu- ‘stoßen, schlagen’ (s. ↗Stief-, ↗Stock, ↗Stubbe, ↗Stück). Stoß m. ‘kurzer, heftiger Anprall, ruckartige gezielte Bewegung’, ahd. (8. Jh.), mhd. stōʒ ‘Stoß, Stich, Streit’ (germ. *stauti-); auch ‘aufgeschichteter, zusammengestoßener Haufen’ (15. Jh.). Dazu die Wendung sich einen Stoß geben ‘sich ermuntern, aufraffen’ (19. Jh.), älter seinem Herzen einen Stoß geben (18. Jh.), seiner Seele einen Stoß tun (17. Jh.). Stößel m. ‘Werkzeug zum Zerkleinern und Zerstampfen’, ahd. stōʒil (Hs. 12. Jh.), mhd. stœʒel, mit dem Suffix germ. -ila- gebildete Gerätebezeichnung. abstoßen Vb. ‘durch einen Stoß entfernen, absondern, lostrennen, etw. ausscheiden, sich einer Sache oder Person entledigen, zurückweisen’, ahd. abastōʒan ‘herabstoßen, seines Amtes entheben, vertreiben, verdrängen’ (um 1000), mhd. abestōʒen ‘herabstoßen, entfernen, abladen, brechen, absegeln, von der rechten Fährte abweichen’; abstoßend Part.adj. ‘Abneigung, Widerwillen hervorrufend, ekelerregend’ (Ende 18. Jh.). anstoßen Vb. ‘an etw. stoßen, Gläser klingen lassen, Ärgernis verursachen’, ahd. anastōʒan ‘an etw. stoßen, anstürmen, anschlagen’ (9. Jh.), mhd. anestōʒen ‘in See stechen, anzünden, befallen’; Anstoß m. ‘erster, auslösender Stoß, Anprall, Ärgernis’, ahd. anastōʒ ‘Stoß, Anprall, Antrieb’ (11. Jh.), mhd. anstōʒ ‘Angriff, Anfechtung’; anstößig Adj. ‘angrenzend’ (15. Jh.), ‘Ärgernis erregend’ (16. Jh.). verstoßen Vb. ‘jmdn. von sich stoßen, abweisen, sich vergehen, zuwiderhandeln’, ahd. firstōʒan ‘vertreiben, ablehnen, Anstoß nehmen’ (9. Jh.), mhd. verstōʒen ‘stoßen, aus der Richtung bringen, vertreiben, entfernen, sich irren, verirren’; Verstoß m. ‘Verletzung einer Bestimmung, Versehen, Fehler’ (17. Jh.), älter (vereinzelt) ‘Mittel zum Verstopfen von Öffnungen’ (16. Jh.). vorstoßen Vb. ‘nach vorn stoßen’ (15. Jh.), militärisch ‘vordringen, plötzlich angreifen’ (19. Jh.), ahd. furistōʒan ‘in Bewegung setzen, nach vorn stoßen’ (11. Jh.); Vorstoß m. ‘Angriff’ (19. Jh.), älter ‘Hervortretendes’ an Kleidungsstücken, Bauwerken (17. Jh.), ‘das Nachvorngestoßene’, z. B. ‘das Wachs, womit die Bienen den Stock für den Winter verschließen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
absetzen · abstoßen · ↗abverkaufen · in bare Münze umwandeln · in klingende Münze verwandeln · ↗losschlagen · ↗vermarkten · ↗vertreiben · ↗veräußern · zu Geld machen  ●  ↗verkaufen  Hauptform · ↗(jemandem) unterjubeln  ugs., salopp · ↗abgeben  ugs. · an den Mann bringen  ugs., männl. · an die Frau bringen  ugs., weibl. · ↗liquidieren  fachspr. · ↗loswerden (an)  ugs., salopp · ↗raushauen  ugs., salopp · ↗verhökern  ugs., salopp · verklopfen  ugs. · ↗verkloppen  ugs., salopp · ↗verramschen  ugs., negativ · ↗verschachern  ugs., negativ · ↗verscheppern  ugs., salopp · ↗verscherbeln  ugs., salopp · ↗verscheuern  ugs., salopp · ↗versilbern  ugs. · ↗verticken  ugs., salopp · ↗vertickern  ugs.
Unterbegriffe
  • abverkaufen · ↗ausverkaufen
  • (etwas) sehr billig verkaufen · ↗verschleudern · zum Schleuderpreis verkaufen  ●  für ein Butterbrot verkaufen  ugs. · für einen Apfel und ein Ei verkaufen  ugs.
  • mit Verlust verkaufen · unter Einstandspreis verkaufen · unter Wert verkaufen · unter dem üblichen Preis verkaufen · ↗verramschen · ↗verschleudern  ●  nichts daran verdienen  ugs., variabel
Assoziationen
  • Abgabe · ↗Absatz · ↗Ausgabe · ↗Auslieferung · ↗Verkauf · ↗Vertrieb · ↗Veräußerung
  • fort mit Schaden · verlorenem Geld nicht noch weiteres hinterherwerfen  ●  Hau weg, den Scheiß!  derb, fig. · Hauptsache weg  ugs. · Hauptsache, das (Zeug) sind wir los  ugs. · Hauptsache, den sind wir los  ugs. · Hauptsache, die sind wir los  ugs.
  • (das angesparte) Kapital aufzehren · (sein) Vermögen aufzehren · die (letzten) Reserven angreifen  ●  (das) Tafelsilber verkaufen  variabel, fig. · (sein) letztes Hemd verkaufen (müssen)  fig. · ans Eingemachte gehen (müssen)  fig. · von der Substanz leben  Hauptform
  • nicht verkaufen können  ●  sitzenbleiben auf  fig. · (etwas) nicht loswerden  ugs.
  • Geschäfte machen · Handel betreiben · Handel treiben · ↗handeln (mit)  ●  ↗negoziieren  fachspr., kaufmännisch
  • andrehen · aufquatschen · ↗aufschwatzen · ↗aufschwätzen · ↗loswerden (an) · ↗unterjubeln
  • (sich) trennen (von) · nicht behalten · ↗weggeben

Typische Verbindungen zu ›abstoßen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstoßen‹.

Verwendungsbeispiele für ›abstoßen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch viele von ihnen zögerten angesichts der niedrigen Kurse damit, ihre Beteiligungen abzustoßen.
Süddeutsche Zeitung, 24.02.2004
Wenige Monate später stieß er das Haus für eine halbe Million Mark ab.
Der Tagesspiegel, 24.07.2000
Noch bevor er sie erreicht hatte, stieß er sich ab.
Dark, Jason [d.i. Rellergrad, Helmut]: Die Skelett-Vampire, Bergisch Gladbach: Bastei 1992 [1978], S. 56
Frauen verzweifeln, weil Männer sie wegficken, sie im Akte wie von sich abstoßen.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 25
Natürlich wirkt es ebenso abstoßend, hypermoderne Kleidung zur Schau zu stellen.
Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 18910
Zitationshilfe
„abstoßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/absto%C3%9Fen>, abgerufen am 04.05.2021.

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