abstrahieren
GrammatikVerb · abstrahierte, hat abstrahiert
Aussprache
Worttrennungab-stra-hie-ren · abs-tra-hie-ren (computergeneriert)
HerkunftLatein
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
1.
etw. gedanklich verallgemeinern, zum Begriff erheben
Beispiele:
(allgemeine) Prinzipien, Gesetze aus der Natur abstrahieren
Unser Denken ist ein beständiges Abstrahieren [HesseNarziß5,300]
2.
von etw. absehen, auf etw. verzichten
Beispiel:
man sollte von der Form zugunsten des gedanklichen Gehaltes abstrahieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

abstrahieren Vb. ‘das Wesentliche vom Zufälligen ab-, herleiten, verallgemeinern, zum Begriff erheben’. Lat. abstrahere (abstrāctum) ‘wegziehen, fortschleppen, gewaltsam trennen, abziehen, abhalten’, zu lat. trahere ‘ziehen, schleppen’ (s. ↗trachten), entwickelt in mlat. philosophischen Texten die übertragene Bedeutung ‘ableiten’, dringt von dort wahrscheinlich in die lat. Wissenschaftssprache ein und wird in der 2. Hälfte des 16. Jhs. in dem oben angeführten Sinne für die Tätigkeit im philosophischen Erkenntnisprozeß ins Dt. entlehnt. Dazu kommen um 1700 die allgemeineren Bedeutungen ‘absehen, verzichten, außer acht lassen’ und ‘absondern, loslösen’.
OpenThesaurus (09/2016)

Thesaurus

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit ihr kann man die Gestalten, in die man schlüpft, wunderbar abstrahieren.
Der Tagesspiegel, 08.10.2004
Bevor du irgend etwas tust, abstrahiere von allen irrelevanten Details!
o. A.: "Nehmen wir an, die Kuh ist eine Kugel...". In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1997 [1996]
Auch an ihnen kann das Moment der "Form" abstrahiert und theoretisch untersucht werden.
Freyer, Hans: Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft, Leipzig u. a.: B.G. Teubner 1930, S. 42
Gewissermaßen versuchte ich, durch verfeinerte Bildung mein Dasein zu sublimieren, zu abstrahieren, in metaphysischer Form weiterzuleben.
Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 203
Indem also die Wissenschaft abstrahiert, idealisiert sie auch ihre Objekte.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bedingungen Begriffe Denken Details Erfahrung Erscheinungen Gegebenheiten Gegenstand Individuum Inhalt Logik Motive Natur Person Realität Wirklichkeit auffassen bis davon man reduziert völlig weitgehend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstrahieren‹.

Worthäufigkeit

selten häufig

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