Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

abstrakt

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ab-strakt · abs-trakt
Wortbildung  mit ›abstrakt‹ als Grundform: Abstraktheit
Herkunft aus gleichbedeutend abstractusmlat < abstraherelat ‘wegziehen, fortschleppen, gewaltsam trennen, abziehen, abhalten’ (abstrahieren)
eWDG

Bedeutung

losgelöst von der Gegenständlichkeit, begrifflich, unanschaulich
in gegensätzlicher Bedeutung zu konkret
Beispiele:
abstraktes Denken
eine abstrakte Theorie, Vorstellung
die abstrakte Kunst, Malerei, Plastik
Sprachwissenschaft›Liebe‹ ist ein abstraktes Substantiv
Mathematikeine abstrakte Zahl (= eine unbenannte, reine Zahl)
Marxismusdie abstrakte Arbeit (= den Wert schaffende Arbeit)
sie [die Kunst] konnte im Sinnlichsten beginnen und ins Abstrakteste führen [ HesseNarziß5,176]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

abstrakt · Abstraktum · Abstraktion
abstrakt Adj. ‘vom Gegenständlichen, Einzelnen absehend, losgelöst und daher unanschaulich, begrifflich’ (Gegensatz konkret), entlehnt (2. Hälfte 15. Jh.) aus gleichbed. mlat. abstractus, Part. Perf. von lat. abstrahere ‘wegziehen, fortschleppen’ (s. abstrahieren). Aus ‘nicht sinnlich’ entwickelt sich (um 1800) ‘nur gedacht, vorgestellt, nicht wirklich’. Vgl. Fügungen wie abstrakte Zahl ‘unbenannte, reine Zahl’ (1803), abstrakte Arbeit ‘den (Tausch)wert schaffende Arbeit’ (Marx 1859), abstrakte Kunst ‘ungegenständliche Kunst’ (1899). In der Bedeutung ‘losgelöst, für sich stehend, beziehungslos’ ist abstrakt seit der Mitte des 18. Jhs. bezeugt. – Abstraktum n. ‘(allgemeiner, ungegenständlicher) Begriff’ (2. Hälfte 16. Jh.), in der Sprachwissenschaft ‘Substantiv mit begrifflichem, nichtgegenständlichem, unsinnlichem Inhalt’ (Ende 17. Jh.; Gegensatz Konkretum), von gleichbed. mlat. abstractum, dem substantivierten Neutr. Sing. von mlat. abstractus (s. oben). Abstraktion f. ‘Begriffsbildung, Verallgemeinerung, allgemeiner Begriff’ (1. Hälfte 18. Jh.), älter ‘Abziehung, Hinführung’ (2. Hälfte 16. Jh.), aus gleichbed. spätlat. abstrāctio (Genitiv abstrāctiōnis). zu lat. abstrahere (s. oben). Seltener begegnet Abstraktion in den Bedeutungen ‘das Außerachtlassen’ und ‘Loslösung, Abwendung (von Unerwünschtem, Störendem)’ (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›abstrakt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstrakt‹.

Verwendungsbeispiele für ›abstrakt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Selbst für die abstraktesten Fragen hatte sie ein eigentümliches Verständnis. [Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 599]
Doch diese ist bei ihm ebenso abstrakt wie die induktive Logik selbst. [Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1976, S. 247]
Weder die Worte ewig noch Leben decken sich völlig mit unseren viel abstrakteren Begriffen. [Althaus, P.: Ewiges Leben. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 2801]
Die abstrakten Zahlen sind ein objektiver Rahmen für individuelle Erfahrungen. [Die Zeit, 25.11.1999, Nr. 48]
Sie sei mehr als die Suche nach logischen Schlüssen im abstrakten Raum. [Die Zeit, 22.07.1999, Nr. 30]
Zitationshilfe
„abstrakt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abstrakt>.

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