abstreifen

GrammatikVerb · streifte ab, hat/ist abgestreift
Aussprache
Worttrennungab-strei-fen (computergeneriert)
Wortzerlegungab-streifen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. (lose Sitzendes) herunterstreifen
Beispiele:
den Rucksack, ein Kleidungsstück, die Handschuhe, Gummischuhe abstreifen
den Ring abstreifen
den Schmutz, Schnee von den Sohlen abstreifen
die Asche (von der Zigarre) abstreifen
der Hund streift das Halsband ab
der Hirsch streift sein Geweih ab (= wirft es ab)
von einem Zweig Blätter und Blüten abstreifen
Beeren von den Stielen abstreifen
Clarisse streifte den Arm [Walters] ab [MusilMann620]
übertragen
Beispiele:
die Fesseln, Ketten der Knechtschaft abstreifen (= abschütteln)
Eigenheiten, Hemmungen, eine Untugend, ein Laster abstreifen (= ablegen)
er hat die alten Vorurteile abgestreift wie eine Schlange ihre Haut [Feuchtw.Narrenweisheit320]
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
landschaftlich die Schuhe abtreten, säubern
Beispiel:
[der Neuling] welcher ... sich [Dativ] bescheiden die Füße abstreifte [Th. MannKrull8,326]
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
ein Gelände absuchen
Beispiel:
Patrouillen ... die in der Nacht das Tal und die Vorberge abstreifen [WerfelMusa Dagh680]
4.
mit Hilfsverb ›ist‹
von der eingeschlagenen Richtung abbiegen
Beispiel:
wir streiften vom Wege ab
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streifen · abstreifen · Streife · Streifschuß
streifen Vb. ‘gleitend berühren, abstreifen, herumschweifen’, mhd. streifen ‘gleitend berühren, gleiten, ziehen, marschieren, abhäuten’, mnd. mnl. strīpen steht ablautend zu dem unter ↗Streifen (s. d.) behandelten Substantiv. Aus ‘gleitend berühren, flüchtig über etw. hinfahren’ entwickelt sich ‘durch Entlanggleiten etw. Umhüllendes abstreifen, abziehen’ und (spätmhd.) ‘umherziehen, umherschweifen’. abstreifen Vb. ‘etw. Umhüllendes, Enganliegendes abziehen, entfernen, enthäuten’, ahd. abastreifen (11. Jh.), mhd. abestreifen, frühnhd. auch ‘sich davonmachen’ (Ende 15. Jh.), ‘ein Gebiet durchstreifen, eine Strecke zurücklegen’ (19. Jh.). Streife f. älter Streif m. ‘Streifzug, Wanderung’, spätmhd. streif m.; ‘Gruppe, kleine Einheit des Militärs oder der Polizei auf Kontrollgang’ (18. Jh.), zuvor ‘umherziehender Heerhaufen’ (16. Jh.). Streifschuß m. ‘Verletzung durch ein den Körper nur leicht berührendes Geschoß’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(Oberbekleidung) ablegen · (alle) Hüllen fallen lassen · (die) Hüllen fallen lassen · (ein Kleidungsstück) abstreifen · ↗(sich) freimachen · ↗auskleiden · ↗blankziehen · ↗entblößen · ↗enthüllen · ↗entkleiden  ●  ↗(sich) ausziehen  Hauptform · ↗(sich) (eines Kleidungsstücks) entledigen  geh., veraltend · ↗(sich) entblättern  ugs. · (sich) nackig machen  ugs. · ↗strippen  ugs.
Assoziationen
  • ausgezogen · ↗blank · entblättert · entblößt · enthüllt · entkleidet · ↗hüllenlos · mit bloßer Haut · nichts anhaben · ↗textilfrei · ↗unbekleidet  ●  im Adamskostüm  männl. · im Evakostüm  weibl. · im Evaskostüm  weibl. · im Naturzustand  scherzhaft · ↗nackend  regional · ↗nackt  Hauptform · wie Gott ihn schuf  männl. · wie Gott sie schuf  weibl. · barfuß bis zum Hals  ugs. · nackert  ugs., süddt. · nackicht  ugs. · ↗nackig  ugs. · ↗pudelnackt  ugs. · ↗splitterfasernackt  ugs. · ↗splitternackt  ugs.
  • (ein) Nackter · nackter Mensch  ●  ↗Nackedei  ugs. · ↗Nacktfrosch  ugs.
Synonymgruppe
ablegen · abstreifen · ↗loswerden
Antonyme
  • abstreifen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Billig-Image Ehering Eierschale Etikett Fessel Fesseln Gewand Gummihandschuh Handschuh Haut Hemmung Hülle Image Jackett Joch Kinderschuhe Kleider Korsett Leibchen Makel Negativ-Image Odium Samthandschuhe Sandale Schafspelz Schuh Stigma Strumpf Zwangsjacke streifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstreifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht streife ich den Ring morgen für immer ab, vielleicht trage ich ihn noch drei Jahre.
Bild, 23.05.2002
Die politische Verantwortung für diese Taten wird er nicht abstreifen können.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.1999
Die kleine Frau nimmt ein Messer und streift von meinen kunstvoll gestrichenen Schnitten wieder etwas ab?
Johst, Hanns: Die Torheit einer Liebe, München: Langen Müller 1942 [1930], S. 55
Er hatte die Schuhe abgestreift und sich, ein Kissen im Rücken, auf das Bett gesetzt.
Wellershoff, Dieter: Die Sirene, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1980, S. 78
Sie hatte ihre hochhackigen Schuhe abgestreift und die schönen Beine auf einen Hocker gelegt.
Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Verl.-Haus 1984 [1960], S. 908
Zitationshilfe
„abstreifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abstreifen>, abgerufen am 17.07.2019.

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