Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

abstreifen

Grammatik Verb · streift ab, streifte ab, hat/ist abgestreift
Aussprache 
Worttrennung ab-strei-fen
Wortzerlegung ab- streifen
Wortbildung  mit ›abstreifen‹ als Erstglied: Abstreifer · Abstreifgummi
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. (lose Sitzendes) herunterstreifen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
den Rucksack, ein Kleidungsstück, die Handschuhe, Gummischuhe abstreifen
den Ring abstreifen
den Schmutz, Schnee von den Sohlen abstreifen
die Asche (von der Zigarre) abstreifen
der Hund streift das Halsband ab
der Hirsch streift sein Geweih ab (= wirft es ab)
von einem Zweig Blätter und Blüten abstreifen
Beeren von den Stielen abstreifen
Clarisse streifte den Arm [Walters] ab [ MusilMann620]
übertragen
Beispiele:
die Fesseln, Ketten der Knechtschaft abstreifen (= abschütteln)
Eigenheiten, Hemmungen, eine Untugend, ein Laster abstreifen (= ablegen)
er hat die alten Vorurteile abgestreift wie eine Schlange ihre Haut [ Feuchtw.Narrenweisheit320]
2.
landschaftlich die Schuhe abtreten, säubern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
[der Neuling] welcher […] sich [Dativ] bescheiden die Füße abstreifte [ Th. MannKrull8,326]
3.
ein Gelände absuchen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
Patrouillen […] die in der Nacht das Tal und die Vorberge abstreifen [ WerfelMusa Dagh680]
4.
von der eingeschlagenen Richtung abbiegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
wir streiften vom Wege ab
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streifen · abstreifen · Streife · Streifschuß
streifen Vb. ‘gleitend berühren, abstreifen, herumschweifen’, mhd. streifen ‘gleitend berühren, gleiten, ziehen, marschieren, abhäuten’, mnd. mnl. strīpen steht ablautend zu dem unter Streifen (s. d.) behandelten Substantiv. Aus ‘gleitend berühren, flüchtig über etw. hinfahren’ entwickelt sich ‘durch Entlanggleiten etw. Umhüllendes abstreifen, abziehen’ und (spätmhd.) ‘umherziehen, umherschweifen’. abstreifen Vb. ‘etw. Umhüllendes, Enganliegendes abziehen, entfernen, enthäuten’, ahd. abastreifen (11. Jh.), mhd. abestreifen, frühnhd. auch ‘sich davonmachen’ (Ende 15. Jh.), ‘ein Gebiet durchstreifen, eine Strecke zurücklegen’ (19. Jh.). Streife f. älter Streif m. ‘Streifzug, Wanderung’, spätmhd. streif m.; ‘Gruppe, kleine Einheit des Militärs oder der Polizei auf Kontrollgang’ (18. Jh.), zuvor ‘umherziehender Heerhaufen’ (16. Jh.). Streifschuß m. ‘Verletzung durch ein den Körper nur leicht berührendes Geschoß’ (18. Jh.).

Thesaurus

Assoziationen
Synonymgruppe
ablegen · abstreifen · loswerden

Typische Verbindungen zu ›abstreifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstreifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›abstreifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die kleine Frau nimmt ein Messer und streift von meinen kunstvoll gestrichenen Schnitten wieder etwas ab? [Johst, Hanns: Die Torheit einer Liebe, München: Langen Müller 1942 [1930], S. 55]
In dem Moment, in dem Don sich aufgemacht hat, hat er sein altes Leben abgestreift. [Die Zeit, 08.09.2005, Nr. 37]
Das verstaubte Image soll abgestreift, der oft kritisierte Service verbessert werden. [Die Zeit, 27.07.1990, Nr. 31]
Aber auch hier können wir die Last unserer Geschichte nicht einfach abstreifen. [Die Zeit, 16.01.1989, Nr. 03]
Kein deutscher Kanzler könne die Geschichte abstreifen, liebt er zu sagen. [Die Zeit, 02.11.1984, Nr. 45]
Zitationshilfe
„abstreifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abstreifen>.

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