aburteilen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungab-ur-tei-len (computergeneriert)
Wortzerlegungab-urteilen
eWDG, 1967

Bedeutung

das Urteil über jmdn., etw. sprechen
Beispiele:
den Angeklagten (nach den Bestimmungen des Gesetzes) aburteilen
jmdn. als Betrüger, Spion, Kriegsverbrecher aburteilen
eine Straftat, ein Verbrechen aburteilen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Urteil · urteilen · aburteilen · Aburteilung · beurteilen · Beurteilung · verurteilen · Verurteilung · Urteilskraft · Urteilsvermögen
Urteil n. ‘richterliche Entscheidung, Meinung, Ansicht, Einschätzung’. Die unterschiedlich gebildeten Substantive ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800), mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’, asächs. urdēli n., mnd. ōrdēl n., mnl. o(o)rdeel, nl. oordeel n., aengl. ordāl m. n., engl. ordeal (‘Gottesurteil’) stehen als Abstrakta zu dem unter ↗erteilen (s. ↗Teil) behandelten Verb (zur unterschiedlichen Lautgestalt des Präfixes s. ↗ur- und ↗er-). Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘Zuteilung (des Rechts)’ gebraucht; die verallgemeinerte Bedeutung ‘Meinung, Ansicht’ entwickelt sich in der mystischen Literatur des Mittelalters. Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch. urteilen Vb. ‘ein Urteil fällen, eine feste Meinung, Ansicht haben und aussprechen, einschätzen’, mhd. urteilen ‘ein Urteil sprechen, be-, verurteilen’, älteres gleichbed. erteilen verdrängend. aburteilen Vb. ‘rechtskräftig verurteilen’ (Anfang 17. Jh.), zuvor ‘eine Rechtssache, einen Prozeß durch (gerichtliches) Urteil entscheiden’ (Ende 15. Jh.), ‘beurteilen’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. afōrdēlen ‘gerichtlich aberkennen’; Aburteilung f. (2. Hälfte 18. Jh.). beurteilen Vb. ‘ein Urteil abgeben, bewerten, abschätzen, begutachten’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. beȫrdēlen, beōrdēlen ‘urteilen, Urteil finden über’; Beurteilung f. ‘Bewertung, Einschätzung, Begutachtung’ (1. Hälfte 17. Jh.). verurteilen Vb. ‘durch Gerichtsbeschluß eine Strafe über jmdn. verhängen, ablehnend beurteilen, ablehnen’, mhd. verurteilen ‘richterlich entscheiden, ein Urteil verkünden’; vgl. mnd. vorȫrdēlen ‘gerichtlich verurteilen, abfällig urteilen über’; Verurteilung f. (2. Hälfte 16. Jh.). Urteilskraft f. ‘Fähigkeit, sachlich zu urteilen’ (17. Jh., neben Urteilungskraft und Urteilenskraft). Urteilsvermögen n. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Strafe verhängen · aburteilen · ↗bestrafen · für schuldig erklären · mit Strafe belegen · ↗schuldig sprechen · ↗verurteilen (zu)  ●  ↗verknurren (zu)  schweiz. · ↗bekommen  ugs. · ↗verdonnern (zu)  ugs.

Typische Verbindungen zu ›aburteilen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Delikt Erwachsenenstrafrecht Gerichtsverfahren Heranwachsende Hochverrat Jugendstrafrecht Kriegsgericht Kriegsverbrechen Kriegsverbrecher Krimineller Militärgericht Militärkommission Militärtribunal Schauprozeß Schnellgericht Schnellverfahren Schuldige Sondergericht Standgericht Strafrecht Straftäter Tribunal Verbrecher Volksgerichtshof Widerstandsbewegung Widerstandskämpfer hinrichten pauschal urteilen verhaften

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aburteilen‹.

Verwendungsbeispiele für ›aburteilen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich kann man eine neue Ära nicht schon bei der ersten Pleite aburteilen.
Süddeutsche Zeitung, 15.09.2003
Gegner und Kritiker urteilte er gelegentlich mit selbstgerechter Schärfe ab.
Die Zeit, 27.05.1999, Nr. 22
Sie läßt sich nicht täuschen, urteilt nicht ab, vergißt nichts, kann aber stets neu anfangen.
Reuter, E.: Heilpädagogik. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 17584
Er wurde seiner Ämter 1949 enthoben, aber erst 1951 verhaftet, im Gefängnis nicht gefoltert und nie in einem öffentlichen Verfahren abgeurteilt.
Seton-Watson, Hugh: Rußland und Osteuropa. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 19485
Was die dritte Frage des Bundeskanzlers betreffe, so sei ihm völlig neu, daß ganze Einheiten abgeurteilt worden seien.
Nr. 3: Gespräch Kohl mit Gorbatschow vom 13. Juni 1989. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 730
Zitationshilfe
„aburteilen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aburteilen>, abgerufen am 28.01.2020.

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