abwesend

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungab-we-send (computergeneriert)
Wortbildung mit ›abwesend‹ als Letztglied: ↗geistesabwesend
eWDG, 1967

Bedeutung

abwesend seinnicht zugegen, nicht da sein (wo man erwartet wird)
Gegenwort zu anwesend
Beispiele:
aus dienstlichen Gründen, ohne Erlaubnis abwesend sein
drei Mitglieder waren abwesend
mehrere Tage abwesend sein
er war lange Zeit (von der Heimat) abwesend (= fort)
übertragen
Beispiele:
bei der Unterhaltung abwesend sein
abwesend vor sich hin blicken, ins Weite sehen
stumm und abwesend dasitzen
abwesenden Blickes (= verlorenen Blickes)
fehlend
Beispiele:
der abwesende Hausherr
die Abwesenden benachrichtigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

abwesend · Abwesenheit
abwesend Adj. ‘nicht zugegen, nicht vorhanden, nicht da (wo erwartet)’, Gegensatz ↗anwesend (s. d.). Das seit der 2. Hälfte des 15. Jhs. bezeugte Adjektiv, vgl. auch mnd. afwēsende, ist das Part. Präs. des im 17. Jh. untergegangenen, überwiegend auf nd. Sprachgebiet bezeugten Verbs abwesen, mhd. abewesen, mnd. afwēsen, ahd. abawesan ‘fehlen, nicht da sein’ (9. Jh.), einer Übersetzung von lat. abesse. Zum Verb wesen, das mit sein konkurriert, s. ↗Wesen. Die Übertragung ‘geistig nicht zugegen, mit den Gedanken nicht bei der Sache, zerstreut’ ist seit der 2. Hälfte des 17. Jhs. bezeugt. Abwesenheit f. ‘das Nichtzugegensein, Nichtvorhandensein, Fehlen’ (omd. ostobd. 1. Hälfte 16. Jh.), eine lat. absentia wiedergebende Bildung zum substantivierten Infinitiv Abwesen n.; vgl. mnd. afwēsen ‘das Fehlen, Abwesendsein’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abgehauen · abwesend · auf der Flucht · auf und davon · ausgerissen · durchgebrannt · ↗entflohen · ↗entkommen · ↗flüchtig · ↗fort · geflohen · geflüchtet · hat sich abgesetzt · hat sich der Strafverfolgung entzogen · nicht da · weggelaufen  ●  ↗abgängig  Amtsdeutsch · ↗absent  veraltet · ausgeflogen  fig. · (und) ward nicht mehr gesehen (pseudo-literarisch)  geh., Spruch, scherzhaft · ausgebüxt  ugs. · entfleucht  geh., altertümelnd, scherzhaft · getürmt  ugs., Jargon · nicht mehr da  ugs. · stiften gegangen  ugs., regional · ↗weg (= fortgelaufen, weggefahren)  ugs., Hauptform · über alle Berge  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(in Gedanken) versunken · abwesend · ↗gedankenverloren · ↗geistesabwesend · geistig abwesend · geistig weggetreten · in den Wolken · nicht alle (seine) fünf Sinne beisammen haben · nicht ganz bei sich · ↗selbstvergessen  ●  Absencen haben  geh. · ↗entrückt  geh. · ↗erdenfern  geh. · in Gedanken  ugs. · nicht ganz da  ugs. · völlig daneben (sein)  ugs. · weit weg  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abwesend · ausgeflogen (spöttelnd) · ↗aushäusig · außer Haus · nicht daheim · nicht zu Hause  ●  nicht da  ugs. · ↗unterwegs  ugs., Hauptform · ↗weg  ugs.
Assoziationen
  • entschwunden · ↗fort · hat sich verflüchtigt · nicht auffindbar · nicht aufzufinden · nicht zu finden · spurlos verschwunden · ↗unauffindbar · ↗verloren · verloren gegangen · vermisst (werden) · ↗verschollen · verschwunden · vom Winde verweht · von jemandem fehlt jede Spur  ●  ↗weg  Hauptform · (sich) in Luft aufgelöst haben  ugs. · abhanden gekommen  ugs. · ↗dahin  geh. · ↗flöten  ugs. · flöten gegangen  ugs. · ↗futsch  ugs. · futschikato  ugs., scherzhaft · ↗hops  ugs. · ↗perdu  ugs., franz. · ↗sonst wo  ugs. · verschütt gegangen  ugs. · von Windows verweht  ugs., scherzhaft · wie vom Erdboden verschluckt  ugs. · wie weggeblasen  ugs.
  • essen gegangen · in der Mittagspause · zu Tisch  ●  was essen  ugs.
  • unbekannt verzogen  ●  wohnt nicht mehr hier  ugs.
  • (jemandes) Aufenthaltsort ist unbekannt · mit unbekanntem Ziel abgereist
  • auf Reisen · auf Urlaub · in Urlaub · in Urlaub gefahren · verreist · weggefahren  ●  urläubig  ugs., selten
  • abgehauen · abwesend · auf der Flucht · auf und davon · ausgerissen · durchgebrannt · ↗entflohen · ↗entkommen · ↗flüchtig · ↗fort · geflohen · geflüchtet · hat sich abgesetzt · hat sich der Strafverfolgung entzogen · nicht da · weggelaufen  ●  ↗abgängig  Amtsdeutsch · ↗absent  veraltet · ausgeflogen  fig. · (und) ward nicht mehr gesehen (pseudo-literarisch)  geh., Spruch, scherzhaft · ausgebüxt  ugs. · entfleucht  geh., altertümelnd, scherzhaft · getürmt  ugs., Jargon · nicht mehr da  ugs. · stiften gegangen  ugs., regional · ↗weg (= fortgelaufen, weggefahren)  ugs., Hauptform · über alle Berge  ugs., fig.
  • auf Montage · auf einer auswärtigen Baustelle (eingesetzt)
  • (sich) amüsieren (gehen) · auf Vergnügungstour gehen  ●  (einen) Zug durch die Gemeinde machen  fig. · auf die Piste gehen  fig. · auf Jück gehen  ugs. · auf Trallafitti gehen  ugs., regional · auf den Swutsch gehen  ugs., norddeutsch · auf die Walz gehen  ugs., fig. · op Jöck jonn  ugs., kölsch · um die Häuser ziehen  ugs.
  • auf Wanderschaft gehen (Gesellenwanderung) · auf die Walz gehen
Synonymgruppe
(innerlich) abwesend · ↗desinteressiert · ↗gleichgültig · ↗teilnahmslos · ↗unbeteiligt  ●  wie die Ölgötzen  ugs. · wie ein Ölgötze  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeklagte Bieter Ehemann Elternteil Familienmitglied Gatte Geliebte Gesichtsausdruck Gott Hausherr Herr Kohl Lächeln Miene Vater abweisend anwesend blicken desinteressiert irgendwie meist meistens nachdenklich nicken notorisch präsent starren verwirrt wirken wirkend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abwesend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann tötet das Mädchen den Mann wie abwesend, ohne inneren Kampf.
Süddeutsche Zeitung, 16.04.2002
Und dann war ich plötzlich abwesend, denn der Preis kam zu spät.
Der Tagesspiegel, 20.01.1999
Sie sprach wenig und sie liebte es zu lächeln, freundlich, doch abwesend.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 303
Wenn die Juden einmal deportiert waren, dann waren Sie eben abwesend, nicht wahr?
o. A.: Einhundertzehnter Tag. Mittwoch, 17. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 6776
Fast fünf Monate bin ich von meinem kleinen Heim abwesend, und da komme ich gern zu früher Stunde an.
Bismarck, Hedwig von: Erinnerungen aus dem Leben einer 95jährigen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 7160
Zitationshilfe
„abwesend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abwesend>, abgerufen am 19.04.2019.

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