abwickeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungab-wi-ckeln
Wortzerlegungab-wickeln
Wortbildung mit ›abwickeln‹ als Erstglied: ↗Abwickelung · ↗Abwickler · ↗Abwicklung
 ·  mit ›abwickeln‹ als Letztglied: ↗rückabwickeln
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. herunterwickeln
Beispiele:
den Faden (vom Knäuel) abwickeln
die (Angel)schnur abwickeln
2.
übertragen etw. ordnungsgemäß, der Reihe nach durchführen
Beispiel:
ein Prozess, ein Verfahren, ein Programm abwickeln
etw. erledigen
Beispiel:
Geschäfte, Verbindlichkeiten, Schulden abwickeln
sich abwickelnsich abspielen
Beispiele:
die Ereignisse, Geschäfte wickeln sich ab
der Verkehr wickelt sich fließend, glatt, reibungslos ab
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wickeln · Wickel · Wieche · abwickeln · einwickeln · verwickeln
wickeln Vb. ‘etw. windend zusammenrollen, um etw. herumwinden, einhüllen’, mhd. wickeln ‘windeln’; in fester Wendung jmdn. um den kleinen Finger wickeln ‘gefügig, willig machen’ (16. Jh.), schief gewickelt (‘falsch angelegt’, dann auch ‘im Irrtum’) sein (19. Jh.). Das Verb ist abgeleitet von dem Substantiv Wickel m. f. ‘abzuspinnendes, um den Rocken gewundenes Faserbündel’, allgemein ‘Gewickeltes, was gewickelt wird und was zum Wickeln dient’ (15. Jh.), besonders ‘Rolle, auf die etw. gewickelt wird’ (vgl. Haar-, Lockenwickel, -wickler), ‘feuchter Umschlag um Körperteile’ (17. Jh.), ahd. wickilī(n) (10. Jh.), wickel (Hs. 12. Jh.), mhd. wickel n. ‘Faserbündel um den Rocken’ (Übersetzungswort für lat. pēnsum, eigentlich ‘die einer Spinnerin zur täglichen Verarbeitung zugewogene Wollmenge’, s. ↗Pensum). Dieses stellt sich wie Wieche m. f. ‘Faserbündel, Docht, Lunte, Scharpie’, ahd. wioh, wiohha (11. Jh.), mhd. wieche m. f. ‘aus Garn gedrehter Docht, gedrehte Scharpie, Lunte’, mnd. wēke, mnl. wieke, nl. wiek, aengl. wēoce (mit dem Stammsilbenvokal germ. eu) und gleichbed. mhd. (md.) wicke, engl. wick (mit dem Stammsilbenvokal germ. i) sowie außergerm. aind. vāgurā́ ‘Schlinge, Fallstrick’, lat. vēlum ‘Segel, Hülle, Tuch’, air. figim ‘webe’ zu der unter ↗Wachs (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯eg- ‘weben, knüpfen, Gewebe, Gespinst’. Das maskuline Genus von Wickel entwickelt sich (17. Jh.) in Anlehnung an maskuline Gerätebezeichnungen auf el- (vgl. Flegel, Griffel, Schlüssel). In fester Wendung beim, am Wickel haben, kriegen, nehmen ‘am Kragen, Schopf fassen’ (19. Jh.), wohl zu Wickel in der Bedeutung ‘um den (Männer)zopf gewundenes Band’ (Wickelband). abwickeln Vb. ‘(von einer Rolle, Spule) abwinden, abrollen’ (16. Jh.), ‘(geschäftliche Dinge) erledigen, zum Abschluß bringen’ (2. Hälfte 18. Jh.). einwickeln Vb. ‘in Papier u. ä. verpacken’, übertragen ‘jmdn. betören’ (16. Jh.). verwickeln Vb. ‘umwinden’, übertragen ‘in unlösbare Verbindung bringen, umstricken’ (15. Jh.); dazu verwickelt Part.adj. ‘kompliziert’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abrollen · abwickeln
Synonymgruppe
(den) Betrieb einstellen · abwickeln · ↗auflösen (Geschäft) · ↗liquidieren · nicht weiterführen · ↗schließen · ↗stilllegen  ●  ↗(jemandem den Laden) dichtmachen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
abschaffen · abwickeln
Synonymgruppe
abwickeln · ↗ausführen · ↗bewerkstelligen · ↗durchführen · ↗erledigen · ↗leisten · ↗realisieren · ↗umsetzen · ↗verrichten · ↗vollführen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktientausch Auftrag Bankgeschäft Bestellung Börsengeschäft Deal Einkauf Finanzgeschäft Flugverkehr Geldgeschäft Geschäft Geschäfte Großteil Handel Internet Konto Schiene Telefon Transaktion Transfer Verkauf Verkehr Wertpapiergeschäft Zahlung Zahlungsverkehr online untereinander wickeln zügig Überweisung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abwickeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Bahn wickelt den Verkauf mit dem Ring Deutscher Makler ab.
Süddeutsche Zeitung, 29.07.2000
Soweit mittelständische Unternehmen den Kauf schon vorbereitet haben, versuchen sie ihn noch schnell in diesem Jahr abzuwickeln.
Der Tagesspiegel, 15.12.1998
Von heute auf morgen ließ die sich natürlich nicht abwickeln.
Boy-Ed, Ida: Vor der Ehe. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 3272
Ich glaubte nicht, daß es ohne eine militärische Vorbereitung sich abwickeln würde.
o. A.: Neunundneunzigster Tag. Donnerstag, 4. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 16899
Im März kam es so weit, und sobald alles abgewickelt war, reisten wir fort.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Zitationshilfe
„abwickeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abwickeln>, abgerufen am 18.11.2019.

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