abzapfen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungab-zap-fen
Wortzerlegungab-zapfen
Wortbildung mit ›abzapfen‹ als Erstglied: ↗Abzapfung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
eine Flüssigkeit abziehen, entnehmen
Beispiele:
Bier, Wein (aus dem Fass) abzapfen
Harz (aus der Kiefer) abzapfen
umgangssprachlichjmdm. Blut abzapfen (= abnehmen, entziehen)
bildlich
Beispiele:
saloppjmdm. Geld abzapfen (= abnehmen)
daß Rom von neuem über uns herfällt, uns das letzte Blut abzuzapfen [Feuchtw.Goya585]
2.
Beispiel:
ein Fass abzapfen (= allmählich leeren)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zapfen · zapfen · abzapfen · anzapfen · verzapfen · Zäpfchen · Zapfenstreich
Zapfen m. ‘länglicher, sich verjüngender Holzpflock (Stöpsel) zum Verschließen eines Gefäßes, konisch runder, mit holzigen Schuppen versehener Fruchtstand der Nadelhölzer’, ahd. zapho (11. Jh.), mhd. zapfe, (md.) zappe, mnd. mnl. tappe, nl. tap, aengl. tæppa, engl. tap führen auf germ. *tappan-, umgelautetes, im Nhd. untergegangenes ahd. zepho (Hs. 12. Jh.), mhd. zepfe ‘Fruchtstand (Traube, Rispe, Ähre)’ auf germ. *tappjan- mit einer Ausgangsbedeutung ‘länglich Ausgezogenes, Spitziges’. Verwandt sind die ablautenden unter ↗Zipfel (s. d.) behandelten Substantive und offensichtlich auch das lautlich und semantisch nahestehende ↗Zopf (s. d.), so daß, da außergerm. Vergleiche fehlen, von einer onomatopoetischen germ. Grundform zur Bezeichnung von etw. Spitzem auszugehen ist. Das Endungs-n der nhd. Form (seit Ende 15. Jh.) entstammt den obliquen Kasus des schwach flektierten Substantivs; im Md. hält sich Zapfe bis ins 18. Jh. Der verdeutlichenden Bildung Tannenzapfen (15. Jh.) folgt (nach der Ähnlichkeit) Eiszapfen (16. Jh.). zapfen Vb. ‘mit Hilfe eines Zapfens durch ein Spundloch ausfließen lassen, entnehmen, abfüllen’, mhd. zapfen, zepfen, auch ‘mit einem Zapfen versehen’; vgl. mnd. mnl. nl. tappen, aengl. tappian, engl. to tap. abzapfen Vb. ‘Flüssigkeit entnehmen, ablaufen lassen’ (16. Jh.), übertragen ‘jmdm. etw. abnötigen, jmdn. ausnutzen’ (17. Jh.). anzapfen Vb. ‘durch Lösen des Zapfens öffnen, anstechen’, übertragen ‘von jmdm. Geld borgen’ (15. Jh.). verzapfen Vb. ‘direkt vom Faß ausschenken’ (15. Jh.), ‘Törichtes tun, Unsinniges von sich geben’ (19. Jh.). Zäpfchen n. zapfenförmige Vorwölbung des weichen Gaumens im Rachen, ‘Gaumenzäpfchen’ (um 1500), ‘zapfenförmiges, rektal einzuführendes Medikament’ (18. Jh.), auch (in beiden Bedeutungen) Zäpflein (16. Jh.). Zapfenstreich m. Beginn der Nachtruhe in der Soldatenunterkunft, anfangs ein Signal, durch Trompete oder durch Trommelwirbel gegeben, dann mit anschließender Begleitmusik als Aufforderung für die Soldaten, sich in ihre Quartiere zu begeben (17. Jh.), schließlich zu einem Musikstück und zu festlicher Militärmusik erweitert; eigentlich ‘Streich, Schlag auf den Zapfen des Bierfasses, um dieses zu schließen und den Ausschank im Militärlager zu beenden’; vgl. nd. taptō, nl. tap toe ‘Zapfen zu’, danach nl. taptoe ‘abendliche Militärmusik, festliche Musikparade’, woraus gleichbed. engl. tattoo, (älter) taptoo (s. ↗Tattoo1), und russ. (älter) taptá (тапта) ‘Zapfenstreich’.

Typische Verbindungen zu ›abzapfen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Arzt Benzin Blut Datum Dieb Energie Leitung Liter Menge Milliliter Pipeline Strom Transitleitung Treibstoff Wasser illegal zapfen Öl

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abzapfen‹.

Verwendungsbeispiele für ›abzapfen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weil er nicht mal pusten konnte, wurde ihm Blut abgezapft.
Bild, 12.02.2005
Man muss es gezielt den einen abzapfen und den anderen zuführen!
Süddeutsche Zeitung, 17.05.2002
Sie zapften ihnen das Blut ab und marterten sie zu Tode.
o. A.: Einunddreißigster Tag. Donnerstag, 10. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 8246
Nebenbei gesagt, wird hier nur Bayrisches Bier abgezapft, der Liter 45 Pfennig.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 08.05.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Wenn hier eine Milliarde abgezapft worden sein soll, was ist das im Verhältnis dazu?
Der Spiegel, 10.07.2000
Zitationshilfe
„abzapfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abzapfen>, abgerufen am 25.01.2020.

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