Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

abziehen

Grammatik Verb · zieht ab, zog ab, ist/hat abgezogen
Aussprache 
Worttrennung ab-zie-hen
Wortzerlegung ab- ziehen
Wortbildung  mit ›abziehen‹ als Erstglied: Abziehapparat · Abziehbild · Abzieher · Abziehklinge · Abziehpresse · Abziehriemen · Abziehstein · Abziehvorrichtung · abziehbar
 ·  mit ›abziehen‹ als Grundform: Abzug · abgezogen
Mehrwortausdrücke  eine Schau abziehen · eine Show abziehen
eWDG

Bedeutungen

1.
fortziehen, wegziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
abmarschieren, abrücken
in gegensätzlicher Bedeutung zu anziehen
Beispiele:
die Truppen ziehen ab
die Besatzung, Wache zieht ab
salopp weggehen
Beispiele:
er musste mit leeren Händen, langem Gesicht, Schimpf und Schande, wie ein begossener Pudel, unverrichteterdinge, enttäuscht abziehen
die beiden Freundinnen zogen (vergnügt, guter Dinge) (miteinander) ab
zieh endlich ab!
b)
abfliegen
Beispiele:
die Zugvögel ziehen (im Herbst) ab
es war ein wahres Bienennest, das vom Stocke abzieht [ E. T. A. Hoffm.1,80]
c)
Beispiele:
der Rauch zieht (durch den Schornstein, südlich) ab
das Flutwasser, Eis, Gewitter, die Nacht zieht ab
drohende Wolken ziehen ab
mit abziehendem Winter [ RaabeSchüdderumpIII 1,143]
2.
etw. von etw. herunterziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
Beispiele:
Tieren das Fell, Früchten die Haut abziehen
den Bettbezug abziehen
umgangssprachlichdie Mütze abziehen (= abnehmen)
den Ring (vom Finger), den Handschuh abziehen
Er […] zog die Scheide [des Säbels] ab [ CarossaKindheit133]
in gegensätzlicher Bedeutung zu aufziehen
Beispiel:
die Saiten (der Geige) abziehen
b)
die Haut von etw. herunterziehen
Beispiele:
den Hasen abziehen
Pfirsiche, Mandeln, Tomaten abziehen
c)
Beispiel:
Bohnen abziehen (= die Fäden entfernen, abfädeln)
d)
Beispiel:
Betten abziehen (= den Bezug herunterziehen)
3.
jmdn., etw. wegziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
jmdn., etw. abkommandieren
Beispiel:
Arbeitskräfte, Truppen, Flugzeuge (von einem Gebiet) abziehen
b)
Beispiel:
eine Pistole abziehen (= den Abzugsbügel zurückziehen und den Schuß auslösen)
c)
gehoben, bildlich
Beispiele:
die, seine Hand (von jmdm., etw.) abziehen (= seinen Schutz versagen)
er […] zog allmählich sein Herz von dem Jüngling ab (= kehrte sich ab) [ HesseGlasperlensp.6,586]
d)
etw., jmdn. ablenken
Beispiele:
jmds. Aufmerksamkeit, Blicke, Gedanken von seiner Aufgabe, Arbeit, seinem Buch, von jmdm. abziehen
jmdn. von seinen Betrachtungen, trüben Gedanken abziehen
e)
gehoben jmdn. weglocken, abspenstig machen
Beispiele:
Wollen Sie mich vielleicht von Klamm abziehen [ KafkaSchloß56]
wir wollen die Römer abziehen von Jupiter zu Jahve [ Feuchtw.Tag100]
4.
etw. herausziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
den Schlüssel abziehen (= aus dem Schlüsselloch herausziehen)
eine Flüssigkeit abziehen (= mit dem Heber heraussaugen)
übertragen
Beispiele:
Rohstoffe, Geld aus einem Lande abziehen
die alles bare Geld auf hundert Wegen abzuziehen wußten [ G. KellerRomeo6,83]
5.
etw. abfüllen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Wein, Bier, Schnaps (auf Flaschen) abziehen
einen kräftigen grünen Aronenschnaps, auf Lungenkraut abgezogen [ Bergengr.Rittmeisterin245]
6.
etw. abrechnen, subtrahieren
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
eine Summe von einer anderen abziehen
einen steuerfreien Betrag, die Krankenkasse, Unfallversicherung (vom Einkommen) abziehen
Unkosten, Spesen können (nachher) abgezogen werden
den Schaden, Vorschuss (vom Lohn) abziehen
14% sind vom Gehalt, vom Preis, vom Bruttogewicht abzuziehen
fünfhundert Mark, die wir von Ihrer Anzahlung abziehen [ H. MannUntertan4,186]
7.
etw. glätten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
das Messer (auf dem Riemen, Schleifstein) abziehen
ein Brett abziehen (= abhobeln)
den (Parkett)fußboden (mit Stahlspänen, maschinell) abziehen (= säubern und glätten)
Er zog sie [die Schneide] einigemal auf seinem Stiefel, dann auf dem Handballen ab [ G. Keller6,350]
8.
etw. übertragen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
ein (Abzieh)bild abziehen
einen Film abziehen (= kopieren)
Als dann der Esel Segment um Segment in Gips abgezogen wurde [ SchweitzerAus meinem Leben101]
Druckerei einen Einzeldruck herstellen
Beispiele:
Flugblätter, einen Schriftsatz, einen Kupferstich abziehen
fünfzig Exemplare wurden auf Bütten abgezogen
Ein Duft wie feuchte, frisch abgezogene Zeitungsbogen [ RaabeII 2,11]
9.
Kochkunst
Beispiel:
sie hat die Suppe, den Pudding mit einem Ei abgezogen (= abgequirlt)
10.
gehoben etw. aus etw. herleiten, ableiten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Begriffe, Regeln abziehen
Einen Grund zu diesem unerhörten Schritt zog Schenkern daraus ab [ Ric. HuchDreißigjähr. Krieg1,26]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ziehen · ungezogen · abziehen · Abzug · abzüglich · anziehen · Anzug · anzüglich · aufziehen · Aufzug · ausziehen · Auszug · beziehen · Beziehung · beziehungsweise · Bezug · bezüglich · erziehen · Erzieher · Erziehung · nachziehen · Nachzügler · überziehen · Überzieher · Überzug · umziehen · Umzug · verziehen · Verzug · vollziehen · Vollzug · vorziehen · Vorzug · vorzüglich · zuziehen · zuzüglich
ziehen Vb. ‘mit Kraft zu sich her oder hinter sich her bewegen, zerren, zu ganzer Länge ausdehnen, aufziehen, züchten, sich fortbewegen’, reflexiv ‘sich dehnen, in die Länge erstrecken’; zusammen mit einem Substantiv dient ziehen häufig zur Umschreibung eines Verbalbegriffs, vgl. in Zweifel ziehen ‘bezweifeln’ (16. Jh.), Lehren ziehen ‘lernen’ (18. Jh.); ahd. ziohan (8. Jh.), mhd. ziehen, asächs. tiohan, mnd. tēn, tīen, mnl. tīen, afries. tiā, aengl. tēon, anord. (nur Part. Prät.) toginn ‘gezogen’, got. tiuhan ‘führen’ (germ. *teuhan). Außergerm. vergleichen sich griech. dadýssesthai (δαδύσσεσθαι) ‘zerrissen werden’, dé͞ukein (δεύκειν) ‘denken, nachdenken, Sorge tragen’, lat. dūcere ‘ziehen, schleppen, führen, leiten’, mkymr. dygaf (aus *dukami) ‘bringe’. Zugrunde liegt ie. *deuk- ‘ziehen’. Dazu gehören aus dem germ. Sprachbereich die unter Zaum, Zeug, Zeuge, zögern, Zögling, Zucht, zucken, zücken, Zug, Zügel behandelten Wörter sowie auch Herzog (eigentlich ‘Heerführer’, s. d.). Zum Part. Prät. gezogen in der Bedeutung ‘erzogen’ gehört ungezogen Adj. ‘unartig, ungehorsam’, ahd. ungizogan ‘noch nicht erzogen, unbändig’ (8. Jh.), mhd. ungezogen ‘ohne gehörige Bildung, unartig, zuchtlos’. – abziehen Vb. ‘durch Ziehen entfernen, herunterziehen, wegnehmen, weggehen, vermindern, subtrahieren’, ahd. abaziohan (9. Jh.), mhd. abeziehen; Abzug m. ‘Vorgang, Ergebnis des Abziehens, Weggang, abgezogener Betrag, Vorrichtung zum Ableiten’, mhd. abezuc; abzüglich Präp. (besonders in der Kaufmannssprache) ‘mit Abzug von, abgerechnet’ (19. Jh.), vgl. schon (md.) abezogelich (15. Jh.). anziehen Vb. ‘an sich heranziehen, straff ziehen, Kleidung anlegen’, mhd. aneziehen, auch ‘anklagen, beschuldigen’ (eigentlich ‘etw. als Beweis heranziehen’); Anzug m. ‘Vorwurf, Beschuldigung, Anmarsch, Ankunft’ (15. Jh.), im Anzuge sein ‘im Anmarsch sein, bevorstehen, beginnen’ (16. Jh.), ‘Kleidung’ (Ende 16. Jh., geläufig seit 18. Jh.), dann speziell ‘Jacke und Hose’, spätmhd. anzuc ‘Anzug (im Schachspiel)’; anzüglich Adj. ‘auf Unangenehmes, Peinliches anspielend, ungehörig, zweideutig’ (16. Jh.), vgl. anzügliche und schimpfliche Wort (17. Jh.), zu frühnhd. anzug ‘Vorwurf, Beschuldigung’ (s. oben); daneben auch im Sinne von ‘anziehend’ (Anfang 16. Jh., noch bei Goethe). aufziehen Vb. ‘durch Ziehen öffnen, in die Höhe ziehen, großziehen, erziehen, eine Feder spannen, ins Werk setzen, necken’, ahd. ūfziohan ‘emporziehen’ (um 1000), mhd. ūfziehen ‘sich erheben, in die Höhe ziehen, emporheben, auf-, erziehen, fördern, pflegen’; Aufzug m. ‘Vorrichtung zum Hochziehen, Hochfahren’, dann (ab 17. Jh.) ‘Aufmarsch, Festzug, Prozession’, mhd. ūfzuc ‘Vorrichtung zum In-die-Höhe- Ziehen, Aufschub, Anziehung, Einfluß’; Aufzug im Sinne von ‘Aufmachung’ (17. Jh.) ist eigentlich ‘die Art und Weise, wie man vor anderen aufzieht’, dann eingeschränkt auf ‘Kleidung’; die Bedeutung ‘Schauspielakt’ (seit 17. Jh.) stammt aus dem feierlichen Auftritt der Schauspieler zu Beginn eines Aktes. ausziehen Vb. ‘herausziehen, in die Länge ziehen, auseinanderziehen, ablegen, aus-, entkleiden, ausplündern, einen Auszug machen, exzerpieren, wegziehen, wegmarschieren, die Wohnung aufgeben’, ahd. ūʒziohan (9. Jh.), mhd. ūʒziehen ‘aus-, herausziehen, sich entfernen, in den Krieg ziehen, entkleiden, ausnehmen, befreien’; Auszug m. ‘das Ausziehen, Abmarsch, Auswanderung, Teilabschrift, Exzerpt, Extrakt’, mhd. ūʒzuc ‘Auszug, Einwand, Widerrede, Ausflucht, Ausnahme’. beziehen Vb. ‘auf, über etw. ziehen, (be)spannen, regelmäßig erhalten, in einen bestimmten Zusammenhang bringen’, reflexiv ‘sich berufen auf, verweisen auf’, ahd. biziohan ‘festbinden, über-, zusammenziehen, zusammenfügen, wegnehmen’ (8. Jh.), mhd. beziehen ‘zu etw. kommen, erreichen, überziehen, ein Kleid besetzen, füttern, an sich nehmen, einziehen’; Beziehung f. ‘Verbindung, innerer Zusammenhang, wechselseitiges Verhältnis, Bezug(nahme), Anspielung, Hinsicht’ (17. Jh.); beziehungsweise Konj. ‘oder vielmehr, genauer gesagt, im anderen Fall’ (Mitte 18. Jh.), älter beziehlicher Weise (17. Jh.); Bezug m. ‘Bezugnahme, Hinsicht, Beziehung, das Beziehen (von Waren), Überzug’ (Anfang 18. Jh.; Einzelbeleg schweiz. 1483); vgl. ahd. bizog ‘Decke’ (Hs. 11./12. Jh.), mhd. bezoc ‘Unterfutter’; bezüglich Adj. ‘sich auf etw. beziehend’ (vereinzelt 16. Jh., häufig seit Ende 18. Jh.); auch Präp. (19. Jh.). erziehen Vb. ‘jmdn., besonders ein Kind, geistig und charakterlich formen, seine Neigungen und Fähigkeiten entfalten’, ahd. irziohan ‘ziehen, aufziehen, erziehen’ (8. Jh.), mhd. erziehen, eigentlich ‘herausziehen’; die Bedeutung des Verbs steht seit ahd. Zeit unter dem Einfluß von lat. ēducāre ‘auf-, großziehen, ernähren, erziehen’; Erzieher m. (17. Jh., vereinzelt 15. Jh.), Erziehung f. (um 1500). nachziehen Vb. ‘hinter sich herziehen, fester anziehen, nachzeichnen, verstärken, nachfolgen’, ahd. nāhziohan (um 1000), mhd. nāchziehen; Nachzügler m. ‘wer verspätet eintrifft, Nachkömmling’, zuerst (1792) bei Goethe im Sinne von ‘hinter dem Heere zurückbleibender Soldat, Marodeur’, gebildet zu heute nicht mehr gebräuchlichem Nachzug ‘Nachhut eines Heeres’. überziehen Vb. (in trennbarer Verbindung) ‘ein Kleidungsstück über den Körper ziehen, (über etw. anderes) anziehen’ (17. Jh.); vgl. die Wendung jmdm. eins, ein paar überziehen ‘jmdm. einen Hieb, Hiebe versetzen, jmdn. schlagen’ (um 1600); (in untrennbarer Verbindung) ‘mit einem Überzug versehen, bedecken, bespannen’, auch mit Krieg überziehen ‘zum Kriegsschauplatz machen’, das Konto überziehen ‘mehr abheben, als auf dem Konto steht’; ahd. ubarziohan ‘verziehen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. überziehen ‘über etw. ziehen, an sich ziehen, gewinnen, bedecken, überfallen, besetzen, übertreffen’; Überzieher m. ‘leichter Herrenmantel’ (Mitte 19. Jh.), früher ‘Überziehrock der Männerkleidung’ (18. Jh.); Überzug m. ‘auswechselbare Hülle, Bezug, dünne Decke, Schicht, Auflage’, auch frühnhd. überzog ‘Überfall, feindlicher Angriff’ (15. Jh.), ahd. ubarzug ‘Kleidungsstück’ (Hs. 13. Jh.). umziehen Vb. (trennbar) ‘in eine andere Wohnung ziehen, den Wohnsitz wechseln, ein anderes Kleid, einen anderen Anzug anziehen, die Kleidung wechseln’ (18. Jh.), älter ‘herum-, umherziehen, -schweifen, -wandern’ (Anfang 16. Jh.), (untrennbar) ‘sich um … herumbewegen, ziehend umkreisen, mit etw. rings umgeben, bedecken’, reflexiv ‘sich bewölken, beziehen’, mhd. umbeziehen ‘umgeben, -zingeln, überfallen, herumziehen’; Umzug m. ‘das Umherziehen, (feierlicher) Aufzug, Festzug’ (Anfang 16. Jh.), ‘Wohnungswechsel’ (19. Jh.). verziehen Vb. ‘durch Ziehen in eine vom Normalen, Üblichen abweichende Form bringen, verzerren, die Wohnung, den Wohnort wechseln, falsch, nicht in der richtigen Weise erziehen, verwöhnen, zu dicht stehende junge Pflanzen herausziehen, vereinzeln’, reflexiv ‘allmählich weiterziehen und verschwinden, sich (unauffällig) entfernen’, ahd. firziohan ‘wegnehmen, entziehen, falsch erziehen’ (8. Jh.), mhd. verziehen ‘auseinanderziehen, herausziehen, entfernen, hinziehen, aufschieben, verzögern’; Verzug m. ‘Verzögerung, Rückstand im Erfüllen einer Verpflichtung’, mhd. verzuc, verzoc, auch ‘Einspruch, Einwand’. vollziehen Vb. ‘in die Tat umsetzen, ausführen, vollstrecken’, reflexiv (seit 19. Jh.) ‘vor sich gehen, geschehen, ablaufen’, ahd. fol(l)aziohan ‘unterstützen helfen, vollenden’ (8. Jh.), mhd. vol(le)ziehen ‘vollständig ziehen, ausführen, unterstützen, gemäß verfahren, genügen, befriedigen’, eigentlich ‘etw. bis zum Ende, zum Ziele ziehen’; Vollzug m. ‘Verwirklichung, Ausführung, Vollstreckung’, mhd. volzuc. vorziehen Vb. ‘nach vorn ziehen, hervorziehen, vor etw. ziehen, bevorzugen, lieber mögen, für später Vorgesehenes auf einen früheren Zeitpunkt legen, zuerst in Angriff nehmen’, ahd. furiziohan ‘hervorziehen, vorbringen, etw., jmdn. vorziehen’ (10. Jh.), mhd. vür-, vorziehen (frühnhd. für-, vorziehen) ‘vorführen (Pferd), darlegen, anführen, geltend machen, vorenthalten’; Vorzug m. ‘Vergünstigung, Vorteil, Vorrang, Vorrecht’, mhd. vürzuc, vürzoc (frühnhd. Für-, Vorzug); auch im Sinne von ‘wertvolle, vortreffliche Eigenschaft, Vorzüglichkeit, gute Seite’ (seit 17. Jh.); vorzüglich Adj. ‘hervorragend, ausgezeichnet, vortrefflich’ (18. Jh.). zuziehen Vb. ‘durch Heranziehen schließen, zusammenziehen, festziehen, herbeirufen, von auswärts an den hiesigen Ort ziehen’, sich etw. zuziehen (z. B. etw. Übles, eine Krankheit, 18. Jh.), ahd. zuoziohan ‘anziehen, (die Bogensehne) spannen’ (um 1000), mhd. zuoziehen ‘zuziehen, zufügen, schließen, entgegenziehen, jmdm. zusetzen’; zuzüglich Präp. (besonders in der Kaufmannssprache) ‘hinzukommend, hinzuzurechnen’ (20. Jh.), wohl nach abzüglich (s. oben) gebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden um etwas) prellen · (jemanden) ausnehmen · (jemanden) ausnehmen wie eine Weihnachtsgans · (jemanden) erleichtern um  ●  (jemanden) schröpfen  fig. · (jemandem) das Fell über die Ohren ziehen  ugs., fig. · Geld aus der Tasche ziehen  ugs., fig. · abcashen  ugs. · abkassieren  ugs. · abziehen  ugs. · abzocken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausrauben · berauben · bestehlen · überfallen  ●  abziehen  ugs. · beklauen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abrechnen · absetzen  ●  (b von a) abziehen  Hauptform · subtrahieren (von)  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Spülung betätigen · (die) Toilette spülen · abziehen
Synonymgruppe
(Truppen / Einsatzkräfte / Diplomaten / ... von einem Ort) abziehen · (jemanden) abberufen · (jemanden) zurückbeordern · (jemanden) zurückrufen · zurückbestellen · zurückordern  ●  (die Jungs) nach Hause holen  ugs., veraltend · (seine Jungs) zurückholen  ugs., veraltend · zurückpfeifen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abbinden (Soße) · abziehen · andicken · binden · cremig machen · eindicken · legieren · sämig machen
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) abnehmen (unter Gewaltanwendung) · (jemandem) aus der Hand reißen · (jemandem) entreißen · (jemandem) wegnehmen (unter Gewaltanwendung)  ●  (etwas) abziehen  jugendsprachlich · (jemanden) abziehen  jugendsprachlich · (jemanden) berauben  Hauptform · rauben  juristisch · (jemandem) wegreißen  ugs.
Assoziationen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich irgendwie) aufführen · (sich irgendwie) benehmen  ●  (sich etwas) leisten  negativ · (etwas) abziehen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(vorübergehend) abziehen (von einer Aufgabe)  Hauptform · entführen  fig. · mitnehmen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
duplizieren · klonen · klonieren · kopieren · replizieren · vervielfältigen  ●  abziehen  österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
  • aufs Altenteil abschieben · aufs Altenteil schicken · in (die) Rente schicken · in den Ruhestand schicken · in den Ruhestand versetzen · verrenten · zum alten Eisen werfen · zwangsverrenten
Synonymgruppe
(Deckel) abziehen (Joghurtbecher o.ä.) · entfernen  ●  aufmachen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) zurückziehen · fortgehen · gehen (= 'weggehen') · verschwinden  ●  (den) Rückzug antreten  militärisch, auch figurativ · weggehen (Ortswechsel)  Hauptform · (sich) entfernen  geh. · (sich) trollen  ugs. · (sich) verziehen  ugs. · (sich) vom Acker machen  ugs. · (sich) von dannen machen  geh., veraltend · Leine ziehen  ugs., salopp · abdackeln  ugs. · abdampfen  ugs. · abhauen  ugs., salopp · abschieben  ugs. · abschwirren  ugs., salopp · abtreten  fachspr. · abziehen  ugs. · abzischen  ugs. · die Düse machen  ugs. · entfleuchen  geh., literarisch, scherzhaft · entrauschen  geh., ironisierend · entschwinden  geh., scherzhaft · scheiden  geh. · von dannen eilen  geh., altertümelnd · von dannen rauschen  geh., ironisierend · von dannen ziehen  geh., veraltend
Assoziationen
  • davon... · fort... · weg...  ●  ab... ugs. · ent... geh. · von dannen geh., veraltend
  • (jemandem) entlaufen  ●  (jemandem) weglaufen Hauptform · Reißaus nehmen veraltend · (jemandem) auskommen ugs., regional · ausbüxen ugs., regional · ausreißen ugs. · das Weite suchen ugs. · durchbrennen ugs. · sich aus dem Staub machen ugs. · stiften gehen ugs.
  • (Ort) verlassen · die (alte) Heimat verlassen · fortziehen · wegziehen · ziehen (nach)
  • (aus einem Raum / Gebäude) gehen · (einen Raum / ein Gebäude) verlassen
  • abziehen (Gruppe, Kolonne, Trupp ...)  ●  abrücken militärisch · abmarschieren fachspr., militärisch
  • (sich) entfernen · (sich) zurückziehen · auf und davon gehen · sich unbemerkt verabschieden · verschwinden  ●  (sich) selbständig machen scherzhaft · davonziehen altertümlich · enteilen altertümlich · entfleuchen scherzhaft, literarisch · weggehen (sich entziehen) Hauptform · (sich) absentieren geh., veraltend · (sich) davonmachen ugs. · (sich) empfehlen geh. · (sich) retirieren geh., veraltet · (sich) verdünnisieren ugs., scherzhaft · (sich) von dannen machen geh., literarisch · abdampfen ugs. · abhauen ugs. · abzischen ugs. · plötzlich weg sein ugs. · sich auf Französisch empfehlen geh. · sich auf Französisch verabschieden ugs. · verduften ugs.
  • (sich) auflösen · (sich) in Luft auflösen · (sich) verziehen · verpuffen · verrauchen
  • (jemanden) verabschieden · (sich) verabschieden · Abschied nehmen · Adieu sagen · Lebewohl sagen · Tschüs sagen · auf Wiedersehen sagen  ●  (sich) empfehlen geh. · scheiden geh., veraltet
  • (einen Ort) verlassen · (sich) lösen · alles hinter sich lassen · fortgehen · fortziehen · weggehen · wegziehen  ●  (einer Sache / einem Ort) Goodbye sagen fig. · (einer Sache / einem Ort) auf Wiedersehen sagen fig. · (einer Sache) den Rücken kehren fig. · (seine) Zelte abbrechen fig. · (sich) lossagen (von) auch figurativ · alle Zelte hinter sich abbrechen fig. · (sich) abwenden geh.
  • Geh weg! Hauptform · Geh! Hauptform · Abflug! ugs. · Abmarsch! ugs. · Baba und foi ned. ugs., wienerisch · Da ist die Tür! ugs. · Fahr zur Hölle! derb, aggressiv · Fort mit dir! geh., veraltend · Geh (doch) dahin, wo der Pfeffer wächst! ugs. · Geh mir aus den Augen! ugs. · Geh mir vom Acker! ugs. · Geh mit Gott, aber geh! ugs., Redensart · Geh sterben! derb · Hau ab und komm nicht wieder! ugs. · Hau ab! ugs. · Hinfort mit dir! geh., altertümelnd · Hutsch dich! ugs., österr. · Kratz die Kurve! ugs. · Mach 'n Abgang! ugs. · Mach 'ne Fliege! ugs. · Mach Meter! ugs., österr. · Mach die Fliege! ugs. · Mach, dass du fortkommst! ugs. · Mach, dass du wegkommst! ugs. · Pack dich! ugs. · Raus (mit dir)! ugs. · Schau, dass du weiterkommst. ugs., süddt., variabel · Scher dich fort! ugs., veraltend · Scher dich weg! ugs., veraltend · Scher dich zum Teufel! ugs., veraltend · Schieb ab! ugs. · Schieß in'n Wind! ugs. · Schleich di! ugs., süddt. · Schleich dich! ugs. · Schwirr ab! ugs. · Sieh zu, dass du Land gewinnst! ugs. · Sieh zu, dass du weiterkommst! ugs. · Verpiss dich! derb · Verschwinde wie der Furz im Winde! ugs., scherzhaft · Verschwinde! ugs., Hauptform · Verzieh dich! ugs. · Verzupf dich! ugs., österr. · Wegtreten! fachspr., militärisch · Weiche von mir! geh., veraltet · Zieh Leine! ugs. · Zieh ab! ugs. · Zisch ab! ugs.
  • (sich) auf den Weg machen · (sich) aufmachen · losgehen · losziehen · seinen Weg antreten  ●  aufbrechen Hauptform · (sich) auf die Beine machen ugs. · (sich) auf die Socken machen ugs. · lossocken ugs., regional
  • (sein) Bündel schnüren fig. · mit unbekanntem Ziel verreisen variabel, ironisch · (das) Weite suchen ugs. · (das) sinkende Schiff verlassen ugs., fig. · (den) Abgang machen ugs. · (den) Adler machen ugs. · (den) Sittich machen ugs. · (die) Biege machen ugs. · (die) Flatter machen ugs. · (die) Fliege machen ugs. · (die) Flocke machen ugs. · (die) Kurve kratzen ugs. · (einen) Abgang machen ugs. · (einen) flotten Schuh machen ugs. · (einen) langen Schuh machen ugs. · (sich) aus dem Staub machen ugs. · (sich) vom Acker machen ugs. · Leine ziehen ugs., salopp · in die Ferne schweifen geh.
  • (irgendwo) herausspazieren · (unbehelligt) weggehen
Synonymgruppe
abziehen (Gruppe, Kolonne, Trupp ...)  ●  abrücken  militärisch · abmarschieren  fachspr., militärisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(eine Klinge) abziehen · schleifen · schärfen · wetzen  ●  scharf machen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) obere(n) Schicht(en) entfernen · abschleifen · abziehen (Parkett, Dielen) · schleifen
Synonymgruppe
Synonymgruppe
(mit einem Abzieher = Spezialwerkzeug) herausziehen · abziehen (Bauteil im Maschinenbau) · ausbauen · herunternehmen · lösen  ●  abbekommen  ugs. · rausnehmen  ugs. · rausziehen  ugs.
Synonymgruppe
abziehen (Schale) · herunterziehen  ●  abpellen  ugs., regional
Synonymgruppe
abfüllen · in Flaschen füllen  ●  (auf Flaschen) abziehen  fachspr. · auf Flaschen ziehen  fachspr.
Synonymgruppe
abzapfen · in einen anderen Behälter füllen · umfüllen · umpumpen  ●  abstechen (Wein)  fachspr. · abziehen  fachspr.
Synonymgruppe
abziehen (Schlüssel, USB-Stick) · aus dem Schloss ziehen · herausziehen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›abziehen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abziehen‹.

Anleger Betriebsausgabe Botschafter Fell Geschäftsaufwand Gewinnungskosten Haut Kampftruppe Punkt Rauch Reutlingen Show Soldat Sonderausgabe Sparer Steuerpflichtig Strafpunkt Truppe Us-armee Us-soldat Us-truppe V-leute Vorsteuer Werbungskosten Zündschlüssel

Verwendungsbeispiele für ›abziehen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst hier gewinnt der Lift seinen vom reinen Transport abgezogenen Sinn. [Die Zeit, 20.03.1970, Nr. 12]
Sie zieht nach etwa zwanzig Minuten mit dem Kind ab. [Schücking, Beate: Wir machen unsere Kinder krank, München: List 1971, S. 19]
Dann nimmt man es, ohne einen Tropfen herunterfallen zu lassen, in den Mund und zieht den fleischigen kleinen Teil vom Blatt mit den Zähnen ab. [Goetz von Schüching, Ruth: Durch gute Lebensart zum Erfolg, Leipzig: Hesse & Becker 1932 [1925], S. 23]
Sie sind früh von dort abgezogen, etwa vom zweiten Jahrhundert an. [Fischer, Hermann: Grundzüge der Deutschen Altertumskunde, Leipzig: Quelle & Meyer 1917 [1908], S. 0]
Er zog also ab, und im nächsten Jahr starb er. [Seston, William: Verfall des Römischen Reiches im Westen. Die Völkerwanderung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21182]
Zitationshilfe
„abziehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abziehen>.

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