abziehen

GrammatikVerb · zieht ab, zog ab, ist/hat abgezogen
Worttrennungab-zie-hen
Wortzerlegungab-ziehen
Wortbildung mit ›abziehen‹ als Erstglied: ↗Abziehapparat · ↗Abziehbild · ↗Abziehpresse · ↗Abziehriemen · ↗Abziehstein · ↗abziehbar
 ·  mit ›abziehen‹ als Grundform: ↗Abzug · ↗abgezogen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
fortziehen, wegziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
abmarschieren, abrücken
Gegenwort zu anziehen
Beispiele:
die Truppen ziehen ab
die Besatzung, Wache zieht ab
salopp weggehen
Beispiele:
er musste mit leeren Händen, langem Gesicht, Schimpf und Schande, wie ein begossener Pudel, unverrichteterdinge, enttäuscht abziehen
die beiden Freundinnen zogen (vergnügt, guter Dinge) (miteinander) ab
zieh endlich ab!
b)
abfliegen
Beispiele:
die Zugvögel ziehen (im Herbst) ab
es war ein wahres Bienennest, das vom Stocke abzieht [E. T. A. Hoffm.1,80]
c)
Beispiele:
der Rauch zieht (durch den Schornstein, südlich) ab
das Flutwasser, Eis, Gewitter, die Nacht zieht ab
drohende Wolken ziehen ab
mit abziehendem Winter [RaabeSchüdderumpIII 1,143]
2.
etw. von etw. herunterziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
Beispiele:
Tieren das Fell, Früchten die Haut abziehen
den Bettbezug abziehen
umgangssprachlichdie Mütze abziehen (= abnehmen)
den Ring (vom Finger), den Handschuh abziehen
Er […] zog die Scheide [des Säbels] ab [CarossaKindheit133]
Gegenwort zu aufziehen
Beispiel:
die Saiten (der Geige) abziehen
b)
die Haut von etw. herunterziehen
Beispiele:
den Hasen abziehen
Pfirsiche, Mandeln, Tomaten abziehen
c)
Beispiel:
Bohnen abziehen (= die Fäden entfernen, abfädeln)
d)
Beispiel:
Betten abziehen (= den Bezug herunterziehen)
3.
jmdn., etw. wegziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
jmdn., etw. abkommandieren
Beispiel:
Arbeitskräfte, Truppen, Flugzeuge (von einem Gebiet) abziehen
b)
Beispiel:
eine Pistole abziehen (= den Abzugsbügel zurückziehen und den Schuß auslösen)
c)
gehoben, bildlich
Beispiele:
die, seine Hand (von jmdm., etw.) abziehen (= seinen Schutz versagen)
er […] zog allmählich sein Herz von dem Jüngling ab (= kehrte sich ab) [HesseGlasperlensp.6,586]
d)
etw., jmdn. ablenken
Beispiele:
jmds. Aufmerksamkeit, Blicke, Gedanken von seiner Aufgabe, Arbeit, seinem Buch, von jmdm. abziehen
jmdn. von seinen Betrachtungen, trüben Gedanken abziehen
e)
gehoben jmdn. weglocken, abspenstig machen
Beispiele:
Wollen Sie mich vielleicht von Klamm abziehen [KafkaSchloß56]
wir wollen die Römer abziehen von Jupiter zu Jahve [Feuchtw.Tag100]
4.
etw. herausziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
den Schlüssel abziehen (= aus dem Schlüsselloch herausziehen)
eine Flüssigkeit abziehen (= mit dem Heber heraussaugen)
übertragen
Beispiele:
Rohstoffe, Geld aus einem Lande abziehen
die alles bare Geld auf hundert Wegen abzuziehen wußten [G. KellerRomeo6,83]
5.
etw. abfüllen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Wein, Bier, Schnaps (auf Flaschen) abziehen
einen kräftigen grünen Aronenschnaps, auf Lungenkraut abgezogen [Bergengr.Rittmeisterin245]
6.
etw. abrechnen, subtrahieren
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
eine Summe von einer anderen abziehen
einen steuerfreien Betrag, die Krankenkasse, Unfallversicherung (vom Einkommen) abziehen
Unkosten, Spesen können (nachher) abgezogen werden
den Schaden, Vorschuss (vom Lohn) abziehen
14% sind vom Gehalt, vom Preis, vom Bruttogewicht abzuziehen
fünfhundert Mark, die wir von Ihrer Anzahlung abziehen [H. MannUntertan4,186]
7.
etw. glätten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
das Messer (auf dem Riemen, Schleifstein) abziehen
ein Brett abziehen (= abhobeln)
den (Parkett)fußboden (mit Stahlspänen, maschinell) abziehen (= säubern und glätten)
Er zog sie [die Schneide] einigemal auf seinem Stiefel, dann auf dem Handballen ab [G. Keller6,350]
8.
etw. übertragen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
ein (Abzieh)bild abziehen
einen Film abziehen (= kopieren)
Als dann der Esel Segment um Segment in Gips abgezogen wurde [SchweitzerAus meinem Leben101]
Druckerei einen Einzeldruck herstellen
Beispiele:
Flugblätter, einen Schriftsatz, einen Kupferstich abziehen
fünfzig Exemplare wurden auf Bütten abgezogen
Ein Duft wie feuchte, frisch abgezogene Zeitungsbogen [RaabeII 2,11]
9.
Kochkunst
Beispiel:
sie hat die Suppe, den Pudding mit einem Ei abgezogen (= abgequirlt)
10.
gehoben etw. aus etw. herleiten, ableiten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Begriffe, Regeln abziehen
Einen Grund zu diesem unerhörten Schritt zog Schenkern daraus ab [Ric. HuchDreißigjähr. Krieg1,26]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ziehen · ungezogen · abziehen · Abzug · abzüglich · anziehen · Anzug · anzüglich · aufziehen · Aufzug · ausziehen · Auszug · beziehen · Beziehung · beziehungsweise · Bezug · bezüglich · erziehen · Erzieher · Erziehung · nachziehen · Nachzügler · überziehen · Überzieher · Überzug · umziehen · Umzug · verziehen · Verzug · vollziehen · Vollzug · vorziehen · Vorzug · vorzüglich · zuziehen · zuzüglich
ziehen Vb. ‘mit Kraft zu sich her oder hinter sich her bewegen, zerren, zu ganzer Länge ausdehnen, aufziehen, züchten, sich fortbewegen’, reflexiv ‘sich dehnen, in die Länge erstrecken’; zusammen mit einem Substantiv dient ziehen häufig zur Umschreibung eines Verbalbegriffs, vgl. in Zweifel ziehen ‘bezweifeln’ (16. Jh.), Lehren ziehen ‘lernen’ (18. Jh.); ahd. ziohan (8. Jh.), mhd. ziehen, asächs. tiohan, mnd. tēn, tīen, mnl. tīen, afries. tiā, aengl. tēon, anord. (nur Part. Prät.) toginn ‘gezogen’, got. tiuhan ‘führen’ (germ. *teuhan). Außergerm. vergleichen sich griech. dadýssesthai (δαδύσσεσθαι) ‘zerrissen werden’, dé͞ukein (δεύκειν) ‘denken, nachdenken, Sorge tragen’, lat. dūcere ‘ziehen, schleppen, führen, leiten’, mkymr. dygaf (aus *dukami) ‘bringe’. Zugrunde liegt ie. *deuk- ‘ziehen’. Dazu gehören aus dem germ. Sprachbereich die unter ↗Zaum, ↗Zeug, ↗Zeuge, ↗zögern, ↗Zögling, ↗Zucht, ↗zucken, ↗zücken, ↗Zug, ↗Zügel behandelten Wörter sowie auch ↗Herzog (eigentlich ‘Heerführer’, s. d.). Zum Part. Prät. gezogen in der Bedeutung ‘erzogen’ gehört ungezogen Adj. ‘unartig, ungehorsam’, ahd. ungizogan ‘noch nicht erzogen, unbändig’ (8. Jh.), mhd. ungezogen ‘ohne gehörige Bildung, unartig, zuchtlos’. abziehen Vb. ‘durch Ziehen entfernen, herunterziehen, wegnehmen, weggehen, vermindern, subtrahieren’, ahd. abaziohan (9. Jh.), mhd. abeziehen; Abzug m. ‘Vorgang, Ergebnis des Abziehens, Weggang, abgezogener Betrag, Vorrichtung zum Ableiten’, mhd. abezuc; abzüglich Präp. (besonders in der Kaufmannssprache) ‘mit Abzug von, abgerechnet’ (19. Jh.), vgl. schon (md.) abezogelich (15. Jh.). anziehen Vb. ‘an sich heranziehen, straff ziehen, Kleidung anlegen’, mhd. aneziehen, auch ‘anklagen, beschuldigen’ (eigentlich ‘etw. als Beweis heranziehen’); Anzug m. ‘Vorwurf, Beschuldigung, Anmarsch, Ankunft’ (15. Jh.), im Anzuge sein ‘im Anmarsch sein, bevorstehen, beginnen’ (16. Jh.), ‘Kleidung’ (Ende 16. Jh., geläufig seit 18. Jh.), dann speziell ‘Jacke und Hose’, spätmhd. anzuc ‘Anzug (im Schachspiel)’; anzüglich Adj. ‘auf Unangenehmes, Peinliches anspielend, ungehörig, zweideutig’ (16. Jh.), vgl. anzügliche und schimpfliche Wort (17. Jh.), zu frühnhd. anzug ‘Vorwurf, Beschuldigung’ (s. oben); daneben auch im Sinne von ‘anziehend’ (Anfang 16. Jh., noch bei Goethe). aufziehen Vb. ‘durch Ziehen öffnen, in die Höhe ziehen, großziehen, erziehen, eine Feder spannen, ins Werk setzen, necken’, ahd. ūfziohan ‘emporziehen’ (um 1000), mhd. ūfziehen ‘sich erheben, in die Höhe ziehen, emporheben, auf-, erziehen, fördern, pflegen’; Aufzug m. ‘Vorrichtung zum Hochziehen, Hochfahren’, dann (ab 17. Jh.) ‘Aufmarsch, Festzug, Prozession’, mhd. ūfzuc ‘Vorrichtung zum In-die-Höhe- Ziehen, Aufschub, Anziehung, Einfluß’; Aufzug im Sinne von ‘Aufmachung’ (17. Jh.) ist eigentlich ‘die Art und Weise, wie man vor anderen aufzieht’, dann eingeschränkt auf ‘Kleidung’; die Bedeutung ‘Schauspielakt’ (seit 17. Jh.) stammt aus dem feierlichen Auftritt der Schauspieler zu Beginn eines Aktes. ausziehen Vb. ‘herausziehen, in die Länge ziehen, auseinanderziehen, ablegen, aus-, entkleiden, ausplündern, einen Auszug machen, exzerpieren, wegziehen, wegmarschieren, die Wohnung aufgeben’, ahd. ūʒziohan (9. Jh.), mhd. ūʒziehen ‘aus-, herausziehen, sich entfernen, in den Krieg ziehen, entkleiden, ausnehmen, befreien’; Auszug m. ‘das Ausziehen, Abmarsch, Auswanderung, Teilabschrift, Exzerpt, Extrakt’, mhd. ūʒzuc ‘Auszug, Einwand, Widerrede, Ausflucht, Ausnahme’. beziehen Vb. ‘auf, über etw. ziehen, (be)spannen, regelmäßig erhalten, in einen bestimmten Zusammenhang bringen’, reflexiv ‘sich berufen auf, verweisen auf’, ahd. biziohan ‘festbinden, über-, zusammenziehen, zusammenfügen, wegnehmen’ (8. Jh.), mhd. beziehen ‘zu etw. kommen, erreichen, überziehen, ein Kleid besetzen, füttern, an sich nehmen, einziehen’; Beziehung f. ‘Verbindung, innerer Zusammenhang, wechselseitiges Verhältnis, Bezug(nahme), Anspielung, Hinsicht’ (17. Jh.); beziehungsweise Konj. ‘oder vielmehr, genauer gesagt, im anderen Fall’ (Mitte 18. Jh.), älter beziehlicher Weise (17. Jh.); Bezug m. ‘Bezugnahme, Hinsicht, Beziehung, das Beziehen (von Waren), Überzug’ (Anfang 18. Jh.; Einzelbeleg schweiz. 1483); vgl. ahd. bizog ‘Decke’ (Hs. 11./12. Jh.), mhd. bezoc ‘Unterfutter’; bezüglich Adj. ‘sich auf etw. beziehend’ (vereinzelt 16. Jh., häufig seit Ende 18. Jh.); auch Präp. (19. Jh.). erziehen Vb. ‘jmdn., besonders ein Kind, geistig und charakterlich formen, seine Neigungen und Fähigkeiten entfalten’, ahd. irziohan ‘ziehen, aufziehen, erziehen’ (8. Jh.), mhd. erziehen, eigentlich ‘herausziehen’; die Bedeutung des Verbs steht seit ahd. Zeit unter dem Einfluß von lat. ēducāre ‘auf-, großziehen, ernähren, erziehen’; Erzieher m. (17. Jh., vereinzelt 15. Jh.), Erziehung f. (um 1500). nachziehen Vb. ‘hinter sich herziehen, fester anziehen, nachzeichnen, verstärken, nachfolgen’, ahd. nāhziohan (um 1000), mhd. nāchziehen; Nachzügler m. ‘wer verspätet eintrifft, Nachkömmling’, zuerst (1792) bei Goethe im Sinne von ‘hinter dem Heere zurückbleibender Soldat, Marodeur’, gebildet zu heute nicht mehr gebräuchlichem Nachzug ‘Nachhut eines Heeres’. überziehen Vb. (in trennbarer Verbindung) ‘ein Kleidungsstück über den Körper ziehen, (über etw. anderes) anziehen’ (17. Jh.); vgl. die Wendung jmdm. eins, ein paar überziehen ‘jmdm. einen Hieb, Hiebe versetzen, jmdn. schlagen’ (um 1600); (in untrennbarer Verbindung) ‘mit einem Überzug versehen, bedecken, bespannen’, auch mit Krieg überziehen ‘zum Kriegsschauplatz machen’, das Konto überziehen ‘mehr abheben, als auf dem Konto steht’; ahd. ubarziohan ‘verziehen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. überziehen ‘über etw. ziehen, an sich ziehen, gewinnen, bedecken, überfallen, besetzen, übertreffen’; Überzieher m. ‘leichter Herrenmantel’ (Mitte 19. Jh.), früher ‘Überziehrock der Männerkleidung’ (18. Jh.); Überzug m. ‘auswechselbare Hülle, Bezug, dünne Decke, Schicht, Auflage’, auch frühnhd. überzog ‘Überfall, feindlicher Angriff’ (15. Jh.), ahd. ubarzug ‘Kleidungsstück’ (Hs. 13. Jh.). umziehen Vb. (trennbar) ‘in eine andere Wohnung ziehen, den Wohnsitz wechseln, ein anderes Kleid, einen anderen Anzug anziehen, die Kleidung wechseln’ (18. Jh.), älter ‘herum-, umherziehen, -schweifen, -wandern’ (Anfang 16. Jh.), (untrennbar) ‘sich um … herumbewegen, ziehend umkreisen, mit etw. rings umgeben, bedecken’, reflexiv ‘sich bewölken, beziehen’, mhd. umbeziehen ‘umgeben, -zingeln, überfallen, herumziehen’; Umzug m. ‘das Umherziehen, (feierlicher) Aufzug, Festzug’ (Anfang 16. Jh.), ‘Wohnungswechsel’ (19. Jh.). verziehen Vb. ‘durch Ziehen in eine vom Normalen, Üblichen abweichende Form bringen, verzerren, die Wohnung, den Wohnort wechseln, falsch, nicht in der richtigen Weise erziehen, verwöhnen, zu dicht stehende junge Pflanzen herausziehen, vereinzeln’, reflexiv ‘allmählich weiterziehen und verschwinden, sich (unauffällig) entfernen’, ahd. firziohan ‘wegnehmen, entziehen, falsch erziehen’ (8. Jh.), mhd. verziehen ‘auseinanderziehen, herausziehen, entfernen, hinziehen, aufschieben, verzögern’; Verzug m. ‘Verzögerung, Rückstand im Erfüllen einer Verpflichtung’, mhd. verzuc, verzoc, auch ‘Einspruch, Einwand’. vollziehen Vb. ‘in die Tat umsetzen, ausführen, vollstrecken’, reflexiv (seit 19. Jh.) ‘vor sich gehen, geschehen, ablaufen’, ahd. fol(l)aziohan ‘unterstützen helfen, vollenden’ (8. Jh.), mhd. vol(le)ziehen ‘vollständig ziehen, ausführen, unterstützen, gemäß verfahren, genügen, befriedigen’, eigentlich ‘etw. bis zum Ende, zum Ziele ziehen’; Vollzug m. ‘Verwirklichung, Ausführung, Vollstreckung’, mhd. volzuc. vorziehen Vb. ‘nach vorn ziehen, hervorziehen, vor etw. ziehen, bevorzugen, lieber mögen, für später Vorgesehenes auf einen früheren Zeitpunkt legen, zuerst in Angriff nehmen’, ahd. furiziohan ‘hervorziehen, vorbringen, etw., jmdn. vorziehen’ (10. Jh.), mhd. vür-, vorziehen (frühnhd. für-, vorziehen) ‘vorführen (Pferd), darlegen, anführen, geltend machen, vorenthalten’; Vorzug m. ‘Vergünstigung, Vorteil, Vorrang, Vorrecht’, mhd. vürzuc, vürzoc (frühnhd. Für-, Vorzug); auch im Sinne von ‘wertvolle, vortreffliche Eigenschaft, Vorzüglichkeit, gute Seite’ (seit 17. Jh.); vorzüglich Adj. ‘hervorragend, ausgezeichnet, vortrefflich’ (18. Jh.). zuziehen Vb. ‘durch Heranziehen schließen, zusammenziehen, festziehen, herbeirufen, von auswärts an den hiesigen Ort ziehen’, sich etw. zuziehen (z. B. etw. Übles, eine Krankheit, 18. Jh.), ahd. zuoziohan ‘anziehen, (die Bogensehne) spannen’ (um 1000), mhd. zuoziehen ‘zuziehen, zufügen, schließen, entgegenziehen, jmdm. zusetzen’; zuzüglich Präp. (besonders in der Kaufmannssprache) ‘hinzukommend, hinzuzurechnen’ (20. Jh.), wohl nach abzüglich (s. oben) gebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden um etwas) prellen · ↗(jemanden) ausnehmen · (jemanden) ausnehmen wie eine Weihnachtsgans · (jemanden) erleichtern um  ●  ↗(jemanden) schröpfen  fig. · (jemandem) das Fell über die Ohren ziehen  ugs., fig. · Geld aus der Tasche ziehen  ugs., fig. · ↗abcashen  ugs. · ↗abkassieren  ugs. · abziehen  ugs. · ↗abzocken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausrauben · ↗berauben · ↗bestehlen · ↗überfallen  ●  abziehen  ugs. · ↗beklauen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abrechnen · ↗absetzen · abziehen · ↗subtrahieren
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) zurückziehen · abziehen · von dannen eilen · von dannen rauschen  ●  (sich) von dannen machen  ugs. · von dannen ziehen  ugs.
Synonymgruppe
Toilette spülen · abziehen
Synonymgruppe
(sich) entfernen · ↗(sich) zurückziehen · auf und davon gehen · ↗davonziehen · plötzlich weg sein · ↗verschwinden · ↗weggehen  ●  ↗entfleuchen  scherzhaft, literarisch · (einen) Rückzieher machen  ugs. · ↗(sich) absentieren  geh., veraltend · (sich) davon machen  ugs. · (sich) in Luft auflösen  ugs. · ↗(sich) rausscheren  ugs. · ↗(sich) retirieren  geh., veraltet · ↗(sich) schleichen  ugs., süddt. · (sich) selbständig machen  ugs., ironisch · (sich) von dannen machen  geh., veraltend, literarisch · abdackeln  ugs. · ↗abdampfen  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗abschieben  ugs. · ↗abschwirren  ugs. · abziehen  ugs. · abzischen  ugs. · ↗enteilen  geh. · ↗fortstreben  geh. · ↗gehen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (jemandem) davonlaufen · ↗(sich) absetzen  ●  ↗abspringen  fig. · ↗aussteigen  fig. · ↗desertieren  fig., militärisch · von der Fahne gehen  fig. · von der Stange gehen  fig. · ↗(sich) abseilen  ugs., fig. · ↗(sich) absentieren  geh., veraltet · ↗(sich) ausklinken  ugs., fig. · ↗(sich) verkrümeln  ugs. · ↗(sich) verpissen  derb
  • (jemandem) auskommen · ↗(jemandem) weglaufen · ↗ausbüxen · ↗ausreißen · das Weite suchen · ↗durchbrennen · ↗entlaufen · laufen gehen · sich aus dem Staub machen  ●  Reißaus nehmen  veraltend · ↗stiften gehen  ugs.
  • (das) Weite suchen · die Flucht ergreifen · ↗entkommen · ↗fliehen · ↗flüchten · ↗weglaufen · zu entkommen versuchen  ●  Fersengeld geben  veraltend · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · ↗(sich) dünn(e) machen  ugs. · ↗(sich) verdrücken  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗ausfliegen  ugs., ironisch · ↗stiften gehen  ugs. · ↗türmen  ugs. · ↗verduften  ugs. · zu entkommen suchen  geh.
  • (sich) fluchtartig entfernen · ↗davonlaufen · ↗davonrennen · es (auf einmal) (sehr) eilig haben · ↗fortlaufen · ↗fortrennen · laufen gehen · ↗weglaufen  ●  ↗wegrennen  Hauptform · (die) Beine in die Hand nehmen  ugs., fig., variabel · (die) Beine untern Arm nehmen  ugs., fig., variabel · (einen) flotten Schuh machen  ugs. · Hackengas geben  ugs. · ↗davonstieben  geh. · ↗enteilen (lit.)  geh.
  • Abflug! · Geh!  ●  Fort mit dir!  veraltet · Geh mit Gott, aber geh!  Redensart · Wegtreten!  militärisch · Abmarsch!  ugs. · Da ist die Tür!  ugs. · Fahr zur Hölle! (aggressiv)  derb · Geh mir aus den Augen!  ugs. · Geh mir vom Acker!  ugs. · Geh sterben!  vulg. · Geh weg!  ugs. · Hau ab!  ugs. · Mach 'n Abgang!  ugs. · Mach 'ne Fliege!  ugs. · Mach Meter!  ugs., österr. · Mach die Fliege!  ugs. · Mach, dass du wegkommst!  ugs. · Pack dich!  ugs. · Raus (mit dir)!  ugs. · Scher dich fort!  ugs., veraltend · Scher dich weg!  ugs., veraltend · Scher dich zum Teufel!  ugs., veraltend · Schieb ab!  ugs. · Schieß in'n Wind!  ugs. · Schleich di!  ugs., süddt. · Schleich dich!  ugs. · Schwirr ab!  ugs. · Sieh zu, dass du Land gewinnst!  ugs. · Verpiss dich!  derb · Verschwinde!  ugs. · Verzieh dich!  ugs. · Zieh Leine!  ugs. · Zisch ab!  ugs.
  • (sich) auf den Weg machen · ↗(sich) aufmachen · ↗losgehen · ↗losziehen · seinen Weg antreten  ●  ↗aufbrechen  Hauptform · (sich) auf die Beine machen  ugs. · (sich) auf die Socken machen  ugs. · ↗lossocken  ugs., regional
  • entschwunden · ↗fort · hat sich verflüchtigt · nicht auffindbar · nicht aufzufinden · nicht zu finden · spurlos verschwunden · ↗unauffindbar · ↗verloren · verloren gegangen · vermisst (werden) · ↗verschollen · verschwunden · vom Winde verweht · von jemandem fehlt jede Spur  ●  ↗weg  Hauptform · (sich) in Luft aufgelöst haben  ugs. · abhanden gekommen  ugs. · ↗dahin  geh. · ↗flöten  ugs. · flöten gegangen  ugs. · ↗futsch  ugs. · futschikato  ugs., scherzhaft · ↗hops  ugs. · ↗perdu  ugs., franz. · ↗sonst wo  ugs. · verschütt gegangen  ugs. · von Windows verweht  ugs., scherzhaft · wie vom Erdboden verschluckt  ugs. · wie weggeblasen  ugs.
  • (sich) davonmachen  ●  ↗(sich) verkrümeln  ugs. · (sich) vertschüssen  ugs. · ↗abhauen  ugs.
  • abtauchen · nicht mehr erreichbar sein · ↗untertauchen · von der Bildfläche verschwinden
Synonymgruppe
abbinden (Soße) · abziehen · ↗andicken · ↗binden · cremig machen · ↗eindicken · ↗legieren · sämig machen
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) abnehmen (unter Gewaltanwendung) · (jemandem) aus der Hand reißen · ↗(jemandem) entreißen · (jemandem) wegnehmen (unter Gewaltanwendung)  ●  (etwas) abziehen  jugendsprachlich · (jemanden) abziehen  jugendsprachlich · ↗(jemanden) berauben  Hauptform · ↗rauben  juristisch · ↗usurpieren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) entziehen · ↗(jemandem) (eine Aufgabe) abnehmen · ↗(jemanden) (von einer Aufgabe) entbinden · (jemanden) abziehen (von einer Aufgabe) · ↗(jemanden) entpflichten · ↗(jemanden) herausnehmen · ↗(jemanden) herausziehen · abgeben müssen (Aufgabe)  ●  ↗(jemanden) rausnehmen  ugs. · ↗(jemanden) rausziehen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) irgendwie aufführen  ●  (etwas) abziehen  ugs.
Synonymgruppe
(vorübergehend) abziehen (von einer Aufgabe)  Hauptform · ↗entführen  fig. · ↗mitnehmen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
duplizieren · ↗klonen · ↗klonieren · ↗kopieren · ↗replizieren · ↗verdoppeln · ↗vervielfältigen  ●  abziehen  österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
abschalten (V-Mann) · abziehen · aus dem Verkehr ziehen · ↗deaktivieren
Assoziationen
  • aufs Altenteil abschieben · aufs Altenteil schicken · in (die) Rente schicken · in den Ruhestand schicken · in den Ruhestand versetzen · ↗verrenten · zum alten Eisen werfen · zwangsverrenten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktienfonds Anleger Armee Aufwendung Betrag Blauhelm Botschafter Einkommen Gehalt Geld Haut Investor Kampftruppe Kapital Kaufkraft Lohn Meter Panzer Personal Show Soldat Steuer Steuerschuld Streitkraft Summe Truppe US-Truppe Werbungskosten man ziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abziehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Fans, die zuvor das Lokal gestürmt hatten, zogen nach drei Uhr enttäuscht wieder ab.
Bild, 25.11.2003
Die zogen Ende 1945 wieder ab, so dass wieder normale Gäste bedient werden konnten.
Der Tagesspiegel, 20.01.2000
Er zog also ab, und im nächsten Jahr starb er.
Seston, William: Verfall des Römischen Reiches im Westen. Die Völkerwanderung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21182
Nun lasse ich noch mal welche abziehen und schicke Dir die gewünschten Bilder.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 27.03.1942, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Sie sind früh von dort abgezogen, etwa vom zweiten Jahrhundert an.
Fischer, Hermann: Grundzüge der Deutschen Altertumskunde, Leipzig: Quelle & Meyer 1917 [1908], S. 0
Zitationshilfe
„abziehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abziehen>, abgerufen am 09.12.2019.

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