achten

Grammatik Verb · achtet, achtete, hat geachtet
Aussprache 
Worttrennung ach-ten
Wortbildung  mit ›achten‹ als Erstglied: Achtung · achtbar · achtenswert
 ·  mit ›achten‹ als Letztglied: hoch achten · hochachten · missachten · verachten
 ·  mit ›achten‹ als Grundform: erachten
eWDG

Bedeutungen

1.
auf etw., jmdn. aufpassen, seine Aufmerksamkeit auf etw., jmdn. richten
Beispiele:
auf den Weg, die Gefahr achten
achte auf das Kind!
auf jmds. Rat, Warnung achten (= sie beherzigen)
auf diesen Umstand musst du besonders achten
darauf muss streng, unbedingt geachtet werden
auf die Worte des Lehrers, die Musik achten (= aufmerksam zuhören)
etw. gleichgültig behandeln, nicht beachten
Grammatik: verneint
Grammatik: mit Akkusativ
Beispiele:
sein Leben, die Mühe, das Geld nicht achten
Nicht Sturm und Regen achten wir [ Bürger2,35]
veraltend, gehoben
Grammatik: mit Genitiv
Beispiele:
man achtete unser nicht
Und dein nicht zu achten, / Wie ich! [ GoethePrometheus]
[die Gehilfen] waren […] so vertieft, daß sie seiner Hast nicht achteten [ KasackStadt107]
veraltet, landschaftlich sich achten (= sich nach jmdm., etw. richten)
Beispiel:
Der Rentmeister achtete sich nach diesen Worten [ Immerm.Münchh.1,63]
2.
jmdn., etw. schätzen, Achtung vor jmdm., etw. haben
Beispiele:
jmdn. hoch, gering achten
er ist wegen seiner Tüchtigkeit sehr geachtet
allgemein geachtete Leute
etw. respektieren
Beispiele:
jmds. Gefühle, Beweggründe, Gesinnung, Grundsätze achten
das Gesetz achten
3.
gehoben etw. erachten für, etw., jmdn. halten für
Beispiele:
etw. für gut, schlecht, geraten, unschicklich achten
etw. für eine Ehre, Schande achten
ich achtete es für das beste, nicht mehr davon zu reden
jmdn. für ehrbar, verloren achten
jmdn. für einen Ehrenmann, einen Narren, seinen Freund achten
veraltet
Beispiele:
Die Krone, der mein Fürst mich würdig achtete [ GoetheTassoII 3]
daß er solche Lehren weit wichtiger und interessanter achtete als die Kenntnisse [ Th. MannKröger9,206]
veraltet denken, meinen
Beispiele:
So acht’ ich wohl, Gott würd’ euch nicht verlassen [ SchillerTellI 2]
der [Ring], acht’ ich, gehört mit zum Hort [ WagnerRheingold4]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Acht1 · ächten · Ächtung
Acht1 f. ‘Recht- und Friedlosigkeit’, d. h. ‘Ausschluß aus der Gesellschaft’ (der Ausgeschlossene konnte von jedermann verfolgt und straflos getötet werden), ahd. āhta (11. Jh.), mhd. āhte, æhte, mnd. mnl. achte, nl. acht, aengl. ōht ‘(durch Rechtsspruch angeordnete) Verfolgung, Friedlosigkeit’ läßt sich mit ir. ēcht ‘Totschlag (aus Rache)’ verknüpfen. Außerhalb des Westgerm. (*anhtō?) und des Kelt. sind weitere Verwandte nicht mit Sicherheit feststellbar, so daß die Herkunft des Wortes ungeklärt bleibt. Im Mittelalter ist die von der weltlichen Gerichtsbarkeit ausgesprochene Acht oft verbunden mit dem von der Kirche verhängten Bann (s. d.), dem Ausschluß aus der religiösen Gemeinschaft; daher die Wendung Acht und Bann (Anfang 14. Jh.). ächten Vb. ‘in die Acht erklären, als rechtlos ausstoßen’. Von den verschiedenen Formen des Substantivs Acht sind abgeleitet die (zum Teil früher belegten) westgerm. Verben ahd. āhten (8. Jh.), mhd. āhten, æhten, asächs. āhtian, mnd. achten, echten, mnl. echten, aengl. ēht(i)an ‘verfolgen’. Ächtung f. ‘Verhängung der Acht, Ausstoßung aus der Gemeinschaft, Verdammung, Verfemung’, ahd. āhtunga (um 800), mhd. āhtunge, æhtunge; vgl. mnd. echtinge, aengl. ēhtung ‘Verfolgung’.

Acht2 · achten · Achtung · achtbar · achtsam · unachtsam · beachten · beachtlich · erachten · verachten · verächtlich · Verachtung
Acht2 f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung’, heute vornehmlich in Wendungen wie (sich) in acht nehmen, außer acht lassen, achtgeben, achthaben, in denen der substantivische Charakter des Wortes verblaßt ist. Ahd. ahta ‘Überlegung, Meinung, Ansehen’ (um 800), mhd. aht(e), mnd. mnl. acht(e), nl. acht, aengl. eaht sind verwandt mit got. aha ‘Sinn, Verstand’, ahjan ‘meinen’ und lassen eine Verbalwurzel germ. *ah- ‘denken, meinen’ erkennen. Ob sich die germ. Gruppe mit außergerm. Formen wie griech. óknos (ὄκνος) ‘Bedenklichkeit, Zaudern’, okné͞in (ὀκνεῖν) ‘zögern, Bedenken tragen’, toch. B āks- ‘wach sein’ verbinden und der Wurzel ie. *ok- ‘überlegen’ zuordnen läßt, ist nicht mit Sicherheit zu erweisen. Vom Substantiv abgeleitet ist achten Vb. ‘schätzen, aufpassen, Rücksicht nehmen’, ahd. ahtōn (um 800), mhd. ahten ‘erwägen, beachten, schätzen’, asächs. ahton, mnd. mnl. nl. achten, aengl. eahtian ‘schätzen, achten, erwägen’; vgl. anord. ætla (aus *ahtilōn) ‘meinen, glauben, vorhaben, beabsichtigen’; dazu Achtung f. ‘Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Ansehen’, ahd. ahtunga (9. Jh.), mhd. ahtunge ‘Überlegung, Wertschätzung’. Imperativisches habt, gebt Achtung! wird verkürzt zum Kommando- und Warnungsruf Achtung! (Ende 18. Jh.). achtbar Adj. ‘geachtet, angesehen, achtenswert, anerkennenswert, beachtlich’, mhd. aht(e)bære, zu mhd. ahte im Sinne von ‘Schätzung, Stand, Rang’, danach eigentlich ‘rangtragend’. achtsam Adj. ‘aufmerksam, wachsam, behutsam’ (16. Jh.); früher bezeugt ist unachtsam Adj. ‘nicht auf das achtend, worauf man achten sollte’, mhd. unahtsam. beachten Vb. ‘achten auf, berücksichtigen, Aufmerksamkeit schenken’, ahd. biahtōn (10. Jh.), mhd. beahten; beachtlich Adj. ‘bemerkenswert, wichtig’, geläufig seit 19. Jh., spätmhd. beahtlich. erachten Vb. ‘wofür halten, ansehen’, ahd. irahtōn (9. Jh.), mhd. erahten. verachten Vb. ‘als schlecht, minderwertig ansehen, geringschätzen, verschmähen’, mhd. verahten; verächtlich Adj. ‘Verachtung ausdrückend, abfällig, verachtenswert’ (15. Jh.); Verachtung f. ‘Geringschätzung, Abscheu’, spätmhd. verahtunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
(auf etwas) achten · (einer Sache) Beachtung schenken · (einer Sache) Rechnung tragen · (etwas) bedenken · (etwas) beherzigen · (etwas) im Hinterkopf behalten · berücksichtigen · denken (an)  ●  (etwas) beachten  Hauptform
Synonymgruppe
(eine) hohe Meinung haben (von) · achten · akzeptieren · anerkennen · respektieren · schätzen · wertschätzen · würdigen · zu schätzen wissen  ●  (achtungsvoll) aufblicken zu  fig. · ehren  geh. · ästimieren  geh., veraltend
Synonymgruppe
Wert legen (auf etwas) · achten · hochhalten · viel halten (auf etwas) · wertschätzen
Synonymgruppe
(einer Sache) Folge leisten · (sich) halten (an) · beachten (Vorschrift) · einhalten · erfüllen · ernst nehmen  ●  achten (Regel)  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›achten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›achten‹.

Verwendungsbeispiele für ›achten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist daher notwendig, auf die Verbreitung der einzelnen Sorten gewissenhaft zu achten. [Böttner, Johannes: Gartenbuch für Anfänger, Frankfurt (Oder) u. a.: Trowitsch & Sohn 1944 [1895], S. 260]
Achte die häusliche Arbeit, die sie zu verrichten haben, nicht gering. [Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 90]
Der kritische Philosoph hat auf reinliche Scheidung der Gebiete zu achten. [Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 3048]
Daher achtet der Musiker meist nur auf den seelisch‑geistigen Prozeß. [Knierim, Julius: Musiktherapie. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1979], S. 40347]
Wir achten allein auf den Preis, den man uns zahlen will. [Die Zeit, 28.10.1999, Nr. 44]
Zitationshilfe
„achten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/achten>.

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