akzidentell

GrammatikAdjektiv · ohne Steigerung
Nebenform akzidentiell · Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache
Worttrennungak-zi-den-tell ● ak-zi-den-ti-ell
WortzerlegungAkzidens-ell
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich, Philosophie, Wissenschaft unwesentlich, nicht substantiell, nebensächlich, sekundär; zufällig, unvorhergesehen (eintretend)
Beispiele:
In […] [früheren Kulturen] ist die Ehe […] kein erotisches, sondern nur ein ökonomisch-soziales Institut, die Befriedigung der Liebeswünsche ist nur akzidentell damit verbunden[…]. [web.archive.org, 23.03.2015, aufgerufen am 30.11.2018]
Zum Ding an sich haben sich die Denker aller Zeiten gern geäußert, sei das nun der alte Aristoteles, der den Finger sehr früh schon auf die ontologisch wichtige Differenz zwischen der akzidentellen Eigenschaft eines Dings und dessen wesenhaftem Substrat legte, sei das der große Kant, für den das Ding in der raum-zeitlichen »Erscheinung« ein Korrelat hatte[…]. [Süddeutsche Zeitung, 09.12.2010]
Allerdings gibt es in sehr vielen Schulen für solche Bemühungen um Ergebnisverbesserung wenig angemessene Strukturen der Arbeitsbeziehungen. Zu oft sind das vereinzelte, an die Initiative einzelner Lehrkräfte gebundene Vorhaben. Sie bleiben häufig akzidentiell, weil sie nicht in ein gemeinsam im Kollegium verabredetes, durch die Schulleitung gefördertes Entwicklungskonzept eingebunden und gesichert sind. [Süddeutsche Zeitung, 07.12.2013]
Da [bei der Atombombe] werden ein paar Atome gespalten und daraufhin fliegt die Welt entzwei. Auch hier scheint die Relation nicht zu stimmen, eine Winzigkeit zu Beginn und dann dieses dicke Ende. Erklärbar wird das erst mit dem Begriff der Kettenreaktion. Die kann gesetzmäßig verlaufen, wie bei der Bombe, oder akzidentell. [Die Zeit, 18.05.2013, Nr. 20]
[…] langsam aber sicher setzt sich bei den Medizinern, Pharmakologen, Chemikern und auch Philosophen und Psychologen eine neue (oder ganz alte?) Meinung durch, was Krankheit selber ist: nämlich nicht mehr akzidentelles, das Wesen des Menschen kaum berührbares Übel, das vernichtet werden muß, sondern eine substanzielle Seinsweise der menschlichen Existenz. [Die Zeit, 25.03.1954, Nr. 12]
2.
Medizin zufällig auftretend; nicht auf eine Erkrankung hindeutend, nicht zum gewöhnlichen Krankheitsbild gehörend
Beispiele:
»CO-Intoxikationen stellen in Deutschland mit circa 3700 Klinikeinweisungen und circa 370 Todesfällen pro Jahr die Hauptursache von akzidentellen Vergiftungen dar«, schreiben die Autoren im »Ärzteblatt«. [Spiegel, 13.12.2014 (online)]
Falls bei einem Herzgeräusch auf eine kinderkardiologische Abklärung verzichtet wird, müssen alle Charakteristika erfüllt sein, die darauf hindeuten, dass es sich tatsächlich um ein akzidentelles Herzgeräusch handelt. Das Geräusch muss der einzige »auffällige« Befund sein. Es soll weder eine syndromale Erkrankung vorliegen […] noch eine Gedeihstörung oder gar eine sonst nicht erklärbare Symptomatik, wie Trinkschwäche und/oder Belastungsintoleranz. [web.archive.org, 25.11.2012, aufgerufen am 30.11.2018]
Akzidentiell lat. accidens Zufall, zufällig, unwesentlich, nicht zum gewöhnlichen Krankheitsbilde gehörend, z. B. Akzidentielle Herzgeräusche = anorganische, nicht durch einen Fehler des Organs, des Herzens oder seiner Klappen bedingt. [web.archive.org, 1927, aufgerufen am 30.11.2018]

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
beliebig · frei wählbar · nach dem Zufallsprinzip · ↗stichprobenartig · ↗wahlfrei · ↗wahllos · ↗willkürlich · zufallsbasiert · zufallsgesteuert · ↗zufällig  ●  akzidentell  fachspr. · akzidentiell  fachspr. · ↗arbiträr  geh., bildungssprachlich
Assoziationen
Zitationshilfe
„akzidentell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/akzidentell>, abgerufen am 18.11.2019.

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