all

Aussprache
Wortbildung mit ›all‹ als Erstglied: ↗Allerhalter · ↗Allesbrenner · ↗Allesfresser · ↗Alleskleber · ↗Alleswisser · ↗Allgegenwart · ↗Allgewalt · ↗Allheilmittel · ↗Allmacht · ↗Allmutter · ↗Allstrom · ↗Alltag · ↗Allvater · ↗Allwetterjäger · ↗Allwetterkleidung · ↗Allwetterlandung · ↗Allwissenheit · ↗Allzeithoch · ↗Allzweckhalle · ↗Allzweckmöbel · ↗Allzweckreiniger · ↗Allzwecktuch · ↗Allzweckwaffe · ↗allabendlich · ↗allbeherrschend · ↗allbekannt · ↗allbereits · ↗allda · ↗alldem · ↗alldeutsch · ↗alldieweil · ↗alledem · ↗allemal · ↗allenthalben · ↗allerorts · ↗allerwege · ↗allerwegen · ↗allerwelts- · ↗allewege · ↗alleweil · ↗alleweile · ↗allezeit · ↗allfällig · ↗allgegenwärtig · ↗allgemach · ↗allgemein · ↗allgewaltig · ↗allhier · ↗alljährlich · ↗allliebend · ↗allmonatlich · ↗allmorgendlich · ↗allmählich · ↗allrad- · ↗allseitig · ↗allseits · ↗allsogleich · ↗allsommerlich · ↗allsonntäglich · ↗allumfassend · ↗allweil · ↗allweile · ↗allwo · ↗allwöchentlich · ↗allzeit · ↗allzu · ↗allzumal · ↗allzuständig · ↗allüberall
 ·  mit ›all‹ als Letztglied: ↗überall  ·  mit ›all‹ als Grundform: ↗alle2 · ↗aller · ↗alles
eWDG, 1967

Bedeutungen

I.
1.
all, alle, alles
a)
bezeichnet die Gesamtheit
α)
sämtlich
Beispiele:
alle Menschen müssen sterben
alle Deutschen
die Solidarität aller Beteiligten
der größte Dichter aller Zeiten
alles Salz löst sich in Wasser
alles Blut strömt zum Herzen
der Weg allen Fleisches
all und jeder
ein für alle Mal
aus aller Herren Länder
in alle Winde
umgangssprachlich jmd. ist bereits über alle Berge (= weit weg)
umgangssprachlich er ist mit allen Wassern gewaschen (= durchtrieben)
gehoben auf aller Lippen, in aller Munde, vor aller Augen
Alle Räder stehen still [HerweghBundesl.]
Von des Lebens Gütern allen [SchillerSiegesfest]
Alles Vergängliche / Ist nur ein Gleichnis [GoetheFaustII 12104]
β)
ganz
Beispiele:
alles oder nichts
alles in allem (= im ganzen gesehen)
alles Schlimme, aller Ärger
ihr Ein und Alles (= ganzes Glück)
alle Energie aufbieten
gegen alle Vernunft
umgangssprachlich alle Achtung (vor der Leistung)!
bei aller Arbeit
für alle Ewigkeit (= für immer)
in alle Welt (= überallhin)
in aller Stille, Frühe (= ganz in der Stille, Frühe)
in aller Ruhe
mit aller Liebe, Deutlichkeit, Kraft, Entschiedenheit
mit all seiner Habe
salopp um alles in der Welt! (= drückt Entrüstung, Ungeduld aus)
Was soll all der Schmerz und Lust [GoetheWandrers Nachtl.]
b)
betont die einzelnen einer bestimmten Menge   jeder (von diesen)
Beispiele:
alle drei
alle beide
alle die Menschen wollen (mit dem Zug) mit
Kegeln alle neune
das alles, alles das kenne ich
alles ist schon dagewesen
alle, alles aussteigen!
alle, alles mal herhören!
Theater alle ab
er ist alles (andere), nur kein Pädagoge
alles mögliche, alles Weitere
umgangssprachlich alle Hände voll zu tun haben
salopp alle Viere von sich strecken
salopp alle zehn Finger nach etw. lecken
an allen Gliedern zittern
der Schreck fuhr mir in alle Glieder
der Schweiß brach ihm aus allen Poren
auf alle Fälle (= für jede Möglichkeit)
unter allen Umständen
vor allen (anderen) Dingen, vor allem
zu allem Unglück
salopp Mädchen für alles (= Person für jede Arbeit)
ohne allen Grund, Zweifel (= ohne irgendeinen Grund, Zweifel)
sprichwörtlich aller Anfang ist schwer
sprichwörtlich aller guten Dinge sind drei
jeglicher
Beispiele:
ihm ist aller Appetit vergangen
aller Zuspruch half nichts
2.
umgangssprachlich wer, was alleswer, was im Einzelnen
Beispiele:
wer kommt denn alles?
was hat er alles gesagt?
was hast du alles geschenkt bekommen?
was hast du (nicht) alles angefangen!
was es alles gibt!
salopp ich habe Gott weiß wen alles gefragt!
wem zeigen Sie denn das Haushaltungsbuch alles [BrechtFurcht u. Elend16]
II.
allebezeichnet den wiederkehrenden Wechsel   immer wieder nach
Beispiele:
alle halbe(n), alle (drei) Stunden
alle fünf Minuten, zwei Jahre, drei Schritt
salopp alle naselang hinfallen (= sehr oft hinfallen)
mitteldeutsch aller
Beispiel:
aller fünf Minuten, zwei Jahre, drei Schritt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

all · All · Weltall · allererst · allermeist · allerletzt · allerdings · allerhand · Allerheiligen · Allerseelen · allgemein · allmächtig · Allmacht · Alltag · alltäglich
all Adj. Indef.pron. ‘umfassend, ganz’, ahd. al (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. al, asächs. aengl. (auch eall), engl. schwed. all, anord. allr, got. alls (germ. *alla-) leiten sich her aus einer zur Wurzel ie. *al- ‘wachsen’ (s. ↗alt) gebildeten Partizipialform ie. *alnos ‘ausgewachsen, vollständig, komplett’; durch Assimilation von n an l entsteht germ. *alla-. Daneben ist eine zweite Form germ. *ala- anzusetzen, wie sie durch ahd. alawāri ‘freundlich’ (nhd. ↗albern, s. d.), got. alamans ‘Menschheit’ (wörtlich ‘jedermann’) gefordert wird. Doch ist bei Verwandtschaft mit air. oll ‘groß, umfassend’, eigentlich ‘über das Gewöhnliche hinaus’, lat. alers, allers ‘gelehrt’ auch ein Anschluß der germ. Bildungen an ie. *al-, *ol- ‘darüber hinaus’ erwägenswert. Substantiviert All n. ‘das Gesamte, Universum’, zunächst für etw. von allumfassender Wichtigkeit, mhd. daʒ all für Gott, dann für einen geliebten Menschen (17. Jh.), für ‘Universum’ im heutigen Sinne (Lohenstein, 2. Hälfte 17. Jh.); dafür seit Mitte des 18. Jhs. auch verdeutlichend Weltall n. (Zesen, 17. Jh.); vgl. (wohl unter dt. Einfluß) dän. verdensalt, schwed. världsallt, engl. worldall. allererst Adj. (15. Jh., zuvor Adv.), ahd. allero ērist (9. Jh.), mhd. allerērst; das Adverb ahd. ērist ‘erst’ (s. ↗erst) wird verstärkt durch den Genitiv Plur. von al. Nach gleichem Prinzip sind gebildet allermeist Adj. ahd. allero meist(e) Adv. (9. Jh.), mhd. allermeist; allerletzt Adj. (um 1300); allerdings Adv. ‘in allen Dingen, in jeder Hinsicht’ (Mitte 16. Jh.), Zusammenrückung der genitivischen Fügung aller dings (15. Jh.), im 15./16. Jh. auch (Genitiv Plur.) allerding(e), nach mhd. aller dinge und allerdinge; seit dem 18. Jh. zunehmend in der Bedeutung ‘jedoch, freilich’; allerhand (indeklinabel) ‘von verschiedener Art’, Zusammenrückung (vereinzelt bereits mhd.) des Genitiv Plur. mhd. aller hande, zu mhd. hant in der Bedeutung ‘Art, Weise’; in neuerer Umgangssprache (19. Jh.) ‘ziemlich viel, unerhört’ (meist prädikativ). Allerheiligen n. katholisches Kirchenfest, zunächst in der Kombination aller heiligen tag (abend) oder tag aller heiligen (13. Jh.), seit dem 15. Jh. setzt sich Allerheiligen durch; vgl. (Kirchensprache) mlat. festum omnium sanctorum; entsprechend Allerseelen n. katholischer Gedenktag für die Verstorbenen (18. Jh.; doch vgl. schon up aller sielen, Köln 1526), älter Allerseelentag (15. Jh.) aus der genitivischen Fügung aller seelen tag (13. Jh.); vgl. (Kirchensprache) mlat. dies, commemoratio (omnium) animarum. allgemein Adj. ‘allseitig, generell’, mhd. algemeine Adv., selten Adj. ‘gemeinsam, insgesamt’, verstärkte Bildung zu ↗gemein (s. d.) in dessen alter Bedeutung ‘gemeinsam, gemeinschaftlich’. allmächtig Adj. ‘im Besitz uneingeschränkter Macht’, ahd. al(a)mahtīg (8. Jh.), mhd. almehtec, zunächst als Attribut Gottes Wiedergabe von kirchenlat. omnipotēns (s. ↗mächtig); Allmacht f. ‘uneingeschränkte Gewalt’ (15. Jh.), rückgebildet aus allmächtig, wie schon ahd. alamaht (um 1000) aus al(a)mahtīg. Alltag m. ‘gewöhnlicher Wochentag, Nichtfeiertag’, heute auch ‘tägliches Einerlei’. Ausgehend von mhd. altac Adv., später all(e)tag, mnd. al(le)dāgelīk Adj. ‘täglich, gewöhnlich’ entstehen zunächst Komposita wie mnd. al(le)dāgesklēt, al(le)dāgesrok, nhd. Alltagskleid, Alltagshose (17. Jh.), aus denen das Substantiv Alltag ‘gewöhnlicher Wochentag’ rückgebildet wird (um 1900); alltäglich Adj. ‘alle Tage, Tag für Tag’ (16. Jh.) heute auch ‘gewöhnlich, durchschnittlich’ zum Adverb altac, all(e)tag (s. oben); vgl. mhd. allertegelich, mnd. al(le)dāgelīk.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ALL nach einer Behandlung erneut auftritt, kann heute jedes dritte Kind geheilt werden.
Der Tagesspiegel, 12.11.2002
Der CBS ALL General schloß in Amsterdam mit 398 Punkten.
Süddeutsche Zeitung, 07.10.1996
Im Tierversuch haben Freiburger Forscher die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) gestoppt.
Süddeutsche Zeitung, 27.05.2003
Akute Lymphatische Leukämie (ALL) trifft vor allem Kinder (bei 80 Prozent um das 4. Lebensjahr).
Bild, 25.11.2005
Das Team um Reth und Hassan Jumaa berichten über ihre Erkenntnisse zur akuten lymphatischen Leukämie (ALL) jetzt im Fachjournal "Nature".
Die Welt, 22.05.2003
Zitationshilfe
„all“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/all>, abgerufen am 21.03.2019.

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