anbiedern

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungan-bie-dern
eWDG, 1967

Bedeutung

sich plumpe Vertraulichkeit anmaßen
Beispiele:
er hatte sich (bei) ihm angebiedert
ein lästiger, sich anbiedernder Tölpel [HesseGlasperlensp.6,404]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bieder · biderb · anbiedern · Biederkeit · Biedermann · Biedermeier
bieder Adj. ‘brav, rechtschaffen, unkompliziert in seinem Verhältnis zur Umwelt’. Das nur im Dt. bezeugte Adjektiv ahd. bitherbi ‘nützlich, brauchbar’ (8. Jh.), mhd. biderbe, durch die Betonung auf der ersten Silbe verkürzt zu bider, asächs. bitherƀi, mnd. bederve ist eine alte Bildung zum Verbum ↗dürfen (s. d.) mit dem umgelauteten Vokal des Singulars (vgl. nhd. darf) und der (hier betonten) Vorsilbe ahd. bi- (s. ↗be-). Als Ursprungsbedeutung ist daher anzusetzen ‘dem Bedürfnis entsprechend’. bieder ist bis Ende des 16. Jhs. durchgehend bezeugt, wird im 17. Jh. selten, aber in der 2. Hälfte des 18. Jhs. (durch Klopstock, Lessing, Bürger u. a.) wieder geläufig; älteres biderb Adj. gilt teils historisierend, teils spöttisch bis zur Gegenwart. anbiedern Vb. ‘auf plumpe Weise um Sympathie werben’ (um 1800). Biederkeit f. vgl. ahd. bitherbī̌gheit (11. Jh.), mhd. biderbecheit, wie das Adjektiv bis ins 16. Jh. belegt, dann wieder seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. Biedermann m. ‘Spießer’, mhd. biderman ‘unbescholtener Mann’. Biedermeier n. Stilbezeichnung für Malerei, Literatur und Möbel der Zeit von etwa 1815 bis 1848, die, im Gegensatz zu den Ausdrucksformen des Vormärz, die ruhige, nach außen geschlossene Welt des Kleinbürgertums repräsentieren. Zugrunde liegt das von Eichrodt 1853 gebildete Pseudonym Biedermaier (aus Scheffels „Biedermanns Abendgemütlichkeit“ und „Bummelmaiers Klage“, 1848, unter dem er die kleinbürgerliche Haltung anprangert). Seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. wird Biedermeier für Spießer verwendet. Die Aufwertung zum Stilbegriff erfolgt vor allem durch die Jahrhundertausstellung 1906, vorwiegend durch den gediegenen Möbelstil der Biedermeierzeit veranlaßt.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) nach dem Mund reden · (sich) anbiedern · (sich) einschmeicheln (bei) · (sich) lieb Kind machen (bei jemandem) · ↗Rad fahren · ↗hofieren · ↗katzbuckeln  ●  kratzfüßeln  fig. · ↗nachsteigen  österr. · (jemandem) Honig um den Bart schmieren  ugs., fig. · (sich) einkratzen (bei)  ugs., salopp · ↗(sich) ranschmeißen  ugs. · Kreide fressen  ugs., fig. · ↗herumscharwenzeln (um)  ugs. · rumschleimen  ugs. · ↗schleimen  ugs. · ↗schwänzeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) anbiedern(d) · als wären sie Freunde · ↗kumpelhaft · ↗plumpvertraulich · wie unter Freunden
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amerikaner Jugend Leser Machthaber Nazi Publikum Regime Wähler Zeitgeist allzusehr biedern gar nie nirgendwo plump

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anbiedern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Immer wieder sagt die Mutter, dass es ihr peinlich ist, sich anzubiedern.
Die Zeit, 27.09.2006, Nr. 46
Nun dürfen Demokraten sich um keinen Preis an rechtsextremistische Positionen anbiedern.
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2001
Er gibt die wohltuende Sachlichkeit des Erzählers auf und biedert sich an.
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 177
Er ist anbiedernd, schmierig, paß auf, denkt Diehl und animiert ihn wenigstens zum Weiterreden.
Delius, Friedrich Christian: Ein Held der inneren Sicherheit, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981, S. 72
Er konnte nicht wegfinden von dem Brautpaar, biederte sich an und schien am liebsten als Zuschauer dableiben zu wollen.
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 317
Zitationshilfe
„anbiedern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anbiedern>, abgerufen am 25.06.2019.

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