Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

anfangen

Grammatik Verb · fängt an, fing an, hat angefangen
Aussprache  [ˈanfaŋən]
Worttrennung an-fan-gen
Wortbildung  mit ›anfangen‹ als Erstglied: Anfänger  ·  mit ›anfangen‹ als Grundform: Anfang

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ...
    1. a) ⟨jmd. fängt (etw.) an⟩, ⟨jmd. fängt an zu⟩, ⟨jmd. fängt an mit etw.⟩, ⟨von vorn, neu anfangen⟩, ⟨von, bei null anfangen⟩ etw. in Angriff nehmen, mit etw. beginnen
    2. b) ⟨jmd. fängt an⟩ eine Ausbildung, eine berufliche Arbeit beginnen
    3. c) ⟨jmd. fängt an (+ direkte oder indirekte Rede)⟩ zu reden beginnen
    4. d) [umgangssprachlich] ⟨jmd. fängt von etw. an⟩ ein bestimmtes Thema anschneiden
  2. 2. ...
    1. a) [umgangssprachlich] ⟨jmd. kann mit etw., jmdm. anfangen⟩ zu etw. gebrauchen, anstellen
    2. b) ⟨jmd. fängt mit, ohne etw., jmdm. etw. an⟩ machen, tun
  3. 3. ⟨etw. fängt an⟩ (mit etw.) einsetzen, beginnen, seinen Anfang nehmen
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
a)
jmd. fängt (etw.) an, jmd. fängt an zu [Infinitiv], jmd. fängt an mit etw.etw. in Angriff nehmen, mit etw. beginnen
Phraseme:
von vorn, neu anfangen (= noch einmal beginnen)
von, bei null anfangen (= aus dem Nichts, ohne materielle Voraussetzungen beginnen)
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: klein, neu, richtig, plötzlich, langsam, früh anfangen
mit Akkusativobjekt: etw. [einen Krieg, eine Ausbildung, einen Streit, eine Affäre o. Ä.] anfangen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: mit etw. [dem Rauchen, dem Training o. Ä.] anfangen; bei etw., jmdm. anfangen
in Koordination: etw. anfangen und fortsetzen, beenden, abbrechen
Beispiele:
Und dann fing er an, Geschichten zu erzählen, von damals, endlos. [Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 118]
Als junger Manager hat er […] in Libanon für Adidas das Geschäft für den Nahen Osten aufgebaut. […] Er habe sich […] zuerst in einem Hotel ein Büro gemietet, vor Ort einen Laptop gekauft und buchstäblich von null angefangen. [Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2014]
Wie viele [ein Studium] anfangen und wieder abbrechen, das wird erst gar nicht gezählt. [Zeit Magazin, 03.03.2011]
umgangssprachlich Daß sie allerdings mit Grabowski, ihrem Assistenten, mehr als nur Berufliches verband, sie nämlich mit ihm »was angefangen hatte« (= eine Liebesbeziehung eingegangen ist), […] wußte Hawa da noch nicht. [Degenhardt, Franz Josef: Für ewig und drei Tage, Berlin: Aufbau-Verl. 1999, S. 115]
Aber wir können mit dem Ausbau noch nicht anfangen – es weiß eben keiner, was wird. [Der Spiegel, 02.04.1949]
Ich habe auch ein neues Bild angefangen, das ich nur hier in Paris vollenden kann[…]. [Die Zeit, 25.04.1946]
b)
jmd. fängt an [in einem Betrieb, einer Abteilung o. Ä.]eine Ausbildung, eine berufliche Arbeit beginnen
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: als Lehrling, Praktikant, Schlosser anfangen
Beispiele:
Als ich bei VW anfing, stellte man sich noch einfach im Personalbüro vor. [Bild am Sonntag, 30.05.2004]
Er hat bei der Bank einst als Azubi angefangen, arbeitete dann als Berater, später leitete er den Kreditbereich[…]. [Die Zeit, 16.04.2015]
Ich soll morgen um acht in der Zentralsterilisation anfangen; […] das ist keine Station im herkömmlichen Sinne. [Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 29]
[…] gut, du kannst bei uns anfangen, mußt aber die Papiere beibringen, dann ist das in Ordnung. [Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 223]
Wenn Sie die Branche von Anfang an kennen – bei mir sind es immerhin 50 Jahre, damals fing ich als Einzelhändler an –, dann hat man ein ziemlich sicheres Gefühl dafür, was der Markt verlangt. [Der Spiegel, 15.05.1978]
c)
jmd. fängt an (+ direkte oder indirekte Rede)zu reden beginnen
Beispiele:
Liebe Kathi, schön, dass du dich mal meldest. Mich freut auch, dass dich unsere Familiengeschichte interessiert. Da scheinst du die Einzige zu sein. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. [Dölling, Beate: Hör auf zu trommeln, Herz, Weinheim: Beltz & Gelberg 2003, S. 119]
Einmal […] hat nicht Silvio Berlusconi angefangen, sondern […] Guido Bertolaso, der ebenso wie die schwangere Giorgia Meloni Ambitionen auf den Bürgermeistersessel in Rom hegt: »Giorgia soll sich lieber der Mutterschaft widmen[…].« Erst danach fühlte sich Berlusconi bemüßigt, sich ebenfalls zur Kandidatin zu äußern[…] […] [Der Standard, 30.03.2016]
[…] »Sehet die Lilien auf dem Felde…«, so oder so ähnlich müßte man anfangen und dann eine Märchen‑, eine Sagen‑ oder Mythengeschichte erzählen[…]. [Die Zeit, 23.05.1946]
d)
umgangssprachlich jmd. fängt von etw. anein bestimmtes Thema anschneiden
Beispiele:
Einmal davon angefangen, lässt das Thema die beiden nicht mehr los. [Der Spiegel, 04.09.2015 (online)]
Johann war froh, daß sie davon angefangen hatte. Darauf konnte er leichter antworten, als wenn sie ihn etwas über das Beichten gefragt hätte. [Walser, Martin: Ein springender Brunnen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 194]
Mit großer Konsequenz ist sie darauf bedacht, nie über unsere Zukunft zu reden. Wenn ich doch davon anfange, findet sie schnell ein anderes Thema. [Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 312]
»Eigentlich neige ich gar nicht zu so radikalen Ansichten«, sagte Holt langsam. Und er fuhr fort, leise, doch sehr deutlich: »Aber da Sie davon [vom Thema »Wer an den Galgen gehört«] angefangen haben, möchte ich zu bedenken geben, ob nicht besser Sie an den Galgen gehören, Herr Henning.« [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 259]
2.
a)
umgangssprachlich jmd. kann mit etw., jmdm. [nichts, wenig o. Ä.] anfangenzu etw. gebrauchen, anstellen
Beispiele:
Mit einem Bachelor kann man als Biologe nicht viel anfangen, selbst für einen Job im Labor hätten meine technischen Grundkenntnisse kaum ausgereicht. [Zeit Campus, 17.03.2015]
Hardcore‑Gamer können mit den Apps meist wenig anfangen, sie finden sie zu simpel […]. [Der Spiegel, 15.05.2015 (online)]
Ich bin ein fröhlicher Mensch, kann mit Miesepetern nichts anfangen. [Bild, 21.02.2006]
Das junge Mädchen wiederum kann mit dem jungen Mann nichts anfangen, denn sie braucht nicht einen jungen, sondern einen ausgewachsenen Mann. [Die Zeit, 07.03.1946]
b)
jmd. fängt mit, ohne etw., jmdm. etw. anmachen, tun
Beispiele:
Was sollte man auch mit diesen sehr speziellen Bauten anderes anfangen, als sie für den Zweck zu nutzen, für den sie entworfen wurden? [Die Zeit, 24.02.2000]
[…] wo andere über Jahre überlegen, was sie mit ihren leerstehenden Büros anfangen sollen, setzt SPS auf Umnutzung und schliesst Verträge mit der Motel‑One‑Gruppe ab[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 17.03.2015]
Einsilbig beantwortete er alle Fragen, schwieg ich, blieb auch er stumm. Ich wußte nicht, was ich mit ihm anfangen sollte. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 237]
»Er [der Vater] sagt, daß er froh sei, wieder bei uns zu sein!« sagte meine Mutter, »was hätten wir bloß ohne ihn angefangen [Die Zeit, 05.02.1953]
An einem Sonntagabend im Winter saßen die drei Kinder allein im Eßzimmer. Es war heute nichts Rechtes mehr anzufangen, Ellen mußte noch für morgen lernen[…]. [Reventlow, Franziska Gräfin zu: Ellen Olestjerne. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 61773]
3.
etw. fängt an(mit etw.) einsetzen, beginnen, seinen Anfang nehmen
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: harmlos, klein, langsam anfangen
in Koordination: anfangen und sich fortsetzen, weitergehen, aufhören, enden
Beispiele:
Mir wurde bewußt, daß alles nun von vorn anfangen würde. [Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 220]
Seit 46 Jahren spritzt Dana Freitag jetzt. Die Krankheit muß angefangen haben, als sie 4 Jahre war. [Bild, 14.11.2005]
Das Unterrichtsjahr hatte längst angefangen, ich sollte eine an Gelbsucht erkrankte Kindergärtnerin[…] vertreten. [Müller, Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 153]
[…] in diesen Tagen lernte er nur eines verstehen: der Krieg hat angefangen, es ist Krieg. [Becker, Jürgen: Aus der Geschichte der Trennungen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1999, S. 66]
Wo die Logik anfängt, gehen Sprache und Denken auseinander, und es beginnt der Krieg der Philosophie gegen die Irrtümer der Sprache […]. [Voßler, Karl: Positivismus und Idealismus in der Sprachwissenschaft, Heidelberg: Winter 1904, S. 42]

letzte Änderung:

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

anfangen · Anfang · anfangs · anfänglich · Anfänger
anfangen Vb. ‘beginnen, zustande bringen’, ahd. anafāhan (9. Jh.), mhd. anevāhen, eine Präfixbildung zu ahd. fāhan (s. fangen); vgl. mnd. ā̌n(e)vān, mnl. aenvangen, nl. aanvangen, aengl. onfōn. Ursprünglich wohl ‘angreifen, anfassen’ (vgl. fangen ‘fassen, ergreifen’), doch schon im Ahd. ist die Bedeutung ‘beginnen’ voll ausgebildet. In der 2. Hälfte des 16. Jhs. dringt der Konsonantismus der Präteritalformen allmählich auch in das Präsens (und in den Infinitiv) ein (analog fahen zu fangen). Anfang m. ‘Beginn’, ahd. anafang ‘Beginn’ (9. Jh.), aber auch noch vereinzelt ‘das Anfassen, Ergreifen’, mhd. an(e)vanc. anfangs Adv. anfänglich Adj. ‘zu Anfang, zuerst’ (beide 2. Hälfte 15. Jh.). Anfänger m. ‘Lernender, Neuling’ (15. Jh.), zunächst ‘Urheber, Gründer’, nach voraufgehendem spätmhd. anvāher (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine Aktion) anlaufen lassen · (eine Sache) angehen · (etwas) antreten · (etwas) aufnehmen · (sich) daranmachen (zu) · beginnen · darangehen zu · einleiten · loslegen · starten  ●  (den) Startschuss geben  fig. · (eine Sache/mit einer Sache) anfangen  Hauptform · (etwas) zum Fliegen bringen  fig. · herangehen an  fig. · in Angriff nehmen  fig. · (etwas) angreifen  geh., fig. · (etwas) anpacken  ugs. · (in etwas) einsteigen  ugs. · (sich) dransetzen  ugs. · an etwas gehen  ugs. · durchstarten  ugs. · zur Tat schreiten  geh., scherzhaft-ironisch
Assoziationen
  • Abmarsch! · alsdann · an die Arbeit! · auf zu · los geht's! · los jetzt! · los! · und dann los · vorwärts!  ●  Auf zu neuen Taten!  Spruch · Leinen los  fig. · an die Gewehre!  fig. · (auf,) auf zum fröhlichen Jagen  ugs., Zitat · (es) kann losgehen  ugs. · (jetzt aber) ran an die Buletten!  ugs. · (na dann) rauf auf die Mutter  derb, salopp · (na) denn man tau  ugs., plattdeutsch · (na) denn man to  ugs., plattdeutsch · (und) ab die Luzie!  ugs. · (und) ab die Post!  ugs. · (und) ab geht's  ugs. · ab dafür!  ugs. · allez hopp!  ugs., franz. · also los!  ugs. · auf auf!  ugs. · auf geht's!  ugs., Hauptform · auf gehts  ugs. · aufi!  ugs., süddt. · dann (mal) los!  ugs. · dann lass uns!  ugs. · dann wollen wir mal  ugs. · frisch ans Werk!  ugs. · frischauf  geh., veraltend · gemma!  ugs., bayr. · los  ugs. · pack ma's  ugs., österr. · pack mer's  ugs., süddt. · ran an den Speck!  ugs. · und ab!  ugs. · und dann gib ihm!  ugs. · wir können!  ugs. · wohlan  geh., veraltend
  • (den) Kampf aufnehmen (gegen) · (eine Sache) anpacken · (einer Sache) zu Leibe rücken · (etwas) angreifen · angehen (Problem) · in die Offensive gehen  ●  (den) Stier bei den Hörnern packen  fig. · das Heft in die Hand nehmen  fig. · (etwas) in Angriff nehmen  ugs. · loslegen (mit)  ugs.
Gastronomie/Kulinarik
Synonymgruppe
anbrechen · anfangen · entkorken (Weinflasche) · öffnen  ●  aufmachen  ugs. · köpfen (Flasche)  ugs., fig. · sabrieren  fachspr., franz.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
anfangen (mit) · einleiten · eröffnen · in Umlauf setzen · lancieren  ●  einführen  Hauptform · introduzieren  veraltet
Assoziationen
  • (einer Sache) Geltung verschaffen · (einer Sache) zum Durchbruch verhelfen · durchsetzen · greifen lassen  ●  (etwas) etablieren  Hauptform · (etwas) in die Fläche bringen  geh.
Synonymgruppe
anfangen (etwas/mit etwas) · auslösen · entfachen · herbeiführen · hervorrufen · in Gang bringen  ●  anstiften  negativ · induzieren  fachspr. · initiieren  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
anbrechen · anfangen · angehen · anlaufen (längere Abläufe) · beginnen · einsetzen · losbrechen · starten (mit)  ●  entbrennen (Streit)  fig. · anheben  geh. · in Gang kommen  ugs. · losgehen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Liebesverhältnis eingehen · (ein) Paar werden · (mit jemandem) was Ernstes anfangen · (mit jemandem) zusammenkommen · (sich) anfreunden · (sich) auf jemanden einlassen · (zwei) haben sich gefunden · anbandeln · anbändeln (mit)  ●  (ein) Verhältnis anfangen (mit)  ugs. · (mit jemandem was) anfangen  ugs. · (sich jemanden) anlachen  ugs. · (sich) eine Freundin zulegen  ugs. · (sich) einen Freund zulegen  ugs. · (sich) kriegen  ugs. · (sich) zusammentun  ugs. · zarte Bande knüpfen (mit)  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Arbeit aufnehmen · (es ist) jemandes erster Arbeitstag (bei)  ●  (eine) Stelle antreten  Hauptform · einsteigen (bei)  fig. · (neu) anfangen (bei)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(irgendwo seinen) Anfang nehmen · (irgendwo) anfangen · (irgendwo) seinen Ursprung haben · ausgehen (von)

Typische Verbindungen zu ›anfangen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anfangen‹.

Zitationshilfe
„anfangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anfangen>.

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