Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

angreifen

Grammatik Verb · greift an, griff an, hat angegriffen
Aussprache  [ˈangʀaɪ̯fn̩]
Worttrennung an-grei-fen
Wortzerlegung an-1 greifen
Wortbildung  mit ›angreifen‹ als Erstglied: Angreifer · angreifbar  ·  mit ›angreifen‹ als Grundform: Angriff · angegriffen
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. anfallen, überfallen, gegen jmdn. gewaltsam vorgehen
Beispiele:
den Feind in der Flanke, im Rücken, von vorn, die Festung im Sturm angreifen
die Verbrecher griffen den Polizisten (tätlich) an
Sportden Gegner angreifen
2.
übertragen jmds. Standpunkt bestreiten, jmdn. zu widerlegen suchen
Beispiele:
(irrige) Meinungen, jmds. Stellungnahme angreifen
man hat ihn in der Zeitung scharf angegriffen
diese These wurde angegriffen
das Publikum griff den Redner heftig an
ein Testament angreifen (= anfechten)
3.
etw. anfassen, berühren
Beispiele:
umgangssprachlichdu kannst gleich mit angreifen (= mithelfen, zupacken)
sprichwörtlichwer Pech angreift, besudelt sich
da zog er die Hand zurück, als hätte er glühenden Stahl angegriffen [ BrodTycho Brahe407]
sich angreifensich anfühlen
Beispiel:
die Wolle greift sich rau, weich an
4.
etw., jmdn. schädigen, beschädigen
Beispiele:
Säure greift das Metall an
dieses Waschmittel greift die Wäsche, Hände nicht an
starker Kaffee greift das Herz an
die ständige Aufregung greift die Nerven, Gesundheit an
das Fieber, die lange Bahnfahrt hat mich sehr angegriffen (= mitgenommen, angestrengt)
5.
(notgedrungen) einen Teil von etw. verbrauchen, etw. anreißen
Beispiele:
Vorräte, die letzten Reserven, ein Guthaben, die Ersparnisse, den Notpfennig angreifen
er hatte die ihm anvertrauten Gelder angegriffen (= veruntreut)
ein starrköpfiger Eigensinn verbot ihm, dieses […] Geld anzugreifen (= anzutasten) [ FalladaWolf1,209]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

greifen · greifbar · Greifer · angreifen · Angriff · Angreifer · ergreifen · übergreifen · Übergriff · vergreifen
greifen Vb. ‘nehmen, fassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. grīfan (um 800), mhd. grīfen, asächs. grīpan, mnd. mnl. grīpen, nl. grijpen, afries. grīpa, aengl. grīpan, engl. to gripe, anord. grīpa, schwed. gripa, got. greipan (germ. *greipan) hat neben sich ein schwaches Iterativum ahd. greifōn (um 800), mhd. greifen, aengl. grāpian ‘tasten, mit der Hand berühren’. Im Dt. vermischen sich semantisch schon früh (bereits ahd.) das starke und das schwache Verb; im Nhd. fallen sie auch formal zusammen. Die germ. Bezeugungen sind nur vergleichbar mit den balt. Formen lit. griẽbti ‘anfassen, ergreifen’, lett. greibt ‘greifen, fassen’, griba ‘Wunsch, Wille’, gribēt ‘wollen’. Weitere Beziehungen sind unklar. greifbar Adj. ‘zum Greifen nahe, verfügbar’ (18. Jh.). Greifer m. ‘wer ergreift, faßt, fängt’ (17. Jh.), in der Technik ‘zum Greifen geeignete Vorrichtung an Maschinen, Kränen, Baggern’ (19. Jh.); voraus geht ein zum schwachen Verb gehörendes ahd. greifāri (um 1100), frühnhd. greifer ‘Schmeichler, Liebkosender’. angreifen Vb. ahd. anagrīfan (9. Jh.), mhd. an(e)grīfen ‘berühren, anfassen’, seit 16. Jh. auch ‘anfallen, feindlich entgegentreten’; Angriff m. ‘Offensive, Überfall’, ahd. anagrif ‘das Anfassen, Angreifen’ (11. Jh.), mhd. an(e)grif, auch ‘Handhabe’; vgl. langobard. anagrip ‘Antastung’ (7. Jh.); die heutige Bedeutung entwickelt sich über ‘feindliche Berührung, Tätlichkeit’ im 14./15. Jh.; Angreifer m. (15. Jh.). ergreifen Vb. ‘fassen, packen, im Innersten anrühren’, mhd. ergrīfen; vgl. ergreifend ‘rührend’, ergriffen ‘gerührt’, Ergriffenheit f. (19. Jh.). übergreifen Vb. ahd. ubargrīfan ‘überschreiten, übersteigen’ (10./11. Jh.), mhd. übergrīfen ‘über etw. hingreifen, es bedecken, beschädigen’; Übergriff m. ‘ungesetzliche Gewalttätigkeit’, ahd. ubargrif (11. Jh.), spätmhd. übergrif. vergreifen Vb. reflexiv ‘falsch, daneben greifen, einen Mißgriff tun, gegen jmdn. tätlich werden’, mhd. vergrīfen; vgl. vergriffen Part.adj. ‘ausverkauft, nicht mehr lieferbar’ (18. Jh.). S. auch Griff, Grippe.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) hermachen (über) · anfallen · angreifen · attackieren · herfallen (über) · überfallen  ●  angehen  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem) etwas wollen · ein kritisches Auge haben (auf)  ●  (es auf jemanden) abgesehen haben  ugs., negativ · (jemandem) eins reinwürgen wollen  ugs., salopp · (jemandem) was wollen  ugs., negativ · (jemanden) auf dem Kieker haben  ugs., negativ
  • (es) abgesehen haben auf · (etwas) provozieren · (etwas) wollen · aus sein auf · suchen (Streit / die Konfrontation)  ●  (Streit) vom Zaun brechen  fig., variabel · es anlegen auf (es angelegt haben auf)  Hauptform · (etwas) nicht anders wollen  ugs.
  • (jemandem) abnehmen (unter Gewaltanwendung) · (jemandem) aus der Hand reißen · (jemandem) entreißen · (jemandem) wegnehmen (unter Gewaltanwendung)  ●  (etwas) abziehen  jugendsprachlich · (jemanden) abziehen  jugendsprachlich · (jemanden) berauben  Hauptform · rauben  juristisch · usurpieren  geh.
  • ausrauben · berauben · bestehlen · überfallen  ●  abziehen  ugs. · beklauen  ugs.
  • (sich jemandem) in feindlicher Absicht nähern  ●  (etwas) von jemandem wollen  ugs.
  • (Kampf) mit harten Bandagen  fig., variabel · (sich) einen harten Schlagabtausch liefern  variabel · (sich) nichts schenken  fig. · Hauen und Stechen  fig. · es geht hart auf hart  Redensart
  • (sich) nichts schenken  ●  (es) fliegen die Fetzen  ugs., fig. · (es) geht heftig zur Sache  ugs. · (sich) die Köpfe einschlagen  ugs., fig.
Synonymgruppe
angreifen · in die Offensive gehen · offensiv vorgehen  ●  Zähne zeigen  ugs., fig. · hart rangehen  ugs.
Assoziationen
  • (einer Sache) trotzen · (etwas) nicht auf sich sitzen lassen · (jemandem / einer Sache) die Stirn bieten · (sich) (etwas) nicht gefallen lassen · (sich) sträuben · (sich) verteidigen · (sich) widersetzen · Widerstand leisten  ●  (sich) auf die Hinterbeine stellen  fig. · (sich) nichts gefallen lassen  Hauptform · (sich) seiner Haut wehren  auch figurativ · (sich) wehren  Hauptform, auch figurativ · (sich) zur Wehr setzen  auch figurativ · (sich jemandes / einer Sache) erwehren  geh. · Kontra geben  ugs. · Trotz bieten  geh. · wider den Stachel löcken  geh., veraltend
  • (auf jemanden) eindringen · (jemandem) zusetzen · (jemanden) drängen (zu) · (jemanden) in Bedrängnis bringen · bedrängen · befallen · beknien · drangsalieren · im Nacken sitzen · löchern · traktieren · unter Druck setzen  ●  (in jemanden) dringen  geh., veraltet · (jemandem) auf den Pelz rücken  ugs. · (jemandem) auf die Pelle rücken  ugs. · (jemandem) die Hölle heiß machen  ugs. · belagern  ugs. · bitteln und betteln  ugs. · keine Ruhe geben  ugs. · nicht in Ruhe lassen (mit)  ugs.
  • (jemandem) etwas wollen · ein kritisches Auge haben (auf)  ●  (es auf jemanden) abgesehen haben  ugs., negativ · (jemandem) eins reinwürgen wollen  ugs., salopp · (jemandem) was wollen  ugs., negativ · (jemanden) auf dem Kieker haben  ugs., negativ
  • (jemandem) arg zusetzen · (jemanden) hart angehen · (jemanden) hart rannehmen · (jemanden) nicht schonen · in die Mache nehmen · nicht mit Samthandschuhen anfassen  ●  (intensiv) bearbeiten  fig. · (jemand hat) keine ruhige Minute mehr  übertreibend · (jemandem) (tüchtig / ordentlich) einheizen  fig. · (jemandem) ans Leder gehen  fig. · (jemanden) in die Zange nehmen  fig. · (mit jemandem) Schlitten fahren  fig. · (jemandem) an die Eier gehen  derb · (jemandem) die Hölle heißmachen  ugs., fig. · (jemanden) bei den Eiern packen  derb, fig. · durch die Mangel drehen  ugs., fig. · in die Mangel nehmen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(den) Kampf aufnehmen (gegen) · (eine Sache) anpacken · (einer Sache) zu Leibe rücken · (etwas) angreifen · angehen (Problem) · in die Offensive gehen  ●  (den) Stier bei den Hörnern packen  fig. · das Heft in die Hand nehmen  fig. · (etwas) in Angriff nehmen  ugs. · loslegen (mit)  ugs.
Assoziationen
  • nicht lange überlegen (und anfangen) · offensiv angehen  ●  (den) Stier bei den Hörnern packen  fig. · (sich etwas) nicht zweimal sagen lassen  fig. · (sich) nicht lange bitten lassen  fig. · nicht lange fackeln  Hauptform · (sich) gleich in die Arbeit stürzen  ugs., fig. · (sich) reinstürzen  ugs. · sofort loslegen  ugs.
  • (etwas) energisch anpacken · (tüchtig) zupacken  ●  (die) Ärmel aufkrempeln  fig. · (die) Ärmel hochkrempeln  fig. · in die Hände spucken  ugs., fig.
  • (etwas) eindämmen · Maßnahmen ergreifen (gegen) · angehen (gegen) · bekämpfen · vorgehen (gegen)  ●  (einer Sache / jemandem) zu Leibe rücken  fig. · zu Felde ziehen (gegen)  fig.
Synonymgruppe
(eine Aktion) anlaufen lassen · (eine Sache) angehen · (etwas) antreten · (etwas) aufnehmen · (sich) daranmachen (zu) · beginnen · darangehen zu · einleiten · loslegen · starten  ●  (den) Startschuss geben  fig. · (eine Sache/mit einer Sache) anfangen  Hauptform · (etwas) zum Fliegen bringen  fig. · herangehen an  fig. · in Angriff nehmen  fig. · (etwas) angreifen  geh., fig. · (etwas) anpacken  ugs. · (in etwas) einsteigen  ugs. · (sich) dransetzen  ugs. · an etwas gehen  ugs. · durchstarten  ugs. · zur Tat schreiten  geh., scherzhaft-ironisch
Assoziationen
  • Abmarsch! · alsdann · an die Arbeit! · auf zu · los geht's! · los jetzt! · los! · und dann los · vorwärts!  ●  Auf zu neuen Taten!  Spruch · Leinen los  fig. · an die Gewehre!  fig. · (auf,) auf zum fröhlichen Jagen  ugs., Zitat · (es) kann losgehen  ugs. · (jetzt aber) ran an die Buletten!  ugs. · (na dann) rauf auf die Mutter  derb, salopp · (na) denn man tau  ugs., plattdeutsch · (na) denn man to  ugs., plattdeutsch · (und) ab die Luzie!  ugs. · (und) ab die Post!  ugs. · (und) ab geht's  ugs. · ab dafür!  ugs. · allez hopp!  ugs., franz. · also los!  ugs. · auf auf!  ugs. · auf geht's!  ugs., Hauptform · auf gehts  ugs. · aufi!  ugs., süddt. · dann (mal) los!  ugs. · dann lass uns!  ugs. · dann wollen wir mal  ugs. · frisch ans Werk!  ugs. · frischauf  geh., veraltend · gemma!  ugs., bayr. · los  ugs. · pack ma's  ugs., österr. · pack mer's  ugs., süddt. · ran an den Speck!  ugs. · und ab!  ugs. · und dann gib ihm!  ugs. · wir können!  ugs. · wohlan  geh., veraltend
  • (den) Kampf aufnehmen (gegen) · (eine Sache) anpacken · (einer Sache) zu Leibe rücken · (etwas) angreifen · angehen (Problem) · in die Offensive gehen  ●  (den) Stier bei den Hörnern packen  fig. · das Heft in die Hand nehmen  fig. · (etwas) in Angriff nehmen  ugs. · loslegen (mit)  ugs.
Synonymgruppe
beeinträchtigen (Vertrauen) · beschädigen · in Mitleidenschaft ziehen · untergraben (Vertrauen, jemandes Ruf)  ●  angreifen  IT-Technik
Synonymgruppe
(an etwas) zehren · anfällig machen · angreifbar machen · angreifen · schwächen  ●  beeinträchtigen  Hauptform
Synonymgruppe
(jemanden) angehen · (jemanden) nicht schonen · (verbal) angreifen

Typische Verbindungen zu ›angreifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›angreifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›angreifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Während der eine sich in stilles Leiden zurückzieht, greift der andere aggressiv an. [Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 222]
Ich habe nie geglaubt, daß ein Mann so ehrlos sein kann, ein wehrloses Mädchen tätlich anzugreifen. [Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 257]
Wir wehren das ab, das ist sicherlich, aber wir wehren das nicht nur ab, sondern wir greifen an. [o. A.: Ansprache vor Betriebsangehörigen in Polen, 27.10.1939]
Zugleich greift M. den anglikanischen Klerus zum ersten Male heftig an. [Müller-Schwefe, G.: Milton. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 11900]
Der Iran ist nicht mehr in der Lage, uns anzugreifen. [Der Spiegel, 14.11.1988]
Zitationshilfe
„angreifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/angreifen>.

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