anhalten

GrammatikVerb · hält an, hielt an, hat angehalten
Aussprache
Worttrennungan-hal-ten (computergeneriert)
Wortzerlegungan-1halten
Wortbildung mit ›anhalten‹ als Erstglied: ↗Anhalter  ·  mit ›anhalten‹ als Grundform: ↗anhaltend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. auf seinem Wege aufhalten, zum Stillstand bringen
Beispiele:
das Auto, den Wagen anhalten
die Uhr anhalten
den Schritt anhalten (= stehenbleiben)
er hielt mich auf der Straße an
den Atem, die Luft anhalten (= zurückhalten)
salopp, derb, bildlich
Beispiel:
halt die Luft an! (= halt den Mund!)
stoppen
Beispiel:
der Wagen hielt (plötzlich) an
2.
sich an etw., jmdm. festhalten
Beispiele:
sich am Geländer anhalten
ich bin gestrauchelt und hab mich an dir anhalten wollen [O. LudwigHimmel u. Erde1,306]
3.
Beispiele:
den Zollstock (an das Brett) anhalten (= anlegen)
sich [Dativ] das Kleid vor dem Spiegel anhalten (= zur Probe an den Körper halten)
nur eine Probe [der Girlande] zum Anhalten, ob's so paßt [KlugeKortüm73]
4.
jmdn. zu etw. ermahnen, veranlassen
Beispiel:
den Sohn zum Lernen, zur Arbeit, Ordnung, Pünktlichkeit anhalten
5.
gehoben
Beispiele:
um die (Hand der) Tochter anhalten (= den Erziehungsberechtigten um die Erlaubnis zur Ehe bitten)
veraltend um eine Stelle, ein Amt anhalten (= sich bewerben)
6.
andauern
Beispiele:
der Regen, die Kälte hält (ununterbrochen, unvermindert) an
wenn diese Witterung anhält, ...
der Beifall hielt lange an
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. ↗Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anhalten · ↗aufhalten · ↗behindern · ↗verzögern
Assoziationen
  • lahmlegen · zum Erliegen bringen · zum Stillstand bringen
Synonymgruppe
anhalten · ↗herbeiwinken · ↗rufen (Taxi)
Synonymgruppe
anhalten · ↗auffordern · ↗bitten · ↗einladen
Synonymgruppe
Halt machen · anhalten · ↗bremsen · halten · ↗haltmachen · nicht weiterfahren · nicht weitergehen · ↗stehenbleiben · ↗stoppen · zum Stehen kommen
Assoziationen
  • (jemanden/etwas) anhalten · ↗(jemanden/etwas) stoppen · (jemanden/etwas) zum Stehen bringen · nicht weiterfahren lassen · zum Halten bringen · zum Stillstand bringen
  • (sich) nicht vom Fleck rühren · (sich) nicht von der Stelle bewegen · (sich) nicht wegbewegen · da bleiben, wo man ist
Synonymgruppe
(zu etwas) anhalten · ↗abkommandieren · ↗bestimmen · ↗einfordern · ↗einspannen · ↗erzwingen · ↗forcieren · in die Pflicht nehmen · ↗nötigen · ↗verpflichten · ↗zwingen  ●  ↗(jemanden) verdonnern (zu)  ugs. · ↗(jemanden) vergattern (zu)  ugs.
Synonymgruppe
andauern · anhalten · aufrechterhalten werden · ↗dauern · ↗fortbestehen · ↗fortdauern · fortgesetzt werden · nicht aufhören · nicht nachlassen · ungebrochen sein · von Dauer sein · ↗währen  ●  fortwähren  geh. · ↗weitergehen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anhalten · nicht weitergehen · ↗stehen bleiben
Synonymgruppe
(jemanden/etwas) anhalten · ↗(jemanden/etwas) stoppen · (jemanden/etwas) zum Stehen bringen · nicht weiterfahren lassen · zum Halten bringen · zum Stillstand bringen
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) einen Antrag machen · (jemandem) einen Heiratsantrag machen · anhalten (um jemanden) · um jemandes Hand anhalten · um jemandes Hand bitten  ●  (jemanden) heiraten wollen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) anhalten · ↗(sich) vorhalten (Kleidungsstück)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwärtstrend Atem Aufschwung Aufwärtstrend Auto Autofahrer Boom Bus Druck Fahrer Höhenflug Luft Nachfrage Preisdruck Talfahrt Taxi Tendenz Trend Uhr Unsicherheit Wagen Weile Zug bis halten lang lange unterdessen unvermindert weiter

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anhalten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Stocksteif sitzt du da, etwas zwingt dich, die Luft anzuhalten.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 50
Weil nach der Zurückhaltung der vergangenen zwei Jahre viele Unternehmen gezwungen sind, alte Anlagen durch neue zu ersetzen, dürfte das Wachstum anhalten.
Süddeutsche Zeitung, 15.05.2004
Er versucht das dann zu ändern, es hält aber manchmal nicht lange an.
Der Tagesspiegel, 05.04.2003
Sie hielt immer wieder die Luft an, um nicht schreien zu müssen.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 245
Gleichzeitig hielt er um die Hand der 17jährigen Tochter dieser Frau an.
Friedländer, Hugo: Massenmörder Hugo Schenk und Genossen vor einem Wiener Ausnahmegerichtshof. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 29037
Zitationshilfe
„anhalten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anhalten>, abgerufen am 21.11.2018.

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