anlaufen

GrammatikVerb · läuft an, lief an, ist/hat angelaufen
Aussprache
Worttrennungan-lau-fen (computergeneriert)
Wortzerlegungan-1laufen
Wortbildung mit ›anlaufen‹ als Erstglied: ↗Anlaufbahn · ↗Anlaufphase · ↗Anlaufschwierigkeit
 ·  mit ›anlaufen‹ als Grundform: ↗Anlauf
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
zu laufen beginnen
Beispiel:
der Motor, die Maschine läuft an
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlich der Film läuft Ende der Woche an (= wird von diesem Zeitpunkt an gezeigt)
übertragen
Beispiel:
die Produktion, Aktion läuft an
2.
im Part. Prät.
umgangssprachlich angelaufen kommenherbeieilen
Beispiel:
Und nun kommen in hellen Haufen / alle, alle angelaufen [TucholskyDeutschland125]
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
gegen jmdn., etw. laufen, rennen
Beispiel:
Ein kleines Mädchen ... lief gegen sie [Mine] an [ViebigTägl. Brot278]
bildlich
Beispiel:
[Wände] gegen die er immer von neuem mit dumpfem Schädel anlief [KasackStadt348]
übertragen gegen etw. ankämpfen
Beispiel:
du kannst nicht dagegen anlaufen
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
einen Ort zu Schiff ansteuern
Beispiele:
den (Heimat)hafen, die Insel anlaufen
mehrere Orte anlaufen
5.
mit Hilfsverb ›ist‹
anwachsen, sich häufen
Beispiel:
die Schulden sind auf eine hohe Summe angelaufen
6.
mit Hilfsverb ›ist‹
beschlagen
Beispiele:
die Brille, das Fenster ist angelaufen
ein angelaufener Spiegel
in eine andere Farbe übergehen
Beispiele:
sein Gesicht läuft (vor Zorn) rot, dunkel an
die Nase ist blau angelaufen
7.
mit Hilfsverb ›ist‹
landschaftlich bei jmdm. Anstoß erregen, anecken
Beispiele:
daß du nicht anläufst bei den Kindern Ägyptens [Th. MannJoseph4,31]
es gäbe welche, bei denen sie greulich anlaufen würde [G. Hauptm.Bahnw. Thiel4,30]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

laufen · Lauf · Läufer · Zeitläufte · Lauft · Zeitlauf · läufig · geläufig · beiläufig · landläufig · vorläufig · ablaufen · Ablauf · anlaufen · Anlauf · auflaufen · Auflauf · auslaufen · Auslauf · belaufen · einlaufen · Einlauf · überlaufen · Überläufer · verlaufen · Verlauf · zerlaufen · Laufbahn · Lauffeuer · Laufgraben · Laufpaß · Laufzettel
laufen Vb. ‘(zu Fuß) gehen, rennen, fließen’. Für das gemeingerm. reduplizierende Verb ahd. (h)loufan (8. Jh.), mhd. loufen, asächs. -hlōpan, mnd. mnl. lōpen, nl. lopen, aengl. hlēapan ‘laufen, treten, tanzen’, engl. to leap ‘springen, hüpfen’, anord. hlaupa ‘laufen, springen’, schwed. löpa ‘laufen’, got. ushlaupan ‘aufspringen’ sind ie. Verwandte nicht mit Sicherheit nachzuweisen; eine (lautlich mögliche) Verbindung mit lit. šlubúoti ‘lahmen, hinken’ bzw. klùpti ‘niederknien, stolpern’ befriedigt semantisch nicht. Seebold 261 sieht Anknüpfungsmöglichkeiten in lit. keliáuti ‘wandern, reisen’, griech. kéleuthos (κέλευθος) ‘Weg, Pfad, Bahn, Reise’. Dann vielleicht über eine Erweiterung ie. *keleu- ‘wandern, Weg’ zur Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ (s. ↗halten)? Die Vorstellung größerer Schnelligkeit tritt in neuerer Sprache vielfach zurück, so daß laufen für gehen eintreten kann. In nhd. Zeit wird laufen häufig auf Bewegungen von Fahrzeugen und Maschinen und speziell von Flüssigkeiten bezogen. Lauf m. ‘das Laufen, Verlauf, Flußlauf, Bein des Haarwilds’, auch ‘Rohr von Handfeuerwaffen’ (vgl. Gewehrlauf), ahd. (h)louf (9. Jh.), mhd. louf, mnd. lōp, mnl. nl. loop ‘Gang, Lauf, Verlauf’, anord. hlaupr ‘Sprung’ führen auf germ. *hlaupa-, daneben (mit anderer Stammbildung) aengl. hlīep ‘Sprung’, anord. hlaup n. ‘Sprung, Lauf, Galopp (des Pferdes)’. Im Dt. auch das ti-Abstraktum germ. *hlaufti- mit ahd. (h)louft (8. Jh.), mhd. louft, nhd. (älter) Lauft, erhalten in Zeitläufte (s. unten). Läufer m. ‘wer (gut) läuft, Sportler einer Laufdisziplin, langer Teppich’, ahd. (h)loufāri (um 800), mhd. loufære, löufære ‘Bote, Rennpferd’. Zeitläufte Plur. ‘Zeitabschnitte mit ihren Ereignissen’ (18. Jh.), Zusammensetzung mit Lauft m. das im Anschluß an ahd. (h)louft (9. Jh.), mhd. louft im älteren Nhd. neben Lauf (s. oben) gebraucht wird; daneben Zeitlauf m. seit dem 17. Jh. bezeugt und im Sing. wie im Plur. verwendet. läufig Adj. ‘brünstig’, besonders von Hunden (15. Jh.), mhd. löufec, löufic ‘gangbar, bewandert, gerieben’, noch bis ins 18. Jh. im Sinne von ‘häufig vorkommend, gebräuchlich’ (wofür dann geläufig). geläufig Adj. ‘häufig vorkommend, allgemein bekannt, vertraut, fließend, perfekt’ (17. Jh.). beiläufig Adj. ‘wie zufällig, nebenher’, (südd.) ‘ungefähr’ (um 1500), daneben frühnhd. auch beiläuftig (15. Jh.). landläufig Adj. ‘üblich, allgemein bekannt’, frühnhd. lantlöufig, auch ‘im Lande umgehend’ (15. Jh.). vorläufig Adj. ‘nicht endgültig, einstweilig’ (17. Jh.), eigentlich ‘vorher-, vorausgehend’. ablaufen Vb. ‘weglaufen, abfließen, zu Ende gehen, sich ereignen, seinen Verlauf nehmen’, mhd. abeloufen; Ablauf m. ‘das Ablaufen, Abfluß(graben), Verlauf’, mhd. abelouf. anlaufen Vb. ‘sich in Bewegung setzen, anstürmen, ansteuern, beginnen, beschlagen, zunehmen’, ahd. ana(h)loufan (9. Jh.), mhd. aneloufen; Anlauf m. ‘das Anlaufen, Beginn, Anstoß’, ahd. ana(h)louf (10./11. Jh.), ana(h)louft (8. Jh.), mhd. anlouf ‘Ansturm, Angriff’. auflaufen Vb. ‘auf Grund laufen, aufgehen, anwachsen’, mhd. ūfloufen, auch ‘einen Auflauf bilden, anschwellen’; Auflauf m. ‘Zusammenlaufen einer erregten Menschenmenge’, mhd. ūflouf; ‘überbackene Speise’ (19. Jh.). auslaufen Vb. ‘herausfahren, zu Ende gehen, aufhören’, mhd. ūʒloufen, auch ‘hinauslaufen, entlaufen’; Auslauf m. ‘das Auslaufen, Strecke hinter dem Ziel’, mhd. ūʒlouf ‘Auszug, Durchfall, Ruhr’. belaufen Vb. ‘anlaufen, beschlagen’, sich belaufen auf ‘betragen’, mhd. beloufen, auch ‘durchlaufen, überlaufen’. einlaufen Vb. ‘kleiner werden, ankommen, eingehen’ (17. Jh.). Einlauf m. ‘Ankunft am Ziel, Darmspülung’, frühnhd. ‘Einfall, das Eindringen’ (16. Jh.). überlaufen Vb. ‘desertieren, überfließen’, mhd. überloufen, auch ‘treffen, befallen, übergehen, auslassen, durchlaufen’; Überläufer m. ‘Deserteur’ (15. Jh.), mhd. überloufer ‘wer etw. kurz behandelt, abtut’. verlaufen Vb. ‘ablaufen, vergehen, verirren’, ahd. fir(h)loufan ‘vorauslaufen, überholen’ (9. Jh.), ‘vergehen’ (um 1000), mhd. verloufen, auch ‘vorüberlaufen, sich begeben, sich abnützen’; Verlauf m. ‘Ablauf, Entwicklung, Vorgang’ (15. Jh.). zerlaufen Vb. ‘auseinandergehen, -fließen’, ahd. zi(h)loufan ‘herab-, auseinanderlaufen’ (8. Jh.), mhd. zerloufen, auch ‘vergehen’. Laufbahn f. ‘Bahn für Wettrennen’ (17. Jh.), ‘Werdegang, Berufsweg’ (seit dem 18. Jh. als Verdeutschung von ↗Karriere, s. d.). Lauffeuer n. ‘Feuer (zur Fernzündung), das sich über einen Strich ausgeschütteten Pulvers bewegt’ (17. Jh.), in der Wendung wie ein Lauffeuer (sich ausbreiten) ‘sehr schnell’; in jüngerer Zeit als ‘sich schnell (über trockenes Laub und Gras hin) ausbreitendes Feuer’ aufgefaßt (vgl. schweiz. Laubfeuer). Laufgraben m. ‘zum Schutz vor Geschossen angelegter Graben’ (16. Jh.). Laufpaß m. ‘Ausweis für entlassene (invalide) Soldaten und Arbeitsuchende, der die freie Bewegung innerhalb eines Landes zusichert’ (18. Jh.), heute noch in der Wendung jmdm. den Laufpaß geben ‘jmdn. wegschicken’. Laufzettel m. zunächst (17. Jh.) wie jüngeres Laufpaß, dann ‘Zettel an Werkstücken zur Eintragung bestimmter Arbeitsgänge, Zettel, der durch eine Reihe von Büros läuft’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dreharbeit Fahndung Fertigung Film Hafen Hilfsaktion Hilfsmaßnahme Kampagne Kino Kreuzfahrtschiff Maschinerie Pilotprojekt Produktion Rettungsaktion Schiff Serienfertigung Serienproduktion Staffel Streifen US-Kino Vorbereitung Vorverkauf Weihnachtsgeschäft Werbekampagne blau demnächst langsam laufen rot schleppend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anlaufen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort ist der Ausbau zu Beginn des Jahres bereits angelaufen.
Die Welt, 17.04.2002
Der Kampf um die Macht, die Mehrheit in Irans Parlament, läuft an.
Der Tagesspiegel, 26.10.1999
Zu Beginn des Jahres 212 lief hier die karthagische Offensive an.
Hoffmann, Wilhelm: Roms Aufstieg zur Weltherrschaft. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 8854
Der Schreiber ließ den Film mit größerer Geschwindigkeit wieder anlaufen.
Jens, Walter: Nein, München: Piper 1968 [1950], S. 152
Dann laufe ich heute noch rot an und passiert ist das vor gut acht Tagen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 10.08.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„anlaufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anlaufen>, abgerufen am 16.09.2019.

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