anmaßen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungan-ma-ßen
Wortbildung mit ›anmaßen‹ als Grundform: ↗anmaßend
eWDG, 1967

Bedeutung

sich [Dativ] etw. anmaßeneine Würde, einen Rang unberechtigt für sich in Anspruch nehmen
Beispiele:
sich Vorrechte, Befugnisse, Autorität anmaßen
sich eine gewisse Rolle anmaßen
sich eigenmächtig den Befehl anmaßen
er maßt sich an, ein großer Dichter zu sein
Ich hatte mir ... den Doktortitel angemaßt [G. Hauptm.4,229]
sich unberechtigt etw. herausnehmen, erlauben
Beispiele:
sich eine Meinung, ein Urteil über jmdn., jmds. Tun und Lassen anmaßen
was maßt du dir an?
er maßt sich viel an
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maß · dermaßen · einigermaßen · gewissermaßen · Maßnahme · Maßregel · Maßstab · maßvoll · anmaßen · Anmaßung · mäßig · mäßigen · Gemäß
Maß n. ‘Einheit zum Messen von Größen, die durch Messen festgestellte Größe, Meßinstrument, die richtige Mitte, das rechte Verhältnis’, spätmhd. (bair.-öst.) māʒ n. ‘eine bestimmte Quantität, Gefäß zum Messen, Grad, Art und Weise’ (14. Jh.) ist durch Vermischung hervorgegangen aus ahd. māʒa f. (um 1000), mhd. māʒe f. ‘Maß, angemessene Menge, richtig gemessene Größe, abgegrenzte Ausdehnung in Raum, Zeit, Gewicht, Kraft, Art und Weise, das Maßhalten’ (vgl. dazu mnd. mnl. māte f., nl. maat f.) und ahd. meʒ n. ‘Maß, Meßgerät, Ordnung, Art und Weise’ (8. Jh.), mhd. meʒ n. ‘Maß, womit (Flüssigkeit, Getreide) gemessen wird, Ausdehnung, Richtung, Ziel’, das im Obd. bis ins 16. Jh. mit der Bedeutung ‘Meßgerät’ bewahrt wird. Beide sind Bildungen zu dem unter ↗messen (s. d.) behandelten Verb. Luther verwendet Maß mit fem. und neutr. Genus; im 18. Jh. hat sich das Maß durchgesetzt, während die Maß nur noch im Obd. als Hohlmaß (‘ein Liter’) gilt (vgl. eine Maß Bier). Reste fem. Flexion bewahren die ursprünglichen Genitivfügungen dermaßen Adv. ‘derart’ (15. Jh.), einigermaßen Adv. ‘in gewissem Maße, Grade, ziemlich, erträglich, ungefähr’, anfangs (17. Jh.) in genitivischer Fügung einiger Maße. gewissermaßen Adv. ‘sozusagen, gleichsam’ (18. Jh.). Maßnahme f. ‘Regelung, Anordnung’ (19. Jh.), älter Maßnehmung (18. Jh.). Maßregel f. ‘Richtlinie, Vorschrift’ (18. Jh.). Maßstab m. ‘Meßlatte’ (15. Jh.), ‘Richtlinie, nach der etw. beurteilt wird’ (17. Jh.). maßvoll Adj. ‘beherrscht, zurückhaltend’ (19. Jh.). anmaßen Vb. reflexiv ‘über das Zustehende hinausgehen, übermäßig großen Anspruch erheben’, mhd. sich anemāʒen ‘für sich als angemessen beanspruchen’; Anmaßung f. ‘unberechtigter Anspruch, Überheblichkeit’ (um 1500). mäßig Adj. ‘maßvoll, durchschnittlich, nicht überragend’ (18. Jh.), ahd. māʒīg ‘Maß haltend’ (10./11. Jh.), mhd. mæʒic ‘enthaltsam, maßvoll, klein’, mhd. frühnhd. auch ‘angemessen, gemäß, entsprechend’. In der letztgenannten Bedeutung entwickelt sich -mäßig zu einem in moderner Sprache überaus produktiven Kompositionssuffix (vgl. bedeutungs-, funktions-, wetter-, wohnungsmäßig); in dieser Funktion belegt seit dem 16. Jh. mäßigen Vb. ‘auf das rechte Maß herabmildern’, reflexiv ‘sich beherrschen, zurückhalten’, mhd. mæʒigen ‘abmessen, ermessen, veranschlagen’, reflexiv ‘sich enthalten’. Gemäß n. Maßeinheit, Meßgerät (Hohl- und Landmaß), gemes (14. Jh.), Gemeß (16. Jh.), mnd. aengl. gemet, eine Kollektivbildung zu ↗Maß (s. oben und s. ↗ge-). Heute unüblich.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autorität Befugnis Definitionsmacht Deutungshoheit Entscheidung Funktion Gericht Gesetzgeber Kompetenz Macht Machtbefugnis Mandat Recht Rechte Rolle Staat Urteil Wertebevormundung Zuständigkeit darüber denn ich jedenfalls massen maßen nicht nie niemals überhaupt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anmaßen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich würde mir nie anmaßen, zu sagen, wir machen richtigen Jazz.
Süddeutsche Zeitung, 21.11.2000
Sie darf sich nicht anmaßen, alles bis ins letzte Detail regeln zu wollen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1993]
Zuerst scheute sie sich wohl, den Arbeitern nachzugehen und sich die Aufsicht anzumaßen.
Sapper, Agnes: Werden und Wachsen, Hannover: Gundert 1967 [1910], S. 263
Wer durfte sich anmaßen, über seinen gleichgeborenen Brüdern stehen zu wollen, sie auszubeuten, zu beherrschen!
Bürgel, Bruno H.: Vom Arbeiter zum Astronomen, Berlin: Ullstein 1925 [1919], S. 60
Aber ohne bestimmten Befehl aus Wien hätte er sich das doch nicht anmaßen dürfen.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 716
Zitationshilfe
„anmaßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anmaßen>, abgerufen am 19.11.2019.

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