anmuten

GrammatikVerb · mutet an, mutete an, hat angemutet
Aussprache
Worttrennungan-mu-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›anmuten‹ als Erstglied: ↗Anmutung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. mutet jmdn. fremd an (= etw. berührt jmdn. fremd)
Beispiele:
das mutet mich sonderbar, unheimlich, eigentümlich, feierlich, vornehm an
es mutete (mich) lächerlich an, dass ...
sein Benehmen, seine Erscheinung mutete uns sympathisch an
alles mutete ihn wie ein Traum an (= kam ihm wie ein Traum vor)
veraltend, dichterisch etw. mutet jmdn. an (= etw. berührt jmdn. angenehm)
Beispiel:
Der Oberst, den das frank und freie Wesen der jungen Dame sichtlich anmutete [FontaneI 2, 186]
2.
veraltet jmdm. etw. zumuten
Beispiele:
jmdm. zusätzliche Steuern, Abgaben anmuten
Da ein jeder nur die Beschränkungen fühlte, die man ihm anmutete [Ranke3,4]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Anmut · anmuten · anmutig
Anmut f. ‘Liebreiz, Grazie’. Das Wort ist allein auf den dt. Sprachraum beschränkt. Mhd. anemuot m. ist nur einmal in Grimms Weistümern (1338) belegt und bleibt nach Bildung und Bedeutung unsicher (vgl. ²DWB Probeheft 1963, 69); es ist am ehesten als Rückbildung von mhd. anemuoten (s. unten) aufzufassen. Um 1500 kommt Anmut m., diesmal vermutlich als Rückbildung zu dem schon im 14. Jh. bezeugten Adjektiv anemuotec (s. unten), teils als ‘Verlangen, Begierde’ (bis ins 18. Jh.), teils (entsprechend der Bedeutung des Adjektivs) als ‘Liebreiz’ in Umlauf. Das ursprüngliche mask. Genus hält sich vereinzelt bis ins 18. Jh., wird aber schon von der Mitte des 16. Jhs. an allmählich vom fem. verdrängt. anmuten Vb. ‘Wohlgefallen erwecken, angenehm berühren, einen Eindruck erwecken’ (18. Jh.), zuvor (heute unüblich) ‘zumuten’, mhd. anemuoten ‘anfordern, verlangen, begehren, zumuten’, seit dem 14. Jh. neben einfachem, im Nhd. untergegangenem muten (zur Etymologie s. ↗Mut); vgl. auch etw. an jmdn. muten. anmutig Adj. Das vom Verb mhd. anemuoten ausgehende Adjektiv mhd. anemuotec, anemüetic ‘Lust, Verlangen erweckend’ geht um 1500 in die Bedeutung ‘gefällig, liebreizend, lieblich’ über. Im 17. Jh. wird die im Frühnhd. übliche umgelautete Form anmütig aufgegeben.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) vorkommen (als ob) · (sich) anfühlen wie · (sich) darstellen (als) · (sich) präsentieren (als) · Eindruck machen (als ob) · anmuten · ↗erscheinen · ↗scheinen · ↗wirken  ●  ↗dünken  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(irgendwie) daherkommen · ↗(sich) ausnehmen · anmuten · ↗aussehen · ↗erscheinen · ↗wirken  ●  ↗ausschauen  ugs., süddt. · ↗rüberkommen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ironie abenteuerlich absurd altmodisch anachronistisch antiquiert archaisch befremdlich bescheiden bizarr eigenartig exotisch futuristisch gespenstisch grotesk kurios lächerlich merkwürdig muten naiv paradox phantastisch reichlich rührend seltsam skurril sonderbar utopisch weltfremd zynisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anmuten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Stück mutet eher wie eine Meditation über die Zeit an.
Der Tagesspiegel, 30.01.1998
Da wird die Wirklichkeit - so phantastisch sie anmuten mag - austauschbar.
Süddeutsche Zeitung, 05.10.1994
Es mutet einen alles an, als wäre man bei einer alten Frau.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 14.03.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Für Dinge, die »liberal« anmuten könnten, war in diesem Japan kein Platz mehr.
Langer, Paul F.: Japan zwischen den Kriegen. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 14774
Die Häuser muten innen - sofern sie überhaupt noch zu betreten sind - wie Puppenstuben an.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 201
Zitationshilfe
„anmuten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anmuten>, abgerufen am 10.12.2019.

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