annehmen

Grammatik Verb · nimmt an, nahm an, hat angenommen
Aussprache 
Worttrennung an-neh-men
Wortzerlegung  an-1 nehmen
Wortbildung  mit ›annehmen‹ als Erstglied: annehmbar  ·  mit ›annehmen‹ als Grundform: Annahme · angenommen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. Angebotenes entgegennehmen
a)
Beispiele:
ein Geschenk, eine Zigarette, die Bezahlung annehmen
das kann ich doch nicht annehmen!
b)
ein Angebot akzeptieren
Beispiele:
einen Vorschlag, eine Bedingung, einen Auftrag, eine Arbeit, Stellung annehmen
jmds. Hilfe annehmen
eine Einladung annehmen
eine Wette annehmen (= eingehen)
ein Theaterstück annehmen (= aufführen lassen)
c)
Ballsport
Beispiel:
den Ball annehmen
d)
Bankwesen
Beispiel:
einen Wechsel annehmen (= durch Unterschrift anerkennen)
e)
übertragen etw. beherzigen
Beispiele:
einen (wohlgemeinten) Rat, eine Lehre annehmen
nimm dir das an!
landschaftlichdas brauchst du dir nicht anzunehmen (= dir nicht zu Herzen zu nehmen)
f)
etw. billigen, einem Vorschlag zustimmen
Beispiele:
den Antrag, die Resolution, Entschließung (einstimmig) annehmen
(Waffenstillstands)bedingungen annehmen
der Gesetzesentwurf wurde (in zweiter Lesung) angenommen
die Wahl zum Vorsitzenden annehmen
2.
jmdn. aufnehmen
a)
Beispiele:
jmdn. als Schüler annehmen
eine Waise (an Kindes Statt) annehmen
So nehmet auch mich zum Genossen an [ SchillerBürgschaft]
b)
jmdn. einstellen
Beispiel:
neue Arbeiter annehmen
c)
jmdn. empfangen
Beispiele:
nach 6 Uhr werden keine Patienten mehr (zur Behandlung, Untersuchung) angenommen
Es sei schon jemand bei dem gnädigen Fräulein, aber vielleicht werde sie ihn [den Besucher] doch annehmen [ HeyseI 1,332]
historisch, scherzhaft, übertragen
Beispiel:
jmdn. in Gnaden wieder annehmen (= ihm verzeihen)
3.
etw. übernehmen
a)
Beispiele:
das Tuch nimmt den Schmutz leicht an (= schmutzt leicht)
das Papier nimmt keine Tinte an (= lässt sie nicht haften)
der Stoff hat die Farbe gut angenommen (= eindringen lassen)
b)
sich etw. zu eigen machen
Beispiele:
eine Gewohnheit, Eigenart annehmen
schlechte Manieren annehmen
einen anderen Namen annehmen (= sich anders nennen)
eine feindselige, unterwürfige Haltung annehmen (= sich feindselig, unterwürfig zeigen)
eine gönnerhafte Miene annehmen (= gönnerhaft blicken)
seine Züge nahmen einen besorgten, harten, wehmütigen Ausdruck an (= drückten Besorgnis, Härte, Wehmut aus)
einen bedeutenden Umfang, (immer) größere Dimensionen annehmen (= umfangreich werden)
gefährliche Ausmaße annehmen (= gefährlich werden)
(feste, konkrete) Gestalt, (greifbare) Formen annehmen (= faßbar werden)
seine Stimme nahm einen beschwörenden Ton an (= wurde beschwörend)
ein trotziges Wesen annehmen (= trotzig werden)
Vernunft annehmen (= vernünftig werden)
Militär Haltung annehmenstramm stehen
Beispiel:
Wollen Sie nicht Haltung annehmen [ TollerFeuer6]
4.
Jägersprache
Beispiele:
das Wild nimmt das Futter, die Salzlecke an (= genießt davon)
der Rehbock nimmt den Wechsel an (= betritt ihn)
der Hund nimmt die Fährte an (= folgt ihr)
der Keiler, Hirsch nimmt den Hund an (= greift ihn an)
[das Nashorn] wird mich annehmen, wenn ich herangehe [ SchomburgkAfrika346]
5.
etw. vermuten
Beispiele:
er hatte (irrtümlich) angenommen, dass sie verreist sei
es wird allgemein, mit Bestimmtheit, Sicherheit angenommen, dass ...
etw. halten für
Beispiel:
Das Gericht nahm als erwiesen an, daß von den Behauptungen des Angeklagten zwei wahr seien [ BrechtDreigroschenroman491]
etw. voraussetzen
Beispiele:
seine Bereitschaft, den guten Willen wollen wir annehmen
eine Entfernung von 500 Metern annehmen
nehmen wir an, dass ...
angenommen, dass ...
angenommen, er kommt
6.
sich eines Menschen, einer Sache annehmensich um jmdn., etw. bemühen, kümmern
Beispiele:
er nahm sich des Verletzten an
sich der Aufgabe, Aktion (gewissenhaft, mit Feuereifer) annehmen
landschaftlich sich um jmdn., etw. annehmen
Beispiel:
Es ist unglaublich, wie sich das Kind damals um die Sache annahm [ Stifter2,454]

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · annehmen · denken · erwarten · glauben · meinen · mutmaßen · vermuten  ●  tippen auf  fig. · schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) zu eigen machen · adoptieren · annehmen · übernehmen
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein Verhalten) annehmen · (sich etwas) zu eigen machen · (sich) aneignen · (sich) angewöhnen · (sich) antrainieren
Assoziationen
  • (sich) Wissen aneignen · (sich) aneignen · (sich) zu eigen machen · erlernen · erwerben  ●  lernen  Hauptform
  • (die) Macht der Gewohnheit · (für jemanden) selbstverständlich werden · (sich) zu eigen (machen) · (sich) zur Gewohnheit machen · selbstverständlich werden (für) · verinnerlichen · zur Selbstverständlichkeit werden  ●  (für jemanden) zur Gewohnheit werden  variabel · (für jemanden) zur zweiten Natur werden  variabel · (jemandem) zur Gewohnheit werden  variabel · (jemandem) zur zweiten Natur werden  variabel · in Fleisch und Blut übergehen (lassen)  fig. · inkorporieren  geh. · internalisieren  geh.
  • (die) Angewohnheit haben (zu) · (es sich) angewöhnt haben zu · die Gewohnheit (angenommen) haben (zu) · es gewohnt sein (zu) · es sich zu eigen gemacht haben (zu) · es sich zur Gewohnheit gemacht haben (zu) · es sich zur Regel gemacht haben (zu) · es zu seiner Gewohnheit haben werden lassen (zu) · pflegen (zu tun)  ●  (auf etwas) konditioniert sein  Jargon · (etwas) gewöhnlich tun  variabel · abonniert sein (auf)  ugs., fig.
Synonymgruppe
annehmen · empfangen · entgegennehmen · in Empfang nehmen
Synonymgruppe
(sich) überzeugen lassen · akzeptieren · annehmen · einsehen · erkennen · verstehen  ●  kapieren  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sein) Einverständnis erklären · (sich) einverstanden erklären (mit) · (sich) zustimmend äußern · Ja sagen (zu) · akzeptieren · annehmen · bejahen · billigen · einverstanden sein (mit) · einwilligen · nichts (mehr) auszusetzen haben (an) · zusagen · zustimmen  ●  konsentieren  veraltet · (etwas) abnehmen (z.B. Handwerkerleistung)  fachspr. · Gnade vor jemandes Augen finden  geh., ironisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(eine) Zusage abgeben · (eine) Zusage machen · (sich) einverstanden erklären · akzeptieren (jemandes Vorstellungen, Konzeption, Angebot) · eingehen auf (Angebot, Vorschlag, Bedingungen) · einschlagen (Handgeste) · einwilligen (in) · zusagen · zustimmen · zustimmend aufnehmen  ●  annehmen (Angebot)  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
(probeweise) annehmen · (versuchsweise) davon ausgehen, dass · unterstellen
Synonymgruppe
(fälschlicherweise) denken, dass · (irrigerweise) annehmen · (sich etwas) einbilden · (sich) halten für · (sich) wähnen · halten für · in dem Wahn leben, dass · wähnen  ●  vermeinen  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (sich) in (trügerischer) Sicherheit wiegen · (sich) in Sicherheit wähnen  ●  nichts Böses ahnen  floskelhaft · glauben, dass man in Sicherheit ist  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) annehmen · (etwas) unterstellen · ungeprüft voraussetzen  ●  einfach behaupten  ugs.
Assoziationen
  • in Umlauf bringen · in die Welt setzen (Gerücht) · unter die Leute bringen · verbreiten  ●  (sich) Geschichten ausdenken  ugs.
Synonymgruppe
(sich einer Sache/jemandem) zuwenden · (sich einer Sache/jemandes) annehmen · (sich jetzt einer Sache) widmen · (sich) (jetzt) befassen mit · (sich) (jetzt) konzentrieren auf · (sich) (jetzt) kümmern um · Zeit haben (für)
Assoziationen
Synonymgruppe
Mutmaßungen anstellen · Vermutungen anstellen · annehmen · mutmaßen · spekulieren
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich jemandes) annehmen · (sich) Zeit für jemanden nehmen · (sich) jemandes Sorgen annehmen · Zeit haben (für) · für jemanden da sein
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›annehmen‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›annehmen‹.

Verwendungsbeispiele für ›annehmen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber da es sowieso zu spät war, abzuhauen, beschlossen wir, das Angebot anzunehmen.
Der Spiegel, 19.10.1981
Von 1520 an nahm seine Tätigkeit eine andere Richtung an.
Sartori, Claudio: Petrucci. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 44700
Und wer kann annehmen, daß es sie weiterhin leisten würde, wenn es zu einem Bruch kommen sollte?
Archiv der Gegenwart, 2001 [1960]
So blieb auch ihm nichts übrig, als den Kampf anzunehmen 689.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. V. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 12284
Und doch müssen wir annehmen, daß er sich, ebensogut wie die neue Religion, vorher bereits vorbereitet hat.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. II,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1893], S. 25037
Zitationshilfe
„annehmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/annehmen>, abgerufen am 28.01.2022.

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