anprangern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungan-pran-gern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›anprangern‹ als Erstglied: ↗Anprangerung
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn., etw. öffentlich bezichtigen
Beispiele:
jmdn. als Staatsfeind, als Betrüger anprangern
etw. als Verbrechen anprangern
eine Praxis, Unsitte, ein Verhalten anprangern
unhaltbare Zustände anprangern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pranger · anprangern
Pranger m. Bezeichnung für den Schandpfahl, die Stelle auf einem öffentlichen Platz, wo ehemals jmd. für eine straf- bzw. verachtungswürdige Tat angeschlossen (in der Regel in Ketten und Halseisen) und zur Verhöhnung zur Schau gestellt wurde; heute in übertragenem Sinne in den Wendungen an den Pranger stellen ‘öffentlich bloßstellen’, am Pranger stehen ‘dem Tadel, der Kritik ausgesetzt sein’. Mhd. (md.) pranger (2. Hälfte 13. Jh.) gelangt (in dieser md.-nd. Lautung) ins Obd. (14. Jh.), in die Bambergische Halsgerichtsordnung (1507) und in die Carolina (1532) und verdrängt Nebenformen wie frühnhd. pfranger oder brangel. Es handelt sich also um eine im Md. entstandene Ableitung mit dem Suffix -er von einem Verb, belegt in mnd. prangen ‘einengen, mit jmdm. ringen, streiten’, mnl. pranghen ‘klemmen, zusammendrücken’, nl. prangen ‘drücken, pressen’, got. anapraggan ‘bedrängen’, wozu auch mengl. prangle ‘drücken’, mhd. (mit verschobenem Anlaut) phrengen ‘pressen, drängen, bedrücken’ sowie die Substantive mhd. phrange, phrenge ‘Einschließung, Beengung, Nötigung, Drangsal’, mnd. prange ‘Pfahl, Stange’, auch ‘Maulklemme’ und (ohne inlautendes n) ahd. phragina ‘Schranke, Beschränkung’ (Hs. 12. Jh.), (mit Ablaut) engl. prong ‘Forke, Zinke’ gehören. Außergerm. Anschlußmöglichkeiten sind unsicher. Zieht man lit. brãn(k)tas ‘Strangholz am Pferdegespann, Holzscheit, das den Schweinen um den Hals gebunden wird’, altkur. brankti ‘fest anliegend, gedrängt, eng’ heran, so kann ie. *bronk- ‘einschließen, einengen’ erschlossen werden. Pranger bezeichnet demnach das drückende Halseisen, mit dem der Schuldige angeschlossen wird, danach auch die dafür vorgesehene Stelle bzw. Einrichtung. anprangern Vb. ‘öffentlich tadeln, als Mißstand herausstellen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(hart) kritisieren · (öffentlich) anprangern · ↗brandmarken · ↗geißeln · ins Gericht gehen (mit) · ↗richten (archaisierend) · ↗stigmatisieren · ↗verdammen · ↗verurteilen · ↗ächten · öffentlich beschuldigen  ●  (das) Urteil sprechen (über)  fig. · an den Pranger stellen  fig. · unter Beschuss nehmen  fig. · (jemandem) ans Bein pinkeln  ugs., fig. · beredte Klage führen (über)  geh. · den Stab brechen über  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbeutung Auswuchs Benachteiligung Diskriminierung Filz Geldverschwendung Haftbedingung Korruption Machenschaft Menschenrechtsorganisation Menschenrechtsverletzung Mißbrauch Mißstand Mißwirtschaft Praktik Rassismus Rechnungshof Schwarzbuch Steuergeld Ungerechtigkeit Unrecht Unterdrückung Versagen Verschwendung Versäumnis Vetternwirtschaft Wahlbetrug prangern schonungslos Übergriff

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anprangern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für meine Pflicht halte ich es allerdings, das Gottlose jener Wissenschaftler anzuprangern.
Bild, 06.08.2001
Seit Beginn der Revolution haben wir begonnen, seine reaktionäre Politik anzuprangern.
konkret, 1981
Sie scheuten sich auch nicht, diejenigen, die solchen Mißbrauch anprangerten, strafrechtlich verfolgen oder abschieben zu lassen.
Herbst, Andreas u. a.: Lexikon der Organisationen und Institutionen - S. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 5097
Dieser versichert, er habe keineswegs diese Bestrafung verlangt, nur ein unwürdiges System angeprangert.
Fath, Rolf: Werke - P. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 15628
Ihm war es ohnehin mittlerweile unangenehm, von den Gegnern des »Interims« als Verräter der evangelischen Sache angeprangert zu werden.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7315
Zitationshilfe
„anprangern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anprangern>, abgerufen am 19.09.2019.

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