Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

anrücken

Grammatik Verb · rückt an, rückte an, ist/hat angerückt
Aussprache 
Worttrennung an-rü-cken
Wortzerlegung an-1 rücken

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [Militär] anmarschieren
    1. [salopp, übertragen] kommen
    2. ⟨angerückt kommen⟩
  2. 2. [landschaftlich] anrucken
eWDG

Bedeutungen

1.
Militär anmarschieren
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
in gegensätzlicher Bedeutung zu abrücken
Beispiele:
die Soldaten sind (in einer Stärke von 1000 Mann) angerückt
das anrückende Militär
salopp, übertragen kommen
Beispiel:
Wenn wir zu dritt anrücken, kriegen sie einen Schreck [ BrechtCourage9]
angerückt kommen
Grammatik: im Partizip II
Beispiel:
er kam mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel angerückt
2.
landschaftlich anrucken
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
Der Zug rückte an [ RemarqueZeit zu leben75]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke (germ. *rukkjan). Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit Rahe und regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Ruck · rucken1 · anrucken · ruckeln · ruckweise
Ruck m. ‘durch einen plötzlichen Stoß, Zug ausgelöste schnelle, kurze Bewegung’. Die Substantive ahd. ruc (um 1000; vgl. auch framruc ‘Fortschritt’, 9. Jh.), mhd. ruc ‘schnelle Ortsveränderung, Fortbewegung’, mnd. ruck, nl. ruk, anord. rykkr, schwed. ryck, dän. ryk ‘Ruck’ gehören zu den unter rücken (s. d.) behandelten Verben. Vgl. die Fügung in einem Ruck ‘plötzlich und ohne Halt’ (16. Jh.), heute häufig mit einem Ruck ‘auf einmal, plötzlich’, ferner die Wendung sich einen (inneren) Ruck geben ‘sich zusammenreißen, sich überwinden, etw. gegen seine Neigung zu tun’. Vom Substantiv neu abgeleitet ist rucken1 Vb. ‘Rucke machen, sich in kurzen Stößen, Schüben, Zügen fortbewegen’ (18. Jh.) und anrucken Vb. ‘mit einem Ruck, unvermittelt anfahren’ (19. Jh.). Dazu das landschaftlich, besonders nordd. und md. gebrauchte Iterativ ruckeln Vb. ‘leichte Rucke machen, sich stoß-, schubweise fortbewegen’. ruckweise Adv. ‘in Rucken, stoßweise’ (17. Jh.; anfangs auch mit Umlaut rückweise).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich irgendwo) hinbemühen · (sich) einfinden · (sich) einstellen · ankommen · eintreffen · erscheinen  ●  (irgendwohin / irgendwo / irgendwoher) kommen  Hauptform · (sich irgendwo) herbemühen  förmlich · einlangen  österr. · (irgendwo) aufkreuzen  ugs., Hauptform · (irgendwo) einschweben  ugs., ironisch, fig. · (sich irgendwohin) bemühen  geh., förmlich · (sich) blicken lassen (bei)  ugs. · andackeln  ugs. · angeschoben kommen  ugs., salopp, variabel · anmarschiert kommen  ugs. · anreisen  fachspr. · anrücken  fachspr., Jargon · antanzen  ugs. · anwackeln  ugs. · aufschlagen  ugs., fig., scherzhaft-ironisch · auftauchen  ugs. · im Anflug sein  ugs., fig. · im Anmarsch sein  ugs., fig. · um die Ecke kommen  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • eintrudeln · hereingeflattert kommen (Briefe) · nach und nach eintreffen  ●  angekleckert kommen (Gäste)  ugs., negativ · kleckerweise kommen  ugs., negativ
  • angefahren kommen · angelaufen kommen · dahergelaufen kommen · daherkommen · vorbeikommen  ●  (irgendwoher) (+ Partizip Perfekt) kommen  veraltend · angedackelt kommen  ugs. · angeschlappt kommen  ugs. · angeschoben kommen  ugs. · des Weg(e)s kommen  geh., veraltend · gesprungen kommen  ugs., süddt. · um die Ecke kommen  ugs.
  • ankommen · eingehen (Sendung, Geldüberweisung) · zugestellt werden  ●  (seinen) Bestimmungsort erreichen  Amtsdeutsch · einlangen  österr. · (noch nicht / schon) da sein  ugs. · kommen  ugs.
  • (hin)kommen bis · erreichen · gelangen bis (zu) · vordringen bis
  • (jemanden) erreichen (Information) · ankommen bei (jemandem) · durchdringen (bis) zu
  • (sich) begeben (nach / zu ...) · (sich) bewegen (nach / zu ...) · (sich) hinbegeben · hingehen  ●  (irgendwohin) gehen  Hauptform, variabel · (sich) bemühen (nach / zu ...)  geh. · (sich) hinbemühen  geh. · (sich) verfügen (nach / zu ...)  geh., Amtsdeutsch, altertümelnd

Typische Verbindungen zu ›anrücken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anrücken‹.

Verwendungsbeispiele für ›anrücken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn um sie zu verteidigen, hätten jedesmal Tausende von Beamten anrücken müssen. [Die Zeit, 26.11.1998, Nr. 49]
Erst rückten die Medien mit tiefschürfenden Analysen dieses Ausdrucks neuer Freiheit an. [Die Zeit, 01.10.1982, Nr. 40]
Interviewer rückten an, mit bohrenden Fragen störten sie den Frieden der Schule. [Die Zeit, 16.12.1966, Nr. 51]
Dann rückt die nächste Gruppe an, die schon im August reserviert hat. [Süddeutsche Zeitung, 20.12.1999]
Überrascht rückte er von ihr ab und sah sie an. [Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 136]
Zitationshilfe
„anrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anr%C3%BCcken>.

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