anrühren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungan-rüh-ren (computergeneriert)
Wortzerlegungan-1rühren
Wortbildung formal verwandt mit: ↗unangerührt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. berühren
a)
etw., jmdn. anfassen
Beispiele:
rühre mich nicht an!
keiner wagte, den Verletzten anzurühren
umgangssprachlich, bildlich etw. nicht anrühren
Beispiele:
keinen Bissen anrühren (= nicht essen)
keinen Alkohol anrühren (= keinen Alkohol trinken)
kein Buch anrühren (= nicht lesen)
das Geld, die Zinsen nicht anrühren (= nichts davon nehmen)
b)
gehoben, übertragen jmdn. rühren, beeindrucken
Beispiele:
die Natur, ein Gefühl, das fremde Leid rührte ihn an
die Rede, das Lied, das Künstler rührte die Herzen der Zuhörer an
er fühlte sich tief angerührt
plötzlich ward Diederich von einem Schauer angerührt [H. MannUntertan4,455]
2.
etw. mit etw. verrühren, mischen
Beispiele:
Gips, Kleister, Farben mit Wasser anrühren (= gebrauchsfertig machen)
frisch angerührter Zement
die Soße mit Mehl, Quark mit Kümmel anrühren
einen Teig anrühren
übertragen
Beispiel:
salopp jmdm. eine (schöne) Suppe anrühren (= jmdm. etw. einbrocken)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rühren · anrühren · berühren · rührend · gerührt · Rührung · umrühren · rührig · rührselig
rühren Vb. ‘eine flüssige Masse kreisend bewegen und die Bestandteile vermischen, ein Körperglied, sich ein wenig bewegen, etw. vorsichtig (durch Bewegung der Körper-, Fingerglieder) anfassen, nach etw. greifen, innerlich bewegen, weich stimmen, seine Ursache haben’, ahd. (h)ruoren ‘bewegen, (an-, be)rühren, spielen, schütteln, erreichen’ (8. Jh.), mhd. rüeren, ruoren, (md.) rūren, rōren, asächs. hrōrian, mnd. rōren, rūren, mnl. nl. roeren, afries. hrēra, aengl. hrēran, anord. hrœra ‘rühren, bewegen’ (germ. *hrōzijan) und die unter ↗Ruhr (s. d.) genannten Formen führen mit aind. śrīṇā́ti ‘mengt, mischt’, auch ‘kocht’, awest. sar- ‘(sich) vereinigen mit, (sich) anschließen an, es halten mit’, sar- f. ‘Vereinigung, Verbindung, Genossenschaft, Gemeinschaft mit’, griech. kerannýnai (κεραννύναι) ‘mischen’ auf eine Wurzel ie. *k̑erə-, *k̑rā- ‘mischen, durcheinanderrühren’, zum Teil auch ‘kochen’. anrühren Vb. ‘(mit der Hand) leicht anfassen, verrühren, mischen, innerlich ergreifen’, mhd. anerüeren ‘in Bewegung setzen, berühren, angreifen, betreffen’. berühren Vb. ‘(mit der Hand) leicht anfassen, streifen, kurz erwähnen, beeindrucken, bewegen’, ahd. bi(h)ruoren ‘anfassen, antreiben, bewegen’ (9. Jh.), mhd. berüeren, beruoren, (md.) berūren. rührend Part.adj. ‘innerlich bewegend, Gefühlserregungen verursachend, zu Herzen gehend’ (18. Jh.). gerührt Part.adj. ‘innerlich bewegt’ (18. Jh.). Rührung f. ‘innerliche Bewegtheit, Ergriffenheit’ (18. Jh.); vgl. mhd. rüerunge ‘Berührung’, (md.) rūrunge ‘Bewegung’. umrühren Vb. ‘durch Rühren vermischen, quirlen’ (16. Jh.). rührig Adj. ‘eifrig tätig, betriebsam’ (18. Jh.), frühnhd. rüeric ‘beweglich, nicht fest’ (15. Jh.); vgl. mhd. gerüeric ‘rührig, munter’, ahd. gi(h)ruorīg ‘in Blüte stehend’ (10. Jh.), ungi(h)ruorīg ‘unbeweglich’ (9. Jh.). rührselig Adj. ‘zu Rührung neigend, übertrieben gefühlvoll’ (Ende 19. Jh.), gebildet nach redselig (s. ↗Rede).

Thesaurus

Synonymgruppe
anfassen · ↗berühren  ●  ↗anpacken  ugs. · anrühren  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anmachen · anrühren · ↗mischen · ↗verarbeiten · ↗verkneten · ↗verrühren · ↗zubereiten
Oberbegriffe
  • sonstige Verben
Unterbegriffe
Synonymgruppe
anrühren · durcheinanderwürfeln · ↗durchmengen · ↗durchmischen · ↗durchrühren · ↗einrühren · ↗konfundieren · ↗mischen · ↗mixen · ↗untermischen · ↗vermengen · ↗vermischen · vermixen · ↗verquicken · ↗verquirlen · ↗verrühren · ↗verschneiden  ●  ↗panschen  ugs. · ↗pantschen  ugs. · ↗vermanschen  ugs. · ↗verwursten  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwehr-Beton Alkohol Beton Bissen Brei Cocktail Creme Gebräu Innerste Kelle Kleister Milch Mixtur Mörtel Paste Pigment Pinsel Quark Sahne Schläger Soße Speise Süppchen Tabu Teig Tropfen Zement Zigarette auftragen rühren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anrühren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch die Chinesen am Tisch rühren das Glas nicht an.
Der Tagesspiegel, 25.03.2001
Abends aber mochte er das Buch schon nicht mehr anrühren.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 12
Bis er fünfzehn war, hatte er kaum ein Buch angerührt.
Die Zeit, 23.09.1983, Nr. 39
Das Buch, das man ihm zeigte, rührte er nicht an.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 8
Abends aber mochte er das Buch schon nicht mehr anrühren.
Musil, Robert: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1983 [1906], S. 73
Zitationshilfe
„anrühren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anrühren>, abgerufen am 18.10.2019.

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