anscheinend

GrammatikAdverb
Worttrennungan-schei-nend (computergeneriert)
Grundformanscheinen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
dem Anschein nach, wie es scheint
Beispiele:
anscheinend ist niemand zu Hause
er hat anscheinend kein Geld
Vrenchen hatte anscheinend einen schlimmern Stand als Sali [G. KellerRomeo6,85]
2.
scheinbar
Grammatik: adjektivisch
Beispiele:
ein anscheinender Zufall
seine anscheinende Kühle
»Es sei!« sagte Herr Pineiß mit anscheinender Gutmütigkeit [G. KellerSeldwyla6,251]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheinen · erscheinen · Erscheinung · wahrscheinlich · anscheinend · anscheinen · Schein · bescheinigen · Bescheinigung · scheinbar · unscheinbar · scheinheilig · scheintot · Scheintod · Scheinwerfer
scheinen Vb. ‘leuchten, glänzen’, übertragen ‘aussehen als ob, zu Vermutungen Anlaß geben’. Das mit Nasalformans gebildete gemeingerm. Verb ahd. skīnan (8. Jh.), mhd. schīnen ‘strahlen, glänzen, leuchten, erscheinen, sichtbar werden, dem Schein nach (aber nicht in Wirklichkeit) sein’, asächs. skīnan, mnd. schīnen, mnl. scīnen, nl. schijnen, afries. skīna, aengl. scīnan, engl. to shine, anord. skīna, schwed. skina, got. skeinan (verwandt mit ↗Schemen, ↗schier, ↗schimmern, s. d.) führen auf germ. *skīnan und stellen sich (wie Schein, s. unten) mit aind. chāyā́ ‘Schatten, Widerschein’, griech. skiá (σκιά) ‘Schatten’, aslaw. sěnь, russ. sen’ (сень) ‘Schatten’, aslaw. sịjati, russ. siját’ (сиять) ‘strahlen, glänzen’ zu einer Wurzel ie. *sk̑āi-, *sk̑i- ‘gedämpft schimmern, Schatten’. scheinen bezeichnet anfangs vor allem das Leuchten der Himmelskörper, steht dann (bereits ahd.) für ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden’ (im Nhd. dafür erscheinen, s. unten). Aus der Wendung mir scheint, mhd. eʒ schīnet mir ‘mich dünkt’ und aus Vergleichen ‘aussehen wie etw. (ohne Übereinstimmung mit der Wirklichkeit)’ entwickelt sich der moderne Gebrauch ‘den Eindruck erwecken, zur Vermutung Anlaß geben’. erscheinen Vb. ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden, hervortreten, veröffentlicht werden’, ahd. irskīnan ‘offenbar werden, sich zeigen, leuchten’ (um 800), mhd. (stark) erschīnen, daneben (schwach und kausativ) erscheinen ‘leuchten lassen, deutlich machen, zeigen’; Erscheinung f. ‘Aussehen, Aufmachung, Vision, Gespenst, Veröffentlichung, Wahrnehmung’, spätmhd. erschīnunge. wahrscheinlich Adj. ‘vermutlich’ (17. Jh.), nach nl. waarschijnlijk, einer Übersetzung von frz. vraisemblable, das seinerseits dem lat. vērī similis nachgebildet ist, wofür im Dt. zuvor der Wahrheit gleich, wahrähnlich (16. Jh.), der Wahrheit ähnlich (17. Jh.). anscheinend Adv. ‘offenbar, offensichtlich’ (18. Jh.), eigentlich Part. Präs. zu anscheinen Vb. ‘beleuchten, -strahlen’, älter ‘sichtbar werden, sich zeigen’, ahd. anaskīnan (um 1000), mhd. aneschīnen ‘bescheinen, beleuchten, sichtbar sein bzw. werden’. Schein m. ‘Lichtstrahl, Glanz, Schimmer, äußeres Aussehen, Trugbild, schriftlicher Nachweis, Bestätigung, Banknote’, ahd. skīn (9. Jh.), mhd. schīn ‘Strahl, Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit, sichtbarer Beweis’, woraus ‘schriftlicher Beweis, Urkunde, Dokument, schriftliche Bestätigung’ (15. Jh.), asächs. skīn ‘Licht, Glanz’, mnd. schīn, mnl. scijn, nl. schijn, aengl. scīn, engl. shine, (ablautend) anord. skin, schwed. sken. bescheinigen Vb. ‘(durch eine schriftliche Bestätigung) bezeugen’ (18. Jh.), ‘(mit Hilfe von Schriftstücken) beweisen’, mnd. beschēnigen (14. Jh.), niederrhein. bescheinigen (15. Jh.), seit dem 16. Jh. geläufig; Bescheinigung f. ‘Nachweis, Beweis’ (16. Jh.), ‘schriftliche Bestätigung’ (18. Jh.). scheinbar Adj. ‘nicht wirklich, nur vorgetäuscht’, ahd. skīnbāri ‘glänzend, leuchtend, offenbar, sichtbar’ (um 1000), mhd. schīnbære. unscheinbar Adj. ‘unauffällig’, eigentlich ‘nicht glänzend’ (15. Jh.). scheinheilig Adj. ‘sich heilig stellend, Aufrichtigkeit oder Frömmigkeit vortäuschend, heuchlerisch’ (um 1580), nl. schijnheilig (1557), nach die scheynenden heilgen (Luther 1518). scheintot Adj. ‘nur dem Schein nach, nicht wirklich tot’, Scheintod m. ‘Zustand, in dem alle Lebensäußerungen aufgehört zu haben scheinen’ (beide 19. Jh.). Scheinwerfer m. ‘einen gebündelten Lichtstrahl aussendende Lichtquelle’ (Campe 1791 für frz. réverbère ‘Reflektor, Hohlspiegel’).

Thesaurus

Synonymgruppe
anscheinend · aussehen nach · ↗hindeuten (auf) · ↗möglicherweise · ↗offenbar · ↗offenkundig · ↗offensichtlich · scheinen zu · ↗vermutlich · ↗wahrscheinlich · ↗wohl · ↗womöglich  ●  (alles) spricht für  variabel · ↗scheinbar  ugs.
Assoziationen
  • allem Anschein nach · ↗augenscheinlich · dem Augenschein nach · dem äußeren Anschein nach zu urteilen · nach allem Anschein · ↗offenbar · ↗offensichtlich · so wie es aussieht · wie es scheint · wie es schien · äußerlich betrachtet
  • (nur) auf den ersten Blick (... scheinend) · (nur) zum Schein · Schein... · in Wirklichkeit nicht · ↗vermeintlich  ●  ↗scheinbar  ugs.
  • den Umständen entsprechend · ↗eventuell · für den Fall der Fälle · für den Fall, dass · im Fall der Fälle · im Falle, dass · je nachdem · ↗möglicherweise · nicht ausgeschlossen, dass (...) · ↗notfalls · ↗potentiell · ↗potenziell · unter Umständen · ↗vielleicht · ↗womöglich  ●  ↗eventualiter  schweiz. · ↗evtl.  Abkürzung · ↗gegebenenfalls  Hauptform · ↗ggf.  Abkürzung · u.U.  Abkürzung · im gegebenen Moment  geh. · kann sein, kann nicht sein  ugs. · ↗mögen (Modalverb)  geh. · sollte (z.B. 'sich dies als notwendig erweisen')  geh.
  • anscheinend · es scheint (so zu sein) dass · es scheint an dem zu sein, dass · es scheint sich so zu verhalten dass · nach allem was man hört · so scheint es · so scheint's (Einschub)
  • dabei (...) wirken · nach außen hin · ↗äußerlich
  • (die) Annahme ist berechtigt · (es) spricht einiges dafür · (es) spricht einiges für die Annahme (dass) · (jemanden) zu der Annahme berechtigen (dass) · annehmen dürfen · scheinen (dass) · vermutet werden dürfen  ●  zu vermuten sein  Hauptform · nicht von der Hand zu weisen sein  geh. · zu vermuten stehen  geh.
  • auf einem Fehler beruhen(d) · ↗fälschlich · ↗fälschlicherweise · ↗irrigerweise · ↗irrtümlich · irrtümlich für (...) gehalten · ↗irrtümlicherweise  ●  ↗vermeintlich  Hauptform
  • (so) wie es aussieht (...) · scheint so · sieht (ganz) danach aus · so sieht es (jedenfalls) aus · so sieht's aus
  • als wahrscheinlich gelten(d) · angenommen werden (es) · anzunehmen sein · davon ausgehen (können) dass · dürfte (+ Infinitiv Perfekt) · ↗mutmaßlich · ↗vielleicht · ↗wahrscheinlich · werden + Partizip 2 (= Futur 2) · wie man sagt · ↗wohl  ●  ↗vermutlich  Hauptform · es heißt (dass)  geh. · zu vermuten stehen (es)  geh.
Synonymgruppe
anscheinend · es scheint (so zu sein) dass · es scheint an dem zu sein, dass · es scheint sich so zu verhalten dass · nach allem was man hört · so scheint es · so scheint's (Einschub)
Assoziationen
  • anscheinend · aussehen nach · ↗hindeuten (auf) · ↗möglicherweise · ↗offenbar · ↗offenkundig · ↗offensichtlich · scheinen zu · ↗vermutlich · ↗wahrscheinlich · ↗wohl · ↗womöglich  ●  (alles) spricht für  variabel · ↗scheinbar  ugs.
  • dabei (...) wirken · nach außen hin · ↗äußerlich
  • (so) wie es aussieht (...) · scheint so · sieht (ganz) danach aus · so sieht es (jedenfalls) aus · so sieht's aus
  • bislang unbestätigten Meldungen zufolge · dem Vernehmen nach · nach allem, was man weiß · nach bisher unbestätigten Meldungen · nach dem, was man weiß · soweit bekannt · soweit man weiß · wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet(e) (in vielen Abwandlungen, Nachrichtensprache)  ●  nach allem, was man hört  ugs.
  • als wahrscheinlich gelten(d) · angenommen werden (es) · anzunehmen sein · davon ausgehen (können) dass · dürfte (+ Infinitiv Perfekt) · ↗mutmaßlich · ↗vielleicht · ↗wahrscheinlich · werden + Partizip 2 (= Futur 2) · wie man sagt · ↗wohl  ●  ↗vermutlich  Hauptform · es heißt (dass)  geh. · zu vermuten stehen (es)  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

aber allmächtig aussichtslos ausweglos endlos grenzenlos harmlos kaltlassen nebensächlich scheinbar sinnlos unaufhaltsam unausrottbar unbedeutend unbegrenzt unendlich unerschöpflich unerschütterlich unlösbar unstillbar unvermeidlich unwiderstehlich unüberbrückbar unüberwindlich vergessen verwirrt vorschweben widersprüchlich zurechtkommen übermächtig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anscheinend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So real wie heute war Fernsehen also anscheinend noch nie.
Die Welt, 16.07.2004
Und in der Union reicht die anscheinend nicht sehr weit.
Der Tagesspiegel, 27.02.2001
In den Jahren davor hatte H. anscheinend die Malerei zeitweise aufgegeben.
o. A.: Lexikon der Kunst - H. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 17230
Anscheinend hast Du eben nicht so schrecklich viel Arbeit, weil Du zwei Stunden Mittag machen kannst.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 28.02.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Anscheinend war es ihnen angenehm, dieses schätzbare Recht auch stets vor Augen zu haben.
Brief von Arthur Groeben vom 19.03.1915. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1915], S. 78
Zitationshilfe
„anscheinend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anscheinend>, abgerufen am 08.12.2019.

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