anschmieren

Grammatik Verb · schmiert an, schmierte an, hat angeschmiert
Aussprache 
Worttrennung an-schmie-ren
Wortzerlegung an-1 schmieren

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich] ⟨sich anschmieren⟩ sich versehentlich beschmieren
  2. 2. [umgangssprachlich] etw., jmdn., sich grob anmalen
  3. 3. [salopp, abwertend] jmdn. täuschen, betrügen
    1. jmdm. etw. betrügerisch aufschwatzen
  4. 4. [salopp, abwertend] ⟨sich anschmieren⟩ sich bei jmdm. einschmeicheln
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich sich anschmierensich versehentlich beschmieren
Beispiel:
du hast dich (an der frisch gestrichenen Bank) angeschmiert
2.
umgangssprachlich etw., jmdn., sich grob anmalen
Beispiel:
die Jungen [waren] nicht davon abzubringen, sich blau anzuschmieren [ Feuchtw.Söhne206]
3.
salopp, abwertend jmdn. täuschen, betrügen
Beispiele:
er wollte sich nicht anschmieren lassen
sie sind tüchtig angeschmiert worden
jmdm. etw. anschmieren
jmdm. etw. betrügerisch aufschwatzen
Beispiel:
Da schmierte er den Gasthof einem auswärtigen Käufer an [ WelkGrambauer186]
4.
salopp, abwertend sich anschmierensich bei jmdm. einschmeicheln
Beispiel:
er hat sich bei ihm angeschmiert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmieren1 · Schmer · Schmerbauch · Schmerling · Schmierfink · Schmiergeld · Schmieralien · anschmieren · Schmiere2 · schmierig · Schmirgel2
schmieren1 Vb. ‘(be)streichen, einfetten’, ahd. smirwen (8. Jh.), mhd. smirwen, smirn, smern ‘(ein)schmieren, salben’, übertragen ‘bestechen’, mnd. mnl. smēren, nl. smeren, aengl. smierwan, engl. to smear, anord. smyrva, smyrja, schwed. smörja ist eine Bildung (germ. *smierwijan) zum Substantiv (wa-Stamm) Schmer m. n. ‘Fett, Schweineschmalz’, ahd. smero (Genitiv smerwes) ‘Fett’ (8. Jh.), mhd. smer, asächs. smero, mnd. smēr, mnl. smēre, smeer, smāre, nl. smeer, aengl. smeoru, engl. smear (‘Schmiere, Fettfleck’), anord. smjǫr, smør ‘Butter, Fett’, schwed. smör ‘Butter’ (germ. *smerwa-); vgl. auch (mit dem Suffix ie. -tro- gebildetes) got. smaírþr ‘Fett’. Herkunft unbekannt. Eine Verbindung zu griech. smýris, smíris (σμύρις, σμίρις) ‘Schleif- und Poliermittel, Schmirgel’ ist unsicher, so daß Verwandtschaft mit letztlich auf dem Griech. beruhendem Schmirgel1 (s. d.) fraglich bleibt. Schmerbauch m. ‘dicker Bauch, Träger eines dicken Bauches’ (16. Jh.). Schmerling m. eßbarer, mit schmierigem Schleim bedeckter Röhrenpilz (18. Jh.); vgl. Marzell 1, 615. Schmierfink m. ‘wer unsauber ist, unsauber schreibt’ (16. Jh.), zu schmieren ‘sudeln, unsauber schreiben’ (16. Jh.). Schmiergeld n. ‘Bestechungsgeld’ (17. Jh.). Schmieralien Plur. ‘Bestechungsgeschenke, - gelder’ (17. Jh.), ‘schlechtes Geschreibsel’ (18. Jh.), nach mit lateinischer Pluralendung scherzhaft gebildetem schmiralia (17. Jh.). anschmieren Vb. ‘besudeln’ (15. Jh.), ‘jmdm. etw. (durch Betrug) anhängen, aufhalsen’ (16. Jh.), ‘betrügen, übervorteilen’ (18. Jh.), reflexiv ‘sich (mit allen Mitteln) einschmeicheln’ (19. Jh.). Schmiere2 f. ‘Schmierfett’ (15. Jh.), ‘fettiger Schmutz’ (17. Jh.). Auch ‘schlechtes Theater, Wanderbühne’ (19. Jh.), anschließend an schmieren ‘unsauber schreiben’ (s. oben), danach ‘(inhaltlich) flüchtig, schlecht schreiben’ (18. Jh.), entsprechend ‘solche Stücke schlecht darbieten’. schmierig Adj. ‘fettig, schmutzig’ (16. Jh.). Eine eigenwillige Wortwahl der Studentensprache ist Schmirgel2 m. für den klebrigen Rückstand in der Tabakspfeife (18. Jh.), lautlich anklingend an den Wortstamm schmier- (wie in schmieren, schmierig, s. oben), danach landschaftlich (rhein., md.) auch Schmürgel, Schmurgel.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) ein X für ein U vormachen · foppen · narren · nasführen · täuschen · veralbern · zum Besten haben · zum Besten halten · zum Narren halten  ●  (jemandem etwas) weismachen (wollen)  Hauptform · (jemandem) einen Bären aufbinden  ugs. · (jemanden) für dumm verschleißen  ugs., rheinisch, veraltend · (mit jemandem) sein(e) Spielchen treiben  ugs. · an der Nase herumführen  ugs. · anführen  ugs. · anmeiern  ugs. · anschmieren  ugs. · auf den Arm nehmen  ugs., fig., Hauptform · auf die Rolle nehmen  ugs. · auf die Schippe nehmen  ugs. · aufziehen  ugs. · einseifen  ugs. · für dumm verkaufen  ugs. · hochnehmen  ugs. · hopsnehmen  ugs. · verarschen  derb · verdummbeuteln  ugs. · verdummdeubeln  ugs. · vergackeiern  ugs. · verkaspern  ugs. · verkohlen  ugs. · verladen  ugs. · vernatzen  ugs., regional · verschaukeln  ugs. · verscheißern  derb · veräppeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
übertölpeln  ●  anschmieren  ugs. · behum(p)sen  ugs., regional · beschummeln  ugs. · beschupsen  ugs. · betuppen  ugs., ruhrdt.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
begaunern · hereinlegen · hinters Licht führen · über den Löffel balbieren · über den Löffel barbieren  ●  betrügen  Hauptform · anschmieren (Abschwächung)  ugs. · aufs Kreuz legen  ugs., fig. · bescheißen  derb · lackmeiern  ugs. · leimen  ugs. · linken  ugs. · über den Tisch ziehen  ugs., fig. · übers Ohr hauen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) irreführen · hereinlegen · in die Irre führen · irreleiten  ●  (jemandem) Sand in die Augen streuen  fig. · (jemanden über etwas) täuschen  Hauptform · auf eine falsche Fährte führen  fig. · auf eine falsche Fährte locken  fig. · an der Nase herumführen  ugs., fig. · anschmieren  ugs. · derblecken  ugs., bayr. · düpieren  geh. · hinters Licht führen  ugs. · reinlegen  ugs. · trompieren  ugs., landschaftlich, franz. · verarschen  derb · verkaspern  ugs. · veräppeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›anschmieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Statt geschmiert war man angeschmiert und mußte es auch noch aussitzen. [konkret, 1988]
Wer fleißig gearbeitet, brav gezahlt, emsig gespart und bescheiden gelebt hat, ist doppelt, ja dreifach angeschmiert. [Süddeutsche Zeitung, 06.08.2004]
Wenn man nicht angeschmiert sein will, schaut man gut und überlegt gut. [Christ, Lena: Die Rumplhanni. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1917], S. 17585]
Denkst du, das macht Spaß, sich zeitlebens angeschmiert zu sehen? [Wolf, Christa: Der geteilte Himmel, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1963, S. 279]
Was ist das doch für eine Gemeinheit, Dich so anzuschmieren. [Brief von Irene G. an Ernst G. vom 26.10.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270]
Zitationshilfe
„anschmieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anschmieren>.

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