anschneiden

GrammatikVerb · schneidet an, schnitt an, hat angeschnitten
Aussprache
Worttrennungan-schnei-den
Wortzerlegungan-1schneiden
Wortbildung mit ›anschneiden‹ als Grundform: ↗Anschnitt · ↗angeschnitten
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
a)
durch Abschneiden des ersten Stückes zu verbrauchen beginnen
b)
von Schnittblumen   den Stiel ein wenig kürzen (und unten einritzen)
2.
zur Sprache bringen
3.
Schneiderei ein Teil mit einem anderen in einem Stück zuschneiden
4.
a)
Verkehrswesen, Motorsport eine Kurve von innen her anfahren, nicht voll ausfahren
b)
Skisport ein Tor dicht an der Torstange durchfahren
5.
Ballspiel dem Ball einen Drall geben, damit er die Richtung ändert
6.
Jägersprache (gefallenes Wild) anfressen
7.
Fotografie, Film nur einen Teil von etw. auf das Bild bringen; etw. nur in einem Ausschnitt auf den Film bringen
8.
Archäologie bei einer Grabung auf etw. stoßen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schneiden · Schneid · schneidig · Schneide · zweischneidig · Schneider · schneidern · abschneiden · Abschnitt · anschneiden · Aufschnitt · beschneiden · durchschneiden · überschneiden · verschneiden · Verschnittener · Verschnitt · Schneidezahn
schneiden Vb. ‘mit einem scharfen Werkzeug zertrennen’, ahd. snīdan (8./9. Jh.), mhd. mnd. snīden, asächs. snīðan, mnl. snīden, nl. snijden, afries. snītha, aengl. snīþan, anord. snīða, schwed. snida, got. sneiþan (germ. *snīþan). Außergerm. werden herangezogen tschech. (mundartlich) snět ‘Ast’, poln. (älter) śniat ‘Baumstamm’, so daß eine Wurzel ie. *sneit- ‘schneiden’ angenommen werden kann, dazu vielleicht (mit abweichendem Dental) mir. snēid ‘klein, kurz’. Angesichts dieser geringen Vergleichsmöglichkeiten aber ist erwägenswert, auch schneiden zu der lautmalenden, etw. Spitzes, etw. Zupackendes, Schnappendes bezeichnenden Wortgruppe mit anlautendem germ. sn- (s. ↗Schnabel) zu rechnen. schneiden ist ursprünglich wohl ein Landwirtschaftswort und bedeutet in alter Zeit ‘mit der Sichel abmähen, ernten’, vgl. noch heute Gras, Getreide, Korn schneiden. In übertragener Wendung jmdn. schneiden ‘gesellschaftlich ignorieren’ (Mitte 19. Jh.) nach gleichbed. engl. to cut (a person); in der Mathematik sich schneiden (von zwei Linien) ‘sich in einem Punkt kreuzen’ (16. Jh.). Schneid m. (bair.-öst. f.) ‘Mut, Tapferkeit, Draufgängertum’ (18. Jh.), besonders in Wendungen wie (keinen) Schneid haben; eigentlich südd. (mit Apokope eines auslautenden unbetonten e), im Krieg von 1870/71 durch norddeutsche Truppen als Mask. aufgenommen und verbreitet. schneidig Adj. ‘forsch, mutig’ (2. Hälfte 19. Jh.), älter nd. een sneidigen Kopp ‘Kopf mit hellem, scharfem Verstand’, een sneidigen (‘schnellen, energischen’) Gang (18. Jh.), mhd. snīdec, snīdic ‘schneidend, scharf, stark, kräftig’. Schneide f. ‘scharfe, schneidende Kante von Waffen, Werkzeugen, Geräten’, mhd. snīde. zweischneidig Adj. ‘mit zwei Schneiden versehen’ (15. Jh.), daher auch ‘sehr scharf’, übertragen ‘mit Vorteilen und Nachteilen versehen’ (da nach zwei Seiten schneidend), ‘gefährlich’ (17. Jh.). Schneider m. ‘Handwerker, der Kleidung anfertigt’ (eigentlich ‘Stoff, Tuch für Kleidung zuschneidet’), mhd. snīdære. schneidern Vb. ‘Kleidung nähen, anfertigen’ (17. Jh.). abschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug abtrennen, durchtrennen, den Weg ab-, verkürzen, den Zugang verwehren, verhindern’, ahd. abasnīdan (9. Jh.), mhd. abesnīden. Vgl. gut, schlecht abschneiden ‘mit gutem, schlechtem Ergebnis abschließen, Erfolg bzw. keinen Erfolg haben’ (Mitte 19. Jh.). Abschnitt m. ‘Gliederungseinheit, Textteil, Zeitraum, Zäsur, abtrennbares, abgetrenntes Stück’, mhd. abesnit. anschneiden Vb. ‘nicht völlig durchschneiden, das erste Stück abschneiden’ (das Brot anschneiden, übertragen eine Frage, ein Problem anschneiden ‘eine Aussprache darüber beginnen’), mhd. anesnīden ‘(ein Kleid) anmessen, zurechtmachen’. Aufschnitt m. ‘Braten- und Wurstscheiben’ (19. Jh.), zuvor ‘Schnittstelle’ (18. Jh.), ‘Prahlerei’ (17. Jh.), frühnhd. ūfsnit ‘das Anschneiden’ (15. Jh.). beschneiden Vb. ‘stutzen, zurückschneiden, glattschneiden, die Vorhaut entfernen’, ahd. bisnīdan (8. Jh.), mhd. besnīden. durchschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug zerteilen’, mhd. durchsnīden ‘zerschneiden, verwunden, zerteilen’ (s. ↗Durchschnitt). überschneiden Vb. (reflexiv) ‘sich kreuzen, teilweise zusammenfallen’ (19. Jh.), zuvor mhd. übersnīden ‘beim Schneiden der Feldfrüchte auf den Grund und Boden eines anderen übergreifen, übertreffen’. verschneiden Vb. ‘kürzen, zurechtschneiden, durch Schneiden verderben’, ahd. firsnīdan ‘weg-, abschneiden, zerschneiden’ (8. Jh.), mhd. versnīden ‘zerschneiden, fehlerhaft zuschneiden, ab-, wegschneiden, beschneiden, kastrieren, verwunden, töten, schmälern’. Verschnittener m. ‘Kastrat, Eunuch’ (16. Jh.). Verschnitt m. ‘Wein, Branntwein, Rum mit Beimischungen anderer Sorten’ (um 1900); vgl. verschneiden übertragen ‘schädigen, verderben, verschlechtern’, daher auch ‘guten Wein mit schlechtem versetzen’, in diesem Sinne zuerst (18. Jh.) nd. versnīden (als Praktik der Weinimporteure?). Schneidezahn m. fast nur im Plur. Schneidezähne ‘die vorderen, scharfen Zähne, mit denen abgebissen wird’ (18. Jh.), wohl Übersetzung von medizin.-lat. dentes incisivi, Neubildung zur Unterscheidung gegenüber älterem ↗Backzahn, ↗Backenzahn, ↗Stockzahn (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anklingen lassen · anschneiden · ↗vorgreifen
Synonymgruppe
(etwas) anschneiden · ↗(etwas) ansprechen · ↗(etwas) benennen · (sich) befassen mit · ↗behandeln · eingehen auf · zu sprechen kommen auf · zum Thema machen · zur Diskussion stellen · zur Sprache bringen  ●  ↗thematisieren  Hauptform · aufs Tapet bringen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aspekt Ball Besprechung Bildrand Braten Brot Bundeskanzler Frage Geburtstag Geburtstagskuchen Geburtstagstorte Gespräch Hochzeitstorte Kapitel Kuchen Messer Mitternacht Paar Problem Scheibe Schreiben Sonnabend Stollen Thema Torte Truthahn Wurst Zweig schneiden schräg

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anschneiden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Allerdings werde er es bei dem Zusammentreffen nicht von sich aus anschneiden.
Der Tagesspiegel, 08.04.2001
Da können wir noch ein paar Fragen in Ruhe anschneiden.
Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 282
Handelt es sich bei den hier angeschnittenen Fragen noch um Politik?
Die Zeit, 01.06.1962, Nr. 22
Wer anschneidet die Butter, wird in sieben Jahren weder Vater noch Mutter.
Röhrich, Lutz: Butter. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 6242
Danach wird die Bahn an der zweiten und dritten Wand angeschnitten.
o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 158
Zitationshilfe
„anschneiden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anschneiden>, abgerufen am 15.10.2019.

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