anschuldigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungan-schul-di-gen (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn. eines Vergehens beschuldigen, bezichtigen
Beispiele:
den Angeklagten des Mordes anschuldigen
jmdn. fälschlich anschuldigen
die angeschuldigten Personen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schuld · schuld · schulden · schuldig · schuldigen1 · Schuldiger1 · schuldigen2 · Schuldiger2 · beschuldigen · anschuldigen · entschuldigen · Schuldner · Unschuld · unschuldig
Schuld f. ‘Zahlungsverpflichtung, Vergehen, Unrecht, Ursache (von etw. Bösem), Verantwortung (für etw.)’, ahd. sculd ‘(Zahlungs)verpflichtung, Vergehen, Missetat, Buße, Verdienst, Ursache’ (8. Jh.), mhd. schulde, schult, scholt, asächs. skuld, mnd. schult, mnl. scult, nl. schuld, aengl. scyld, anord. schwed. skuld (germ. *skuldi-) ist ein mit ti-Suffix zu dem unter ↗sollen (s. d.) behandelten Präteritopräsens gebildetes Abstraktum. Verwandt sind lit. skolà und kaltė͂ ‘Schuld’, apreuß. skallīsnan (Akkusativ Sing. Fem.) ‘Pflicht’. Schuld bezeichnet zunächst eine ‘Verpflichtung oder Leistung’, die einem obliegt, dann speziell die ‘Verpflichtung zu einer Geldzahlung, die aus einem Darlehen erwächst’ und steht sowohl für ‘entliehenes, zurückzuzahlendes Geld’ als auch (vom Gläubiger her gesehen) für ‘verliehenes Geld, Guthaben’. Bereits im Ahd. nimmt Schuld (unter kirchlichem Einfluß) über ‘Verpflichtung zur Buße’ die Bedeutung ‘Missetat, Vergehen, begangenes Unrecht’ an. Daraus entwickelt sich in rechtssprachlicher Verwendung ‘Anklage, Anschuldigung, zur Last gelegtes Verbrechen, Beschuldigung’ (vgl. mhd. schult geben), ‘Ursache, Grund’ (für die Konsequenzen und Folgen eines Vergehens, vgl. mhd. einer sache schulde hān, nhd. Schuld haben an etw., mhd. einem schulde geben, nhd. die Schuld geben). Aus Wendungen wie er hat (die) Schuld entwickelt sich (etwa im 16. Jh.) prädikatives schuld Adj. Adv. ‘schuldig’. schulden Vb. ‘jmdm. zu einer Leistung, besonders zur Rückzahlung eines Geldbetrags, verpflichtet sein, jmdm. etw. verdanken’, ahd. sculdōn ‘verschulden, verdienen’ (10. Jh., gisculdōn, 9. Jh.), sculden ‘verschulden, verdienen, schuldig sprechen’ (9. Jh.), mhd. schulden ‘schuldig sein, bleiben, sich schuldig machen, verpflichtet sein, beschuldigen, anklagen’. schuldig Adj. ‘verpflichtet (etw. zu leisten oder zu zahlen), Urheber, Ursache, Anlaß für etw. darstellend’, ahd. sculdīg ‘schuldend, verpflichtend, verpflichtet, zugehörig, geeignet’ (8. Jh.), mhd. schuldic, schuldec. schuldigen1 Vb. ‘anklagen, bezichtigen’, ahd. sculdigōn (um 1000), mhd. schuldigen. Davon abgeleitet Schuldiger1 m. ‘Beschuldigender, Ankläger, Gläubiger’, mhd. schuldigære, schuldiger. Daneben (selten) schuldigen2 Vb. ‘Schuld tragen, schuldig sein’, ahd. sculdigen (10. Jh.). Davon abgeleitet Schuldiger2 m. ‘wer Schuld auf sich geladen hat, Straffälliger, Missetäter, Beklagter’, ahd. sculdiger (11. Jh.), mhd. schuldigære, schuldiger. Biblisch: … wie auch wir vergeben unsern Schuldigern Vaterunser (Matth. 6, 12), mhd. … als wir tuon unsern schuldigæren, in der Übersetzung von lat. dēbitōribus nostris (Vulgata), griech. opheilétais ḗmōn (ὀφειλέταις ἡμῶν). beschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, anklagen, bezichtigen’, mhd. beschuldigen ‘anklagen’; vgl. ahd. sculdī̌gōn ‘beschuldigen’ (um 1000). anschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, bezichtigen’, mhd. aneschuldigen. entschuldigen Vb. ‘verzeihen, erklären und damit um Verständnis bitten’, mhd. entschuldigen ‘von der Schuld befreien, lossagen, freisprechen’. Schuldner m. ‘wer einem Gläubiger Geld zurückzahlen muß’, frühnhd. schuldener ‘Schuldner’ und ‘Gläubiger’ (15. Jh.). Unschuld f. ‘Schuldlosigkeit, moralische Reinheit’, ahd. unsculd (8. Jh.), mhd. unschult, -schulde. unschuldig Adj. ‘schuldlos, moralisch untadelig’, ahd. unsculdīg (8. Jh.), mhd. unschuldic, -schuldec ‘frei von Schuld, schuldlos, unverschuldet, nicht gebührend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) vorhalten · ↗(jemanden) beschuldigen · Vorhaltungen machen · Vorwürfe machen · anschuldigen · zum Vorwurf machen  ●  (jemandem etwas) unter die Nase reiben  fig. · ↗(jemandem etwas) vorwerfen  Hauptform · (jemandem etwas) aufs Brot schmieren  ugs., variabel, fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) zur Last legen · ↗(jemanden eines Fehlverhaltens) bezichtigen · ↗(jemanden) anklagen · (jemanden) anschuldigen  ●  ↗(jemanden) beschuldigen  Hauptform · ↗(jemanden einer Sache) zeihen  geh., veraltet · ↗(jemanden) inkriminieren  geh., selten
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

schuldigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anschuldigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich will es momentan nicht beurteilen, weil ich nicht denselben Fehler machen will, den andere gemacht haben, pauschal irgendjemanden anzuschuldigen.
Die Welt, 08.02.2000
Ich allein habe hundert dokumentierte Fälle, in denen Väter falsch angeschuldigt worden sind, ihre Kinder mißbraucht zu haben.
Die Zeit, 10.04.1995, Nr. 15
Ich war angeschuldigt, die Bombe am Reichstag gelegt zu haben, nicht mehr und nicht weniger, und niemand anders als ich.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 247
Dieser war von einem Berliner Strichjungen und Erpresser zu Unrecht angeschuldigt worden, in homosexuellen Kreisen Berlins zu verkehren.
Süddeutsche Zeitung, 05.04.1994
Regierungsrat Dr. Fabricius war angeschuldigt, im Oktober 1929 eigenmächtig ein auf Anordnung des Reichsfinanzministers im Landesfinanzamt ausgehängtes Plakat entfernt zu haben.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 02.03.1930
Zitationshilfe
„anschuldigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anschuldigen>, abgerufen am 23.07.2019.

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