anstecken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungan-ste-cken
Wortzerlegungan-1stecken2
Wortbildung mit ›anstecken‹ als Erstglied: ↗Ansteckblume · ↗Anstecknadel  ·  mit ›anstecken‹ als Grundform: ↗ansteckend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. mit einer Nadel feststecken
Gegenwort zu abstecken
Beispiele:
eine Brosche, Nadel, ein Abzeichen, einen Orden anstecken
sich [Dativ] eine Blume, Schleife, ein Sträußchen anstecken
den Ärmel (am Kleid) anstecken
2.
Beispiel:
einen Ring anstecken (= an den Finger stecken, aufstecken)
3.
landschaftlich
Beispiele:
ein Fass anstecken (= anstechen, anzapfen)
der Wirt hat frisch angesteckt
4.
norddeutsch, mitteldeutsch etw. anzünden, anbrennen
Beispiele:
er hatte sein eigenes Haus angesteckt
jmdm. das Haus über dem Kopf anstecken
Feuer im Herd anstecken
Gas anstecken
sich [Dativ] die Tabakspfeife, eine Zigarette anstecken
die Lampe, Fackel anstecken
die Kerzen (am Weihnachtsbaum) anstecken
5.
eine Krankheit auf jmdn. übertragen, jmdn., sich infizieren
Beispiele:
jmdn. (mit einer Krankheit) anstecken
er hat sich (bei ihm) angesteckt
Grippe, Keuchhusten steckt leicht an
sprichwörtlichein räudiges Schaf steckte die ganze Herde an
Grammatik: oft im Part. Präs.
Beispiele:
ansteckende Krankheiten
Heuschnupfen ist nicht ansteckend
übertragen
Beispiele:
sein Übermut, seine Fröhlichkeit, das Lachen, die Begeisterung, Traurigkeit steckt alle an
er steckte ihn mit seiner Unruhe, Angst, mit seinen Ideen an
umgangssprachlicher ist schon leicht angesteckt (= beeinflußt)
er wurde von dieser allgemeinen Leidenschaft, Sucht nicht angesteckt
sich von der Nervosität, dem Eifer anstecken lassen
umgangssprachlichGähnen steckt an, ist, wirkt ansteckend
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stecken · Stecker · Steckling · Steckbrief · Steckrübe · abstecken · anstecken · ansteckend · Ansteckung · aufstecken · bestecken · Besteck · verstecken · Versteck
stecken Vb. (transitiv) ‘stechend befestigen, an einen bestimmten Platz bringen, unterbringen’, (intransitiv) ‘haftenbleiben, festsitzen’ vereint in seiner mhd. Lautform zwei ehemals eigenständige Verben, einerseits das Kausativum ahd. stecken ‘anheften, annageln’ (9. Jh.), mhd. stecken ‘einstechend befestigen’ bzw. mnd. nd. mnl. sticken (mit älterer Vokalstufe, dadurch lautlich mit sticken ‘feine Muster einnähen’ zusammenfallend), andrerseits (mit expressiver Konsonantendoppelung) das Durativum ahd. steckōn (8. Jh.), mhd. stecken ‘eingestochen festhaften, sich befinden’, das seit dem 16. Jh. unter Einfluß von stechen zuweilen stark flektiert (vgl. der Brief stak im Kasten). Beide sind zu dem unter ↗stechen (s. d.) behandelten Verb gebildet. Stecker m. ‘wer oder was steckt’ (17. Jh.), ‘Geräteteil zur Herstellung elektrischer Kontakte’ (20. Jh.). Steckling m. ‘zum Anwurzeln in die Erde gestecktes Reis’ (18. Jh.), gebildet nach älterem Setzling (s. ↗setzen). Steckbrief m. ‘öffentliche Aufforderung zur Mithilfe bei der Ergreifung eines flüchtigen Täters mit dessen genauer Personenbeschreibung’ (16. Jh.), eigentlich wohl ‘Haftbefehl’, d. h. Anweisung, jmdn. ins Gefängnis zu stecken. Steckrübe f. Rübensorte, die als junge Pflanze verpflanzt (gesteckt) wird (16. Jh.). abstecken Vb. ‘abgrenzen (mit Pfählen), loslösen’ (16. Jh.), ‘mit Stecknadeln anpassen’ (20. Jh.). anstecken Vb. ‘an etw. befestigen, einen Brandsatz anbringen und dadurch in Brand setzen, ein Faß öffnen’, ahd. anasteckōn (11./12. Jh.), mhd. anestecken ‘anzünden, ein Faß öffnen’ (mnd. ansticken, s. oben); bildlich ‘(Krankheiten) zündstoffartig mitteilen, (sich) infizieren’ (16. Jh.); ansteckend Part.adj. ‘infizierend’ (17. Jh.); Ansteckung f. ‘Infektion’ (17. Jh.), älter ‘Entzündung von Feuer’ (15. Jh.). aufstecken Vb. ‘hochstecken, oben anbringen, aufsetzen’, mhd. ūfstecken; übertragen ‘etw. aufgeben, auf etw. verzichten’ (19. Jh.), jmdm. ein Licht aufstecken ‘jmdm. etw. klarmachen, ihn aufklären’ (17. Jh.). bestecken Vb. ‘steckend mit etw. versehen, hineinstecken’, ahd. bistecken ‘hineinstecken’ (11. Jh.), mhd. bestecken ‘bedecken, festsetzen, steckenbleiben’. Besteck n. ‘was zusammengesteckt ist’, z. B. ‘(zur Zierde) Aufgestecktes’ am Helm oder Degen (16. Jh.), ‘Messer, Gabel, Löffel’ als zusammengehörender (ehemals in einem Futteral befindlicher) Satz (17. Jh.), ‘Futteral, Etui für Werkzeuge und sein Inhalt’ (18. Jh.). verstecken Vb. ‘verbergen’ (16. Jh.); vgl. ahd. firstecken ‘verstopfen’ (Hs. 13. Jh.), mhd. verstecken ‘ersticken machen’; Versteck n. ‘heimlicher Aufbewahrungsort’ (18. Jh.), mnd. (in der Seemannssprache) vorstecke ‘Hinterhalt, geheime Absicht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Feuer machen · ↗anzünden · ↗entfachen · ↗entflammen · ↗entzünden · in Brand setzen · ↗zündeln  ●  anstecken  ugs.
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
anstecken · ↗übertragen  ●  ↗infizieren  fachspr.
Synonymgruppe
(sich) anstecken · ↗(sich) infizieren · befallen werden (von)  ●  ↗affizieren  fachspr., lat.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aids Aids-Erreger Aids-Virus Bazillus Begeisterung Brandstifter Enthusiasmus Erkrankte Erreger Fröhlichkeit Geflügel Geschlechtsverkehr Grippe HI-Virus HIV HIV-Virus Hepatitis Infizierte Kerze Pfeife Reichstag Synagoge Syphilis Verzehr Virus Vogelgrippe Zigarette Zigarre stecken übergießen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anstecken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie groß ist das Risiko, sich während eines Fluges anzustecken?
Bild, 02.04.2003
Und wie das immer ist, wenn man gegen jemanden kämpft - man steckt sich an seinem Gegner an.
Der Tagesspiegel, 05.11.1999
Zum Fragen aber war ich zu schüchtern, und so haben mir erst viel spätere Jahre auch hierfür ein grelles Licht des Verstehens angesteckt.
Baader, Ottilie: Ein steiniger Weg, Lebenserinnerungen einer Sozialistin. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 28257
Ich habe dich, als du das Dorf angesteckt, nicht verraten.
Schneider, Robert: Schlafes Bruder, Leipzig: Reclam 1992, S. 177
Die Juden haben dich bloß aufs Feld geschickt, um den Tempel anstecken zu können.
Friedländer, Hugo: Der Brand der Neustettiner Synagoge vor den Schwurgerichten zu Köslin und Konitz. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 17721
Zitationshilfe
„anstecken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anstecken>, abgerufen am 15.11.2019.

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