anstoßen

GrammatikVerb · stößt an, stieß an, hat/ist angestoßen
Aussprache
Worttrennungan-sto-ßen
Wortzerlegungan-1stoßen
Wortbildung mit ›anstoßen‹ als Grundform: ↗Anstoß
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
die Gläser vor dem Trinken aneinanderstoßen, dass sie klingen
Beispiele:
wir wollen anstoßen!
auf jmdn., auf jmds. Wohl, Gesundheit anstoßen
mit jmdm. auf gute Zusammenarbeit, auf die Zukunft, auf ein gutes neues Jahr, auf ein glückliches Wiedersehen anstoßen
mit den Gläsern, Bierkrügen anstoßen
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. durch einen (kleinen) Stoß in Bewegung setzen
Beispiele:
das Perpendikel in der Standuhr anstoßen
diese Kindereisenbahn fuhr nur, wenn man sie anstieß
Fußball der Mittelstürmer A stieß um 16 Uhr den Ball an (= tat den ersten Schuß)
bildlich
Beispiel:
von allein macht er überhaupt nichts, man muss ihn immer erst anstoßen (= anregen, ermuntern)
veraltet, übertragen etw. befällt jmdn.
Beispiel:
Ein kaltes Fieber stieß ihn an [Scheffel6,36]
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
jmdm. durch einen Stoß ein Zeichen geben
Beispiele:
jmdn., sich, einander bedeutungsvoll, lachend, sacht, leise, heimlich, verstohlen anstoßen
jmdn., sich mit dem Ellbogen, Knie, Fuß, unterm Tisch anstoßen
4.
an, gegen etw., jmdn. stoßen
a)
mit Hilfsverb ›hat‹
etw., jmdn. anstoßen
Beispiele:
stoßen Sie mich nicht an, ich hätte beinahe alles fallen gelassen!
stößt du einen Nachbar beim Aufstehen ein wenig an und entschuldigst dich [RilkeBrigge5,47]
b)
mit Hilfsverb ›ist‹, mit Hilfsverb ›hat‹
an etw. anstoßen
Beispiele:
er geht gebückt, um nirgends anzustoßen
er ist an einen Balken angestoßen
Vorsicht! Nicht anstoßen!
c)
mit Hilfsverb ›hat‹
Beispiel:
mit der Zunge (beim Sprechen) anstoßen (= lispeln)
5.
mit Hilfsverb ›ist‹, mit Hilfsverb ›hat‹
übertragen bei jmdm. anstoßenbei jmdm. Anstoß erregen, anecken
Beispiele:
man stößt leicht bei ihm an
ob er sehr anstoßen würde, wenn er sich seines Sommerjacketts entledigte [G. Hauptm.4,322]
6.
mit Hilfsverb ›hat‹
angrenzen
Beispiele:
unser Haus stößt an sein Haus an
dort hinten, wo das Obstland anstieß [G. HermannGebert190]
oft im Part. Präs.
Beispiele:
im anstoßenden Zimmer
der anstoßende Wald
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stoßen · Stoß · Stößel · abstoßen · abstoßend · anstoßen · Anstoß · anstößig · verstoßen · Verstoß · vorstoßen · Vorstoß
stoßen Vb. ‘mit kurzer, heftiger Bewegung an etw. anprallen, etw. mit heftigem Druck in eine Richtung bewegen’. Das stark flektierende Verb ahd. stōʒan (um 800), mhd. stōʒen, asächs. stōtan, mnd. mnl. stōten, nl. stoten, got. stautan (germ. *stautan) und schwach flektierendes anord. stauta führen mit den außergerm. Verwandten aind. tudáti ‘stößt, schlägt, sticht’, air. dotuit ‘fällt’, lat. tundere ‘stoßen, schlagen’, studēre ‘betreiben, streben, trachten’ auf mit Dental weitergebildetes ie. *(s)teud- der nur in Erweiterungen auftretenden Wurzel ie. *(s)teu- ‘stoßen, schlagen’ (s. ↗Stief-, ↗Stock, ↗Stubbe, ↗Stück). Stoß m. ‘kurzer, heftiger Anprall, ruckartige gezielte Bewegung’, ahd. (8. Jh.), mhd. stōʒ ‘Stoß, Stich, Streit’ (germ. *stauti-); auch ‘aufgeschichteter, zusammengestoßener Haufen’ (15. Jh.). Dazu die Wendung sich einen Stoß geben ‘sich ermuntern, aufraffen’ (19. Jh.), älter seinem Herzen einen Stoß geben (18. Jh.), seiner Seele einen Stoß tun (17. Jh.). Stößel m. ‘Werkzeug zum Zerkleinern und Zerstampfen’, ahd. stōʒil (Hs. 12. Jh.), mhd. stœʒel, mit dem Suffix germ. -ila- gebildete Gerätebezeichnung. abstoßen Vb. ‘durch einen Stoß entfernen, absondern, lostrennen, etw. ausscheiden, sich einer Sache oder Person entledigen, zurückweisen’, ahd. abastōʒan ‘herabstoßen, seines Amtes entheben, vertreiben, verdrängen’ (um 1000), mhd. abestōʒen ‘herabstoßen, entfernen, abladen, brechen, absegeln, von der rechten Fährte abweichen’; abstoßend Part.adj. ‘Abneigung, Widerwillen hervorrufend, ekelerregend’ (Ende 18. Jh.). anstoßen Vb. ‘an etw. stoßen, Gläser klingen lassen, Ärgernis verursachen’, ahd. anastōʒan ‘an etw. stoßen, anstürmen, anschlagen’ (9. Jh.), mhd. anestōʒen ‘in See stechen, anzünden, befallen’; Anstoß m. ‘erster, auslösender Stoß, Anprall, Ärgernis’, ahd. anastōʒ ‘Stoß, Anprall, Antrieb’ (11. Jh.), mhd. anstōʒ ‘Angriff, Anfechtung’; anstößig Adj. ‘angrenzend’ (15. Jh.), ‘Ärgernis erregend’ (16. Jh.). verstoßen Vb. ‘jmdn. von sich stoßen, abweisen, sich vergehen, zuwiderhandeln’, ahd. firstōʒan ‘vertreiben, ablehnen, Anstoß nehmen’ (9. Jh.), mhd. verstōʒen ‘stoßen, aus der Richtung bringen, vertreiben, entfernen, sich irren, verirren’; Verstoß m. ‘Verletzung einer Bestimmung, Versehen, Fehler’ (17. Jh.), älter (vereinzelt) ‘Mittel zum Verstopfen von Öffnungen’ (16. Jh.). vorstoßen Vb. ‘nach vorn stoßen’ (15. Jh.), militärisch ‘vordringen, plötzlich angreifen’ (19. Jh.), ahd. furistōʒan ‘in Bewegung setzen, nach vorn stoßen’ (11. Jh.); Vorstoß m. ‘Angriff’ (19. Jh.), älter ‘Hervortretendes’ an Kleidungsstücken, Bauwerken (17. Jh.), ‘das Nachvorngestoßene’, z. B. ‘das Wachs, womit die Bienen den Stock für den Winter verschließen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
adjazieren · ↗angrenzen · anstoßen · ↗grenzen
Synonymgruppe
(einen) Toast ausbringen · (einen) Trinkspruch ausbringen · anstoßen · auf jemandes Wohl trinken · ↗trinken (auf)  ●  (das) Glas erheben (auf)  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
anrempeln · anstoßen
Assoziationen
Synonymgruppe
Starthilfe geben · ↗animieren · anstoßen · ↗anzetteln · einsetzen lassen · ↗entfesseln · ins Rollen bringen · ↗veranlassen  ●  loslegen lassen  ugs.
Synonymgruppe
(an etwas) anecken · anstoßen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Champagner Debatte Denkprozeß Diskussion Diskussionsprozeß Ellenbogen Forschungsprojekt Geburtstag Glas Grundsatzdebatte Innovation Investitionsvolumen Kettenreaktion Maßkrug Mitternacht Nachdenken Reform Reformdebatte Reformdiskussion Reformprozeß Schampus Sekt Silvester Veränderungsprozeß Wertedebatte Wiegenfest Wohl irgendwo nirgends stoßen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anstoßen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir stoßen etwas an, setzen die Ideen aber nicht selbst um.
Der Tagesspiegel, 29.05.2000
Wir stießen an, und dann sagte ich, ich müsse gleich noch mal weg.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 72
Aber es ist doch schön, die Dinge derart angestoßen zu haben.
Süddeutsche Zeitung, 10.11.1999
Angestoßen wird in erster Linie mit Wein, eventuell auch mit Sekt.
Chamrath, Gustav: Lexikon des guten Tons, Wien: Ullstein 1954 [1953], S. 196
Sie stießen lachend miteinander an, und jetzt erschien der duftende Braten auf dem Tisch.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6789
Zitationshilfe
„anstoßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anstoßen>, abgerufen am 16.11.2018.

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